Einstimmiger Friedensappell aller orthodoxen Kirchen

Prophet-Elias-Kapelle, Protaras/Zypern (Foto Yuri Koryakov, CC BY-SA3.0)

Aus dem Bericht der Inter-orthodoxen Vorbereitungskonferenz der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Delegierten zur 11. Vollversammlung des Weltkirchenrats (Karlsruhe, September 2022) in Paralimni/Zypern

Als Christen sind wir stark betroffen von den Tragödien, die vor unseren Augen stattfinden. Die Hilferufe von Millionen unserer Brüder und Schwestern in verschiedenen Teilen der Welt dürfen nicht die Stimme bleiben, die „in lautem Wehklagen“ gehört wird, wie Rachel „um ihre Kinder weint und sich weigert, getröstet zu werden, da sie nicht mehr sind“ (Matthäus 2,18). Als orthodoxe Kirchen — die sowohl ihre Geschichte als auch ihre Gegenwart mit dem Geheimnis des Kreuzes, des Leidens und der Auferstehung des Herrn identifizieren — sind wir tief besorgt über die Konflikte, Menschenrechtsverletzungen, die Verschärfung der Flüchtlingskrise, die systematische Zerstörung des christlichen Kulturerbes, Terroranschläge und Verfolgungen und Entwurzelung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt. Wir sind besonders besorgt über die Situation in der Ukraine, in Armenien, Zypern, Syrien, Palästina, im Irak, im Nahen Osten und in Afrika und an anderen Orten in der Welt und schließen diese in unser Gebet ein. Wir rufen auch mit Trauer die noch immer ungelöste Situation des entführten Erzbischofs Paul Yazigi des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats von Antiochia, des syrisch-orthodoxen Erzbischofs Yohanna Ibrahim und anderer entführter Geistlicher und Laien in Erinnerung. „Nie wieder“: „Wir vergessen nicht“ die Folgen von Erniedrigung und Entmenschlichung, die über Generationen hinweg zu unsagbarem Schmerz und Leid geführt haben.

Während unserer Beratungen wurde große Besorgnis über den bewaffneten Konflikt in der Ukraine zum Ausdruck gebracht, der bereits viele Menschenleben gefordert hat. Die Teilnehmer des Treffens haben die Kriege einstimmig verurteilt und alle an den Konflikten beteiligten Parteien aufgefordert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um dringend Frieden herzustellen und die Sicherheit in der Ukraine, in Russland, in Europa und in der ganzen Welt zu gewährleisten. Wir verurteilen auch systematische Desinformationskampagnen, die Spaltung und Hass fördern. In dieser Zeit großer Not sind wir berufen, inbrünstige Gebete an Christus, den Erretter, zu richten, damit der Hass nicht die Seelen und Herzen der Menschen erfasst, sondern Liebe und brüderliche Gemeinschaft den gequälten Brudervölkern wieder zuteil werden.

Wir sollten nicht zulassen, dass unsere Herzen und Gedanken von all den Leidenschaften, alten Unvollkommenheiten und den Ausdrucksformen unserer gefallenen menschlichen Natur beherrscht werden, welche uns zur Sünde und zur Entfernung von Gott und unserem Nächsten treibt. Wir sind überzeugt, dass Konflikte nur durch friedliche Mittel und Dialog gelöst werden dürfen und nicht durch militärische Aktionen. Unser Aufruf und unser Gebet zielt auf die sofortige Einstellung der Gewalt in diesen Gebieten, wie überall dort, wo Konflikte auftreten, auf die Einhaltung des Selbstbestimmungsrechts (der Völker) und auf gute Regierungsführung. Die Liebe Christi bewegt uns, für Versöhnung und Einheit zu arbeiten und zu beten, um Gottes Friedenswillen zum Ausdruck zu bringen.

[nicht autorisierte Übersetzung der Ziffern 23-25 des Berichts der Beratungen vom 10.-15. Mai 2022]

Pfarrer Dieter Kniese (1935-2022)

 Er wird den Tod verschlingen ewiglich; und der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen. (Jes 25,8)

In den frühen Morgenstunden des vergangenen Dienstags hat Gott der Herr seinen treuen Diener Pfarrer i.R. Dieter Kniese in sein Reich berufen. Pfarrer Kniese studierte von 1965–1971 alt-katholische Theologie in Bonn und wurde nach seiner Diakonenweihe 1970 im darauffolgenden Jahr von Bischof Joseph Brinkhues zum Priester geweiht. Nach seiner Zeit als Pfarrvikar in Frankfurt am Main wurde er 1978 zum Pfarrer für die Gemeinde in Frankfurt gewählt und betreute zugleich Gottesdienstorte in Oberursel, Butzbach, Fulda und Frankfurt-Bornheim. Sein mediales Geschick konnte Pfr. Kniese als Redakteur der alt-katholischen Kirchenzeitung, als Zelebrant für Gottesdienste und Morgenimpulse im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und später als Mitarbeiter des Rundfunks für die US-Streitkräfte einbringen.

Nach Gründung der nordisch-katholischen Mission in Deutschland konvertierte Pfr. Kniese zur nordisch-katholischen Kirche und unterstützte sie durch vielfältigen Einsatz in Liturgie, Verkündigung und Diakonie. Seine fachliche Kompetenz, menschliche Größe und reife Lebenserfahrung werden uns fehlen. Wir danken Gott dem Herrn für die gesegnete Zeit, die wir mit ihm gemeinsam verbringen durften. Dieter Kniese wurde 87 Jahre alt.

Unser Zuspruch des Trostes und der Hoffnung gilt der Familie Kniese. Ihr sind wir im Gebet verbunden.

Requiescat in pace.

Für die nordisch-katholische Administratur
in Deutschland und Ungarn

im Namen S.E. Bischof Roald Nikolai Flemestad
Daniel Gerte, leitender Missionspfarrer

Christus ist auferstanden!

Auferstehung Christi: Mosaik, 11. Jh., Kloster Hosios Loukas bei Distomo/Griechenland

Christ ist erstanden
von der Marter alle.
Des soll’n wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist,
so freut sich alles, was da ist.[3]
Kyrieleis.

Halleluja,
Halleluja,
Halleluja.
Des soll’n wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Christus ist auferstanden; Er ist Sieger über Sünde und Tod.
In der Kirche lässt Er Sein Reich schon jetzt anbrechen.

Deshalb haben wir Grund zu Hoffnung und Freude
— ungeachtet aller Schrecken dieser Welt.
In diesem Sinne: Frohe, gesegnete Ostern!

‚Das Vorbild von Christi Demut‘

Das heilige Abendmahl: Italo-byzantinisches Fresko,
Sant‘ Angelo in Formis bei Capua

Allen Leserinnen und Lesern dieser Seite wünschen wir
einen gesegneten Abschluss der Karwoche!

Aus der Liturgie des Gründonnerstags

Tagesgebet

Von der Heiligen Woche

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Aus zärtlicher Liebe zum Menschengeschlecht hast Du Deinen Sohn Jesus Christus gesandt, unser Fleisch anzunehmen und den Tod am Kreuz zu erdulden, auf dass die gesamte Menschheit dem Vorbild Seiner tiefen Demut folge. Verleihe uns in Gnaden, dass wir sowohl dem Beispiel Seiner Geduld folgen als auch Teilhaber Seiner Auferstehung werden. Durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Introitus

Ps 56

2Sei mir gnädig, o Gott, denn Menschen stellen mir nach!
Immerfort bedrängen mich Krieger.

3Meine Feinde stellen mir immerfort nach,
ja viele sind’s, die in Hochmut mich befehden.

4In Zeiten, da mir angst ist, vertrau ich auf Dich!
5Mit Gottes Hilfe werde sein Wort ich rühmen.

Auf Gott vertrau’ ich, fürchte mich nicht;
was können Menschen mir antun?

6Allzeit suchen sie meiner Sache zu schaden;
gegen mich ist all ihr Sinnen gerichtet auf Böses.

7Sie rotten sich zusammen, lauern auf meine Schritte,
dieweil sie nach dem Leben mir trachten.

8Ob der Bosheit zahle ihnen heim,
im Zorn lass die Völker niedersinken, o Gott!

9Meines Elends Tage hast Du gezählt, /
meine Tränen in Deinem Schlauche gesammelt;
ja gewiss, sie stehen in Deinem Buche verzeichnet.

10So werden denn meine Feinde weichen, sobald (zu Gott) ich rufe;
dessen bin ich gewiss, dass Gott mir beisteht.

11Mit Gottes Hilfe werde sein Wort ich rühmen,
mit Hilfe des HERRN werde sein Wort ich rühmen.

12Auf Gott vertrau’ ich, fürchte mich nicht:
was können Menschen mir antun?

13Mir obliegt es, Dir, Gott, zu erfüllen meine Gelübde:
Dankopfer will ich Dir entrichten;

14denn Du hast meine Seele vom Tode errettet,
ja, meine Füße vom Straucheln,

dass ich wandeln soll vor Gottes Angesicht
im Lichte des Lebens.

Alternativ: Ps 69

Epistel

1 Kor 11,17–34

Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther.

Brüder und Schwestern! 17Die folgenden Anordnungen aber treffe ich, weil ich es nicht löblich finde, dass eure Zusammenkünfte euch nicht zum Segen, sondern zur Schädigung gereichen. 18Zunächst nämlich höre ich, dass, wenn ihr in einer Gemeindeversammlung zusammenkommt, Spaltungen unter euch bestehen, und zum Teil glaube ich es wirklich; 19es muss ja doch auch Parteiungen bei euch geben, damit die Bewährten unter euch erkennbar werden! 20Wenn ihr also an einem Ort zusammenkommt, so ist es nicht möglich, das Herrenmahl in rechter Weise zu halten; 21denn jeder nimmt beim Essen seine eigene Mahlzeit vorweg, so dass der eine hungrig bleibt, während der andere trunken ist. 22Habt ihr denn keine Häuser, um dort zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und geht ihr darauf aus, die Unbemittelten zu beschämen? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Punkte sicherlich nicht! 23Denn ich habe es meinerseits vom Herrn her so mitgeteilt erhalten, wie ich es euch auch überliefert habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, in der er verraten wurde, nahm er Brot, 24sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: »Dies ist mein Leib, (der) für euch (dahingegeben wird); dies tut zu meinem Gedächtnis!« 25Ebenso (nahm er) auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr (ihn) trinkt, zu meinem Gedächtnis!« 26Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr (damit) den Tod des Herrn, bis er (wieder-) kommt. 27Wer daher in unwürdiger Weise das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der wird sich am Leibe und am Blute des Herrn versündigen. 28Jedermann prüfe sich also selbst und esse dann erst von dem Brot und trinke aus dem Kelch! 29Denn wer da isst und trinkt, der zieht sich selbst durch sein Essen und Trinken ein (göttliches) Strafurteil zu, wenn er den Leib (des Herrn) nicht unterscheidet. 30Deshalb gibt es unter euch auch Schwache und Kranke in so großer Zahl, und gar viele sind schon entschlafen. 31Wenn wir aber mit uns selbst ins Gericht gingen, so würden wir kein Strafurteil empfangen. 32Indem wir jedoch ein Strafurteil empfangen, werden wir vom Herrn in Zucht genommen, damit wir nicht mit der Welt zusammen verurteilt werden. 33Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Mahle zusammenkommt, so wartet aufeinander! 34Wenn jemand Hunger hat, so esse er (vorher) zu Hause, damit ihr durch eure Zusammenkünfte euch kein Strafgericht zuzieht. Das Weitere werde ich anordnen, wenn ich (zu euch) komme.

Evangelium

Joh 13,1–32

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wohl wusste, dass für ihn die Stunde gekommen sei, aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen, bewies er den Seinen, die in der Welt waren, die Liebe, die er (bisher) zu ihnen gehegt hatte, bis zum letzten Augenblick. 2Es war bei einem Mahl, und schon hatte der Teufel dem Judas Iskariot, dem Sohne Simons, den Entschluss des Verrats eingegeben. 3Weil Jesus nun wusste, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen sei und wieder zu Gott hingehe, 4erhob er sich beim Mahl von seinem Platz, legte die Oberkleidung ab, nahm einen linnenen Schurz und band ihn sich um. 5Danach goss er Wasser in das Waschbecken und begann seinen Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem linnenen Schurz, den er sich umgebunden hatte, abzutrocknen. 6So kam er denn auch zu Simon Petrus. Dieser sagte zu ihm: »Herr, du willst mir die Füße waschen?« 7Jesus antwortete ihm mit den Worten: »Was ich damit tue, verstehst du jetzt noch nicht, du wirst es aber nachher verstehen.« 8Petrus entgegnete ihm: »Nun und nimmer sollst du mir die Füße waschen!« Jesus antwortete ihm: »Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Anteil an mir.« 9Da sagte Simon Petrus zu ihm: »Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und den Kopf!« 10Jesus antwortete ihm: »Wer gebadet ist, dem braucht nichts weiter gewaschen zu werden als die Füße, sondern er ist am ganzen Körper rein; und ihr seid rein, jedoch nicht alle.« 11Er kannte nämlich seinen Verräter wohl; deshalb sagte er: »Ihr seid nicht alle rein.« 12Nachdem er ihnen nun die Füße gewaschen und seine Oberkleidung wieder angelegt und seinen Platz am Tisch wieder eingenommen hatte, sagte er zu ihnen: »Versteht ihr, was ich an euch getan habe? 13Ihr redet mich mit ›Meister‹ und ›Herr‹ an und habt recht mit dieser Benennung, denn ich bin es wirklich. 14Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr verpflichtet, einander die Füße zu waschen; 15denn ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit ihr es ebenso machet, wie ich an euch getan habe. 16Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ein Knecht steht nicht höher als sein Herr, und ein Sendbote (= Apostel) nicht höher als sein Absender. 17Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr danach handelt! 18Nicht von euch allen rede ich; ich weiß ja, wie die beschaffen sind, welche ich erwählt habe; aber das Schriftwort muss erfüllt werden: ›Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.‹ 19Schon jetzt sage ich es euch, noch bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin (den die Schrift meint). 20Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer dann, wenn ich jemand sende, ihn aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.« 21Nach diesen Worten wurde Jesus im Geist aufs tiefste erschüttert und sprach es offen aus: »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten!« 22Da blickten die Jünger einander an und waren ratlos darüber, wen er meinte. 23Es hatte aber einer von seinen Jüngern bei Tisch seinen Platz an der Brust Jesu, nämlich der, den Jesus (besonders) lieb hatte. 24Diesem gab nun Simon Petrus einen Wink und sagte ihm: »Lass uns wissen, wen er meint!« 25Jener lehnte sich nun auch sogleich an die Brust Jesu zurück und fragte ihn: »Herr, wer ist es?« 26Da antwortete Jesus: »Der ist es, dem ich den Bissen (in die Schüssel) eintauchen und reichen werde.« Darauf tauchte er den Bissen ein, nahm ihn und reichte ihn dem Judas, dem Sohne Simons aus Kariot. 27Nachdem dieser den Bissen genommen hatte, fuhr der Satan in ihn hinein. Nun sagte Jesus zu ihm: »Was du zu tun vorhast, das tu bald!« 28Was er ihm damit hatte sagen wollen, verstand keiner von den Tischgenossen. 29Einige nämlich meinten, weil Judas die Kasse führte, wolle Jesus ihm sagen: »Kaufe das ein, was wir für das Fest nötig haben«, oder er solle den Armen etwas geben. 30Nachdem nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht. 31Nach seinem Weggange nun sagte Jesus: »Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht worden! 32Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, so wird Gott auch ihn in sich selbst verherrlichen, und zwar wird er ihn sofort verherrlichen.

Frisch gebackene Prosphoren (Brothostien) aus der Nordisch-katholischen Mission in Südwestdeutschland

Antiphon

Traditionell zur Fußwaschung / Ubi caritas et amor

Und/oder:

„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst“

Aschenkreuz (Bildquelle Pixabay)

Aus der Liturgie des Aschermittwochs

Segnung der Asche

O Gott, Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er zu Dir umkehrt. Daher bitten wir Dich: Sieh gnädig herab auf die Gebrechlichkeit unserer menschlichen Natur. In Deiner Güte und Huld segne + diese Asche, die wir zum Zeichen unsres Elends und unsrer Demut auf unsre Häupter streuen lassen. Wir erkennen, dass wir Staub sind und zur Strafe für unsre Bosheit einst zum Staub zurückkehren werden. Doch lass uns durch Dein Erbarmen die Verzeihung aller Sünden erlangen; gewähre uns, jenen Lohn zu erhalten, der allen verheißen ist, die aufrichtig und bußfertig zu Dir umkehren. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Introitus

Ps 6

HERR, nicht in deinem Zorne strafe mich
und nicht in deinem Ingrimm züchtige mich!

3Sei mir gnädig, o HERR, denn ich bin am Verschmachten!
Heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken,

4und meine Seele ist voller Angst!
Du aber, o HERR, – wie lange noch (willst du fern sein)?

5Kehre doch wieder, o HERR, errette meine Seele!
Hilf mir um deiner Gnade willen!

6Denn im Tode gedenkt man deiner nicht:
im Totenreich – wer singt da dein Lob?

7Erschöpft bin ich von all meinem Seufzen;
in jeder Nacht benetze ich mein Bett,
mache mein Lager zu einer Tränenflut.

8Geschwunden ist mein Augenlicht vor Gram,
gealtert (vom Weinen) ob all meinen Feinden.

9Hinweg von mir, ihr Übeltäter alle!
Denn der HERR hat mein lautes Weinen gehört;

10gehört hat der HERR mein Flehen:
der HERR nimmt mein Gebet an.

11Alle meine Feinde werden zuschanden werden
und ganz bestürzt dastehen:
mit Schanden müssen sie abziehen augenblicklich!

Tagesgebet

Vom Aschermittwoch

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hassest keines Deiner Geschöpfe und vergibst allen Bußfertigen ihre Sünden. Schaffe in uns neue und zerschlagene Herzen, dass wir – unsere Sünden beklagend und unser Elend erkennend – von Dir, dem Gott aller Gnade, vollkommene Verzeihung und Vergebung erlangen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Joel 2,12–17

Lesung aus dem Buch des Propheten Joel.

»Doch auch jetzt noch« – so lautet der Ausspruch des HERRN – »kehret um zu mir mit eurem ganzen Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen!« 13So zerreißt denn eure Herzen statt eurer Kleider und kehret zurück zum HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und reich an Güte, und er lässt sich das Unheil leid sein: 14vielleicht lässt er es sich auch jetzt leid sein und lässt hinter sich noch einen Segen zurück; nämlich Speisopfer und Trankspende für den HERRN, euren Gott. 15Stoßt in die Posaune auf dem Zion, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen allgemeinen Bettag aus! 16Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, ruft die Greise herbei, lasst die Kinder und die Säuglinge zusammenkommen! Der Neuvermählte trete aus seiner Kammer hervor und die junge Frau aus ihrem Gemach! 17Zwischen der Vorhalle und dem Altar sollen die Priester, die Diener des HERRN, weinen und so beten: »Verschone, HERR, dein Volk und gib dein Erbe nicht der Schande preis, dass sie den Heiden zum Spott dienen! Warum soll man unter den Heidenvölkern sagen: ›Wo ist nun ihr Gott?‹«

Evangelium

Mt 6,16–21

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Jesus lehrte seine Jünger: 16»Wenn ihr fastet, sollt ihr kein finsteres Gesicht machen wie die Heuchler; denn sie geben sich ein trübseliges Aussehen, um sich den Leuten mit ihrem Fasten zur Schau zu stellen. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. 17Du aber, wenn du fastest, salbe dir das Haupt und wasche dir das Gesicht, 18um dich nicht mit deinem Fasten den Leuten zu zeigen, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; dein Vater aber, der auch ins Verborgene hineinsieht, wird es dir alsdann vergelten. 19Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motten und Rost sie vernichten und wo Diebe einbrechen und stehlen! 20Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie vernichten und wo keine Diebe einbrechen und stehlen! 21Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.«

Ein Gebetsaufruf

Die betende Gottesmutter: Sophienkathedrale Kiew, 11. Jh.

[UPDATE, siehe unter Hirtenworte]

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine beten wir um Frieden für die Ukraine, ihre Nachbarländer und alle Welt sowie um Weisheit für alle Verantwortungsträger; wir beten zudem für all die Notleidenden, insbesondere die Zivilbevölkerung, und besonders in den Tagen vor der Fastenzeit für die Umkehr und Rettung aller Menschen.

Gebet für die gegenwärtige Notzeit

Allmächtiger und allbarmherziger Gott! In dieser Zeit der Not fliehen wir zu Dir, unserm Beistand. Wir bitten Dich: Errette alle von Krieg und Gewalt Bedrohten aus der Gefahr; gib allen, die sich der Notleidenden annehmen, Kraft und Geschick; schenke Erfolg beim Einsatz jeglicher Heilmittel. Und lass uns erkennen, wie hinfällig und ungewiss unser Leben ist, damit wir unser Herz ausrichten auf die himmlische Weisheit, die zum ewigen Leben führt. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Gebet für Mittel- und Osteuropa

Nimm Dich, o Gott, in diesen Tagen besonders der Ukraine, ihrer Nachbarländer und auch unsres Landes an. Erhalte uns in Ehrfurcht vor Dir, erleuchte uns mit Deiner Weisheit, handle an uns nach Deiner Gnade und schenke uns allezeit Frieden und Heil durch den, der die wahre Freiheit zu schenken vermag, Deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Gebet für Parlament und Regierungen

Allmächtiger, ewiger Gott! Über alle Länder und Völker regierst Du mit ewiger Macht. Erleuchte die gewählten Vertreter unsres Volkes sowie die Regierungen aller Länder. Lenke ihre Absichten und segne dann ihre Mühen; auf dass unter uns Sicherheit, Lebensglück und Frieden gefördert, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit gemehrt, Tugend und Gottesfurcht gefestigt werden – zum Wohlergehen Deines Volkes und zur Ehre Deines heiligen Namens. Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Aus aktuellen orthodoxen Hirtenworten

In Verteidigung der Souveränität und Integrität der Ukraine wenden wir uns an den russischen Präsidenten und fordern ein sofortiges Ende des Bruderkriegs. Die ukrainischen und russischen Völker kamen aus dem Taufbecken des Dnjepr, und der Krieg zwischen diesen Völkern ist eine Wiederholung der Sünde Kains, der aus Neid seinen eigenen Bruder tötete. Ein solcher Krieg hat weder bei Gott noch bei den Menschen eine Rechtfertigung. Ich rufe alle zum gesunden Menschenverstand auf, der uns lehrt, unsere irdischen Probleme im gegenseitigen Dialog und gegenseitigen Verständnis zu lösen, und hoffe aufrichtig, dass Gott uns unsere Sünden vergibt und der Friede Gottes auf unserer Erde und in der ganzen Welt herrschen wird!

Aus dem Hirtenwort von Metropolit Onufrij, Primas der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche, vom 27. Februar 2022

Wir unsererseits bestätigen erneut, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche die Souveränität des Staates und die territoriale Integrität der Ukraine immer unterstützt hat und weiterhin unterstützt. […] Im Bewusstsein unserer besonderen geistlichen Verantwortung wenden wir uns heute an Seine Heiligkeit Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland. Eure Heiligkeit! Wir bitten Sie, Ihr Gebet für das sehr leidende ukrainische Volk zu intensivieren, ein Hirtenwort zur Beendigung des brudermörderischen Blutvergießens auf ukrainischem Boden zu sprechen und die Führung der Russischen Föderation aufzufordern, die Militäraktionen sofort einzustellen, die bereits drohen, zu einem Weltkrieg werden.

Aus der Stellungnahme des Heiligen Synods der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche vom 28. Februar 2022

Eine aufrichtige Hinwendung zu Gott wird die Welt vom Brudermord retten, wird Wege öffnen für friedliche Lösungen aller entstehenden Fragen. Im Gedenken an die Worte des Großfürsten, des heiligen Alexander von der Newa – „Gott ist nicht in der Gewalt, sondern in der Wahrhaftigkeit!“ – rufen wir alle Gläubigen auf, die Gebete „um den Frieden der ganzen Welt“, für die Leidenden, für die Umkehr und Rettung der menschlichen Seelen zu verstärken.

Aus der Stellungnahme der europäischen Bischöfe der russisch-orthodoxen Auslandskirche vom 22. Februar 2022

„Digitaler Montag“ — Neuer Themenblock: Orthodoxe Glaubenspraxis

Hl. Johannes Chrysostomus: byzantinisches Mosaik, Hagia Sophia, Konstantinopel

Seit Ende 2020 finden regelmäßige digitale Treffen unserer Mission statt, bestehend aus einem virtuellen Gottesdienst und einem Vortrag mit Diskussion — seit einigen Monaten in wöchentlichem Rhythmus als Digitaler Montag. In den vergangenen Monaten haben wir dort sowohl die orthodox-altkatholischen theologischen Konsenstexte (Koinonia auf altkirchlicher Basis, hrsg. v. Urs v. Arx, IKZ 79 [1989], Sonderheft zu Nr. 4) als auch die Geschichte des Altkatholizismus intensiv besprochen. Inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt ist dabei insbesondere das wechselseitige Versprechen, mit welchem der orthodox-altkatholische Dialog 1987 in Kavala/Griechenland endete:

„Folge und Ausdruck der gemeinsam erkannten Glaubensgemeinschaft ist die volle, liturgisch-kanonische Gemeinschaft der Kirchen, die Verwirklichung der organischen Einheit in dem einen Leib Christi. […] Die in der vollen Gemeinschaft vereinigten Kirchen erfüllen ihre Aufgaben in der Welt nicht isoliert voneinander, sondern grundsätzlich gemeinsam.“

Urs von Arx (Hrsg.): Die gemeinsamen Texte [des orthodox-altkatholischen theologischen Dialogs]. VII. Kirchengemeinschaft: Voraussetzungen und Folgen. In: IKZ 79 (1989), Sonderheft zu Nr. 4, 104–105.

Nachdem wir rund ein halbes Jahr lang die gemeinsame orthodox-altkatholische Theologie studiert haben, wollen wir uns nun vertieft mit der orthodoxen Glaubenspraxis befassen. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir daher im Rahmen des „Digitalen Montags“ den byzantinischen Ritus sowie das orthodoxe Kirchenrecht ausführlich behandeln.

Beginn des Vortrags ist jeweils um 20 Uhr, voraussichtliches Ende der Diskussion um 21:30 Uhr. Auch wer nicht alle Abende besuchen kann, ist herzlich willkommen; die Vorträge bauen nicht strikt aufeinander auf. Der ab 19:15 Uhr stattfindende Abend-Gottesdienst wird im Wechsel als Vesper (vierzehntägig ab 31. Januar) oder als Eucharistiefeier (vierzehntägig ab 7. Februar) begangen.

Zur Teilnahme braucht es lediglich:
(1) ein Endgerät (Computer/Rechner oder Mobiltelefon) mit Internetverbindung,
(2) ein (kostenloses) Zoom-Konto,
(3) den Link zum Meeting bzw. das Kennwort (aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich; bitte formlos unter herzberg@nordischkatholisch.de erfragen).

Herzliche Einladung!

Auf ein segensreiches neues Jahr!

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern
den Segen des dreieinen Gottes
in diesem neuen Jahr.

Aus dem Morgen-Offizium

Ps 67 Eröffnungspsalm des Morgen-Offiziums

Gott sei uns gnädig und segne uns!
Er lasse sein Angesicht bei uns leuchten,

3dass man auf Erden dein Walten erkenne,
unter allen Heidenvölkern dein Heil!

4Preisen müssen dich, Gott, die Völker,
preisen die Völker allesamt;

5sich freuen müssen die Völkerschaften und jubeln,
weil du die Völker gerecht richtest /
und leitest die Völkerschaften auf Erden.

6Preisen müssen dich, Gott, die Völker,
preisen die Völker allesamt!

7Das Land hat seinen Ertrag gespendet:
gesegnet hat uns Gott, unser Gott.

8Es segne uns Gott,
und fürchten müssen ihn alle Enden der Erde!

Aus der Messliturgie

Ps 122 — Introitus zum Hochfest Beschneidung des Herrn (1. Januar)

Ich freute mich, als man mir sagte:
»Wir wollen pilgern zum Hause des HERRN!«

2So stehn denn nunmehr unsre Füße
in deinen Toren, Jerusalem!

3Jerusalem, du wiedererbaute
als eine Stadt, die fest in sich geschlossen,

4wohin die Stämme hinaufziehn, die Stämme des HERRN, /
nach der für Israel gültigen Weisung,
dort den Namen des HERRN zu preisen;

5denn dort waren einst aufgestellt die Stühle zum Gericht,
die Stühle des Hauses Davids.

6Bringet Jerusalem dar den Friedensgruß:
»Heil denen, die dich lieben!

7Friede herrsche vor deinen Mauern,
sichere Ruhe in deinen Palästen!«

8Um meiner Brüder und Freunde willen
will ich dir Heil wünschen;

9um des Hauses des HERRN, unsres Gottes, willen
will ich Segen für dich erbitten.

„Freue dich, Morgenglanz“ — Die Ikone ‚Heile meinen Schmerz‘

„Freue dich, Morgenglanz des nicht untergehenden göttlichen Lichtes, die du uns bescheinst!“

Ein Beitrag zum Weihnachtsfest von Joachim Danz

Lieber Leser!

„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt?“

Wer war Jesus? Wer ist Jesus für mich? Die Alte Kirche hat lange über diese Frage nachgedacht und auch gestritten. Konzilien fanden gute, kurze und prägnante Formeln. Das Konzil von Ephesos definierte 431: „Die heilige Jungfrau ist Gottesgebärerin.“ Das Konzil von Chalzedon formulierte 451, darin das Konzil von Ephesos bestätigend: Jesus ist „wahrer Gott und wahrer Mensch.“ Die Diskussion um Jesus Christus war deshalb jedoch noch lange nicht beendet. Der Bilderstreit in Byzanz reichte bis in das 9. Jahrhundert. Er kreiste unter anderem um eben diese Frage.

Eine neue Theorie zur Person Jesu lautet: Maria wurde von einem römischen Soldaten vergewaltigt und Jesus hat erst in späteren Jahren seine Gottessohnschaft erkannt. Begründet wird dies mit dem Stammbaum nach dem Matthäusevangelium, näher hin mit den dort genannten Frauen. (Mt 1) Auch der Bericht der Ehebrecherin aus dem Johannesevangelium wird angeführt (Joh 8). Menschwerdung Gottes durch Gewalt einer Besatzungsmacht? Ich frage mich, wie und ob dies zusammenpasst.

Bereits Lew Tolstoj (1828–1910) sprach den Evangelien jedwede Inspiration ab. Und der letzte russische Gesandtschaftsgeistliche der russischen Botschaft in Berlin vor dem ersten Weltkrieg, Propst Alexios von Maltzew, stellte fest, Tolstoj und gewisse Altkatholiken seiner Zeit stimmten in der Ablehnung der Evangelien überein. Es ging um einen Zeitungsartikel im „Deutschen Merkur“ vom 1. März 1901, wonach nur das älteste Evangelium, das Markusevangelium, authentisch sei.

Nun, wir wollen uns an die Konzilien und Evangelien halten. Die Ikone „Heile meinen Schmerz“ will uns ebenfalls an die Menschwerdung des Gottessohnes erinnern. Zunächst zur Ikone selbst.

„Euch ist der Retter geboren“

Der Grund aller Verehrung der Gottesmutter ist der Titel Gottesgebärerin des oben erwähnten Konzils von Ephesos. Bis auf wenige thematische Ausnahmen sehen wir Maria deshalb immer mit dem Jesuskind. Auf unserer Ikone ruht es an ihrer Schulter. Mit ihrer linken Hand umfasst sie es.

„Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,10f.)

An Marias Seite sehen wir unseren Herrn und Retter, den Gesalbten Gottes. Es hat sich erfüllt, was der Prophet Jesaja verheißen hat: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Emmanuel nennen.“ (Jes 7,14) Es hat sich erfüllt, was der Erzengel Gabriel Maria erklärte: „Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen.“ (Lk 1,31) Das Kind hält ein Schriftband mit der Aufschrift:

„Richtet recht und ein jeder erweise seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit, und tut nicht Unrecht den Witwen, Waisen, Fremdlingen und Armen, und denke keiner gegen seinen Bruder etwas Arges in einem Herzen!“ (Sach 7,9)

Zumindest die Anfangsworte sind auf der Schriftrolle zu lesen. Man kann sie auch übersetzen: „Urteile nach Gerechtigkeit, handelt mit Erbarmen und Großmut.“

Der Prophet Sacharja verkündet uns Gottes Wort. Es ist Gottes Antwort auf menschliches Versagen. Adam und Eva waren ungehorsam geworden gegenüber Gott. Auch wir versagen oft. Der Schöpfergott sagt uns, was wir tun müssen. Wir lesen es auf der Ikone: „Tut nicht Unrecht…“ Wir sehen auf der Ikone seine menschenliebende Herablassung in Jesus Christus. Er wendet sich uns zu, wenn wir zu ihm beten. Die Ikone ist Ikone des fleischgewordenen Wortes und Ikone des Karfreitags zugleich. Es geht um Menschwerdung und Erlösung in Jesus. In ihm ist uns machtvoll das Heil aufgerichtet. (vgl. Lk 1,69)

„Deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen…“

Der Titel der Ikone ist dem Morgengebet vom Montag im 5. Ton entnommen.

„Tilge den Schmerz meiner vielseufzenden Seele,
die du tilgst jegliche Träne vom Antlitz der Erde.
Denn der Sterblichen Betrübnisse vertreibst du,
der Sünder Niedergeschlagenheit zerstörst du.
Dich haben wir alle erworben, zur Hoffnung und Stütze,
Allheilige Mutterjungfrau.“

Die Mutter Gottes vermag Seelenschmerz zu heilen, denn sie hat selbst Schmerzen erfahren. Sie lädt uns ein, uns zu freuen, denn Trübsal und Niedergeschlagenheit nimmt sie hinweg. Sie ist uns Hoffnung und Stütze. Von Hoffnung auf den Messias waren die Hirten in Betlehem erfüllt, ansonsten hätten sie sich kaum auf den Weg gemacht, noch dazu inmitten der Nacht. Das Gewand der Gottesmutter entspricht dem Farbkanon der Ikonographie. Das Untergewand ist blau und steht für die Menschheit. Doch der Sohn Gottes kam, um uns nach Hause in das Paradies zuführen. Er trägt auf Christusikonen ein rotes Untergewand. Uns bekleidet er mit neuem göttlichen Leben. Maria durfte dies als seine Mutter zuerst erfahren. Dafür steht die rote Farbe ihres Obergewandes. Das dem Rot beigemischte Braun unterstreicht noch einmal das Chthonische, das Erdhafte. Im Saum ihres Gewandes strahlt helles rot. Freude leuchtet auf. Freude, die Schmerz heilt. Die Ikone „Heile meinen Schmerz“ lädt uns ein Schmerz und Leid zu ihr zu bringen und vor sie zu tragen. Heilung, Freude und neue Hoffnung finden wir. „Die Hirten lobten und priesen Gott für all das, was sie gehört und gesehen hatten.“ Die Ikone will uns helfen mit Maria zu beten: „Hochpreiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlockt über Gott meinen Heiland.“ (Lk 1,46f.)

Eine der Randfiguren der Ikone ist der Engel Gabriel. Er rief ihr das „Freue dich“ zu. Auch so kann der Gruß übersetzt werden. Unter ihm sehen wir den bekannten Heiligen des Advents, Nikolaus. Auf der anderen Seite steht die heiligen Paraskevi. Sie erinnert an das Leiden des Herrn und den heiligen Seraphim von Sarow, der die Mutter Gottes sehr verehrte und dem sie des Öfteren erschienen ist. Gerade bei russischen Ikonen sind Randfiguren beliebt.

Das Haupt der Mutter Gottes ruht auf ihrer Hand. Sie scheint zu überlegen. Sie denkt nach. Sie betrachtet das zukünftige Leiden Jesu. Sie fühlt das Schwert im Herzen. (Vgl. Lk 2,35)

„Steh auf und wandle!“ (Mt 9,6 parr.)

Die Legende der Ikone berichtet von einer namenlosen Frau, die viel Leid erfahren hatte. Sie war gelähmt. Alle Glieder schmerzten ihr, vor allem die Beine. Sie konnte nicht mehr gehen. Im Traum sieht sie die Ikone „Heile meinen Schmerz“ und hört eine Stimme: Geh nach Moskau in die Kirche des heiligen Nikolaus im Pupyschewo-Viertel und bete vor dieser Ikone. Du wirst Heilung empfangen.“ Aus der fernen Provinz Orlow bringen Verwandte die Kranke in eben diese Kirche. Doch die geschaute Ikone findet sich nicht. Als alte Ikonen aus dem Turm gebracht werden, schreit die Kranke auf: „Sie ist es“. Lange war sie so kraftlos, dass sie nicht mehr gesprochen hatte. Nach dem Bittgottesdienst verlässt sie völlig eigenständig die Kirche. Dies geschah am 25. Januar 1760.

Die Kranke hat erfahren, was der Gelähmte im Evangelium erfahren hat. “Jener erhob sich und ging nach Haus.“ (Mt 9,7) Krankheit und Schmerz sind nicht das Ziel unseres Lebens, sondern Leben in Gott. „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“ (Joh 16,20) „Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz…“ (Offb 21,4). Gott setzt in der Menschwerdung seines Sohnes einen neuen Anfang für uns wie er der gelähmten Frau neues Leben schenkte. Der Name Jesus steht dafür, dass er sein Volk retten wird von seinen Sünden. (Vgl. Mt 1,21) Die Ikone will daran erinnern.

„Morgenglanz des göttlichen Lichtes“

Zu Ehren der Ikone wurde ein eigener Akathistos-Hymnus gedichtet. Wir wiederholen den Gruß, das „Freue dich“ des Engels und lobpreisen die Gottesmutter. Einige Verse grüßen die Ikone:

„Freue dich, du des ewigen Sohnes Wohnung.
Freue dich, die du zum Himmel emporführst, die Glauben und Liebe zu dir haben.
Freue dich, du du auf deiner Hand das unberührbare Licht trägst, durch welches unsere Seelen erleuchtet werden.
Freue dich, die du den Anfang der menschlichen Errettung erbautest.“

Die Menschwerdung des Gottessohnes wird gepriesen. Am Mittwoch und Freitag wird im Stundengebet das Theotokion (Hymnus an die Gottesmutter) durch das Stavro-Theotokion ersetzt, durch welches uns die Kreuzigung und das Leid der Mutter Gottes vor Augen gestellt werden.

„Als den sterbenden Christus erblickte die allreine Gebieterin… besang sie ihn unter Tränen als Gebieter, der war aus ihrem Mutterschoß hervorgegangen…!“ (Stavro-Theotokion vom 19.12.)

Am deutlichsten wird dies im Morgengebet des Karsamstags, wenn die Marienklage gesungen wird.

„Als die Mutter des Lammes sah, wie ihr Lamm geschlachtet wurde, weinte, sie, wie von Speerspitzen getroffen…“ (Stasis 1) oder „Wehe, erfüllt ist die Weissagung Simeons: denn ein Schwert durchdrang mein Herz.“

Es geht bei der Ikone „Heile meinen Schmerz“ wie bei jeder Ikone der Gottesgebärerin um die Menschwerdung und den Kreuzestod Jesu. Mag die Beziehung zwischen Mutter und Kind noch so innig sein, ein Mutter-Kind-Idyll will uns die Ikone nicht vor Augen führen. Der Sohn Gottes kommt in unsere Welt. Die Sünde Adams, die Vertreibung aus dem Paradies, Krankheit, Leid und Tod sind nicht das letzte Wort Gottes. Wer sich dem Lebensspender Christus zuwendet, findet neues Leben.

Daran will uns die Ikone erinnern. Neue Hinwendung zum fleischgewordenen Wort wünsche ich Ihnen zum Weihnachtsfest.

Literatur

Goltz, H.: „‚Tilge meine Schmerzen‘. Zum biblisch-theologischen Spannungsbogen des russischen Gottesmutterbildes“. In: Udo Schnelle (Hrsg.), Reformation und Neuzeit. Berlin 1994

Kassing, Karl Josef: Mirjam. Die Mutter Jeschuas. Köln 2021

Maltzew, Alexios von: Menologion, II. Berlin 1901

Tradigo, Alfredo: Ikonen. Berlin 2005

„Damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist“

Meister Dionysius: Das Bekenntnis des Thomas, Russland ca. 1500

Liturgische Eigentexte zum Hochfest des Apostels Thomas

Introitus-Psalm

Ps 128

Wohl jedem, der den HERRN fürchtet
und auf seinen Wegen wandelt!

2Deiner Hände Erwerb – du darfst ihn genießen:
wohl dir, du hast es gut!

3Deine Frau gleicht einem fruchtbaren Weinstock
im Innern deines Hauses;

deine Kinder sind wie Ölbaumschosse
rings um deinen Tisch.

4Ja wahrlich, so wird der Mann gesegnet,
der da fürchtet den HERRN.

5Dich segne der HERR von Zion her,
dass du schauest deine Lust an Jerusalems Glück dein Leben lang

6und sehest Kinder von deinen Kindern!
Heil über Israel!

Tagesgebet

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast zugelassen, dass Dein heiliger Apostel Thomas – zur größeren Befestigung seines Glaubens – die Auferstehung Deines Sohnes bezweifelte. Verleihe uns, so vollkommen und ohne Zweifel an Deinen Sohn zu glauben, dass unser Glaube vor Deinem Angesicht niemals getadelt werde. Erhöre uns hierin, o Herr! Durch denselben Jesus Christus, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung

Eph 2,19–22

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser.

Brüder und Schwestern! 19Demnach seid ihr jetzt nicht mehr Fremdlinge und Beisassen (d.h. geduldete Ausländer), sondern seid Vollbürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20aufgebaut auf der Grundmauer der Apostel und Propheten — ein Bau, bei welchem Christus Jesus selber der Eckstein ist: 21in ihm wächst jeder Bau, fest zusammengefügt, zu einem heiligen Tempel im Herrn empor, 22und in diesem werdet auch ihr (Heiden) mitauferbaut zu einer Wohnstätte Gottes im Geist.

Evangelium

Joh 20,24–31

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Thomas aber, einer von den Zwölfen, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, war nicht bei ihnen gewesen, als Jesus gekommen war. 25Die anderen Jünger teilten ihm nun mit: »Wir haben den Herrn gesehen!« Er aber erklärte ihnen: »Wenn ich nicht das Nägelmal in seinen Händen sehe und meinen Finger in das Nägelmal und meine Hand in seine Seite lege, werde ich es nimmermehr glauben!« 26Acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder im Hause, und (diesmal) war Thomas bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!« 27Darauf sagte er zu Thomas: »Reiche deinen Finger her und sieh dir meine Hände an; dann reiche deine Hand her und lege sie mir in die Seite und sei nicht (länger) ungläubig, sondern werde gläubig!« 28Da antwortete ihm Thomas: »Mein Herr und mein Gott!« 29Jesus erwiderte ihm: »Weil du mich gesehen hast, bist du gläubig geworden. Selig sind die, welche nicht gesehen haben und doch zum Glauben gekommen sind!« 30Noch viele andere Wunderzeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buche nicht aufgezeichnet stehen; 31diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben in seinem Namen habt.