Der Geist und die Kirche

Gedanken zum Pfingstfest

von Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad
[Herabkunft des Heiligen Geistes:
Kirillo-Belosersk-Kloster, ca. 1500]

Es ist nicht immer einfach, sich mit der Rolle des Heiligen Geistes in unserem Leben als Christen auseinanderzusetzen. Manchmal scheint unsere Auffassung so „hochfliegend“, dass sie unbestimmt — nebulös — wird. In der folgenden kleinen Meditation werde ich versuchen, die Rolle des Geistes in unserem Leben durch drei Fragen zu beleuchten: Wer ist der Geist? Was wirkt der Geist? Wie ist die Beziehung zwischen dem Geist und der Kirche?

Der Heilige Geist

Der Apostel Paulus erklärt: „Der Geist erforscht alles, selbst die Tiefen Gottes. […] So hat auch niemand das innere Wesen Gottes erkannt als nur der Geist Gottes.“ (1Kor 2,10f) Der Apostel Petrus erhellt dies weiter mit der Feststellung, dass „Gott Jesus von Nazareth mit heiligem Geist […] gesalbt hat“ (Apg 10,38). In der Heilsgeschichte wird die Gegenwart des Heiligen Geistes jedoch nicht in personaler Form, sondern mit Hilfe symbolischer Bilder dargestellt. Bei der Taufe Jesu kam auf ihn der Geist herab wie eine „Taube“ (Mt 3,16; Joh 1,32). Beim Pfingstwunder war der Geist zugegen wie ein „gewaltiger Wind“ und in Form von „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,2f).

Was wirkt der Geist für uns?

Dieser Wechsel an Metaphern hilft uns zu verstehen, dass der Geist nicht von sich selbst aus — nicht in eigenem Namen — wirkt. Der Geist bleibt gewissermaßen „anonym“, da er zu uns kommt, um auf Christus als Retter aller Menschen hinzuweisen. Der heilige Johannes zitiert Jesus mit den Worten: „Er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hört, das wird er reden“ (Joh 16,13). Auf diese Weise können wir anhand seines Wirkens erkennen, wer der Geist ist: Der Geist ist das Licht, in dem Jesus als der Sohn des Vaters erkannt wird. Der Geist erhält vom Vater die Vollmacht und Kraft, den Sohn mitzuteilen. Daher ist der Geist in der Heilsökonomie gleichzeitig Gottes Geist und der Geist Christi (Röm 8,9).

Der Geist und die Kirche

Im Dienste unseres Heils kommt der Geist zu uns als unser Anwalt, welcher der Welt ihren Irrtum in Bezug auf die Sünde nachweist (Joh 16,7f) und uns an alles erinnert, was Christus die Apostel gelehrt hat (Joh 14,26). Ebenso kommt der Geist „unserer Schwachheit zu Hilfe“ und tritt „mit unaussprechlichen Seufzern“ für uns ein (Röm 8,26). Ferner führt und leitet der Geist die Kirche in ihrem Dienst an der Welt (Apg 10,19f; Apg 13,2).

Während der Geist für uns wirkt und betet, sind wir gleichzeitig aufgerufen, uns in den Dienst des Geistes zu stellen. Der heilige Paulus belehrt uns freiheraus: „Wandelt im Geist“ (Gal. 5,16). Und anderswo ermahnt er uns, „voll Geistes“ zu werden, damit wir „zueinander mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern“ reden und den Herrn preisen (Eph 5,18f). Die „Seufzer“ des Geistes sind „unaussprechlich“, „wortlos“ (Röm 8,26) — ob ihrer Tiefe entziehen sie sich menschlicher Rede; umgekehrt erweckt uns der Geist, damit wir an seiner Statt reden. Die Kirche verleiht dem Geist durch ihr Zeugnis und ihren Lobpreis eine Stimme.

Zum Herrn rufen

In den abschließenden Worten der Bibel wird die Beziehung zwischen dem Geist und der Kirche als Dialog ausgedrückt, wobei der Geist und die Kirche gemeinsam Christus in seiner Herrlichkeit anrufen. „Der Geist und die Braut sagen: ‚Komm!'“ (Offb 22,17) Wenn unsere Zeit zu Ende geht, spricht der Geist Worte des Trostes, um uns zu versichern: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben!“ (Offb 14,13)

Frohe Pfingsten!
+ Roald Nikolai

Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad ist seit 2011 Bischof der Nordisch-katholischen Kirche und zugleich der Missionsbischof für Europa der altkatholischen Union von Scranton.

Bischof electus Ottar Myrseth wird Administrator für Skandinavien

Bischof Roald Flemestad bleibt zuständig für Kontinentaleuropa

In ihrer Telefonkonferenz am 12. Mai 2020 hat die Internationale katholische Bischofskonferenz (ICBC) der altkatholischen Union von Scranton zwei wichtige Beschlüsse für die europäischen Gemeinden gefasst. Erstens wurde beschlossen, dass Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad sein Mandat als Missionsbischof der Union von Scranton für Europa (Bischöflicher Delegat i.S.v. Abschnitt C, Art. 3 i der Statuten) auch nach Abgabe der Leitung des skandinavischen Bistums weiterhin behält. Somit bleibt er für die Gemeinden und Missionen der Nordisch-katholischen Kirche in Britannien und Kontinentaleuropa auch in Zukunft verantwortlich — und wird dort künftig noch intensiver tätig sein können. Auch wenn dies nicht überraschend kommt, ist es dennoch für die Nordisch-katholische Mission in Deutschland ein Grund zu großer Freude!

Zweitens haben die Bischöfe der Union von Scranton mit Blick auf den zum Bischof erwählten norwegischen Generalvikar Ottar Mikael Myrseth — der wegen der Pandemie bisher noch nicht konsekriert werden konnte — beschlossen, dass ihm die kirchenrechtliche Leitungsverantwortung für das skandinavische Bistum übertragen und er zum Erzpriester mit Mitra erhoben werden soll. In ähnlicher Weise wird seit Kurzem auch die (nach dem Heimgang von Bischof Stanley Bilinski vakante) Westliche Diözese der Polnisch-katholischen Nationalkirche (PNCC) von ihrem Bischof electus, Pfarrer Jerry Rafalko, als Administrator geleitet.

Die Umsetzung der Beschlüsse ist zeitnah erfolgt: An Christi Himmelfahrt wurde Bischof electus Ottar Mikael — während einer Eucharistiefeier in der Kathedralkirche St. Johannes der Täufer in Oslo — vor der Verkündigung des Evangeliums zum infulierten (mitrierten) Erzpriester erhoben. Dabei wurde ihm zugleich von Bischof Roald Nikolai die kanonische Verantwortung für das skandinavische Bistum übertragen.

Pfarrer Ottar Mikael Myrseth, der unter anderem auch Deutsch spricht, war von der Generalsynode am 25. Oktober 2019 zum Bischof gewählt worden, damit Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad aus Altersgründen die Leitung des skandinavischen Bistums abgeben kann. Die Bischofsweihe war ursprünglich für den April geplant, sie wurde nun pandemiebedingt zunächst auf den 14. September (Kreuzerhöhung) verschoben, wobei eine weitere Verschiebung je nach Entwicklung der Pandemie nicht auszuschließen ist. Bis dahin entsprechen die Kompetenzen des erwählten Bischofs in etwa denen eines Apostolischen Administrators in der römisch-katholischen Kirche.

Verdig! — Dignus est! — Axios!

„Gott steigt empor unter Jubelklang“

[Auferstehung und Himmelfahrt Christi:
Elfenbeinrelief „Reidersche Tafel“, ca. 400]

„Gott steigt empor unter Jubelklang, der HERR beim Schall der Posaune“ (Ps 47,6)

Gedanken zur Himmelfahrt unseres Herrn, Heilandes und Gottes Jesus Christus

Von Joachim Danz

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

1. Einleitung

Die Freude über die Auferstehung Jesu währt 50 Tage. Der Auferstandene ist mit seinem neuen Leben nicht nur in dieser Welt gegenwärtig. Er „erscheint“ den Seinen. (vgl. u.a. Joh 20,11 ff. oder Joh 21,1 ff. ) Er ist ein neuer, ein anderer, der bereits eingetaucht ist in das Licht der Ewigkeit. Auferstehung und Himmelfahrt Jesu wurden deshalb nicht unbedingt getrennt betrachtet. Sehr schön sind beide Feste auf einem Elfenbeinrelief, wohl um 400, zusammen gefasst. Auf der sogenannten „Reiderschen Tafel“, sie ist Besitz des Bayerischen Nationalmuseums München, kommen die Frauen zum Grab und finden Jesus. Über dem Grab ergreift der Auferstandene die Hand Gottes, um in den Himmel einzugehen. Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind eine Einheit, die Zeit der 50 Tage, die Zeit der heiligen Pentecoste. Den Abschluss der Osterzeit bildet das Pfingstfest. Der über alle Himmel heimgekehrte Herr sendet den verheißenen Geist. Bedarf es da noch eines eigenen Festes der Himmelfahrt Jesu? Zunächst wurde das Fest Christi Himmelfahrt zusammen mit dem Pfingstfest gefeiert. Die Heimkehr zum Vater und die Geistsendung bedingen einander. So wurden beide Feste zuerst gemeinsam am Pfingstsonntag begangen. Seit Ende des vierten Jahrhunderts wurden die 40 Tage nach Ostern hervorgehoben und Christi Himmelfahrt eigens zelebriert.

2. Im Neuen Testament

Im Vorwort der Apostelgeschichte, dem ersten Buch nach den Evangelien, finden wir Hinweise auf die Verbundenheit und Einheit von Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten: „Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; 40 Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.“

Einige Verse weiter erklärt der Text: „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft“ und „ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ Und schließlich: „Er wurde vor ihren Augen emporgehoben“. (Vgl. Apg 1,1 ff. )

Die Gabe des in die Dreifaltigkeit heimgekehrten Herrn ist die Geist-Sendung. Das Johannesevangelium formuliert: „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe,wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.“ (Joh 16,7)

Im Lukasevangelium sind es seine letzten Zeilen, die die Heimkehr Jesu zum Vater beinhalten: „Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.“ (Lk 24,49 ff.)

Auch das Markusevangelium endet mit dem Bericht der Himmelfahrt Jesu: „Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.“ (Mk 16,19)

So wundert es nicht, dass die Himmelfahrt Jesu ein eigenständiges Fest im Kirchenjahr geworden ist. Im Osten und im Westen wird es unter die Hochfeste gezählt.

3. Ein Blick in die Liturgie

Der eben erwähnte Markusbericht ist das Festevangelium im alten römischen Ritus. Heute wird seitens der römisch-katholischen Kirche im Dreijahreszyklus abwechselnd auch Lukas und Matthäus verwendet. Bei Matthäus ist die Himmelfahrt nicht explizit genannt. Im byzantinischen Ritus nimmt man den Lukasbericht.

Beliebt ist in allen Liturgien Vers 6 aus Psalm 47: „Gott steigt empor unter Jubelklang, der Herr beim Schalle der Posaune.“ Nach Zählung der Septuaginta ist es Psalm 46. Jahwe nimmt den Sion als seinen Thronsitz ein. Nun sitzt der Menschensohn zu seiner Rechten.

Die Anamnese der Anaphora der Johannes Chrysostomus Liturgie erinnert daran: „Wir sind eingedenk … der Auffahrt in den Himmel, des Sitzens zur Rechten …“ Auch erinnert der „Ritus des Thrones“ innerhalb dieser Liturgie an den in den Himmel zurückgekehrten Herrn: „Gesegnet bist du auf dem Throne der Herrlichkeit deines Reiches, der du thronst auf den Cherubim allezeit…“ Er wird nach dem Trishagion und vor den Lesungen im Altarraum vollzogen.

Im Nizäno-Konstantinopolitanum sind Ostern und Himmelfahrt zusammengefasst: „… er ist auferstanden am dritten Tage nach der Schrift, aufgefahren in den Himmel und sitzt zur Rechten des Vaters …“

4. Ein wenig Kirchengeschichte

Weil Christus aufgefahren ist und zur Rechten Gottes thront, hieß der Himmelfahrtstag bei den Kappadokiern, den herausragenden Theologen des vierten Jahrhunderts, „der errettete“, im Sinn von der vollendete. Das Erlösungswerk ist vollbracht. Die Errettung vom Tod ist vollständig durchgeführt. Die menschliche Natur Christi ist erhöht in die Himmel. Dies gilt für uns alle, die an ihn glauben. „Gott aber … hat uns in Christus Jesus mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel …“ (Vgl. Eph 2,6). Gregor von Nyssa sagt in seiner Rede auf die Himmelfahrt Christi: „Denn vollbracht ist bereits das Geheimnis des Todes und der Sieg über die Feinde erfochten und das Zeichen des Sieges über sie, das Kreuz, errichtet.“

Die Kappadokier fanden die Formel der Gleichheit der drei göttlichen Personen. Basilius der Große (330–379) schrieb das erste Buch über den Heiligen Geist.

Ähnlich formuliert das V. Buch der Apostolische Konstitutionen im 19. Kapitel: „…feiert das Fest der Aufnahme des Herrn, an welchem er, nachdem er die ganze Ökonomie und Anordnung des Heils erfüllt hat, zum Vater, der ihn gesandt hat, zu Gott emporstieg …“

Der hl. Cyrill (313–386) von Jerusalem predigte den Katechumenen: „Nachdem Jesus den Leidensweg vollendet und die Menschen von Sünden erlöst hatte, stieg er wieder zum Himmel empor“.

Ganz in der Tradition byzantinischer Theologie steht der hl. Kyrill von Turow (1130–1182), wenn er schreibt: „Beim in den Himmel auffahrenden Herrn ist auch die Christus verlobte Kirche aus den Heiden gegenwärtig … Dieses Fest ist für uns ehrwürdiger geworden als die anderen, dieses Fest ist voller Freude und Frohlocken.“

5. Abschließende Gedanken

Die Prophetien, die Lesungen der Vesper am Vorabend des Festes nach byzantinischem Ritus, laden uns ein, uns aufzumachen und hinauf zusteigen zum Berg des Herrn, denn „seine Füße stehen an jenem Tag auf dem Ölberg. Er, der die Kelter allein trat, ging durch Leiden und Tod.“ (Vgl. Jes 2,1–2; Jes 62,10–63,9; Sach 14,1.4–8.11)

Heute kehrt er zurück über alle Himmel, um eins zu sein mit Vater und Geist. Der hl. Nikolaj Velimirovic (1880–1956) sagt, „durch seine Auffahrt lehrt er uns alle, unser Streben zum Himmel und nicht auf die Erde zu richten.“ (vgl. Prolog, 5. Mai) Vom Himmel wird uns Gottes Geist gesandt. „Christ wird man, und Christ bleibt man, wenn der menschliche Geist vom Heiligen Geist erfüllt wird.“ formuliert Justin von Celije (1894–1979).

[Christi Himmelfahrt: Mitschurin/Bulgarien, 16. Jh.]

Betrachten wir eine Ikone der Himmelfahrt Christi, können wir erkennen, dass die allheilige Gottesgebärerin es ist, die um das Heilsgeschehen auch dieses Tages weiß. Ich habe eine russische Ikone des 15. Jahrhunderts vor Augen. Im Zentrum steht Maria. Sie ruht in sich. Ihre Hände sind zum Gebet erhoben. Sie ist die einzige, die begreift oder längst begriffen hat. Und die Apostel? Sie sind aufgeregt, denn ihre Hände gestikulieren wild. Sie schauen nach oben, sie schauen sich an. Sie scheinen sich zu fragen: „was geht hier vor sich?“ Christus ist bereits von Engeln umgeben und entschwindet ihnen. Wie Maria sind auch wir eingeladen zu verstehen und zu bekennen: „Gott erweckte Christus von den Toten und setzte ihn zu seiner Rechten.“ (vgl. Eph 1,20)

Im Ritus von Byzanz kommt dieser Zusammenhang schön zum Ausdruck, wenn am Vortag von Christi Himmelfahrt noch einmal die Liturgie des Auferstehungstages gefeiert wird. Nur die Schriftstellen (lectio continua) sind andere. Am Dienstag vor Himmelfahrt wird noch einmal der Oster-Orthros, der Kanon der Osternacht, gesungen. Viele Feste haben eine Nachfeier. Diese kann von einem Tag, über eine Woche (Oktav) — oder bei Ostern eben 40 Tage betragen. Ab dem Himmelfahrtstag werden die österlichen Besonderheiten aufgegeben. Es ist doch sehr verwunderlich, wenn in der Presse deshalb von einer Verschiebung des Osterfestes gesprochen wird. In diesem Jahr ist der Tag der Abgabe des Osterfestes der 27. Mai. Wenn es dann (durch das Coronavirus bedingt) leichter ist als zum ursprünglichen Termin, den Gottesdienst zu besuchen, ist es durchaus sinnvoll zu diesem Tag besonders zum Gottesdienst einzuladen. Mit einer Verlegung von Ostern hat dies nicht das geringste zu tun.

Die moderne Psychologie hat darauf hingewiesen: es tut gut, einen Feiertag inmitten der Woche zu begehen. Einmal in der Mitte der Woche innezuhalten und abzuschalten, um ein Festgeheimnis zu meditieren, ist ein Segen für den Menschen. Den Segen des Herrn, der zum Himmel aufsteigt,

wünscht Ihnen

Joachim Danz
(Pastoraler Mitarbeiter; Dipl.-Theol.)

Literatur

Apostolische Konstitutionen und Kanones. BKV1, Bd. 19. Kempten 1874

Cyrill von Jerusalem, Mystagogische Katechesen. BKV2, I. Reihe, Bd. 41. Kempten 1922

Gregor von Nyssa, Ausgewählte Reden, BKV1, Bd. 70. Kempten 1880

Hossfeld, F./Zenger, E., Die Psalmen I, Würzburg 1993

Hryniewicz, W., Die altrussische Passatheologie und Osterspiritualität bei Kyrill v. Turow, Lüdenscheid-Lobetal 1987 (Manuskript)

Jusin von Celije, „Auslegung des ersten Briefes an die Thessalonicher“, in: Der Bote 1, München 2020

Messlektionar, Freiburg 1985

Schott, A., Römisches Messbuch, Freiburg 1963

Velimirovic, N., Der Prolog von Ochrid, Apelern 2009

Übersetzungen der Bekenntnis- und Rechtstexte der Kirche

Athanasius der Große
Mosaik, Palastkapelle Palermo, 12. Jh.

Zum Festtag des heiligen Kirchenlehrers Athanasius (2. Mai) hat die Nordisch-katholische Mission in Deutschland redigierte deutsche Übersetzungen von Grundlagentexten der altkatholischen Union von Scranton erarbeitet und herausgegeben. Darunter ist auch erstmals eine deutsche Übersetzung des kirchenamtlichen Kommentars zur Erklärung von Scranton. Die Übersetzungen sind seit dieser Woche abrufbar hier:

Nordisch-katholisches Sakramentar veröffentlicht

Nordisch-katholisches Sakramentar

Das deutsche Förderwerk der altkatholischen Union von Scranton, das Martinuswerk e.V., hat in diesem Frühjahr eine eigene Schriftenreihe mit dem Titel SYNODOS (griechisch: Zusammenkunft, Vereinigung, Verhandlung) begründet. Herausgeber ist der promovierte Theologe und Priester Dr. Daniel Gerte, Vorsitzender des Martinuswerks und Archidiakon der Nordisch-Katholischen Mission in Deutschland.

Als erster Band der Schriftenreihe erscheint nun eine redaktionell überarbeitete und ergänzte Fassung unseres Altarbuches. Bestellungen können direkt beim Verlag oder im Buchhandel (Lieferzeit ca. 4 Tage) aufgegeben werden. Allen, welche die Redaktion durch Mitarbeit, Rückmeldungen oder Gebet unterstützt haben, gilt ganz herzlicher Dank!

Deo gratias!

„Christus, unser Passahlamm“ — Osternacht 2020

Der Pandemie geschuldet leider nur in sehr kleinem Kreis, aber doch in gebührender Feierlichkeit hat eine zentrale Feier der Osternacht unserer Administratur stattgefunden. Zu dritt hatte man sich am Abend des Karsamstags in einer Hauskapelle im Rheinland versammelt, um den wichtigsten Gottesdienst des Kirchenjahrs stellvertretend für die gesamte nordisch-katholische Missionspfarrei in Deutschland zu begehen.

Es war die erste Auferstehungsfeier, die wir vollständig nach der Ordnung des neuen Sakramentars zelebrieren konnten. Unsere Liturgie der Osternacht orientiert sich im Wesentlichen am überlieferten römischen Ritus, unter Einschluss einiger Elemente der Karwochenreform von Papst Pius XII. Sie gliedert sich in die drei hierfür üblichen Teile Vigilfeier, Tauf(gedächtnis)feier und Eucharistiefeier.

Vigilfeier

  • Segnung von Osterfeuer und -kerze samt Osterlob (Exsultet, Sursum corda und Praeconium paschale)
aus dem Osterlob (Praeconium paschale)
  • Vier Lesungen aus der Heilsgeschichte des Alten Testaments, jeweils mit Antwortgesang und Oration:
    • Schöpfung der Welt und, als Ebenbild Gottes, des Menschen — Gen 1,1–2,2
    • Rettung Israels vor den Ägyptern am Schilfmeer — Ex 14,24–15,3
    • Verheißung der Rettung eines heiligen Restes — Jes 4,2–5,2a.7a
    • Gottes Bundestreue — Dtn 31,22–32,4

Tauffeier

  • Anrufungslitanei (erster Teil der Allerheiligenlitanei)
  • Taufwasserweihe, s.u.
  • Taufe und/oder Erneuerung von Taufversprechen und Taufbekenntnis
  • Anliegenlitanei (zweiter Teil der Allerheiligenlitanei)

Taufwasserweihe

(aus dem Leoninischen Sakramentar)

Unser Gebet ergießt sich vor Dir, ewiger, allmächtiger Gott! Dein Geist schwebte einst über den Wassern; Dein erhabener Blick sah auf den Fluss Jordan, als Johannes all jene, die ihre Sünden bekannten, zur Buße taufte. Daher bitten wir Deine heilige Herrlichkeit, dass dieses Wasser Dein Handeln bergen möge: Wer hierin getauft wird, werde durch Dich vom alten gefallenen Menschen gereinigt und nach den todbringenden Verfehlungen neu geboren; er werde wieder lebendig, durch den neuen, wiedergeborenen Menschen in Christus Jesus, der mit Dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Eucharistiefeier

  • Die Feier beginnt mit dem Kyrie.
  • (Da Taufbekenntnis und Litanei bereits vorangegangen sind, entfallen Introitus, Credo und Fürbitten; ebenso können die Gesänge zum Offertorium und zur Communio entfallen.)
  • Zum Tagesgebet s.u.
  • Epistel: Kol 3,1-7, Evangelium: Joh 20,1-10
  • Zur Festpräfation s.u.

Oration

Allmächtiger Gott! Du hast durch Deinen eingeborenen Sohn den Tod überwunden und uns so die Tür zum ewigen Leben geöffnet. Wir bitten Dich in Demut: Schenke, dass wir die guten Begierden, die Du durch Deine zuvorkommende Gnade in uns geweckt hast, durch Deine beständige Hilfe auch zur Ausführung bringen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Präfation

Wahrhaft ist es würdig und recht, gebührend und heilsam, Dich, Herr, zu jeder Zeit, vornehmlich aber in dieser Nacht (oder: an diesem Tag) mit besonders festlichem Jubel zu preisen, weil Christus, unser Osterlamm, geopfert ist. Er ist in Wahrheit das Lamm, das hinweg nimmt die Sünden der Welt. Durch Sein Sterben hat Er unsern Tod vernichtet und durch Seine Auferstehung neues Leben uns erworben. Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften und mit der ganzen himmlischen Heerschar den Hochgesang Deiner Herrlichkeit und rufen ohne Unterlass:

Christus ist auferstanden — Halleluja!

Auferstehung Jesu Christi:
Fresko, Chora-Kirche Istanbul, um 1300

Allen unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir von Herzen frohe, gesegnete und nicht zuletzt gesunde Osterfeiertage. Möge uns gerade in diesen Tagen die Freude über Christi Auferstehung, die auch die unsere ermöglicht, erfüllen.

Dies ist die Nacht, da Christus zerbrach die Fesseln des Todes / und aus der Tiefe emporstieg als Sieger.

Ja, niemals kämen wir zum Heil aufgrund unserer Geburt, / sondern das Heil ist uns geschenkt worden vom Erlöser.

O wundersames Erbarmen des Vaters: / Du neigtest Dich zu uns nieder in Gnade.

O Huld Deiner Liebe: um loszukaufen den Knecht, / hast Du hingegeben den Sohn!

aus dem Osterlob (Praeconium paschale)

Christus ist auferstanden — Halleluja!

Überkonfessionelles Gebet in schwerer Zeit

Offizielles Logo der Aktion
„Deutschland betet gemeinsam“

Für den 8. April 2020 sind Christen jeglicher Konfession zu einem gemeinsamen Gebet in schwerer Zeit aufgerufen: zur Vesperzeit (17 bis 18:30 Uhr) des Karmittwoch, wenn zugleich das jüdische Pessachfest dieses Jahr beginnt. Der prominente Kreis der Unterstützer umfasst unter anderen den rumänisch-orthodoxen Metropolit Serafim (Joantă), drei römisch-katholische Diözesanbischöfe — Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau), Bischof Dr. Bertram Meier (ernannt, Augsburg) und Bischof Dr. Michael Gerber (Fulda) — sowie den württembergischen evangelischen Landesbischof Dr. Frank Otfried July nebst zahlreichen weiteren Personen in kirchlichen Leitungsämtern.

Es besteht die Möglichkeit, das gemeinsame Gebet der Kirchenleiter per Livestream zu verfolgen. Die Initiative hat auch den Text des gemeinsamen Gebets bereits zu einem Teil veröffentlicht. Es beginnt mit einem Akt des Glaubens und einem Schuldbekenntnis vor dem dreieinigen Gott, beinhaltet Fürbitten — insbesondere für Kranke, medizinisches Personal und alle von der Krise existenziell Betroffenen — und endet mit dem Gebet des Herrn.

Gerade angesichts dessen ist mit tiefer Dankbarkeit und größtem Respekt eine besondere Geste der christlich-jüdischen Zusammenarbeit hervorzuheben: Der sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, gehört ebenfalls zu den Unterstützern der Aktion.

Zu den Initiatoren zählt insbesondere Dr. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg; Schirmherr ist der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder, auf welchen auch die Idee für die Initiative zurückgeht. Theologischer Beirat ist Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher.

Palmsonntag

Einzug des Herrn in Jerusalem:
Mosaik, Palastkapelle Palermo, 7. Jh.

Im Folgenden werden die biblischen und liturgischen Texte des Sonntags mit weiteren Gebeten und Liedern zu einem kurzen Wort-Gottesdienst zusammengestellt. Damit soll ermöglicht werden, trotz Versammlungsverbot zumindest auf diese Weise — gemeinsam mit der Familie oder alleine für sich — den Sonntag kirchlich zu begehen.

Eröffnung

Die Feiernden versammeln sich am Eingang des Andachtsraums.

Lied zum Eingang

1. Singt dem König Freudenpsalmen, Völker, ebnet seine Bahn:
Zion, streu ihm deine Palmen, sieh, dein König kommt heran!
Dieser ist von Davids Samen, Gottessohn von Ewigkeit.
Der da kommt in Gottes Namen, er sei hochgebenedeit!

2. David sah im Geist entzücket den Messias schon von fern,
der die ganze Welt beglücket, den Gesalbten, unsern Herrn.
Tochter Zion, streu ihm Palmen, breite deine Kleider aus,
sing ihm Lieder, sing ihm Psalmen, heut beglücket er dein Haus.

3. Sieh, Jerusalem, dein König, sieh, voll Sanftmut kommt er an;
Völker, seid ihm untertänig, er hat allen wohlgetan!
Den die Himmel hoch verehren, dem der Chor der Engel singt,
dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt!

4. Geister, die im Himmel wohnen, preist den großen König heut;
und ihr Völker aller Zonen singt: Er sei gebenedeit!
Singt: Hosanna in den Höhen, hochgepriesen Gottes Sohn!
Mögen Welten einst vergehen, ewig fest besteht sein Thron.

Text: nach Salzburg 1783
Melodie: Bamberg 1732, Augsburg 1800

Antiphon

Hosianna dem Sohne Davids!
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosianna dem Sohne Davids!

Evangelium vom Einzug nach Jerusalem (Mt 21,1-9)

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Ehre sei Dir, o Herr.

Als sie sich dann Jerusalem näherten und nach Bethphage an den Ölberg gekommen waren, da sandte Jesus zwei von seinen Jüngern ab 2 mit der Weisung: »Geht in das Dorf, das vor euch liegt! Ihr werdet dort sogleich (am Eingang) eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und bringt sie mir her! 3 Und wenn euch jemand etwas sagen sollte, so antwortet ihm: ›Der Herr hat sie nötig, wird sie aber sofort zurückschicken.‹« 4 Dies ist aber geschehen, damit das Wort des Propheten erfüllt werde, das da lautet (Jes 62,11; Sach 9,9): 5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, dem Jungen des Lasttiers.« 6 Als nun die Jünger hingegangen waren und den Auftrag Jesu ausgerichtet hatten, 7 führten sie die Eselin mit dem Füllen herbei, legten ihre Mäntel auf sie, und er setzte sich darauf. 8 Die überaus zahlreiche Volksmenge aber breitete ihre Mäntel auf den Weg aus, andere hieben Zweige von den Bäumen ab und streuten sie auf den Weg; 9 und die Scharen, die im Zuge vor ihm her gingen und die, welche ihm nachfolgten, riefen laut: »Hosianna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in den Himmelshöhen!« 

Prozessionshymnus

Gemeinsam zieht man in die Mitte des Andachtsraums; dabei erklingt der Hymnus:

Ruhm und Preis und Ehre sei Dir, Christ König, Erlöser!
Voll Freude rief Dein junges Volk das fromme Hosanna Dir zu.

Du bist Israels König, Davids gepriesener Spross,
der Du im Namen des Herrn als Höchstgesegneter kommst.

Ruhm und Preis und Ehre sei Dir, Christ König, Erlöser!
Voll Freude rief Dein junges Volk das fromme Hosanna Dir zu.

Introitus (Ps 61)

Höre, o Gott, mein lautes Rufen, *
achte auf mein Gebet!

Vom Ende der Erde ruf’ ich zu dir, / da mein Herz verschmachtet.
Auf einen Felsen, der mir zu hoch ist, wollest du mich führen!

Denn du bist mir stets eine Zuflucht gewesen, *
ein starker Turm vor dem Feinde.

Könnt’ ich doch allzeit weilen in deinem Zelt, *
im Schutze deiner Flügel mich bergen!

Denn du, Gott, hörst auf meine Gelübde, / hast Besitz (mir) gewährt, *
wie die ihn erhalten, die deinen Namen fürchten.

Füge neue Tage den Tagen des Königs hinzu, *
lass seine Jahre dauern für und für!

Ewig möge er thronen vor Gottes Angesicht! *
Entbiete Gnade und Treue, dass sie ihn behüten!

Dafür will ich ewig deinem Namen lobsingen, *
auf dass ich meine Gelübde bezahle Tag für Tag.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Kyrie

Herr, erbarme Dich. (dreimal)
Christus, erbarme Dich. (dreimal)
Herr, erbarme Dich. (dreimal)

Tagesgebet (vom Palmsonntag)

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast aus zärtlicher Liebe zum Menschengeschlecht Deinen Sohn Jesus Christus gesandt, unser Fleisch anzunehmen und den Tod am Kreuz zu erdulden, damit alle Menschen dem Vorbild Seiner tiefen Demut folgen sollen. Verleihe uns in Gnaden, dass wir sowohl dem Beispiel Seiner Geduld folgen als auch Teilhaber Seiner Auferstehung werden. Durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Wort-Verkündigung

Lesung (Phil 2,5–11)

Brüder und Schwestern! 5 Solche Gesinnung wohne in euch allen, wie sie auch in Christus Jesus vorhanden war; 6 denn obgleich er Gottes Gestalt besaß, sah er doch das Gleichsein mit Gott nicht als einen gewaltsam festzuhaltenden Raub an; 7 nein, er entäußerte sich selbst (seiner Herrlichkeit), indem er Knechtsgestalt annahm, ganz in menschliches Wesen einging und in seiner leiblichen Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde; 8 er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz. 9 Daher hat Gott ihn auch über die Maßen erhöht und ihm den Namen verliehen, der jedem anderen Namen überlegen ist, 10 damit im Namen Jesu sich jedes Knie aller derer beuge, die im Himmel und auf der Erde und unter der Erde sind, 11 und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Wort des lebendigen Gottes.
Dank sei Gott.

Zwischengesang (Laudes regiae)

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Passion (Mt 26,36–27,56)

(Die Verlesung der Passion kann aufgeteilt werden. Der Vorbeter spricht die Worte Jesu, zwei weitere Mitfeiernde die Worte des Evangelisten und die Worte der übrigen Personen.)

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus.
(Stille.)

In jener Zeit 36 kam Jesus mit seinen Jüngern an einen Ort namens Gethsemane (d.h. Ölkelter) und sagte zu den Jüngern: »Setzt euch hier nieder, während ich dorthin gehe und bete!« 37 Dann nahm er Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich und fing an zu trauern und zu zagen. 38 Da sagte er zu ihnen: »Tiefbetrübt ist meine Seele bis zum Tode; bleibt hier und haltet euch wach mit mir!« 39 Nachdem er dann ein wenig weitergegangen war, warf er sich auf sein Angesicht nieder und betete mit den Worten: »Mein Vater, wenn es möglich ist, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!« 40 Hierauf ging er zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend und sagte zu Petrus: »So wenig seid ihr imstande gewesen, eine einzige Stunde mit mir zu wachen? 41 Wachet, und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, das Fleisch aber ist schwach.« 42 Wiederum ging er zum zweiten Mal weg und betete mit den Worten: »Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht (an mir) vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!« 43 Als er dann zurückkam, fand er sie (wieder) schlafend, denn die Augen fielen ihnen vor Müdigkeit zu. 44 Da verließ er sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal, wieder mit denselben Worten. 45 Hierauf kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: »Schlaft ein andermal und ruht euch aus! Doch jetzt ist die Stunde gekommen, dass der Menschensohn Sündern in die Hände geliefert wird! 46 Steht auf, wir wollen gehen! Seht, mein Verräter ist nahe gekommen!« 47 Während er noch redete, da kam plötzlich Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Knütteln, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes her (gesandt). 48 Sein Verräter hatte aber ein Zeichen mit ihnen verabredet, nämlich: »Der, den ich küssen werde, der ist’s; den nehmt fest!« 49 Er trat also sogleich auf Jesus zu mit den Worten: »Sei gegrüßt, Rabbi (d.h. Meister)!« und küsste ihn. 50 Jesus aber sagte zu ihm: »Freund, wozu du hergekommen bist!« Hierauf traten sie herzu, legten Hand an Jesus und nahmen ihn fest. 51 Einer jedoch von den Begleitern Jesu streckte die Hand aus, zog sein Schwert, schlug damit nach dem Knechte des Hohepriesters und hieb ihm das Ohr ab. 52 Da sagte Jesus zu ihm: »Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort ! Denn wer zum Schwerte greift, wird durchs Schwert umkommen! 53 Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir nicht sogleich mehr als zwölf Legionen Engel zu Hilfe senden? 54 Wie sollten dann aber die Aussprüche der Schrift erfüllt werden, dass es so geschehen muss?« 55 In jener Stunde sagte Jesus zu den Haufen: »Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knütteln ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen. Täglich habe ich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich nicht festgenommen. 56 Dies alles ist aber geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllt werden!« Hierauf verließen ihn die Jünger alle und ergriffen die Flucht. 57 Die Männer aber, die Jesus festgenommen hatten, führten ihn zu dem Hohepriester Kaiphas ab, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten sich versammelten. 58 Petrus aber folgte ihm von fern bis zum Palast des Hohepriesters, ging hinein und setzte sich dort unter den Dienern hin, um den Ausgang der Sache abzuwarten. 59 Die Hohepriester aber und der gesamte Hohe Rat suchten nach einer falschen Zeugenaussage gegen Jesus, um ihn zum Tode verurteilen zu können; 60 doch sie fanden keine, obgleich viele falsche Zeugen herzu traten. Zuletzt aber traten zwei auf 61 und sagten aus: »Dieser Mensch hat behauptet: ›Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen.‹« 62 Da stand der Hohepriester auf und fragte ihn: »Entgegnest du nichts auf das, was diese Zeugen gegen dich aussagen?« Jesus aber schwieg. 63 Da sagte der Hohepriester zu ihm: »Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott: Sage uns, bist du der Messias, der Sohn Gottes?« 64 Da gab Jesus ihm zur Antwort: »Ja, ich bin es! Doch ich tue euch kund: Von jetzt an werdet ihr den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.« (Dan 7,13; Ps 110,1) 65 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sagte: »Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr selbst die Gotteslästerung gehört! Was urteilt ihr?« 66 Sie gaben die Erklärung ab: »Er ist des Todes schuldig!« 67 Hierauf spien sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit den Fäusten; andere gaben ihm Backenstreiche 68 und sagten: »Weissage uns, Messias! Wer ist es, der dich geschlagen hat?« 69 Petrus aber saß (unterdessen) draußen im Hof. Da trat eine Magd auf ihn zu und sagte: »Du bist auch bei Jesus, dem Galiläer, gewesen!« 70 Er aber leugnete vor allen und sagte: »Ich verstehe nicht, was du da sagst!« 71 Als er dann in die Torhalle hinausgegangen war, bemerkte ihn eine andere Magd und sagte zu den Leuten dort: »Dieser ist auch mit Jesus, dem Nazoräer (vgl. 2,23), zusammen gewesen!« 72 Da leugnete er wieder, (diesmal) mit einem Eid: »ich kenne den Menschen nicht!« 73 Nach einer kleinen Weile aber traten die Leute, die dort standen, hinzu und sagten zu Petrus: »Wahrhaftig, du gehörst auch zu ihnen: schon deine Sprache (= Mundart) verrät dich!« 74 Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: »Ich kenne den Menschen nicht!«, und sogleich darauf krähte der Hahn. 75 Da dachte Petrus an das Wort Jesu, der ihm gesagt hatte (vgl. V.34): »Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

27,1 Als es hierauf Tag geworden war, fassten alle Hohepriester und die Ältesten des Volkes einen Beschluss gegen Jesus, um seine Hinrichtung zu erreichen. 2 Sie ließen ihn dann fesseln und abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pontius Pilatus. 3 Als jetzt Judas, sein Verräter, erkannte, dass er (Jesus) verurteilt worden war, bereute er seine Tat. Und er brachte die dreißig Silberstücke den Hohepriestern und Ältesten zurück 4 mit den Worten: »Ich habe unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut überantwortet habe!« Sie aber erwiderten: »Was geht das uns an? Da sieh du selber zu!« 5 Da warf er das Geld in das Tempelhaus und machte sich davon, ging hin und erhängte sich. 6 Die Hohepriester aber nahmen das Geld und sagten: »Es geht nicht an, dass wir es in den Tempelschatz tun, denn es ist Blutgeld.« (vgl. Dtn 23,18-19) 7 Nachdem sie dann einen Beschluss gefasst hatten, kauften sie für das Geld den ›Töpferacker‹ zum Begräbnisplatz für die Fremden; 8 daher führt jener Acker den Namen ›Blutacker‹ (hebräisch Hakeldama) bis auf den heutigen Tag. 9 Damals erfüllte sich das Wort des Propheten Jeremia (Sach 11,12-13; Jer 32,6): »Sie nahmen die dreißig Silberstücke, den Geldbetrag für den so Gewerteten, auf den man von seiten der Israeliten einen solchen Preis ausgesetzt hatte, 10 und gaben sie für den Töpferacker, wie der Herr es mir geboten hatte.« 11 Jesus aber wurde dem Statthalter vorgeführt, und dieser befragte ihn mit den Worten: »Bist du der König der Juden?« Jesus antwortete: »Ja, ich bin es.« 12 Während er dann von den Hohepriestern und Ältesten angeklagt wurde, gab er keine Antwort. 13 Da fragte ihn Pilatus: »Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?« 14 Doch er antwortete ihm auf keine einzige Frage, so dass der Statthalter sich sehr verwunderte. 15 An jedem (Passah-) Fest aber pflegte der Statthalter dem Volke einen Gefangenen nach ihrer Wahl freizugeben. 16 Man hatte aber damals einen berüchtigten Gefangenen namens Barabbas (in Haft). 17 Als die Menge nun versammelt war, fragte Pilatus sie: »Wen soll ich euch freigeben, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt?« 18 Er wusste nämlich wohl, dass sie ihn aus Neid überantwortet hatten. 19 Während er aber auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: »Habe du mit diesem Gerechten nichts zu schaffen! Denn ich habe heute Nacht im Traum viel um seinetwillen ausgestanden.« 20 Die Hohepriester und Ältesten aber redeten auf das Volk ein, sie möchten sich den Barabbas erbitten, Jesus dagegen hinrichten lassen. 21 Da richtete der Statthalter (nochmals) die Frage an sie: »Wen von den beiden soll ich euch freigeben?« Sie riefen: »Barabbas!« 22 Pilatus fragte sie weiter: »Was soll ich denn mit Jesus machen, den man den Messias nennt?« Sie riefen alle: »Ans Kreuz mit ihm!« 23 Der Statthalter entgegnete ihnen: »Was hat er denn Böses getan?« Sie schrien nur noch lauter: »Ans Kreuz mit ihm!« 24 Als nun Pilatus einsah, dass er nichts erreichte, der Lärm vielmehr immer größer wurde, ließ er sich Wasser reichen, wusch sich vor dem Volk die Hände und sagte: »Ich bin am Blut dieses Gerechten unschuldig; seht ihr zu!« 25 Da antwortete das gesamte Volk mit dem Ruf: »Sein Blut (komme) über uns und über unsere Kinder!« 26 Daraufhin gab er ihnen den Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und überwies ihn dann (den Soldaten) zur Kreuzigung. 27 Hierauf nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in die Statthalterei und riefen dort die ganze Kohorte gegen ihn zusammen. 28 Dann entkleideten sie ihn und legten ihm einen scharlachroten Mantel um, 29 flochten aus Dornen eine Krone, die sie ihm aufs Haupt setzten, und (gaben) ihm ein Rohr in die rechte Hand; darauf warfen sie sich vor ihm auf die Knie nieder und verhöhnten ihn mit den Worten: »Sei gegrüßt, Judenkönig!« 30 Auch spien sie ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn damit aufs Haupt. 31 Nachdem sie ihn so verspottet hatten, nahmen sie ihm den Mantel wieder ab und legten ihm seine eigenen Kleider an; dann führten sie ihn zur Kreuzigung ab. 32 Während sie aber (zur Stadt) hinaus zogen, trafen sie einen Mann aus Cyrene namens Simon an; diesen zwangen sie, ihm das Kreuz zu tragen. 33 Als sie dann auf einem Platz namens Golgatha, das bedeutet Schädelstätte, angekommen waren, 34 gaben sie ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; doch als er ihn gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. 35 Nachdem sie ihn dann gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleidungsstücke unter sich, indem sie das Los um sie warfen, 36 setzten sich hierauf nieder und bewachten ihn dort. 37 Über seinem Haupt hatten sie eine Inschrift angebracht, die seine Schuld angeben sollte; sie lautete: »Dieser ist Jesus, der König der Juden.« 38 Sodann wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, der eine zu seiner Rechten, der andere zu seiner Linken. 39 Die Vorübergehenden aber schmähten ihn, wobei sie den Kopf schüttelten 40 und ausriefen: »Du wolltest ja den Tempel abbrechen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen! Hilf dir nun selbst, wenn du Gottes Sohn bist, und steige vom Kreuz herab!« 41 Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten mit den Worten: 42 »Anderen hat er geholfen, sich selber kann er nicht helfen! Er ist der König von Israel: so steige er jetzt vom Kreuz herab, dann wollen wir an ihn glauben! 43 Er hat auf Gott vertraut: der rette ihn jetzt, wenn er Wohlgefallen an ihm hat! Er hat ja doch behauptet: ›Ich bin Gottes Sohn.‹« 44 In der gleichen Weise schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. 45 Aber von der sechsten Stunde an trat eine Finsternis über das ganze Land ein bis zur neunten Stunde. 46 Um die neunte Stunde aber rief Jesus mit lauter Stimme aus: »Eli, Eli, lema sabachthani?«, das heißt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Ps 22,2) 47 Als einige von den dort Stehenden dies hörten, sagten sie: »Der ruft den Elia!« 48 Und sogleich lief einer von ihnen hin, nahm einen Schwamm, tränkte ihn mit Essig, steckte ihn an ein Rohr und wollte Jesus trinken lassen. 49 Die anderen aber sagten: »Lass das! Wir wollen doch sehen, ob Elia wirklich kommt, um ihm zu helfen.« 50 Jesus aber stieß noch einmal einen lauten Schrei aus und gab dann seinen Geist auf. 

(Hier kniet man wenn möglich nieder und hält eine Zeit lang Stille.)

51 Da zerriss der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Stücke, die Erde erbebte und die Felsen zersprangen, 52 die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt, 53 kamen nach seiner Auferstehung aus ihren Gräbern hervor, gingen in die heilige Stadt hinein und erschienen vielen. 54 Als aber der Hauptmann und seine Leute, die Jesus zu bewachen hatten, das Erdbeben und was (sonst noch) geschah, sahen, gerieten sie in große Furcht und sagten: »Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen!« 55 Es waren dort aber auch viele Frauen zugegen, die von weitem zuschauten; sie waren Jesus aus Galiläa nachgefolgt und hatten ihm Dienste geleistet. 56 Unter ihnen befanden sich Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und des Joseph, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Credo

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
 (Verneigung)
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

Abschluss

Fürbitten

Erste Form

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast uns durch Deinen heiligen Apostel gelehrt, dass wir vor allen Dingen für alle Menschen Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten sollen.

(Ggf. Anliegen des Tages.)

Wir bitten Dich in Demut: Erhöre unsere Gebete, die wir vor Deine göttliche Majestät bringen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Zweite Form

Für die Kirche und ihre Einheit

Gütiger Vater, wir bitten Dich in Demut für Deine heilige katholische Kirche. Erfülle sie mit aller Wahrheit und in aller Wahrheit mit allem Frieden. Reinige sie, wo sie verdorben ist; leite sie, wo sie im Irrtum ist; erleuchte sie, wo sie im Dunkeln ist; weise sie zurecht, wo sie dem Aberglauben verfallen ist; verbessere sie, wo sie im Unrecht ist; stärke und kräftige sie, wo sie im Recht ist. Wo ihr etwas mangelt, da gib es ihr. Wo sie gespalten und geteilt ist, da heile ihre Zerrissenheit und einige sie. Darum bitten wir Dich, Du Heiliger Israels, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Oder: Für alle Stände der Kirche

Allmächtiger, ewiger Gott! Durch Deinen Geist werden alle Glieder der Kirche zu einer heiligen Körperschaft miteinander verbunden und zu vielfältigem Dienst befähigt. Lass Deine Gnade walten über allen Deinen Dienern und Dienerinnen, auf dass sie erkennen was richtig ist und in allen Dingen dem gehorsam sind, der das Haupt ist, nämlich Christus Jesus, Deinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

Für Parlament und Regierung

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du über alle Länder und Völker mit ewiger Macht regierst! Erleuchte die gewählten Vertreter unseres Volkes, lenke ihre Absichten, segne ihre Mühen; auf dass unter uns Sicherheit, Lebensglück und Frieden gefördert, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit gemehrt, Tugend und Gottesfurcht gefestigt werden mögen — zum Wohlergehen Deines Volkes und zur Ehre Deines heiligen Namens. Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.

In Zeiten von Seuchen und hoher Sterblichkeit

Allmächtiger und allbarmherziger Gott! In dieser Zeit schwerer Krankheit fliehen wir zu Dir, unserem Beistand. Wir ersuchen Dich: Errette uns aus der Gefahr; gib allen, die sich der Kranken annehmen, Kraft und Geschick; schenke Erfolg beim Einsatz jeglicher Heilmittel. Und lass uns erkennen, wie hinfällig und ungewiss unser Leben ist, damit wir unser Herz ausrichten auf die himmlische Weisheit, die zum ewigen Leben führt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Oder: Für Kranke

Barmherziger Gott und Vater! Ohne Deinen Willen fällt kein Haar vom Kopf des Menschen. Wir rufen Dich in aller Demut an für Deinen Diener (Deine Dienerin/Diener), bei dem (der/denen) Du schwere Krankheit zugelassen hast. Lass die Tage seiner (ihrer) Prüfung nicht zahlreich werden. Verleihe ihm (ihr/ihnen) Geduld und Kraft, die Leiden so zu tragen, wie es Dir wohlgefällig ist. Schenke ihm (ihr/ihnen) die volle Gesundheit wieder und stehe ihm (ihr/ihnen) bei, dass er (sie) den Rest seiner (ihrer) Tage in Ehrfurcht vor Dir und zu Deiner Ehre verbringe(n). Hast Du es anders beschlossen, so verleihe ihm (ihr/ihnen) Beharrlichkeit bis ans Ende und lass ihn (sie) nach den Leiden dieser Zeit eingehen in die Herrlichkeit, die dereinst an uns offenbar werden soll. Durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.

Gebet des Herrn

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott! Du hast uns jetzt die Gnade verliehen, einmütig unser gemeinsames Flehen vor Dich zu bringen, und Du hast verheißen, wenn zwei oder drei in Deinem Namen versammelt sind, sie zu erhören. Erfülle nun, o Herr, die Anliegen und Bitten Deiner Diener zu ihrem Wohl, indem Du uns in dieser Welt die Erkenntnis Deiner Wahrheit und in der künftigen das ewige Leben schenkst. Denn Du bist ein guter und menschenliebender Gott, und Dich verherrlichen wir, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Segensspruch

Der Herr segne uns, Er bewahre uns vor allem Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Lied zum Ausgang

1. Des Königs Banner wallt empor,
hell strahlt das hei’lge Kreuz hervor,
daran den Tod das Leben litt
und das Leben durch den Tod erstritt.

2. Sein Herz durchbohrt der Lanzenstich,
ein Quell des Heils eröffnet sich.
Seht, Blut und Wasser fließt herab,
das wäscht all unsre Makel ab.

3. Erfüllt ist nun, was David sang,
davon sein treues Lied erklang,
als er den Völkern Kunde gab:
es herrschet Gott vom Holz herab.

4. O Baum, wie schön ist deine Zier !
Des Königs Purpur prangt an dir;
dein auserwählter, edler Stamm
berührt das hehre Gotteslamm.

5. O sel’ger Baum, von Gott geweiht,
du trägst den Preis der Ewigkeit,
du wägst der Erde Lösegeld,
entziehst den Raub der Unterwelt.

6. O Kreuz, du einz’ger Trost im Leid ,
Gruß dir in dieser Leidenszeit!
Vermehr den Frommen Gottes Gnad
und tilg der Sünder Missetat!

7. O Quell des Heils, Dreifaltigkeit,
Dich lobt und preist die Christenheit;
des Kreuzes Sieg verleihest Du,
schenk uns des Kreuzes Lohn hinzu!

Text (Vexilla regis): Venantius Fortunatus 569
Übersetzung: Peter Soemer 1874
Melodie: gregorianisch

Hoffnung auf den lebendigen Gott

Christus rettet Petrus vor dem Ertrinken:
Mosaik, Kathedrale von Monreale, 12. Jh.
Gedanken von Gabriele Gerte

[…] weil wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, der ein Retter aller Menschen ist, zumal der Gläubigen.

1 Tim 4,10

Ja, ich gebe es zu, ich habe Angst. Die letzten Tage und Wochen haben mich durcheinander gebracht. Mein Alltag ist nicht mehr das was er einmal war. Täglich überschlagen sich die Meldungen zum Coronavirus. Steigende Fallzahlen, Tote, Schulschließungen, Geschäftsschließungen, Zwangsarbeitspause (die auch mich betrifft). Schrecklich sind die schockierenden Bilder aus Italien. Sorgen um meine Lieben, insbesondere meine hochbetagten Eltern, und wie schlimm es wohl werden wird, treiben mich um. Aber so wie mir geht es sicher vielen Menschen, jedenfalls wohl denen, die nicht gefühlskalt oder abgebrüht sind. Ich habe mir daher die Frage gestellt, was uns uns in dieser schweren Zeit Trost und Hoffnung geben kann.

Da fiel mir die Bibel ein. Denn schon zu Urzeiten berichtet die Bibel über Katastrophen, Kriege, Hungersnöte und viele Todesgefahren. Interessant ist, dass bei diesen Berichten immer erwähnt wird, das Volk habe sich von Gott und dem Glauben an ihn abgewandt. Und wir? Wir können es nicht leugnen. Auch wir sind schon lange von Gottes Wegen abgekommen. Jahrzehnte lang treiben wir schon Raubbau an Gottes Schöpfung und zerstören unseren Lebensraum. Der einzelne Mensch zählt nicht mehr. Egoismus, Macht- und Habgier regieren die Welt. Wo bleibt die Nächstenliebe, wo Barmherzigkeit und wo Gott und das Gebet? Dazu ließe sich sehr viel mehr sagen. Aber zurück zum Thema Hoffnung.

Folgende Zitate habe ich unter vielen in der Bibel zum Thema Hoffnung gefunden:

  • Der Prophet Jeremia hält fest (29,12), wie Gott ihm und dem Volk verspricht: „Wenn ihr mich alsdann anruft, so will ich euch antworten, und wenn ihr zu mir betet, will ich euch erhören.“
  • Im Römerbrief (5,2) verweist der Apostel Paulus auf Jesus Christus, „durch den wir im Glauben den Zugang zu unserm jetzigen Gnadenstand erlangt haben, und wir rühmen uns auch der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“
  • Der Evangelist Matthäus (12,21) zitiert die griechische Fassung einer Verheißung Jesajas (42,4) mit Blick auf Jesus, den Messias: „auf seinen Namen werden die Heidenvölker ihre Hoffnung setzen“.
  • Im Zweiten Brief an die Korinther (1,10) lese ich von den Taten Gottes am Apostel Paulus: „Er hat uns denn auch aus einer so großen Todesgefahr errettet und wird uns auch fernerhin erretten; auf ihn setzen wir unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft erretten wird.“

Doch gerade die Zeilen in Römer 5,1-5, insbesondere Verse 3-5, haben mich beeindruckt. Denn dort versichert uns der Apostel:
„so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch den Zugang zu unserm jetzigen Gnadenstand erlangt haben, und wir rühmen uns auch der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Ja noch mehr als das: wir rühmen uns dessen sogar in den Trübsalen, weil wir wissen, dass die Trübsal Geduld wirkt, die Geduld Bewährung, die Bewährung Hoffnung; die Hoffnung aber führt nicht zur Enttäuschung, weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist durch den heiligen Geist, der uns verliehen worden ist.“

Das bedeutet für mich, dass wir in dieser Zeit der Bedrängnis Geduld üben müssen. Geduldig sein im Vertrauen auf Gott. Wenn wir geduldig auf Gott vertrauen, bewähren wir uns vor Gott. Wir kommen so Gott auch wieder näher. Wenn wir Gott wieder näherkommen, vertrauen wir ihm wiederum immer mehr und unsere Hoffnung wächst, dass er alles zum Guten wendet.

Wenden wir uns also betend wieder Gott zu. Beten wir um seine Gnade, damit auch er sich uns schwachen sündigen Menschen (wieder) zuwendet. Beten wir um Barmherzigkeit, dass er uns aus dieser Bedrängnis erlöst. Beten wir aber auch um Geduld in dieser schweren Zeit, dass wir diese Zeit der Prüfung bestehen und überstehen. Beten wir weiter darum, dass es uns gelingt, Gott wieder näher zu kommen, seine Gebote befolgen und dadurch zu neuer Zuversicht und neuem Vertrauen auf seine Handeln kommen: Herr, dein Wille geschehe, sowohl jetzt wie auch am Ende unseres irdischen Lebens — und in Ewigkeit. Amen.