Heiliger Erzengel Michael, Schutzpatron der Deutschen

Heiliger Erzengel Michael: Konstantinopel, 14. Jh.

Aus der Liturgie des Michaelisfestes

Introitus

Ps 113

1Halleluja!
Lobet, ihr Knechte des HERRN,
lobet den Namen des HERRN!

2Gepriesen sei der Name des HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!

3Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobt der Name des HERRN!

4Erhaben über alle Völker ist der HERR,
den Himmel überragt seine Herrlichkeit!

5Wer ist dem HERRN gleich, unserm Gott,
der da thront in der Höhe,

6der niederschaut in die Tiefe,
im Himmel und auf Erden?

7Er hebt aus dem Staub den Geringen empor
und erhöht aus dem Schmutz den Armen,

8um ihn sitzen zu lassen neben Edlen,
neben den Edlen seines Volks.

9Er verleiht der kinderlosen Gattin Hausrecht,
macht sie zur fröhlichen Mutter von Kindern. Halleluja!

Anm. Ps 113,5: „Wer ist Gott gleich?“ = hebr. mi-cha-el.

Tagesgebet

St. Michael und alle Engel

Ewiger Gott! Du hast die Dienste aller Engel und Menschen in wunderbarer Ordnung begründet und bestimmt. Gewähre uns in Gnaden, dass die heiligen Engel – welche Dir im Himmel allezeit dienen – auch uns auf Erden nach Deinem Befehl beistehen und verteidigen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Offb 12,7–12

Aus der geheimen Offenbarung des Johannes.

Brüder und Schwestern! 7Es erhob sich dann ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen; auch der Drache und seine Engel kämpften, 8doch gewannen sie den Sieg nicht, und ihres Bleibens war nicht länger im Himmel. 9So wurde denn der große Drache, die alte Schlange, die da ›Teufel‹ und ›Satan‹ heißt, der Verführer des ganzen Erdkreises, auf die Erde hinabgestürzt, und seine Engel wurden mit ihm hinabgestürzt. 10Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: »Jetzt ist das Heil, die Macht und die Königsherrschaft an unsern Gott gekommen und die Herrschergewalt an seinen Gesalbten! Denn hinabgestürzt ist der Ankläger unserer Brüder, der sie vor unserm Gott verklagt hat bei Tag und bei Nacht. 11Diese haben ihn um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen überwunden und haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tode. 12Darum freuet euch, ihr Himmel und die ihr in ihnen wohnt! Wehe aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel ist nun zu euch hinabgekommen und hegt gewaltige Wut, weil er weiß, dass seine Zeit nur noch kurz bemessen ist.«

Evangelium

Mt 18,1–10

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus mit der Frage: »Wer ist denn der Größte im Himmelreich?« 2Da rief er ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie 3und sagte: »Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, so werdet ihr nimmermehr ins Himmelreich eingehen. 4Wer sich demnach so demütig unter andere stellt wie dieses Kind hier, der ist der Größte im Himmelreich; 5und wer ein einziges solches Kind um meines Namens willen aufnimmt, der nimmt mich auf. 6Wer aber einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es das beste, dass ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er ins Meer versenkt würde, wo es am tiefsten ist. 7Wehe der Welt um der Verführungen willen! Wohl müssen die Verführungen kommen; doch wehe dem Menschen, durch den die Verführung kommt! 8Wenn nun deine Hand oder dein Fuß dich zum Bösen verführen will, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, verstümmelt oder lahm ins Leben einzugehen, als dass du beide Hände oder beide Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst. 9Und wenn dein Auge dich zum Bösen verführen will, so reiße es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig ins Leben einzugehen, als dass du beide Augen hast und ins Feuer der Hölle geworfen wirst. 10Sehet zu, dass ihr keinen von diesen Kleinen geringschätzt! Denn ich sage euch: Ihre Engel (= Schutzengel) im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines himmlischen Vaters.«

Heiliger Erzengel Michael,
bitte für uns
.

‚Das Vorbild von Christi Demut‘

Das heilige Abendmahl: Italo-byzantinisches Fresko,
Sant‘ Angelo in Formis bei Capua

Allen Leserinnen und Lesern dieser Seite wünschen wir
einen gesegneten Abschluss der Karwoche!

Aus der Liturgie des Gründonnerstags

Tagesgebet

Von der Heiligen Woche

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Aus zärtlicher Liebe zum Menschengeschlecht hast Du Deinen Sohn Jesus Christus gesandt, unser Fleisch anzunehmen und den Tod am Kreuz zu erdulden, auf dass die gesamte Menschheit dem Vorbild Seiner tiefen Demut folge. Verleihe uns in Gnaden, dass wir sowohl dem Beispiel Seiner Geduld folgen als auch Teilhaber Seiner Auferstehung werden. Durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Introitus

Ps 56

2Sei mir gnädig, o Gott, denn Menschen stellen mir nach!
Immerfort bedrängen mich Krieger.

3Meine Feinde stellen mir immerfort nach,
ja viele sind’s, die in Hochmut mich befehden.

4In Zeiten, da mir angst ist, vertrau ich auf Dich!
5Mit Gottes Hilfe werde sein Wort ich rühmen.

Auf Gott vertrau’ ich, fürchte mich nicht;
was können Menschen mir antun?

6Allzeit suchen sie meiner Sache zu schaden;
gegen mich ist all ihr Sinnen gerichtet auf Böses.

7Sie rotten sich zusammen, lauern auf meine Schritte,
dieweil sie nach dem Leben mir trachten.

8Ob der Bosheit zahle ihnen heim,
im Zorn lass die Völker niedersinken, o Gott!

9Meines Elends Tage hast Du gezählt, /
meine Tränen in Deinem Schlauche gesammelt;
ja gewiss, sie stehen in Deinem Buche verzeichnet.

10So werden denn meine Feinde weichen, sobald (zu Gott) ich rufe;
dessen bin ich gewiss, dass Gott mir beisteht.

11Mit Gottes Hilfe werde sein Wort ich rühmen,
mit Hilfe des HERRN werde sein Wort ich rühmen.

12Auf Gott vertrau’ ich, fürchte mich nicht:
was können Menschen mir antun?

13Mir obliegt es, Dir, Gott, zu erfüllen meine Gelübde:
Dankopfer will ich Dir entrichten;

14denn Du hast meine Seele vom Tode errettet,
ja, meine Füße vom Straucheln,

dass ich wandeln soll vor Gottes Angesicht
im Lichte des Lebens.

Alternativ: Ps 69

Epistel

1 Kor 11,17–34

Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther.

Brüder und Schwestern! 17Die folgenden Anordnungen aber treffe ich, weil ich es nicht löblich finde, dass eure Zusammenkünfte euch nicht zum Segen, sondern zur Schädigung gereichen. 18Zunächst nämlich höre ich, dass, wenn ihr in einer Gemeindeversammlung zusammenkommt, Spaltungen unter euch bestehen, und zum Teil glaube ich es wirklich; 19es muss ja doch auch Parteiungen bei euch geben, damit die Bewährten unter euch erkennbar werden! 20Wenn ihr also an einem Ort zusammenkommt, so ist es nicht möglich, das Herrenmahl in rechter Weise zu halten; 21denn jeder nimmt beim Essen seine eigene Mahlzeit vorweg, so dass der eine hungrig bleibt, während der andere trunken ist. 22Habt ihr denn keine Häuser, um dort zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und geht ihr darauf aus, die Unbemittelten zu beschämen? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Punkte sicherlich nicht! 23Denn ich habe es meinerseits vom Herrn her so mitgeteilt erhalten, wie ich es euch auch überliefert habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, in der er verraten wurde, nahm er Brot, 24sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: »Dies ist mein Leib, (der) für euch (dahingegeben wird); dies tut zu meinem Gedächtnis!« 25Ebenso (nahm er) auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr (ihn) trinkt, zu meinem Gedächtnis!« 26Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr (damit) den Tod des Herrn, bis er (wieder-) kommt. 27Wer daher in unwürdiger Weise das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der wird sich am Leibe und am Blute des Herrn versündigen. 28Jedermann prüfe sich also selbst und esse dann erst von dem Brot und trinke aus dem Kelch! 29Denn wer da isst und trinkt, der zieht sich selbst durch sein Essen und Trinken ein (göttliches) Strafurteil zu, wenn er den Leib (des Herrn) nicht unterscheidet. 30Deshalb gibt es unter euch auch Schwache und Kranke in so großer Zahl, und gar viele sind schon entschlafen. 31Wenn wir aber mit uns selbst ins Gericht gingen, so würden wir kein Strafurteil empfangen. 32Indem wir jedoch ein Strafurteil empfangen, werden wir vom Herrn in Zucht genommen, damit wir nicht mit der Welt zusammen verurteilt werden. 33Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Mahle zusammenkommt, so wartet aufeinander! 34Wenn jemand Hunger hat, so esse er (vorher) zu Hause, damit ihr durch eure Zusammenkünfte euch kein Strafgericht zuzieht. Das Weitere werde ich anordnen, wenn ich (zu euch) komme.

Evangelium

Joh 13,1–32

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wohl wusste, dass für ihn die Stunde gekommen sei, aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen, bewies er den Seinen, die in der Welt waren, die Liebe, die er (bisher) zu ihnen gehegt hatte, bis zum letzten Augenblick. 2Es war bei einem Mahl, und schon hatte der Teufel dem Judas Iskariot, dem Sohne Simons, den Entschluss des Verrats eingegeben. 3Weil Jesus nun wusste, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen sei und wieder zu Gott hingehe, 4erhob er sich beim Mahl von seinem Platz, legte die Oberkleidung ab, nahm einen linnenen Schurz und band ihn sich um. 5Danach goss er Wasser in das Waschbecken und begann seinen Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem linnenen Schurz, den er sich umgebunden hatte, abzutrocknen. 6So kam er denn auch zu Simon Petrus. Dieser sagte zu ihm: »Herr, du willst mir die Füße waschen?« 7Jesus antwortete ihm mit den Worten: »Was ich damit tue, verstehst du jetzt noch nicht, du wirst es aber nachher verstehen.« 8Petrus entgegnete ihm: »Nun und nimmer sollst du mir die Füße waschen!« Jesus antwortete ihm: »Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Anteil an mir.« 9Da sagte Simon Petrus zu ihm: »Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und den Kopf!« 10Jesus antwortete ihm: »Wer gebadet ist, dem braucht nichts weiter gewaschen zu werden als die Füße, sondern er ist am ganzen Körper rein; und ihr seid rein, jedoch nicht alle.« 11Er kannte nämlich seinen Verräter wohl; deshalb sagte er: »Ihr seid nicht alle rein.« 12Nachdem er ihnen nun die Füße gewaschen und seine Oberkleidung wieder angelegt und seinen Platz am Tisch wieder eingenommen hatte, sagte er zu ihnen: »Versteht ihr, was ich an euch getan habe? 13Ihr redet mich mit ›Meister‹ und ›Herr‹ an und habt recht mit dieser Benennung, denn ich bin es wirklich. 14Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr verpflichtet, einander die Füße zu waschen; 15denn ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit ihr es ebenso machet, wie ich an euch getan habe. 16Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ein Knecht steht nicht höher als sein Herr, und ein Sendbote (= Apostel) nicht höher als sein Absender. 17Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr danach handelt! 18Nicht von euch allen rede ich; ich weiß ja, wie die beschaffen sind, welche ich erwählt habe; aber das Schriftwort muss erfüllt werden: ›Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.‹ 19Schon jetzt sage ich es euch, noch bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin (den die Schrift meint). 20Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer dann, wenn ich jemand sende, ihn aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.« 21Nach diesen Worten wurde Jesus im Geist aufs tiefste erschüttert und sprach es offen aus: »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten!« 22Da blickten die Jünger einander an und waren ratlos darüber, wen er meinte. 23Es hatte aber einer von seinen Jüngern bei Tisch seinen Platz an der Brust Jesu, nämlich der, den Jesus (besonders) lieb hatte. 24Diesem gab nun Simon Petrus einen Wink und sagte ihm: »Lass uns wissen, wen er meint!« 25Jener lehnte sich nun auch sogleich an die Brust Jesu zurück und fragte ihn: »Herr, wer ist es?« 26Da antwortete Jesus: »Der ist es, dem ich den Bissen (in die Schüssel) eintauchen und reichen werde.« Darauf tauchte er den Bissen ein, nahm ihn und reichte ihn dem Judas, dem Sohne Simons aus Kariot. 27Nachdem dieser den Bissen genommen hatte, fuhr der Satan in ihn hinein. Nun sagte Jesus zu ihm: »Was du zu tun vorhast, das tu bald!« 28Was er ihm damit hatte sagen wollen, verstand keiner von den Tischgenossen. 29Einige nämlich meinten, weil Judas die Kasse führte, wolle Jesus ihm sagen: »Kaufe das ein, was wir für das Fest nötig haben«, oder er solle den Armen etwas geben. 30Nachdem nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht. 31Nach seinem Weggange nun sagte Jesus: »Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht worden! 32Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, so wird Gott auch ihn in sich selbst verherrlichen, und zwar wird er ihn sofort verherrlichen.

Frisch gebackene Prosphoren (Brothostien) aus der Nordisch-katholischen Mission in Südwestdeutschland

Antiphon

Traditionell zur Fußwaschung / Ubi caritas et amor

Und/oder:

„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst“

Aschenkreuz (Bildquelle Pixabay)

Aus der Liturgie des Aschermittwochs

Segnung der Asche

O Gott, Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er zu Dir umkehrt. Daher bitten wir Dich: Sieh gnädig herab auf die Gebrechlichkeit unserer menschlichen Natur. In Deiner Güte und Huld segne + diese Asche, die wir zum Zeichen unsres Elends und unsrer Demut auf unsre Häupter streuen lassen. Wir erkennen, dass wir Staub sind und zur Strafe für unsre Bosheit einst zum Staub zurückkehren werden. Doch lass uns durch Dein Erbarmen die Verzeihung aller Sünden erlangen; gewähre uns, jenen Lohn zu erhalten, der allen verheißen ist, die aufrichtig und bußfertig zu Dir umkehren. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Introitus

Ps 6

HERR, nicht in deinem Zorne strafe mich
und nicht in deinem Ingrimm züchtige mich!

3Sei mir gnädig, o HERR, denn ich bin am Verschmachten!
Heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken,

4und meine Seele ist voller Angst!
Du aber, o HERR, – wie lange noch (willst du fern sein)?

5Kehre doch wieder, o HERR, errette meine Seele!
Hilf mir um deiner Gnade willen!

6Denn im Tode gedenkt man deiner nicht:
im Totenreich – wer singt da dein Lob?

7Erschöpft bin ich von all meinem Seufzen;
in jeder Nacht benetze ich mein Bett,
mache mein Lager zu einer Tränenflut.

8Geschwunden ist mein Augenlicht vor Gram,
gealtert (vom Weinen) ob all meinen Feinden.

9Hinweg von mir, ihr Übeltäter alle!
Denn der HERR hat mein lautes Weinen gehört;

10gehört hat der HERR mein Flehen:
der HERR nimmt mein Gebet an.

11Alle meine Feinde werden zuschanden werden
und ganz bestürzt dastehen:
mit Schanden müssen sie abziehen augenblicklich!

Tagesgebet

Vom Aschermittwoch

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hassest keines Deiner Geschöpfe und vergibst allen Bußfertigen ihre Sünden. Schaffe in uns neue und zerschlagene Herzen, dass wir – unsere Sünden beklagend und unser Elend erkennend – von Dir, dem Gott aller Gnade, vollkommene Verzeihung und Vergebung erlangen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Joel 2,12–17

Lesung aus dem Buch des Propheten Joel.

»Doch auch jetzt noch« – so lautet der Ausspruch des HERRN – »kehret um zu mir mit eurem ganzen Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen!« 13So zerreißt denn eure Herzen statt eurer Kleider und kehret zurück zum HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und reich an Güte, und er lässt sich das Unheil leid sein: 14vielleicht lässt er es sich auch jetzt leid sein und lässt hinter sich noch einen Segen zurück; nämlich Speisopfer und Trankspende für den HERRN, euren Gott. 15Stoßt in die Posaune auf dem Zion, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen allgemeinen Bettag aus! 16Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, ruft die Greise herbei, lasst die Kinder und die Säuglinge zusammenkommen! Der Neuvermählte trete aus seiner Kammer hervor und die junge Frau aus ihrem Gemach! 17Zwischen der Vorhalle und dem Altar sollen die Priester, die Diener des HERRN, weinen und so beten: »Verschone, HERR, dein Volk und gib dein Erbe nicht der Schande preis, dass sie den Heiden zum Spott dienen! Warum soll man unter den Heidenvölkern sagen: ›Wo ist nun ihr Gott?‹«

Evangelium

Mt 6,16–21

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Jesus lehrte seine Jünger: 16»Wenn ihr fastet, sollt ihr kein finsteres Gesicht machen wie die Heuchler; denn sie geben sich ein trübseliges Aussehen, um sich den Leuten mit ihrem Fasten zur Schau zu stellen. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. 17Du aber, wenn du fastest, salbe dir das Haupt und wasche dir das Gesicht, 18um dich nicht mit deinem Fasten den Leuten zu zeigen, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; dein Vater aber, der auch ins Verborgene hineinsieht, wird es dir alsdann vergelten. 19Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motten und Rost sie vernichten und wo Diebe einbrechen und stehlen! 20Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie vernichten und wo keine Diebe einbrechen und stehlen! 21Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.«

„Damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist“

Meister Dionysius: Das Bekenntnis des Thomas, Russland ca. 1500

Liturgische Eigentexte zum Hochfest des Apostels Thomas

Introitus-Psalm

Ps 128

Wohl jedem, der den HERRN fürchtet
und auf seinen Wegen wandelt!

2Deiner Hände Erwerb – du darfst ihn genießen:
wohl dir, du hast es gut!

3Deine Frau gleicht einem fruchtbaren Weinstock
im Innern deines Hauses;

deine Kinder sind wie Ölbaumschosse
rings um deinen Tisch.

4Ja wahrlich, so wird der Mann gesegnet,
der da fürchtet den HERRN.

5Dich segne der HERR von Zion her,
dass du schauest deine Lust an Jerusalems Glück dein Leben lang

6und sehest Kinder von deinen Kindern!
Heil über Israel!

Tagesgebet

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast zugelassen, dass Dein heiliger Apostel Thomas – zur größeren Befestigung seines Glaubens – die Auferstehung Deines Sohnes bezweifelte. Verleihe uns, so vollkommen und ohne Zweifel an Deinen Sohn zu glauben, dass unser Glaube vor Deinem Angesicht niemals getadelt werde. Erhöre uns hierin, o Herr! Durch denselben Jesus Christus, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung

Eph 2,19–22

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser.

Brüder und Schwestern! 19Demnach seid ihr jetzt nicht mehr Fremdlinge und Beisassen (d.h. geduldete Ausländer), sondern seid Vollbürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20aufgebaut auf der Grundmauer der Apostel und Propheten — ein Bau, bei welchem Christus Jesus selber der Eckstein ist: 21in ihm wächst jeder Bau, fest zusammengefügt, zu einem heiligen Tempel im Herrn empor, 22und in diesem werdet auch ihr (Heiden) mitauferbaut zu einer Wohnstätte Gottes im Geist.

Evangelium

Joh 20,24–31

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Thomas aber, einer von den Zwölfen, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, war nicht bei ihnen gewesen, als Jesus gekommen war. 25Die anderen Jünger teilten ihm nun mit: »Wir haben den Herrn gesehen!« Er aber erklärte ihnen: »Wenn ich nicht das Nägelmal in seinen Händen sehe und meinen Finger in das Nägelmal und meine Hand in seine Seite lege, werde ich es nimmermehr glauben!« 26Acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder im Hause, und (diesmal) war Thomas bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!« 27Darauf sagte er zu Thomas: »Reiche deinen Finger her und sieh dir meine Hände an; dann reiche deine Hand her und lege sie mir in die Seite und sei nicht (länger) ungläubig, sondern werde gläubig!« 28Da antwortete ihm Thomas: »Mein Herr und mein Gott!« 29Jesus erwiderte ihm: »Weil du mich gesehen hast, bist du gläubig geworden. Selig sind die, welche nicht gesehen haben und doch zum Glauben gekommen sind!« 30Noch viele andere Wunderzeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buche nicht aufgezeichnet stehen; 31diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben in seinem Namen habt.

„Der Herr ist nahe“ — „Ebnet Ihm den Weg!“

Gottesgebärerin „des Zeichens“ von Jaroslawl, 13. Jh.

Liturgische Eigentexte des 4. Advent

Introitus-Psalm mit Antiphon

Text: Jes 45,8a (Vulgata), Melodie: gregorianisch

Ps 5

2Vernimm meine Worte, o HERR,
merke auf mein Seufzen!

3Ach, hör’ auf mein lautes Flehen, /
mein König und mein Gott;
denn zu dir geht mein Gebet!

4O HERR, in der Frühe schon hörst du mein Rufen, /
in der Frühe schon richte ich dir ein Opfer zu
und spähe aus nach dir.

5Du bist ja nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt:
kein Böser darf als Gast bei dir weilen;

6Ruhmredige dürfen dir nicht vor die Augen treten:
du hassest alle Übeltäter.

7Du lässt die Lügner zugrunde geh’n; /
wer mit Blutvergießen und Trug sich befasst,
den verabscheut der HERR.

8Ich aber darf nach deiner großen Gnade dein Haus betreten,
ich darf vor deinem heiligen Tempel
in Ehrfurcht vor dir mich niederwerfen.

9HERR, leite mich in deiner Gerechtigkeit
um meiner Feinde willen,
ebne vor mir deinen Weg!

10Denn in ihrem Mund ist keine Aufrichtigkeit,
ihr Inneres sinnt Unheil;

ein offenes Grab ist ihre Kehle,
mit ihrer Zunge reden sie glatte Worte.

11Laß sie büßen, o Gott, dass zu Fall sie kommen durch ihre Anschläge! /
Stoße sie weg von dir ob der Menge ihrer Frevel,
denn sie haben dir Trotz geboten!

12Dann werden alle sich freu’n, die auf dich vertrauen:
allzeit werden sie jubeln, dass du sie beschirmst;

und frohlocken werden alle über dich,
die deinen Namen lieben.

13Denn du, HERR, segnest den Gerechten,
schirmst ihn mit Gnade wie mit einem Schilde.

Tagesgebet

Vom 4. Advent

O Herr! Wir bitten Dich: Erhebe Dich in Deiner Macht, komm in unsere Mitte und steh uns bei durch Deine große Kraft, damit wir nicht länger durch unsere Sünden und Schwachheiten in dem Kampf, der uns bestimmt ist, gehemmt und gehindert werden, sondern uns durch Deine Gnade und Barmherzigkeit Hilfe und Errettung zuteil werden. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung

Phil 4,4–7

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper.

Brüder und Schwestern! 4Freuet euch im Herrn allezeit! Noch einmal wiederhole ich’s: »Freuet euch!« 5Lasst eure Sanftmut allen Menschen kund werden: der Herr ist nahe! 6Sorgt euch um nichts, sondern lasst in jeder Lage eure Anliegen durch Gebet und Flehen verbunden mit Danksagung vor Gott kund werden! 7Dann wird der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, eure Herzen und euer ganzes Denken in Christus Jesus bewahren. 

Evangelium

Joh 1,19–28

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Dies ist nun das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, die ihn fragen sollten, wer er sei. 20Da bekannte er unverhohlen und erklärte offen: »Ich bin nicht der Messias.« 21Sie fragten ihn weiter: »Was denn? Bist du Elia?« Er sagte: »Nein, ich bin es nicht.« »Bist du der Prophet?« Er antwortete: »Nein.« 22Da sagten sie zu ihm: »Wer bist du denn? Wir müssen doch denen, die uns gesandt haben, eine Antwort bringen! Wofür gibst du selbst dich aus?« 23Da antwortete er: »Ich bin die Stimme dessen, der in der Wüste ruft: ›Ebnet dem Herrn den Weg!‹, wie der Prophet Jesaja geboten hat.« (Jes 40,3) 24Die Gesandten aber gehörten zu den Pharisäern 25und fragten ihn weiter: »Warum taufst du denn, wenn du weder der Messias noch Elia, noch der Prophet bist?« 26Da antwortete Johannes ihnen: »Ich taufe nur mit Wasser; aber mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt, 27der nach mir kommt und für den ich nicht gut genug bin, ihm den Riemen seines Schuhwerks aufzubinden.« 28Dies ist in Bethanien geschehen jenseits des Jordans, wo Johannes sich aufhielt und taufte.

„O Weisheit … komm!“

Die erste O-Antiphon: aus einem dominikanischen Antiphonale, ca. 1300

An den letzten sieben Abenden des Advent (17.–23. Dezember) nimmt das tägliche Abendlob (Vesper) der Kirche eine besonders feierliche Form an. So wie sonst erklingt auch an diesen Abenden vor dem abschließenden Gebetsteil der Lobgesang der heiligen Maria (Magnificat, Lk 1,46–55). Doch wird hier die heilsgeschichtliche Bedeutung dieses biblischen Lobhymnus durch jeweils vorausgehende Gesänge (die sogenannten O-Antiphonen) in besonderer Weise entfaltet.

Die heilige Maria sang ihren Lobpreis nämlich als Antwort auf die Ankündigung des Erzengels Gabriel, dass sie zur Mutter des ihrem Volk verheißenen Messias werden würde. Ihr Lobgesang steht damit an der Schwelle vom Alten zum Neuen Bund und bezieht sich ausdrücklich auf die an das jüdische Volk bzw. die Nachkommenschaft Abrahams ergangenen Verheißungen (Lk 1,55). Die Liturgie der Kirche will uns in diese Haltung der gläubigen sehnsuchtsvollen Erwartung mit hinein nehmen (so wie auch die Liturgie des 4. Adventssonntags, z.B. schon durch die Introitus-Antiphon „Tauet, ihr Himmel, den Gerechten“, lateinisch Rorate caeli). Wie die Gläubigen des Alten Bunds, so sollen auch wir — gerade jetzt in den Tagen vor Weihnachten — unser Leben ausrichten auf die Erwartung der Ankunft des verheißenen Messias (Christus): des von Gott selbst eingesetzten gerechten, weisen und allmächtigen Königs, dessen Königtum kein Ende haben wird.

[Die sehnsuchtsvolle Erwartung des Messias als Erlöser des Gottesvolkes kommt an vielen Stellen des Alten Testaments zum Ausdruck. Einige besonders bedeutende dieser Schriftstellen wurden (spätestens) im 6. Jahrhundert in lateinischer Dichtung kombiniert; das Ergebnis sind sieben kurzen Gesänge (Antiphonen), die Eingang in die Adventsliturgie des alten römischen Ritus gefunden haben. Allen gemeinsam ist, dass sie zu Beginn den göttlichen Messias mit einem Titel anrufen, der ihm schon im Alten Testament beigelegt wird, und ein flehentliches „O“ vorausschicken. Deshalb sind sie unter dem Namen O-Antiphonen bekannt. Sie schließen jeweils mit der Bitte um das Kommen des verheißenen Messias und um einen bestimmten Aspekt der Erlösung.]

Beispielsweise wird am 17. Dezember Christus angerufen als göttliches Wort der Weisheit (vgl. Spr 8): O Sapientia, quae ex ore Altimissi prodisti, zu deutsch: „O Weisheit, die Du aus dem Munde des Höchsten hervorgegangen bist“. Nach weiteren poetischen Beschreibungen der göttlichen Weisheit gipfelt der Gesang in der Bitte veni ad docendum nos viam prudentiae — „komm, um uns den Weg (wirklicher) Klugheit zu lehren“. Gemeint ist hier eine Klugheit, die unser Leben als Gabe Gottes versteht, für die wir einst bei der Wiederkunft des Herrn Rechenschaft ablegen müssen; wirkliche Weisheit und wahre Einsicht wurzeln deshalb in der Ehrfurcht vor Gott (Spr 1,7; 9,10).

[In dem spätlateinischen (mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen) Hymnus Veni, veni Emmanuel sind einige der O-Antiphonen noch einmal etwas kürzer und auf einen Endreim zusammengefasst worden. Dieser Hymnus ist auch, jeweils unter dem Titel „O komm, o komm, Immanuel“ in verschiedenen Fassungen ins Deutsche übertragen worden (z.B. von Heinrich Bone 1847 und Köln 1852).]

Das Mit-Singen und -Beten der sieben O-Antiphonen will uns mit hinein nehmen in die sehnsuchtsvolle Erwartung der Ankunft und Wiederkunft des göttlichen Erlösers. Dies ist eine Erwartung, die das Volk Gottes seit jeher auszeichnet, aber aufgrund des ersten Kommens Christi in diese Welt, das wir an Weihnachten feiern, ein bleibendes Unterpfand hat. Wenn wir eintauchen in diese Erwartung und davon unser Leben aufs Neue prägen lassen, wird das diesjährige Christfest, allen Widrigkeiten zum Trotz, für uns wirklich zur „heiligen Nacht“. Ja, dann wird (vgl. Gal 4,19) an Weihnachten Christus auch in uns geboren!

‚Das im Dunkel Verborgene bringt Er ans Licht‘

Deesis aus der Nikolauskirche, Pskow, 13. Jh.

Liturgische Eigentexte des 3. Advent

Introitus-Psalm

Ps 4

2Wenn ich rufe, erhöre mich,
du Gott meiner Gerechtigkeit!

In Bedrängnis hast du mir (immer) Raum geschafft:
sei mir gnädig und höre mein Gebet!

3Ihr Herrensöhne, wie lange noch
soll meine Ehre geschändet werden?

Wie lange noch wollt ihr an Eitlem hangen,
auf Lügen ausgeh’n?

4Erkennt doch, dass der HERR /
den ihm Getreuen sich auserkoren:
der HERR vernimmt’s, wenn ich zu ihm rufe.

5Seid zornerregt, doch versündigt euch nicht!
Denkt nach im stillen auf eurem Lager und schweigt!

6Bringt Opfer der Gerechtigkeit dar
und vertraut auf den HERRN!

7Es sagen gar viele:
»Wer lässt Gutes uns schauen?«

Erhebe über uns, o HERR,
das Licht deines Angesichts!

8Du hast mir größere Freude ins Herz gegeben
als ihnen zur Zeit, wo sie Korn und Wein in Fülle haben.

9In Frieden will ich beides,
mich niederlegen und schlafen;

denn du allein, HERR, lässt mich
in Sicherheit wohnen.

Tagesgebet

Vom 3. Advent

Herr, wir flehen Dich an:
Erhöre unser Gebet, suche uns in Gnaden heim
und erleuchte die Finsternis unserer Herzen.
Durch unseren Herrn Jesus Christus,
der mit Dir und dem Heiligen Geist,
ein einiger Gott, lebt und herrscht,
jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

1 Kor 4,1–5

Aus dem ersten Brief des Apostels Pauls an die Korinther.

Brüder und Schwestern! 1Dafür halte uns jedermann, nämlich für Diener Christi und für Verwalter der Geheimnisse Gottes. 2Bei dieser Sachlage verlangt man allerdings von den Verwaltern, dass ein solcher treu erfunden werde. 3Doch was mich betrifft, so ist es mir etwas ganz Geringes, ob ich von euch oder von sonst einem menschlichen Gerichtshof ein Urteil empfange; ja, ich gebe nicht einmal selbst ein Urteil über mich ab. 4Denn ich bin mir wohl keiner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich noch nicht gerechtfertigt; nein, der Herr ist’s, der das Urteil über mich abgibt. 5Daher urteilet über nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Dunkel Verborgene ans Licht bringen und die Gedanken der Herzen offenbar machen wird; und dann wird einem jeden das ihm gebührende Lob von Gott her zuteil werden.

Evangelium

Mt 11,2–10

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Als aber Johannes im Gefängnis von dem Wirken Christi hörte, sandte er durch seine Jünger Botschaft an ihn 3und ließ ihn fragen: »Bist du es, der da kommen soll (d.h. der verheißene Messias), oder sollen wir auf einen andern warten?« 4Jesus gab ihnen zur Antwort: »Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: 5Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt, und Armen wird die Heilsbotschaft verkündigt (Jes 35,5–6; 61,1)6und selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt!« 7Als diese nun den Rückweg antraten, begann Jesus zu den Volksscharen über Johannes zu reden: »Wozu seid ihr damals in die Wüste hinausgezogen? Wolltet ihr euch ein Schilfrohr ansehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? 8Nein; aber wozu seid ihr hinausgezogen? Wolltet ihr einen Mann in weichen Gewändern sehen? Nein; die Leute, welche weiche Gewänder tragen, sind in den Königsschlössern zu finden. 9Aber wozu seid ihr denn hinausgezogen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: einen Mann, der noch mehr ist als ein Prophet! 10Denn dieser ist es, auf den sich das Schriftwort bezieht (Mal 3,1): ›Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der dir den Weg vor dir her bereiten soll.‹

‚Er hat Worte, die nicht vergehen‘

Christus der Allherrscher: Deesis-Mosaik, Hagia Sophia, 13. Jh.
[Foto: Dianelos Georgoudis, CC BY-SA 3.0]

Liturgische Eigentexte des 2. Advent

Introitus-Psalm

Ps 120

1Ich rief zum HERRN in meiner Not:
da erhörte er mich.

2O HERR, errette mich von der Lügenlippe,
von der trügerischen Zunge!

3Was wird Er dir jetzt und in Zukunft bescheren,
du trügerische Zunge?

4Geschärfte Kriegerpfeile
samt Kohlen vom Ginsterstrauch!

5Wehe mir, dass ich als Fremdling in Mesech weile,
dass ich wohne bei den Zelten von Kedar!

6Lange genug schon weile ich hier
bei Leuten, die den Frieden hassen.

7Ich bin ganz friedlich gestimmt, doch was ich auch rede:
sie gehen auf Krieg aus.

Tagesgebet

Vom 2. Advent

Gepriesener Herr! Dein Sohn Jesus Christus ist Dein ewiges Wort, und Du hast uns zur Belehrung die gesamte Heilige Schrift gegeben. Gewähre uns, sie so zu hören, zu überdenken und in unseren Herzen zu bewegen, dass wir durch Geduld und den Trost Deines Wortes die selige Hoffnung des ewigen Lebens, das Du uns in unserem Erlöser Jesus Christus verliehen hast, ergreifen und immer festhalten. Durch Ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer.

Röm 15,4–13

Brüder und Schwestern! 4So ist ja alles, was vor Zeiten geschrieben worden ist, für uns zur Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost, den die (heiligen) Schriften gewähren, an der Hoffnung festhalten. 5Der Gott aber, von dem Geduld und Trost kommen, möge euch dazu verhelfen, einen einträchtigen Sinn untereinander nach dem Vorbild Christi Jesu zu besitzen, 6damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus preisen könnt. 7Darum nehmet euch gegenseitig (in Liebe) an, wie auch Christus euch zu Gottes Verherrlichung (in Liebe) angenommen hat! 8Ich meine nämlich: Christus ist ein Diener der Beschneidung (= der Juden) geworden zum Erweis der Wahrhaftigkeit Gottes, um die den Vätern gegebenen Verheißungen zu verwirklichen, 9die Heiden andrerseits sollen Gott um seiner Barmherzigkeit willen preisen, wie geschrieben steht (Ps 18,50): »Darum will ich dich preisen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.« 10Und an einer anderen Stelle heißt es (Dtn 32,43): »Freuet euch, ihr Heiden, im Verein mit seinem Volke!« 11und an einer anderen Stelle (Ps 117,1): »Lobet, ihr Heiden alle, den Herrn, und alle Völker sollen ihn preisen!« 12Weiter sagt Jesaja (Jes 11,10): »Erscheinen wird der Wurzelspross Isais, und zwar er, der da aufsteht, um über die Heiden zu herrschen: auf ihn werden die Heiden ihre Hoffnung setzen.« 13Der Gott aber, der unsere Hoffnung ist, erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden auf dem Grunde des Glaubens, damit ihr immer reicher an Hoffnung werdet durch die Kraft des heiligen Geistes!

Evangelium

Lk 21,25–33

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Der Herr sprach zu seinen Jüngern: 25»Dann werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen in Erscheinung treten und auf der Erde wird Verzweiflung der Völker in ratloser Angst beim Brausen des Meeres und seines Wogenschwalls herrschen, 26indem Menschen den Geist aufgeben vor Furcht und in banger Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen werden; denn (sogar) die Kräfte des Himmels werden in Erschütterung geraten (Jes 34,4)27Und hierauf wird man den Menschensohn auf einer Wolke kommen sehen mit großer Macht und Herrlichkeit (Dan 7,13)28Wenn dies nun zu geschehen beginnt, dann richtet euch auf und hebt eure Häupter empor; denn eure Erlösung naht.« 29Er sagte ihnen dann noch ein Gleichnis: »Seht den Feigenbaum und alle anderen Bäume an: 30sobald sie ausschlagen, erkennt ihr, wenn ihr es seht, von selbst, dass nunmehr der Sommer nahe ist. 31So sollt auch ihr, wenn ihr alles dieses eintreten seht, erkennen, dass das Reich Gottes nahe ist. 32Wahrlich ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles geschieht. 33Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nimmermehr vergehen!«

[Übersetzung der biblischen Texte nach Hermann Menge]

„Siehe, dein König kommt!“

Einzug Christi in Jerusalem: Palastkapelle Palermo, 12. Jh.

Liturgische Eigentexte des 1. Advent

Introitus-Psalm

Ps 1

1Wohl dem, der nicht wandelt
im Rat der Gottlosen

und nicht tritt auf den Weg der Sünder,
noch sitzt im Kreise der Spötter,

2vielmehr Gefallen hat am Gesetz des HERRN
und sinnt über sein Gesetz bei Tag und bei Nacht!

3Der gleicht einem Baum, gepflanzt an Wasserbächen,
der seine Früchte bringt zu rechter Zeit

und dessen Laub nicht welkt;
und alles, was er beginnt, das gelingt.

4Nicht also die Gottlosen: nein,
sie gleichen der Spreu, die der Wind verweht.

5Darum werden die Gottlosen nicht im Gericht bestehn
und die Sünder nicht in der Gemeinde der Gerechten.

6Denn es kennt der HERR den Weg der Gerechten;
doch der Gottlosen Weg führt ins Verderben.

Tagesgebet

Vom 1. Advent

Allmächtiger Gott! Dein ewiger Sohn Jesus Christus hat sich selbst dazu erniedrigt, an unserem vergänglichen Leben Anteil zu nehmen. Gewähre uns in diesem Leben die Gnade, die Werke der Finsternis abzulegen und die Waffen des Lichts anzulegen – damit am Jüngsten Tag, wenn Er in Seiner herrlichen Majestät wiederkommen wird, die Lebenden und die Toten zu richten, auch wir zum unsterblichen Leben auferstehen werden. Durch Ihn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Röm 13,8–14

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer.

Brüder und Schwestern! 8Bleibt niemand etwas schuldig, außer dass ihr einander liebt; denn wer den anderen liebt, hat damit das Gesetz erfüllt. 9Denn das Gebot: »Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, lass dich nicht gelüsten!« und jedes andere derartige Gebot ist in diesem Wort einheitlich zusammengefasst (Lev 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« 10Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; demnach ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. 11Und zwar (verhaltet euch auf diese Weise) in richtiger Erkenntnis der (gegenwärtigen) Zeit, dass nämlich die Stunde nunmehr für uns da ist, aus dem Schlaf zu erwachen; denn jetzt ist die Rettung uns näher als damals, als wir zum Glauben gekommen sind: 12die Nacht ist vorgerückt und der Tag nahegekommen. So lasset uns denn die Werke der Finsternis abtun, dagegen die Waffen des Lichts anlegen! 13Lasset uns sittsam wandeln, wie es sich am Tage geziemt: nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht; 14nein, ziehet den Herrn Jesus Christus an, und seid dem Fleisch nicht so zu Diensten, dass böse Begierden dadurch erregt werden!

Evangelium

Mt 21,1–13

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit, 1als sie sich Jerusalem näherten und nach Bethphage an den Ölberg gekommen waren, da sandte Jesus zwei von seinen Jüngern ab 2mit der Weisung: »Geht in das Dorf, das vor euch liegt! Ihr werdet dort sogleich (am Eingang) eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und bringt sie mir her! 3Und wenn euch jemand etwas sagen sollte, so antwortet ihm: ›Der Herr hat sie nötig, wird sie aber sofort zurückschicken.‹« 4Dies ist aber geschehen, damit das Wort des Propheten erfüllt werde, das da lautet (Jes 62,11; Sach 9,9)5»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, dem Jungen des Lasttiers.« 6Als nun die Jünger hingegangen waren und den Auftrag Jesu ausgerichtet hatten, 7führten sie die Eselin mit dem Füllen herbei, legten ihre Mäntel auf sie, und er setzte sich darauf. 8Die überaus zahlreiche Volksmenge aber breitete ihre Mäntel auf den Weg aus, andere hieben Zweige von den Bäumen ab und streuten sie auf den Weg; 9und die Scharen, die im Zuge vor ihm her gingen und die, welche ihm nachfolgten, riefen laut: »Hosianna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in den Himmelshöhen!« 10Als er dann in Jerusalem eingezogen war, geriet die ganze Stadt in Bewegung, und zwar fragte man: »Wer ist dieser?« 11Da sagte die Volksmenge: »Dies ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa!« 12Jesus ging dann in den Tempel Gottes, trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um 13und sagte zu ihnen: »Es steht geschrieben (Jes 56,7): ›Mein Haus soll ein Bethaus heißen!‹ Ihr aber macht es zu einer ›Räuberhöhle‹!« (Jer 7,11)

„Vor Deinem Kreuze, o Herrscher, werfen wir uns nieder …“

Kreuzigung unseres Herrn Jesus Christus: Meister der Schule von Nowgorod, ca. 1360

Ein Beitrag zum Hochfest Kreuzerhöhung

1. Vom Hauptfest des capitolinischen Jupiters in Rom zum Fest Kreuzerhöhung in Jerusalem

Fragen wir uns, warum das Fest „Kreuzerhöhung“ gerade auf den 14. September fällt, so müssen wir zuerst auf das vorchristliche Hauptfest des capitolinischen Jupiters schauen. Denn am 13. September war ein hoher Feiertag für den höchsten Gott in Rom. Diesen altehrwürdigen Festtag zu Ehren des größten und besten Gottes wollte Konstantin der Große erhalten. Er legte deshalb fest, dass die Einweihung der Grabeskirche am 13. September zu erfolgen hätte. Diese fand statt im Jahr 335. Wir müssen freilich bedenken, dass es sich um zwei große Kirchen handelte. Die eine stand auf Golgatha. Die andere überdeckte das Grab des Herrn. Beide wurden gemeinsam geweiht. Bereits die Pilgerin Egeria berichtet uns gegen Ende des vierten Jahrhunderts über die Kirchweihfeierlichkeiten, wie sie jährlich in Jerusalem begangen werden: Ca. 40–50 Bischöfe sind versammelt. Die Kirchen sind geschmückt wie zu Epiphanie und Ostern. Eine Festoktav mit täglichen Prozessionen wird abgehalten. Viele Pilger kommen aus verschiedenen Ländern.

Berühmt ist die Teilnahme der öffentlichen Sünderin Maria von Ägypten. Aus Neugierde will sie wissen, was die Gläubigen nach Jerusalem führt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bekehrt sie sich und lebt fortan in der Wüste. Der heilige Zosimas aus dem Gerasimuskloster brachte ihr jedes Jahr zum Fest der Auferstehung das Abendmahl.

Bis heute kommen Pilger aus Ägypten zum Kirchweihfest der Grabeskirche, die nach dem julianischem Kalender am 27. September gefeiert wird. Wenn Ende September die Anastasis nach Basilikum duftet, das Ostertroparion „Christ ist erstanden“ erklingt und der Allerseligste, der Patriarch von Jerusalem, hinunter in die Helenakapelle zieht, dann ist die Kirchweih der Grabeskirche, bzw. es wird deren zweiter Feiertag begangen, das Fest „Kreuzerhöhung“. Im Rahmen der Festwoche war es üblich, dass am zweiten Feiertag das Kreuzesholz zur Verehrung gereicht wurde. Aus diesem Brauch entwickelte sich das Fest Kreuzerhöhung. Egeria gibt als Grund für das große Fest die Auffindung des heiligen Kreuzes an.

2. Das lebenspendende Kreuz Deiner Güte

Mit der Anrufung „Das lebenspendende Kreuz Deiner Güte, das Du uns Unwürdigen gewährt hast, o Herr, bringen wir Dir herbei in Verehrung …“ beginnt das Troparion am Vorabend des 14. September im Ritus von Byzanz. Das Kreuz kann zur Verehrung gezeigt werden, da die heilige Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, es gefunden hat. Die Legende berichtet, dass Kranken verschiedene Hölzer aufgelegt wurden. Wenn eine Heilung erfolgte, war gesichert, dass es sich um das Kreuz des Erlösers, um das Kreuz Jesu Christi, handelte.

Konstantin und Helena: altrussisches Relief, 13. Jh.

Das Fest Kreuzerhöhung ist also eine Erinnerung an die Auffindung des heiligen Kreuzes durch Kaiserin Helena. Es ist auch Gedächtnis der Rückeroberung der Kreuzesreliquie durch Kaiser Heraklion am 3. Mai 628. Der Perserkönig Chosroes hatte das Reliquiar an sich genommen. Seine Frau war ostsyrische (nestorianische) Christin. Ihr wollte er es zum Geschenk machen. Kaiser Heraklion verwandte die ganze Schaffenskraft seiner Amtszeit darauf, das Kreuz zurückzuerobern. Wahrscheinlich um 628 brachte er es zunächst nach Konstantinopel und im März 630 nach Jerusalem. Wieder konnte das heilige Kreuz zur Verehrung gezeigt werden. Es war die Regierungszeit des Patriarchen Sophronius. 637 fiel Jerusalem in die Hände des Islam, nachdem das kaiserliche byzantinische Heer abgezogen war. Patriarch Sophronius hatte die Verteidigung der Stadt auf das Beste organisiert. Doch nach der Flucht des Heeres übergab er in aussichtsloser Situation die Stadt. Er führte die Verhandlungen. Unter ungeklärten Umständen kam er ums Leben, vielleicht, weil er Soldaten ermunterte nicht zum Islam überzutreten.

Kaiser Konstantin hatte im Traum das Kreuzzeichen gesehen. Nach Eusebius von Caesarea erschien ihm im Sonnenlicht das Kreuz mit der Inschrift En touto nika, in diesem (Zeichen) siegst du! Er hat seinen Sieg an der Milvischen Brücke oder bei Saxa Rubra im Oktober 312 dieser Erscheinung zugeschrieben. Auch dieser Aspekt ist Teil des Kreuzgedächtnisses. Später ließ Konstantin einen seiner Söhne töten: Crispus wurde durch seinen Vater Konstantin ermordet, da er ihn als Regierungskonkurrenten fürchtete. Seine Frau teilte sein Schicksal. Er war der Lieblingsenkel der Kaiserin Helena. Angesichts dieses schweren Leides macht sie sich auf die Suche nach dem Kreuz des Herrn. Das ist die Botschaft der Kreuzauffindungslegende. Nach dem Vorbild der heiligen Helena suchen wir in unserem Kreuz das Kreuz Christi. Im Leid und in der Not unseres Lebens finden wir Hilfe, Heil und Rettung, wenn wir auf das Kreuz Christi schauen.

Die alte Kirche hat das Kreuz stets als Siegeszeichen gesehen und das gemmengeschmückte Siegeskreuz bevorzugt. Es ist Hinweis auf den, der am Holz den Tod besiegt hat. „Im Tode bezwang er den Tod“, heißt es im Ostertroparion. Das Kreuz Christi steht für das Leben, für das ewige Leben. Das Fest Kreuzerhöhung entwickelte sich aus der Kirchweihe der Grabeskirche und der Auffindung des Kreuzesholzes. Letztlich ist es aber doch Hinweis auf den am Kreuz gestorbenen König, der durch den Tod ging und auferstanden ist. Sehr schön kommt der Zusammenhang von Kreuz und Leben im Hymnus „Christi Auferstehung haben wir geschaut“ zum Ausdruck. Er wird in der byzantinischen Osternacht und nach Verkündigung des sonntäglichen Auferstehungsevangeliums in der Nachtwache gesungen. „Vor Deinem Kreuze fallen wir nieder, o Christus, und Deine heilige Auferstehung besingen und preisen wir … Denn siehe durch das Kreuz kam Freude in alle Welt … Denn das Kreuz hat er erduldet um unseretwillen und durch den Tod vernichtet den Tod.“

3. „Wir aber müssen uns rühmen im Kreuze…“

Mit den Worten „Wir aber müssen uns rühmen im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus; in Ihm ist für uns das Heil, das Leben und die Auferstehung“ (nach Gal 6,14) beginnt der Introitus der römischen Messe zum Fest Kreuzerhöhung. In Rom wurde das Fest ab dem 7. Jahrhundert übernommen. Wohl aus gallikanischer Tradition kam das Kreuzfest am 3. Mai in den römischen Kalender. Es erinnerte an die Kreuzauffindung durch Helena. Für den 14. September war der Sieg über die Perser der Ausgangspunkt. Als Doppelung wurde das Gedächtnis am 3. Mai in der Liturgiereform gestrichen. Im Kalender der nordisch-katholischen Kirche ist es auch heute zu finden. In Rom hat das Fest Kreuzerhöhung nie die Bedeutung wie in Byzanz erlangt. Es gibt den Titel, bisweilen auch von Wallfahrtskapellen. Zum Beispiel wird das Fest in der Abtei Chevetogne festlich als Patrozinium gefeiert, freilich im byzantinischen Ritus. In Byzanz ist es Festtag und strenger Fasttag. Es zählt zu den zwölf Hochfesten. Das in der eucharistischen Liturgie ansonsten übliche Trishagion wird durch den Ruf „Vor Deinem Kreuze, o Herrscher, werfen wir uns nieder und Deine heilige Auferstehung preisen wir“ ersetzt. Besonders eindrucksvoll ist die pankosmische Kreuzerhöhungszeremonie. Ein mit Blumen reichgeschmücktes Kreuz wird in alle vier Himmelsrichtungen erhoben und unter dem Gesang von 40 Kyrie eleison langsam bis auf den Boden gesenkt. Die Erhöhung des Gottessohnes ist seine Erniedrigung. Die Väter lehren, Gott konnte nicht mehr wachsen, nicht mehr größer werden. Größer als Gott geht nicht. Allein in seiner Menschwerdung, in seiner Erniedrigung, in seinem Tod am Kreuz (vgl. den Philipperhymnus Phil 2,6–11) konnte seine Größe noch gemehrt werden.

So ist das Kreuz Zeichen des Lebens des Lebens, das der Lebensspender Christus gewährt. Es wird gerettet, wer zu ihm aufschaut. „Darum wollen wir zu ihm aufschauen, um von den Bissen der Sünde geheilt zu werden“, schreibt Augustinus in seinem Johanneskommentar. Vorbild ist die von Moses erhöhte Schlange in der Wüste. (Vgl. Num 21,6f.)

Das Kreuz ist augenfälliges Zeichen der Liebe Gottes und jede große Liebe ist deshalb stets gekreuzigte Liebe sagt Paul Ewdokimow. Romanos der Melode dichtet: „Das Kreuzesholz bringt uns an jedem Tag und zu jeder Zeit unermesslichen Reichtum, denn es führt uns alle erneut ins Paradies.“

So möge uns die Liebe des Gekreuzigten zuteil werden, wenn wir gleich Maria von Ägypten und der heilige Helena auf das kostbare und lebenspendende Kreuz schauen. Christi Licht, das einst Konstantin ergriffen hat und das allen leuchtet, leuchte auch uns in diesen schweren Zeiten der Pandemie, vor allem, wenn wir die Weihe des Hauses der Auferstehung und das Kreuzfest begehen. „Rette uns o Kreuz, durch Deine Macht, heilige uns durch Deinen Glanz, Du kostbares Kreuz und gib uns Kraft durch Deine Erhöhung. Denn als Licht wurdest Du uns gegeben und als Rettung unserer Seelen.“

Weihe der Anastasis 2021

Joachim Danz,
Dipl.-Theol. (Univ.)