Orthodoxe Theologie und westliche Liturgie:
Die Nordisch-Katholische Kirche

Die Nordisch-Katholische Kirche ist aus der lutherischen hochkirchlichen Bewegung Skandinaviens hervorgegangen und wurde 1999/2000 in Norwegen als Administratur der Polish National Catholic Church of America errichtet. Damals gehörten beide Kirchen noch zur Utrechter Union altkatholischer Kirchen, verließen diese aber im Jahre 2003 aufgrund deren theologischer und liturgischer Neuerungen (z.B. die Ordination von Frauen zum Priesteramt oder

Gott der Allherrscher: Bamberger Apokalypse (fol. 10v), um 1000

die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare). Theologische Grundlage beider Kirchen ist und bleibt der „Glaube der ungeteilten Kirche“ des ersten nachchristlichen Jahrtausends, formuliert im orthodox-altkatholischen Dialog und dokumentiert in Koinonia auf altkirchlicher Basis (hg. Urs von Arx 1989).

Als Kirche mit westlicher Liturgie und orthodoxer Theologie stehen wir – so wie auch die Ostkirchen – seit 2006 in communicatio in sacris (gemäß CIC can. 844 §§ 2-3) mit der römisch-katholischen Kirche. 2015 wurde die Nordisch-Katholische Kirche in den Norwegischen Christenrat (der norwegischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) aufgenommen, ihre amerikanische Mutterkirche gehört schon seit 1948 zum Weltkirchenrat.

Die nordisch-katholische Spiritualität speist sich aus den drei Quellen des skandinavischen Christentums: der iroschottischen bzw. angelsächsischen (über die britischen Missionen), der karolinigisch-römischen (über St. Ansgar) und der slawisch-byzantinischen (über die Kiewer Rus). Dies kommt insbesondere in ihrer altkatholischen Liturgie zum Ausdruck, die in ihre westliche Struktur auch einzelne Elemente gallikanischen und byzantinischen Ursprungs aufnimmt.

Im Jahr 2011 wurde der Nordisch-Katholischen Kirche von ihrer nordamerikanischen Mutterkirche die kirchliche Autonomie sowie die Wahl und Konsekration eines eigenen Bischofs, Dr. Roald Nikolai Flemestad, zugestanden. Seitdem bilden beide Kirchen gemeinsam die Union von Scranton – einen altkatholischen Kirchenbund, der auf der theologischen Grundlage des orthodox-altkatholischen Konsenses auch für andere Kirchen (insbesondere aus der anglokatholischen Tradition) offen ist.

Im Jahre 2012 wurde auf Betreiben der Abtei St. Severin die deutsche Administratur errichtet. Weitere Administraturen und Missionen der Nordisch-Katholischen Kirche bestehen in Frankreich, Großbritannien, Italien und Ungarn.

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