Auf ein segensreiches neues Jahr!

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern
den Segen des dreieinen Gottes
in diesem neuen Jahr.

Aus dem Morgen-Offizium

Ps 67 Eröffnungspsalm des Morgen-Offiziums

Gott sei uns gnädig und segne uns!
Er lasse sein Angesicht bei uns leuchten,

3dass man auf Erden dein Walten erkenne,
unter allen Heidenvölkern dein Heil!

4Preisen müssen dich, Gott, die Völker,
preisen die Völker allesamt;

5sich freuen müssen die Völkerschaften und jubeln,
weil du die Völker gerecht richtest /
und leitest die Völkerschaften auf Erden.

6Preisen müssen dich, Gott, die Völker,
preisen die Völker allesamt!

7Das Land hat seinen Ertrag gespendet:
gesegnet hat uns Gott, unser Gott.

8Es segne uns Gott,
und fürchten müssen ihn alle Enden der Erde!

Aus der Messliturgie

Ps 122 — Introitus zum Hochfest Beschneidung des Herrn (1. Januar)

Ich freute mich, als man mir sagte:
»Wir wollen pilgern zum Hause des HERRN!«

2So stehn denn nunmehr unsre Füße
in deinen Toren, Jerusalem!

3Jerusalem, du wiedererbaute
als eine Stadt, die fest in sich geschlossen,

4wohin die Stämme hinaufziehn, die Stämme des HERRN, /
nach der für Israel gültigen Weisung,
dort den Namen des HERRN zu preisen;

5denn dort waren einst aufgestellt die Stühle zum Gericht,
die Stühle des Hauses Davids.

6Bringet Jerusalem dar den Friedensgruß:
»Heil denen, die dich lieben!

7Friede herrsche vor deinen Mauern,
sichere Ruhe in deinen Palästen!«

8Um meiner Brüder und Freunde willen
will ich dir Heil wünschen;

9um des Hauses des HERRN, unsres Gottes, willen
will ich Segen für dich erbitten.

„Freue dich, Morgenglanz“ — Die Ikone ‚Heile meinen Schmerz‘

„Freue dich, Morgenglanz des nicht untergehenden göttlichen Lichtes, die du uns bescheinst!“

Ein Beitrag zum Weihnachtsfest von Joachim Danz

Lieber Leser!

„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt?“

Wer war Jesus? Wer ist Jesus für mich? Die Alte Kirche hat lange über diese Frage nachgedacht und auch gestritten. Konzilien fanden gute, kurze und prägnante Formeln. Das Konzil von Ephesos definierte 431: „Die heilige Jungfrau ist Gottesgebärerin.“ Das Konzil von Chalzedon formulierte 451, darin das Konzil von Ephesos bestätigend: Jesus ist „wahrer Gott und wahrer Mensch.“ Die Diskussion um Jesus Christus war deshalb jedoch noch lange nicht beendet. Der Bilderstreit in Byzanz reichte bis in das 9. Jahrhundert. Er kreiste unter anderem um eben diese Frage.

Eine neue Theorie zur Person Jesu lautet: Maria wurde von einem römischen Soldaten vergewaltigt und Jesus hat erst in späteren Jahren seine Gottessohnschaft erkannt. Begründet wird dies mit dem Stammbaum nach dem Matthäusevangelium, näher hin mit den dort genannten Frauen. (Mt 1) Auch der Bericht der Ehebrecherin aus dem Johannesevangelium wird angeführt (Joh 8). Menschwerdung Gottes durch Gewalt einer Besatzungsmacht? Ich frage mich, wie und ob dies zusammenpasst.

Bereits Lew Tolstoj (1828–1910) sprach den Evangelien jedwede Inspiration ab. Und der letzte russische Gesandtschaftsgeistliche der russischen Botschaft in Berlin vor dem ersten Weltkrieg, Propst Alexios von Maltzew, stellte fest, Tolstoj und gewisse Altkatholiken seiner Zeit stimmten in der Ablehnung der Evangelien überein. Es ging um einen Zeitungsartikel im „Deutschen Merkur“ vom 1. März 1901, wonach nur das älteste Evangelium, das Markusevangelium, authentisch sei.

Nun, wir wollen uns an die Konzilien und Evangelien halten. Die Ikone „Heile meinen Schmerz“ will uns ebenfalls an die Menschwerdung des Gottessohnes erinnern. Zunächst zur Ikone selbst.

„Euch ist der Retter geboren“

Der Grund aller Verehrung der Gottesmutter ist der Titel Gottesgebärerin des oben erwähnten Konzils von Ephesos. Bis auf wenige thematische Ausnahmen sehen wir Maria deshalb immer mit dem Jesuskind. Auf unserer Ikone ruht es an ihrer Schulter. Mit ihrer linken Hand umfasst sie es.

„Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,10f.)

An Marias Seite sehen wir unseren Herrn und Retter, den Gesalbten Gottes. Es hat sich erfüllt, was der Prophet Jesaja verheißen hat: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Emmanuel nennen.“ (Jes 7,14) Es hat sich erfüllt, was der Erzengel Gabriel Maria erklärte: „Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen.“ (Lk 1,31) Das Kind hält ein Schriftband mit der Aufschrift:

„Richtet recht und ein jeder erweise seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit, und tut nicht Unrecht den Witwen, Waisen, Fremdlingen und Armen, und denke keiner gegen seinen Bruder etwas Arges in einem Herzen!“ (Sach 7,9)

Zumindest die Anfangsworte sind auf der Schriftrolle zu lesen. Man kann sie auch übersetzen: „Urteile nach Gerechtigkeit, handelt mit Erbarmen und Großmut.“

Der Prophet Sacharja verkündet uns Gottes Wort. Es ist Gottes Antwort auf menschliches Versagen. Adam und Eva waren ungehorsam geworden gegenüber Gott. Auch wir versagen oft. Der Schöpfergott sagt uns, was wir tun müssen. Wir lesen es auf der Ikone: „Tut nicht Unrecht…“ Wir sehen auf der Ikone seine menschenliebende Herablassung in Jesus Christus. Er wendet sich uns zu, wenn wir zu ihm beten. Die Ikone ist Ikone des fleischgewordenen Wortes und Ikone des Karfreitags zugleich. Es geht um Menschwerdung und Erlösung in Jesus. In ihm ist uns machtvoll das Heil aufgerichtet. (vgl. Lk 1,69)

„Deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen…“

Der Titel der Ikone ist dem Morgengebet vom Montag im 5. Ton entnommen.

„Tilge den Schmerz meiner vielseufzenden Seele,
die du tilgst jegliche Träne vom Antlitz der Erde.
Denn der Sterblichen Betrübnisse vertreibst du,
der Sünder Niedergeschlagenheit zerstörst du.
Dich haben wir alle erworben, zur Hoffnung und Stütze,
Allheilige Mutterjungfrau.“

Die Mutter Gottes vermag Seelenschmerz zu heilen, denn sie hat selbst Schmerzen erfahren. Sie lädt uns ein, uns zu freuen, denn Trübsal und Niedergeschlagenheit nimmt sie hinweg. Sie ist uns Hoffnung und Stütze. Von Hoffnung auf den Messias waren die Hirten in Betlehem erfüllt, ansonsten hätten sie sich kaum auf den Weg gemacht, noch dazu inmitten der Nacht. Das Gewand der Gottesmutter entspricht dem Farbkanon der Ikonographie. Das Untergewand ist blau und steht für die Menschheit. Doch der Sohn Gottes kam, um uns nach Hause in das Paradies zuführen. Er trägt auf Christusikonen ein rotes Untergewand. Uns bekleidet er mit neuem göttlichen Leben. Maria durfte dies als seine Mutter zuerst erfahren. Dafür steht die rote Farbe ihres Obergewandes. Das dem Rot beigemischte Braun unterstreicht noch einmal das Chthonische, das Erdhafte. Im Saum ihres Gewandes strahlt helles rot. Freude leuchtet auf. Freude, die Schmerz heilt. Die Ikone „Heile meinen Schmerz“ lädt uns ein Schmerz und Leid zu ihr zu bringen und vor sie zu tragen. Heilung, Freude und neue Hoffnung finden wir. „Die Hirten lobten und priesen Gott für all das, was sie gehört und gesehen hatten.“ Die Ikone will uns helfen mit Maria zu beten: „Hochpreiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlockt über Gott meinen Heiland.“ (Lk 1,46f.)

Eine der Randfiguren der Ikone ist der Engel Gabriel. Er rief ihr das „Freue dich“ zu. Auch so kann der Gruß übersetzt werden. Unter ihm sehen wir den bekannten Heiligen des Advents, Nikolaus. Auf der anderen Seite steht die heiligen Paraskevi. Sie erinnert an das Leiden des Herrn und den heiligen Seraphim von Sarow, der die Mutter Gottes sehr verehrte und dem sie des Öfteren erschienen ist. Gerade bei russischen Ikonen sind Randfiguren beliebt.

Das Haupt der Mutter Gottes ruht auf ihrer Hand. Sie scheint zu überlegen. Sie denkt nach. Sie betrachtet das zukünftige Leiden Jesu. Sie fühlt das Schwert im Herzen. (Vgl. Lk 2,35)

„Steh auf und wandle!“ (Mt 9,6 parr.)

Die Legende der Ikone berichtet von einer namenlosen Frau, die viel Leid erfahren hatte. Sie war gelähmt. Alle Glieder schmerzten ihr, vor allem die Beine. Sie konnte nicht mehr gehen. Im Traum sieht sie die Ikone „Heile meinen Schmerz“ und hört eine Stimme: Geh nach Moskau in die Kirche des heiligen Nikolaus im Pupyschewo-Viertel und bete vor dieser Ikone. Du wirst Heilung empfangen.“ Aus der fernen Provinz Orlow bringen Verwandte die Kranke in eben diese Kirche. Doch die geschaute Ikone findet sich nicht. Als alte Ikonen aus dem Turm gebracht werden, schreit die Kranke auf: „Sie ist es“. Lange war sie so kraftlos, dass sie nicht mehr gesprochen hatte. Nach dem Bittgottesdienst verlässt sie völlig eigenständig die Kirche. Dies geschah am 25. Januar 1760.

Die Kranke hat erfahren, was der Gelähmte im Evangelium erfahren hat. “Jener erhob sich und ging nach Haus.“ (Mt 9,7) Krankheit und Schmerz sind nicht das Ziel unseres Lebens, sondern Leben in Gott. „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“ (Joh 16,20) „Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz…“ (Offb 21,4). Gott setzt in der Menschwerdung seines Sohnes einen neuen Anfang für uns wie er der gelähmten Frau neues Leben schenkte. Der Name Jesus steht dafür, dass er sein Volk retten wird von seinen Sünden. (Vgl. Mt 1,21) Die Ikone will daran erinnern.

„Morgenglanz des göttlichen Lichtes“

Zu Ehren der Ikone wurde ein eigener Akathistos-Hymnus gedichtet. Wir wiederholen den Gruß, das „Freue dich“ des Engels und lobpreisen die Gottesmutter. Einige Verse grüßen die Ikone:

„Freue dich, du des ewigen Sohnes Wohnung.
Freue dich, die du zum Himmel emporführst, die Glauben und Liebe zu dir haben.
Freue dich, du du auf deiner Hand das unberührbare Licht trägst, durch welches unsere Seelen erleuchtet werden.
Freue dich, die du den Anfang der menschlichen Errettung erbautest.“

Die Menschwerdung des Gottessohnes wird gepriesen. Am Mittwoch und Freitag wird im Stundengebet das Theotokion (Hymnus an die Gottesmutter) durch das Stavro-Theotokion ersetzt, durch welches uns die Kreuzigung und das Leid der Mutter Gottes vor Augen gestellt werden.

„Als den sterbenden Christus erblickte die allreine Gebieterin… besang sie ihn unter Tränen als Gebieter, der war aus ihrem Mutterschoß hervorgegangen…!“ (Stavro-Theotokion vom 19.12.)

Am deutlichsten wird dies im Morgengebet des Karsamstags, wenn die Marienklage gesungen wird.

„Als die Mutter des Lammes sah, wie ihr Lamm geschlachtet wurde, weinte, sie, wie von Speerspitzen getroffen…“ (Stasis 1) oder „Wehe, erfüllt ist die Weissagung Simeons: denn ein Schwert durchdrang mein Herz.“

Es geht bei der Ikone „Heile meinen Schmerz“ wie bei jeder Ikone der Gottesgebärerin um die Menschwerdung und den Kreuzestod Jesu. Mag die Beziehung zwischen Mutter und Kind noch so innig sein, ein Mutter-Kind-Idyll will uns die Ikone nicht vor Augen führen. Der Sohn Gottes kommt in unsere Welt. Die Sünde Adams, die Vertreibung aus dem Paradies, Krankheit, Leid und Tod sind nicht das letzte Wort Gottes. Wer sich dem Lebensspender Christus zuwendet, findet neues Leben.

Daran will uns die Ikone erinnern. Neue Hinwendung zum fleischgewordenen Wort wünsche ich Ihnen zum Weihnachtsfest.

Literatur

Goltz, H.: „‚Tilge meine Schmerzen‘. Zum biblisch-theologischen Spannungsbogen des russischen Gottesmutterbildes“. In: Udo Schnelle (Hrsg.), Reformation und Neuzeit. Berlin 1994

Kassing, Karl Josef: Mirjam. Die Mutter Jeschuas. Köln 2021

Maltzew, Alexios von: Menologion, II. Berlin 1901

Tradigo, Alfredo: Ikonen. Berlin 2005

„Damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist“

Meister Dionysius: Das Bekenntnis des Thomas, Russland ca. 1500

Liturgische Eigentexte zum Hochfest des Apostels Thomas

Introitus-Psalm

Ps 128

Wohl jedem, der den HERRN fürchtet
und auf seinen Wegen wandelt!

2Deiner Hände Erwerb – du darfst ihn genießen:
wohl dir, du hast es gut!

3Deine Frau gleicht einem fruchtbaren Weinstock
im Innern deines Hauses;

deine Kinder sind wie Ölbaumschosse
rings um deinen Tisch.

4Ja wahrlich, so wird der Mann gesegnet,
der da fürchtet den HERRN.

5Dich segne der HERR von Zion her,
dass du schauest deine Lust an Jerusalems Glück dein Leben lang

6und sehest Kinder von deinen Kindern!
Heil über Israel!

Tagesgebet

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast zugelassen, dass Dein heiliger Apostel Thomas – zur größeren Befestigung seines Glaubens – die Auferstehung Deines Sohnes bezweifelte. Verleihe uns, so vollkommen und ohne Zweifel an Deinen Sohn zu glauben, dass unser Glaube vor Deinem Angesicht niemals getadelt werde. Erhöre uns hierin, o Herr! Durch denselben Jesus Christus, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung

Eph 2,19–22

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser.

Brüder und Schwestern! 19Demnach seid ihr jetzt nicht mehr Fremdlinge und Beisassen (d.h. geduldete Ausländer), sondern seid Vollbürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20aufgebaut auf der Grundmauer der Apostel und Propheten — ein Bau, bei welchem Christus Jesus selber der Eckstein ist: 21in ihm wächst jeder Bau, fest zusammengefügt, zu einem heiligen Tempel im Herrn empor, 22und in diesem werdet auch ihr (Heiden) mitauferbaut zu einer Wohnstätte Gottes im Geist.

Evangelium

Joh 20,24–31

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Thomas aber, einer von den Zwölfen, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, war nicht bei ihnen gewesen, als Jesus gekommen war. 25Die anderen Jünger teilten ihm nun mit: »Wir haben den Herrn gesehen!« Er aber erklärte ihnen: »Wenn ich nicht das Nägelmal in seinen Händen sehe und meinen Finger in das Nägelmal und meine Hand in seine Seite lege, werde ich es nimmermehr glauben!« 26Acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder im Hause, und (diesmal) war Thomas bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!« 27Darauf sagte er zu Thomas: »Reiche deinen Finger her und sieh dir meine Hände an; dann reiche deine Hand her und lege sie mir in die Seite und sei nicht (länger) ungläubig, sondern werde gläubig!« 28Da antwortete ihm Thomas: »Mein Herr und mein Gott!« 29Jesus erwiderte ihm: »Weil du mich gesehen hast, bist du gläubig geworden. Selig sind die, welche nicht gesehen haben und doch zum Glauben gekommen sind!« 30Noch viele andere Wunderzeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buche nicht aufgezeichnet stehen; 31diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben in seinem Namen habt.

„Der Herr ist nahe“ — „Ebnet Ihm den Weg!“

Gottesgebärerin „des Zeichens“ von Jaroslawl, 13. Jh.

Liturgische Eigentexte des 4. Advent

Introitus-Psalm mit Antiphon

Text: Jes 45,8a (Vulgata), Melodie: gregorianisch

Ps 5

2Vernimm meine Worte, o HERR,
merke auf mein Seufzen!

3Ach, hör’ auf mein lautes Flehen, /
mein König und mein Gott;
denn zu dir geht mein Gebet!

4O HERR, in der Frühe schon hörst du mein Rufen, /
in der Frühe schon richte ich dir ein Opfer zu
und spähe aus nach dir.

5Du bist ja nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt:
kein Böser darf als Gast bei dir weilen;

6Ruhmredige dürfen dir nicht vor die Augen treten:
du hassest alle Übeltäter.

7Du lässt die Lügner zugrunde geh’n; /
wer mit Blutvergießen und Trug sich befasst,
den verabscheut der HERR.

8Ich aber darf nach deiner großen Gnade dein Haus betreten,
ich darf vor deinem heiligen Tempel
in Ehrfurcht vor dir mich niederwerfen.

9HERR, leite mich in deiner Gerechtigkeit
um meiner Feinde willen,
ebne vor mir deinen Weg!

10Denn in ihrem Mund ist keine Aufrichtigkeit,
ihr Inneres sinnt Unheil;

ein offenes Grab ist ihre Kehle,
mit ihrer Zunge reden sie glatte Worte.

11Laß sie büßen, o Gott, dass zu Fall sie kommen durch ihre Anschläge! /
Stoße sie weg von dir ob der Menge ihrer Frevel,
denn sie haben dir Trotz geboten!

12Dann werden alle sich freu’n, die auf dich vertrauen:
allzeit werden sie jubeln, dass du sie beschirmst;

und frohlocken werden alle über dich,
die deinen Namen lieben.

13Denn du, HERR, segnest den Gerechten,
schirmst ihn mit Gnade wie mit einem Schilde.

Tagesgebet

Vom 4. Advent

O Herr! Wir bitten Dich: Erhebe Dich in Deiner Macht, komm in unsere Mitte und steh uns bei durch Deine große Kraft, damit wir nicht länger durch unsere Sünden und Schwachheiten in dem Kampf, der uns bestimmt ist, gehemmt und gehindert werden, sondern uns durch Deine Gnade und Barmherzigkeit Hilfe und Errettung zuteil werden. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung

Phil 4,4–7

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper.

Brüder und Schwestern! 4Freuet euch im Herrn allezeit! Noch einmal wiederhole ich’s: »Freuet euch!« 5Lasst eure Sanftmut allen Menschen kund werden: der Herr ist nahe! 6Sorgt euch um nichts, sondern lasst in jeder Lage eure Anliegen durch Gebet und Flehen verbunden mit Danksagung vor Gott kund werden! 7Dann wird der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, eure Herzen und euer ganzes Denken in Christus Jesus bewahren. 

Evangelium

Joh 1,19–28

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Dies ist nun das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, die ihn fragen sollten, wer er sei. 20Da bekannte er unverhohlen und erklärte offen: »Ich bin nicht der Messias.« 21Sie fragten ihn weiter: »Was denn? Bist du Elia?« Er sagte: »Nein, ich bin es nicht.« »Bist du der Prophet?« Er antwortete: »Nein.« 22Da sagten sie zu ihm: »Wer bist du denn? Wir müssen doch denen, die uns gesandt haben, eine Antwort bringen! Wofür gibst du selbst dich aus?« 23Da antwortete er: »Ich bin die Stimme dessen, der in der Wüste ruft: ›Ebnet dem Herrn den Weg!‹, wie der Prophet Jesaja geboten hat.« (Jes 40,3) 24Die Gesandten aber gehörten zu den Pharisäern 25und fragten ihn weiter: »Warum taufst du denn, wenn du weder der Messias noch Elia, noch der Prophet bist?« 26Da antwortete Johannes ihnen: »Ich taufe nur mit Wasser; aber mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt, 27der nach mir kommt und für den ich nicht gut genug bin, ihm den Riemen seines Schuhwerks aufzubinden.« 28Dies ist in Bethanien geschehen jenseits des Jordans, wo Johannes sich aufhielt und taufte.

„O Weisheit … komm!“

Die erste O-Antiphon: aus einem dominikanischen Antiphonale, ca. 1300

An den letzten sieben Abenden des Advent (17.–23. Dezember) nimmt das tägliche Abendlob (Vesper) der Kirche eine besonders feierliche Form an. So wie sonst erklingt auch an diesen Abenden vor dem abschließenden Gebetsteil der Lobgesang der heiligen Maria (Magnificat, Lk 1,46–55). Doch wird hier die heilsgeschichtliche Bedeutung dieses biblischen Lobhymnus durch jeweils vorausgehende Gesänge (die sogenannten O-Antiphonen) in besonderer Weise entfaltet.

Die heilige Maria sang ihren Lobpreis nämlich als Antwort auf die Ankündigung des Erzengels Gabriel, dass sie zur Mutter des ihrem Volk verheißenen Messias werden würde. Ihr Lobgesang steht damit an der Schwelle vom Alten zum Neuen Bund und bezieht sich ausdrücklich auf die an das jüdische Volk bzw. die Nachkommenschaft Abrahams ergangenen Verheißungen (Lk 1,55). Die Liturgie der Kirche will uns in diese Haltung der gläubigen sehnsuchtsvollen Erwartung mit hinein nehmen (so wie auch die Liturgie des 4. Adventssonntags, z.B. schon durch die Introitus-Antiphon „Tauet, ihr Himmel, den Gerechten“, lateinisch Rorate caeli). Wie die Gläubigen des Alten Bunds, so sollen auch wir — gerade jetzt in den Tagen vor Weihnachten — unser Leben ausrichten auf die Erwartung der Ankunft des verheißenen Messias (Christus): des von Gott selbst eingesetzten gerechten, weisen und allmächtigen Königs, dessen Königtum kein Ende haben wird.

[Die sehnsuchtsvolle Erwartung des Messias als Erlöser des Gottesvolkes kommt an vielen Stellen des Alten Testaments zum Ausdruck. Einige besonders bedeutende dieser Schriftstellen wurden (spätestens) im 6. Jahrhundert in lateinischer Dichtung kombiniert; das Ergebnis sind sieben kurzen Gesänge (Antiphonen), die Eingang in die Adventsliturgie des alten römischen Ritus gefunden haben. Allen gemeinsam ist, dass sie zu Beginn den göttlichen Messias mit einem Titel anrufen, der ihm schon im Alten Testament beigelegt wird, und ein flehentliches „O“ vorausschicken. Deshalb sind sie unter dem Namen O-Antiphonen bekannt. Sie schließen jeweils mit der Bitte um das Kommen des verheißenen Messias und um einen bestimmten Aspekt der Erlösung.]

Beispielsweise wird am 17. Dezember Christus angerufen als göttliches Wort der Weisheit (vgl. Spr 8): O Sapientia, quae ex ore Altimissi prodisti, zu deutsch: „O Weisheit, die Du aus dem Munde des Höchsten hervorgegangen bist“. Nach weiteren poetischen Beschreibungen der göttlichen Weisheit gipfelt der Gesang in der Bitte veni ad docendum nos viam prudentiae — „komm, um uns den Weg (wirklicher) Klugheit zu lehren“. Gemeint ist hier eine Klugheit, die unser Leben als Gabe Gottes versteht, für die wir einst bei der Wiederkunft des Herrn Rechenschaft ablegen müssen; wirkliche Weisheit und wahre Einsicht wurzeln deshalb in der Ehrfurcht vor Gott (Spr 1,7; 9,10).

[In dem spätlateinischen (mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen) Hymnus Veni, veni Emmanuel sind einige der O-Antiphonen noch einmal etwas kürzer und auf einen Endreim zusammengefasst worden. Dieser Hymnus ist auch, jeweils unter dem Titel „O komm, o komm, Immanuel“ in verschiedenen Fassungen ins Deutsche übertragen worden (z.B. von Heinrich Bone 1847 und Köln 1852).]

Das Mit-Singen und -Beten der sieben O-Antiphonen will uns mit hinein nehmen in die sehnsuchtsvolle Erwartung der Ankunft und Wiederkunft des göttlichen Erlösers. Dies ist eine Erwartung, die das Volk Gottes seit jeher auszeichnet, aber aufgrund des ersten Kommens Christi in diese Welt, das wir an Weihnachten feiern, ein bleibendes Unterpfand hat. Wenn wir eintauchen in diese Erwartung und davon unser Leben aufs Neue prägen lassen, wird das diesjährige Christfest, allen Widrigkeiten zum Trotz, für uns wirklich zur „heiligen Nacht“. Ja, dann wird (vgl. Gal 4,19) an Weihnachten Christus auch in uns geboren!

‚Das im Dunkel Verborgene bringt Er ans Licht‘

Deesis aus der Nikolauskirche, Pskow, 13. Jh.

Liturgische Eigentexte des 3. Advent

Introitus-Psalm

Ps 4

2Wenn ich rufe, erhöre mich,
du Gott meiner Gerechtigkeit!

In Bedrängnis hast du mir (immer) Raum geschafft:
sei mir gnädig und höre mein Gebet!

3Ihr Herrensöhne, wie lange noch
soll meine Ehre geschändet werden?

Wie lange noch wollt ihr an Eitlem hangen,
auf Lügen ausgeh’n?

4Erkennt doch, dass der HERR /
den ihm Getreuen sich auserkoren:
der HERR vernimmt’s, wenn ich zu ihm rufe.

5Seid zornerregt, doch versündigt euch nicht!
Denkt nach im stillen auf eurem Lager und schweigt!

6Bringt Opfer der Gerechtigkeit dar
und vertraut auf den HERRN!

7Es sagen gar viele:
»Wer lässt Gutes uns schauen?«

Erhebe über uns, o HERR,
das Licht deines Angesichts!

8Du hast mir größere Freude ins Herz gegeben
als ihnen zur Zeit, wo sie Korn und Wein in Fülle haben.

9In Frieden will ich beides,
mich niederlegen und schlafen;

denn du allein, HERR, lässt mich
in Sicherheit wohnen.

Tagesgebet

Vom 3. Advent

Herr, wir flehen Dich an:
Erhöre unser Gebet, suche uns in Gnaden heim
und erleuchte die Finsternis unserer Herzen.
Durch unseren Herrn Jesus Christus,
der mit Dir und dem Heiligen Geist,
ein einiger Gott, lebt und herrscht,
jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

1 Kor 4,1–5

Aus dem ersten Brief des Apostels Pauls an die Korinther.

Brüder und Schwestern! 1Dafür halte uns jedermann, nämlich für Diener Christi und für Verwalter der Geheimnisse Gottes. 2Bei dieser Sachlage verlangt man allerdings von den Verwaltern, dass ein solcher treu erfunden werde. 3Doch was mich betrifft, so ist es mir etwas ganz Geringes, ob ich von euch oder von sonst einem menschlichen Gerichtshof ein Urteil empfange; ja, ich gebe nicht einmal selbst ein Urteil über mich ab. 4Denn ich bin mir wohl keiner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich noch nicht gerechtfertigt; nein, der Herr ist’s, der das Urteil über mich abgibt. 5Daher urteilet über nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Dunkel Verborgene ans Licht bringen und die Gedanken der Herzen offenbar machen wird; und dann wird einem jeden das ihm gebührende Lob von Gott her zuteil werden.

Evangelium

Mt 11,2–10

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Als aber Johannes im Gefängnis von dem Wirken Christi hörte, sandte er durch seine Jünger Botschaft an ihn 3und ließ ihn fragen: »Bist du es, der da kommen soll (d.h. der verheißene Messias), oder sollen wir auf einen andern warten?« 4Jesus gab ihnen zur Antwort: »Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: 5Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt, und Armen wird die Heilsbotschaft verkündigt (Jes 35,5–6; 61,1)6und selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt!« 7Als diese nun den Rückweg antraten, begann Jesus zu den Volksscharen über Johannes zu reden: »Wozu seid ihr damals in die Wüste hinausgezogen? Wolltet ihr euch ein Schilfrohr ansehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? 8Nein; aber wozu seid ihr hinausgezogen? Wolltet ihr einen Mann in weichen Gewändern sehen? Nein; die Leute, welche weiche Gewänder tragen, sind in den Königsschlössern zu finden. 9Aber wozu seid ihr denn hinausgezogen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: einen Mann, der noch mehr ist als ein Prophet! 10Denn dieser ist es, auf den sich das Schriftwort bezieht (Mal 3,1): ›Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der dir den Weg vor dir her bereiten soll.‹

‚Er hat Worte, die nicht vergehen‘

Christus der Allherrscher: Deesis-Mosaik, Hagia Sophia, 13. Jh.
[Foto: Dianelos Georgoudis, CC BY-SA 3.0]

Liturgische Eigentexte des 2. Advent

Introitus-Psalm

Ps 120

1Ich rief zum HERRN in meiner Not:
da erhörte er mich.

2O HERR, errette mich von der Lügenlippe,
von der trügerischen Zunge!

3Was wird Er dir jetzt und in Zukunft bescheren,
du trügerische Zunge?

4Geschärfte Kriegerpfeile
samt Kohlen vom Ginsterstrauch!

5Wehe mir, dass ich als Fremdling in Mesech weile,
dass ich wohne bei den Zelten von Kedar!

6Lange genug schon weile ich hier
bei Leuten, die den Frieden hassen.

7Ich bin ganz friedlich gestimmt, doch was ich auch rede:
sie gehen auf Krieg aus.

Tagesgebet

Vom 2. Advent

Gepriesener Herr! Dein Sohn Jesus Christus ist Dein ewiges Wort, und Du hast uns zur Belehrung die gesamte Heilige Schrift gegeben. Gewähre uns, sie so zu hören, zu überdenken und in unseren Herzen zu bewegen, dass wir durch Geduld und den Trost Deines Wortes die selige Hoffnung des ewigen Lebens, das Du uns in unserem Erlöser Jesus Christus verliehen hast, ergreifen und immer festhalten. Durch Ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer.

Röm 15,4–13

Brüder und Schwestern! 4So ist ja alles, was vor Zeiten geschrieben worden ist, für uns zur Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost, den die (heiligen) Schriften gewähren, an der Hoffnung festhalten. 5Der Gott aber, von dem Geduld und Trost kommen, möge euch dazu verhelfen, einen einträchtigen Sinn untereinander nach dem Vorbild Christi Jesu zu besitzen, 6damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus preisen könnt. 7Darum nehmet euch gegenseitig (in Liebe) an, wie auch Christus euch zu Gottes Verherrlichung (in Liebe) angenommen hat! 8Ich meine nämlich: Christus ist ein Diener der Beschneidung (= der Juden) geworden zum Erweis der Wahrhaftigkeit Gottes, um die den Vätern gegebenen Verheißungen zu verwirklichen, 9die Heiden andrerseits sollen Gott um seiner Barmherzigkeit willen preisen, wie geschrieben steht (Ps 18,50): »Darum will ich dich preisen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.« 10Und an einer anderen Stelle heißt es (Dtn 32,43): »Freuet euch, ihr Heiden, im Verein mit seinem Volke!« 11und an einer anderen Stelle (Ps 117,1): »Lobet, ihr Heiden alle, den Herrn, und alle Völker sollen ihn preisen!« 12Weiter sagt Jesaja (Jes 11,10): »Erscheinen wird der Wurzelspross Isais, und zwar er, der da aufsteht, um über die Heiden zu herrschen: auf ihn werden die Heiden ihre Hoffnung setzen.« 13Der Gott aber, der unsere Hoffnung ist, erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden auf dem Grunde des Glaubens, damit ihr immer reicher an Hoffnung werdet durch die Kraft des heiligen Geistes!

Evangelium

Lk 21,25–33

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Der Herr sprach zu seinen Jüngern: 25»Dann werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen in Erscheinung treten und auf der Erde wird Verzweiflung der Völker in ratloser Angst beim Brausen des Meeres und seines Wogenschwalls herrschen, 26indem Menschen den Geist aufgeben vor Furcht und in banger Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen werden; denn (sogar) die Kräfte des Himmels werden in Erschütterung geraten (Jes 34,4)27Und hierauf wird man den Menschensohn auf einer Wolke kommen sehen mit großer Macht und Herrlichkeit (Dan 7,13)28Wenn dies nun zu geschehen beginnt, dann richtet euch auf und hebt eure Häupter empor; denn eure Erlösung naht.« 29Er sagte ihnen dann noch ein Gleichnis: »Seht den Feigenbaum und alle anderen Bäume an: 30sobald sie ausschlagen, erkennt ihr, wenn ihr es seht, von selbst, dass nunmehr der Sommer nahe ist. 31So sollt auch ihr, wenn ihr alles dieses eintreten seht, erkennen, dass das Reich Gottes nahe ist. 32Wahrlich ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles geschieht. 33Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nimmermehr vergehen!«

[Übersetzung der biblischen Texte nach Hermann Menge]

„Siehe, dein König kommt!“

Einzug Christi in Jerusalem: Palastkapelle Palermo, 12. Jh.

Liturgische Eigentexte des 1. Advent

Introitus-Psalm

Ps 1

1Wohl dem, der nicht wandelt
im Rat der Gottlosen

und nicht tritt auf den Weg der Sünder,
noch sitzt im Kreise der Spötter,

2vielmehr Gefallen hat am Gesetz des HERRN
und sinnt über sein Gesetz bei Tag und bei Nacht!

3Der gleicht einem Baum, gepflanzt an Wasserbächen,
der seine Früchte bringt zu rechter Zeit

und dessen Laub nicht welkt;
und alles, was er beginnt, das gelingt.

4Nicht also die Gottlosen: nein,
sie gleichen der Spreu, die der Wind verweht.

5Darum werden die Gottlosen nicht im Gericht bestehn
und die Sünder nicht in der Gemeinde der Gerechten.

6Denn es kennt der HERR den Weg der Gerechten;
doch der Gottlosen Weg führt ins Verderben.

Tagesgebet

Vom 1. Advent

Allmächtiger Gott! Dein ewiger Sohn Jesus Christus hat sich selbst dazu erniedrigt, an unserem vergänglichen Leben Anteil zu nehmen. Gewähre uns in diesem Leben die Gnade, die Werke der Finsternis abzulegen und die Waffen des Lichts anzulegen – damit am Jüngsten Tag, wenn Er in Seiner herrlichen Majestät wiederkommen wird, die Lebenden und die Toten zu richten, auch wir zum unsterblichen Leben auferstehen werden. Durch Ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Röm 13,8–14

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer.

Brüder und Schwestern! 8Bleibt niemand etwas schuldig, außer dass ihr einander liebt; denn wer den anderen liebt, hat damit das Gesetz erfüllt. 9Denn das Gebot: »Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, lass dich nicht gelüsten!« und jedes andere derartige Gebot ist in diesem Wort einheitlich zusammengefasst (Lev 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« 10Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; demnach ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. 11Und zwar (verhaltet euch auf diese Weise) in richtiger Erkenntnis der (gegenwärtigen) Zeit, dass nämlich die Stunde nunmehr für uns da ist, aus dem Schlaf zu erwachen; denn jetzt ist die Rettung uns näher als damals, als wir zum Glauben gekommen sind: 12die Nacht ist vorgerückt und der Tag nahegekommen. So lasset uns denn die Werke der Finsternis abtun, dagegen die Waffen des Lichts anlegen! 13Lasset uns sittsam wandeln, wie es sich am Tage geziemt: nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht; 14nein, ziehet den Herrn Jesus Christus an, und seid dem Fleisch nicht so zu Diensten, dass böse Begierden dadurch erregt werden!

Evangelium

Mt 21,1–13

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit, 1als sie sich Jerusalem näherten und nach Bethphage an den Ölberg gekommen waren, da sandte Jesus zwei von seinen Jüngern ab 2mit der Weisung: »Geht in das Dorf, das vor euch liegt! Ihr werdet dort sogleich (am Eingang) eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und bringt sie mir her! 3Und wenn euch jemand etwas sagen sollte, so antwortet ihm: ›Der Herr hat sie nötig, wird sie aber sofort zurückschicken.‹« 4Dies ist aber geschehen, damit das Wort des Propheten erfüllt werde, das da lautet (Jes 62,11; Sach 9,9)5»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, dem Jungen des Lasttiers.« 6Als nun die Jünger hingegangen waren und den Auftrag Jesu ausgerichtet hatten, 7führten sie die Eselin mit dem Füllen herbei, legten ihre Mäntel auf sie, und er setzte sich darauf. 8Die überaus zahlreiche Volksmenge aber breitete ihre Mäntel auf den Weg aus, andere hieben Zweige von den Bäumen ab und streuten sie auf den Weg; 9und die Scharen, die im Zuge vor ihm her gingen und die, welche ihm nachfolgten, riefen laut: »Hosianna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in den Himmelshöhen!« 10Als er dann in Jerusalem eingezogen war, geriet die ganze Stadt in Bewegung, und zwar fragte man: »Wer ist dieser?« 11Da sagte die Volksmenge: »Dies ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa!« 12Jesus ging dann in den Tempel Gottes, trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um 13und sagte zu ihnen: »Es steht geschrieben (Jes 56,7): ›Mein Haus soll ein Bethaus heißen!‹ Ihr aber macht es zu einer ›Räuberhöhle‹!« (Jer 7,11)

Liturgischer Jahreswechsel

Mit dem Sonntag vom wiederkommenden Herrn (dem Christkönigsfest, auch bekannt als Ewigkeitssonntag; Sonntagsevangelium: Mt 25,31–46) am 21. November hat die letzte Woche dieses Kirchenjahres begonnen. Zur Erinnerung: Das liturgische Jahr der Westkirche folgt nicht dem bürgerlichen Kalender, sondern beginnt immer am ersten Adventssonntag, heuer also bereits Ende November. Ab sofort ist nun auf diesen Seiten eine liturgische Kalenderübersicht mit Angabe aller Sonntage und hohen Feste zwischen Advent 2021 und Advent 2023 abrufbar. Die Übersicht der unbeweglichen kirchlichen Feste ist natürlich auch weiterhin im Kalendarium zu finden.

Grundlegende theologische Aspekte des Ehesakraments

Die Heiligen Joachim und Anna am Goldenen Tor (nach dem Protevangelium des Jakobus): Giotto di Bondone, Scrovegni 1305

Aus Anlass einer aktuellen Anfrage erinnern wir im Folgenden an die grundlegende orthodox-altkatholische Position zum Ehesakrament, festgehalten von der Gemischten Orthodox-Altkatholischen Theologischen Kommission im Oktober 1987 in Kavala. (Die orthodox-altkatholischen Konsenstexte bilden die maßgebliche Lehrgrundlage der Union von Scranton; sie wurden im Oktober 1990 von der Generalsynode der Polnisch-katholischen Nationalkirche und im April 2007 von der Generalsynode der Nordisch-katholischen Kirche ratifiziert.) Abschnitt V/8, Ziffer 1 lautet:

„Die Ehe ist eine von Gott gegebene Einrichtung. Sie wurde bei der Schöpfung von Gott als eine Gemeinschaft der Liebe und der gegenseitigen Hilfe von Mann und Frau (Gen 2,18) gestiftet, dann vom Herrn bestätigt (Mt 19,4–6) und von ihm durch seine Anwesenheit bei der Hochzeit zu Kana gesegnet (Joh 2,1–11).

Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen (Gen 1,27) und das Zusammenleben der beiden unter seinen besonderen Schutz und Segen gestellt. Schon im Alten Bund bildete die eheliche Verbindung ein bezeichnendes Bild für den Bund Gottes mit seinem Volk. Im Neuen Bund stellt die Ehe, in der sich Mann und Frau in gegenseitiger Liebe und im Glauben verbinden, als großes Geheimnis die Liebes- und Einheitsbeziehung zwischen Christus und der von ihm gestifteten Kirche im Bild dar (vgl. Eph 5,32).“

Vgl. Urs v. Arx (Hrsg.): Koinonia auf altkirchlicher Basis.
Gemeinsame Texte des orthodox-altkatholischen Dialogs
[= IKZ 79 Beiheft zu Nr. 4], 1989, 96.

Im Hinblick auf die Frage nach einer kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist zunächst daran zu erinnern, dass der Ritus der Kirche immer auch eine Ausdrucksform kirchlicher Lehre darstellt (lex orandi lex est credendi, frei nach Prosper von Aquitanien). Nun kennt aber die orthodox-altkatholische Sakramentenlehre, wie aus dem Obigen hervorgeht, nur die Ehe zwischen Mann und Frau. Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, deren Form sich an den Ritus der kirchlichen Eheschließung anlehnt, steht deshalb unweigerlich im Widerspruch zur kirchlichen Lehre. Die Erklärung von Scranton bezeichnet derartige Segnungen dementsprechend als „Missachtung der Heiligen Schrift“ und „Widerspruch zur Überlieferung der ersten Jahrhunderte“.

Die Seelsorge für homosexuell empfindende Menschen muss daher andere Formen wählen. In jedem Fall verdienen homosexuell empfindende Menschen besonderen Respekt auf ihrem Weg der Christusnachfolge, insofern sie laut biblischem Zeugnis zur Enthaltsamkeit berufen sind.