Sakramentar 2019: Ein „orthodox-altkatholisches“ Altarbuch

Gut sieben Jahre nach ihrer Errichtung hat die deutsche Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche soeben ein eigenes Altarbuch in einer ersten, stark limitierten Auflage herausgegeben. Nach dem Vorbild der ältesten erhaltenen liturgischen Bücher des Christentums (sowohl der westlichen wie der östlichen Tradition) ist das Altarbuch eine Kombination von Rituale und Missale in einem einzigen Band. Für Priester mit einem geographisch weiträumigen pastoralen Zuständigkeitsbereich hat dies den Vorzug, immer nur ein einziges liturgisches Buch mitnehmen zu müssen — und doch für die meisten Eventualitäten gerüstet zu sein. Die historische Bezeichnung für derartige, recht umfassende Bücher (die meist auch noch bischöfliche Liturgien enthalten) ist Sakramentar bzw. Euchologion.

Im deutschsprachigen Altkatholizismus sind solche Bücher durchaus kein Novum: Schon die Christkatholische Kirche der Schweiz hat vor mehr als 100 Jahren ein Altarbuch dieses Formates herausgegeben (Bern: K. J. Wyß 1905). Das neu erschienene Sakramentar setzt nun jedoch die liturgietheoretischen Prinzipien der Nordisch-Katholischen Kirche für die konkrete pastorale Arbeit im deutschsprachigen Raum um. Seine Inhalte sollen im Folgenden kurz skizziert werden.

Die im Missale-Teil enthaltene Messordnung basiert auf der wahrscheinlich ältesten noch in Gebrauch befindlichen Traditionslinie (usus) des römischen Ritus, nämlich der Kartäusermesse, deren älteste bekannte Form sich vermutlich direkt vom Diözesanritus von Grenoble des 11. Jahrhunderts ableitet. Die strenge Schlichtheit dieser Liturgie — obgleich nicht der ausschlaggebende Faktor — ist vielleicht nicht unpassend für die kirchliche Situation an vielen Orten des deutschsprachigen Europa, welches wieder mehr und mehr zum Missionsgebiet wird.

Aufgrund einer Kombination von pastoralen, theologischen und liturgiegeschichtlichen Erwägungen wurden allerdings drei nicht unbedeutende Modifikationen vorgenommen: (i) die Streichung des Filioque im nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis; (ii) die Entfernung der missverständlichen (und in der lateinischen Scholastik auch oft tatsächlich überhöhten) Erwähnung einer instrumentalen Bedeutung der „Verdienste“ (meritis) der Heiligen (in der vierten Strophe des Messkanon, Communicantes); (iii) die Einfügung einer (katabatischen) Epiklese vor der neunten Strophe (Supplices) des Messkanon.

Diese Änderungen erfolgen in erster Linie mit Blick auf den 1975-1987 festgestellten, umfassenden Lehrkonsens der orthodoxen und altkatholischen Kirchen (veröffentlicht von Urs v. Arx (Hrsg.): Koinonia auf altkirchlicher Basis. Sonderheft zu IKZ 79/4, 1989) — angesichts häufiger und ekklesiologisch sehr berechtigter Anfragen an den römischen Ritus von orthodoxer Seite. Die Modifikation (ii) mag aber vielleicht darüber hinaus auch andere ökumenische Gesprächspartner interessieren: Zum Beispiel dürfte Martin Luthers Polemik gegen den römischen Messkanon in den Schmalkaldischen Artikeln (Teil II, Art. 2, Ziffer 5) nicht zuletzt durch ebenjene missverständliche Erwähnung der Verdienste der Heiligen und vor allem die scholastische Ausdeutung dieser Formulierung motiviert gewesen sein.

[Exkurs. Um eine kontrafaktische Hypothese zu wagen: Ein irenisch gesinnter Teil der Gläubigen der Augsburgischen Konfession hätte sich möglicherweise in den 1530er Jahren noch bereit erklärt, einen Kompromiss nach Art der Utraquisten zu akzeptieren — sofern die päpstliche Seite gestattet hätte, im Messkanon nur noch von der Wirkung der Gebete (precibus) der Heiligen statt der Wirkung ihrer Verdienste und Gebete (meritis precibusque) zu sprechen. Immerhin lässt sich ja die Fürbitte der Heiligen aus dem Neuen Testament ableiten (z.B. Offb 6,10) — im Gegensatz zu einem „Schatz der Verdienste“, geschweige denn einem solchen unter päpstlicher oder kurialer Verwaltung.]

Des Weiteren wurden, mit Blick auf pastorale Sondersituationen, in das Missale alternative Offertoriums- und Eucharistiegebete aufgenommen, angelehnt an die beracha-Formulare aus der Didache und das Eucharistiegebet der Traditio apostolica. Ferner wurde in die Ordnung der Eucharistie als pastorale Option das Gebet der Gläubigen (wieder) eingefügt — allerdings, im Anschluss an die Forschungsergebnisse von Gregory Dix (The shape of the liturgy. London: Continuum 1945, 475, 491), unmittelbar vor dem Offertorium (bzw. dem optional dorthin vorzuziehenden Friedensgruß).

Die Eigentexte für die Eucharistiefeiern des Kirchenjahres und der Heiligenfeste orientieren sich — oftmals vermittelt durch den (ungeachtet von Thomas Cranmers längerfristigen Intentionen) noch als reformkatholisch einzuordnenden englischen Ritus von 1549 — großenteils an der sogenannten altkirchlichen Perikopenordnung und dem gregorianischen Sakramentar. Das Missale enthält darüber hinaus eine vollständig melodisch ausnotierte Votivmesse für christliche Einheit.

Der Rituale-Teil des Sakramentars ist einerseits traditionell altkatholisch; er folgt im Wesentlichen dem ersten deutschsprachigen, seinerzeit von Generalvikar Franz Reusch zusammengestellten, altkatholischen Rituale (Katholisches Rituale. Bonn: P. Neusser 1875) — dessen Einfluss noch über 80 Jahre später, z.B. im alten Rituale der Christkatholischen Kirche der Schweiz (Bern ³1959), deutlich erkennbar war. Andererseits konnte jenes Rituale von 1875 für das neue Sakramentar natürlich nicht ohne Weiteres übernommen werden, und zwar nicht nur aus sprachlichen, sondern auch aus sakramental- und pastoraltheologischen Gründen (wie schon von anderen, wenngleich leider ohne konkretere Ausführung, festgestellt wurde; vgl. Sigisbert Kraft: Grundsätze und Ziele altkatholischer Liturgiereform. IKZ 73/1, 1983, 103).

Wiederum galt es dabei, insbesondere den orthodox-altkatholischen theologischen Konsens zur Sakramententheologie zu berücksichtigen. So ist z.B. der Spender des Ehesakramentes eben der Priester, welcher der Trauung vorsteht (und nicht etwa die Brautleute), und sein Segen stellt die Form des Ehesakraments dar. Nun war zwar auch schon im Rituale von 1875 der Trauritus mit „Einsegnung der Ehe“ überschrieben (Katholisches Rituale, 30), doch fiel der dort vorgesehene (das tridentinische Pendant übersetzende und im Indikativ formulierte) priesterliche Segen der Ehe denkbar knapp aus (op. cit., 32). Das neue Sakramentar enthält nun verschiedene Varianten für den Trausegen, in Anlehnung an römische und byzantinische Formulare.

Ähnlich notierte Reusch in seinen Anmerkungen zum Bußsakrament (op. cit., 52) zwar, dass eine deprekative statt indikative Absolutionsformel wünschenswert und im Grunde auch die ursprünglichere Form ist, doch wollte er diesbezüglich keine Abweichung vom tridentinischen Usus zulassen. Diese Änderung wurde daher im hier besprochenen Sakramentar ebenfalls nachgeholt.

Schließlich hegte Reusch eine — heute wohl kaum noch gerechtfertigte — Sorge davor, dass z.B. ein Taufexorzismus oder auch die Segnung von Weihwasser bei vielen Menschen „abergläubische Vorstellungen“ (56) hervorrufe und daher am besten zu unterbleiben habe. Das von ihm formulierte Gebet über Wasser und Salz (48f.) ist daher folgerichtig — eigentlich ganz im Geiste der Aufklärungstheologie — viel eher eine Homilie als eine doxologisch-katabatische Benediktion; es erinnert in seinem Duktus sogar recht stark an das Rituale von Ignaz Heinrich v. Wessenberg (Stuttgart: Cotta 1833). Diese Parallele überrascht insofern, als sich Reusch ja im Vorwort des altkatholischen Rituale einigermaßen deutlich von Wessenbergs pastoralliturgischem Ansatz abgegrenzt hatte (Katholisches Rituale, 9).

Die daraus resultierenden Traditionsbrüche in der Taufliturgie des Rituale von 1875 wurden im hier vorgestellten neuen Sakramentar geheilt, indem passende Gebete aus dem (sogenannten) Gelasianischen und dem Gregorianischen Sakramentar sowie aus dem (durch den Kölner Erzbischof Hermann von Wied stark geprägten) reformkatholischen englischen Ritus von 1549 eingefügt wurden. Hintergrund dafür ist aber mitnichten ein bloß formaler Traditionalismus. Vielmehr gilt es zu bedenken, dass Befreiungsgebete und explizite katabatische Segensgebete für materielle Objekte wie das Weihwasser nicht etwa obsolete Relikte eines vorchristlichen Dualismus, sondern eine notwendige Folge der christlich-inkarnatorischen, orthodoxen Kosmologie sind; dieser zufolge gilt ja, etwas zugespitzt: matter is never neutral (Alexander Schmemann: Of water and the Spirit. A liturgical study of Baptism. Crestwood, New York: St. Vladimir’s Seminary Press 1974, 48).

Ergänzt wird der Rituale-Teil durch einen Anhang mit weiteren häufig verwendeten Segnungen, ferner auch Psalmen und Schriftlesungen, die in Verbindung mit den Formularen des Rituale (vor allem für Trauung und Bestattung) zu gebrauchen sind. Mittelfristig ist der Druck einer zweiten, leicht revidierten Auflage in höherer Auflage, aber einfacherer Verarbeitung vorgesehen. In einem in Planung befindlichen Ergänzungsband sollen dann schließlich noch ausgewählte bischöfliche Liturgien sowie ein Liedanhang erscheinen.

„Wo Jesus Christus ist, da ist die katholische Kirche“

Simon F. Uschakow: „Das Heilige Abendmahl“, 1685

Katholisch — Kirche — Institution

Gedanken von Gabriele Gerte

Was bedeuten diese Begriffe?

Was heißt katholisch? Katholisch kommt vom altgriechischen Adjektiv katholikos bzw. der Wendung kat‘ holon, was bedeutet: „auf das Ganze bezogen, dem Ganzen gemäß.“ Der Begriff katholische Kirche wurde dann zum Sammelbegriff für alle rechtgläubigen Christen. Im Westen verstand man ihn auch räumlich, als „die ganze, über den Erdkreis verbreitete Kirche.“ Übrigens: Das Wort katholisch kommt in der Bibel nicht vor. Erstmals benutzte diesen Begriff der Kirchenvater Ignatius von Antiochien (ca. 130 n. Chr.), und zwar wörtlich: „Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist.“ (Brief an die Smyrnäer, 8,2)

Das deutsche Wort Kirche entstand aus dem griechischen kyriakos oikos. d.h. „Haus des Herrn“, wörtlich: „zum Herrn gehöriges Haus“ (oikos = „Haus“; kyriakos = „zum Herrn gehörig“, von kyrios = „Herr“). Im Deutschen finden wir weitere Definitionen wie „geweihter Versammlungsort einer christlichen Glaubensgemeinschaft“ oder „sakrales Bauwerk des Christentums“ sowie „Organisationsform innerhalb des Christentums.“ Weiter wird mit dem Wort „Kirche“ das griechische Wort ekklesia übersetzt, was so viel bedeutet wie „die Gesamtheit der Gerufenen“ oder auch „der Berufenen“! Im Neuen Testament wird es oft verwendet als „Versammlung“ (vgl. Apg 19,32-40).

Das Wort Institution dagegen bedeutet ganz allgemein laut Duden: „einem bestimmten Bereich zugeordnete gesellschaftliche, staatliche, kirchliche Einrichtung, die dem Wohl oder des Einzelnen oder der Allgemeinheit dient“ . Die Soziologen bestimmen, wiederum laut Duden, den Begriff „als stabile Muster folgende Form menschlichen Zusammenlebens“. Wortgeschichtlich leitet sich Institution vom lateinischen Begriff instituere ab. Das heißt übersetzt: „verwalten, einrichten, anordnen.“

Ich fasse zunächst einmal zusammen:

Die Bibel benutzt den Begriff katholisch nicht. Auch die ersten Gläubigen wurden nicht so bezeichnet. Man nannte sie vielmehr einfach „Jünger“, später dann „Christen“ (Apg 11,26). Das dort verwendete christianos aus dem Altgriechischen bedeutet: „Der Christliche, zu Christus gehörend“. Christen werden demnach als Personen bezeichnet, die sich zu Jesus Christus bekennen. Katholische Kirche bedeutet im Wortsinne zunächst die Gesamtheit der überall auf der Welt zu einem ,Haus des Herrn‘ versammelten Christen.

Als sich das Christentum immer mehr ausbreitete, wurde es nötig, eine gemeinsame Ordnung und gemeinsame Regeln, die sich aus der Lehre Jesu ergaben, festzuhalten (z.B. für das liturgische, aber auch das alltägliche ethische Leben etc.). Schließlich waren und sind Christen Zeugen des Lebens und Wirkens Jesu.

Musste daraus aber notwendigerweise eine Institution entstehen, die in den innersten Lebensbereich eines Menschen eingreift? Ich denke beispielsweise an die Vorschriften mit Blick auf das eheliche Sexualleben oder die rigide Einführung des Klerikerzölibats (im Westen zwar schon punktuell im frühen 4. Jahrhundert, im Osten jedoch durch z.B. die Apostolischen Kanones explizit verworfen). Wie bekannt ist, war Petrus verheiratet; Jesus heilte seine Schwiegermutter (Mt 8,14). Zwar sagte Petrus: „Herr, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt“ (Mt 19,27). Daraus aber abzuleiten, dass Petrus nie wieder ein eheliches Leben mit seiner Frau geführt habe und alle Geistlichen ab dem Diakon oder Priester es ihm gleich tun sollten, ist keineswegs Bestandteil der Tradition der ungeteilten Kirche (siehe als Gegenbeispiel wiederum die Apostolischen Kanones). Und ein biblisches Eheverbot für Geistliche gibt es schon gar nicht, möglicherweise sogar das Gegenteil (1 Kor 9,5).

Jesus hingegen hat zu ethischem Verhalten angeleitet, ohne die Menschen an sich zu verurteilen: Selbst eine Ehebrecherin wurde von Jesus nicht verurteilt und gerichtet, sondern begnadigt und zu einem Leben ohne Sünde aufgerufen (Joh 8). Fatal war neben der unnötigen Verengung der Kirchendisziplin auch die Verengung der Verkündigung. Gewiss hat die Kirche die Aufgabe, die Grunddogmen zu formulieren (insbesondere das Große Glaubensbekenntnis). Aber es ist nicht nötig, den Christen detailliert vorzuschreiben, mit welchen Begrifflichkeiten genau sie ihren Glauben an den in Christus Mensch gewordenen dreifaltigen Gott bezeugen sollen.

So kam es, vordergründig aus Gründen von Dogma und Kirchendisziplin, oft aber auch aus sprachlich-kulturellen und kirchenpolitischen Gründen zu unnötigen Abspaltungen. Zunächst entstand die Assyrische Kirche des Ostens (431), dann die orientalisch-orthodoxe Kirche (451), schließlich entstand ein Schisma zwischen (byzantinisch-) orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Später bildeten sich die lutherische und anglikanische Kirche usw. Doch noch das erste lutherische Bekenntnis, die Confessio Augustana (1530), war als gemeinsames Bekenntnis gedacht. Wäre es, ungeachtet kirchenpolitischen Machtstrebens, wirklich nicht möglich gewesen, gemeinsam einen gangbaren Weg zu finden? Etliche der in den ökumenischen Dialogen der letzten Jahrzehnte erzielten theologischen Verständigungen deuten darauf hin. Die Grunddogmen, nämlich der Glaube an den dreieinen Gott und seine Menschwerdung in Jesus Christus, werden doch von allen geteilt.

Fazit

Für mich ist die Gemeinschaft der Christen, die auf Jesus Christus getauft sind, sich zu Christus bekennen und nach seinen Lehren leben, von Bedeutung. Diese „Kirche“ wird überleben. Die Institution ist überwuchert durch einen weltlichen Apparat. Die Vorbilder der Christen sind die Märtyrer und Heiligen. Sie befolgten Jesu Lehren in Wort und Tat, übten Nächstenliebe, Armenspeisung, Krankenpflege usw. aus. Sie fühlten sich in ihrem Tun und Handeln nur Gott und Jesus Christus verantwortlich. Sie widerstanden den „Mächtigen der Welt“ (Kaisern, Königen und oft auch weltlich ambitionierten Klerikern) trotz allen Verlockungen und gingen für ihren Glauben sogar in den Tod. Nur dort, wo die Menschen als Ebenbilder Gottes (Gen 1,27) behandelt werden und ihr Glaube an den in Jesus Christus Mensch gewordenen Gott sich entfalten und reifen kann, kann wahre Kirche entstehen. Jesus Christus und seine Lehren müssen in der Kirche an erster Stelle stehen; sie sind aktueller denn je: Jesus Christus ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung der Gemeinde, Kirche oder Redaktion wieder.

Pastoralbesuch von Bischof Roald in Bayern, August 2019

Vom 16.-19. August 2019 besuchte Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad (Oslo) den Seelsorgebereich Bayern. Es folgt ein kurzer Bildbericht.

Bischöfliche Firmung

In der Abtei St. Severin in Kaufbeuren, mit Pfarrkurat Franz Schömer (links im Bild) als Firmpaten und Abt Michael OPR (rechts) als Zeremoniar.

Diakon- und Priesterweihe

Tamás Széles, im Zivilberuf ein bekannter ungarischer Synchronsprecher, wurde geweiht für die Altkatholische Mission Ungarn, die der deutschen Administratur kirchenrechtlich angeschlossen ist. Auch Priester Péter Kováts aus Szombathely war hierfür eigens ins Allgäu gereist.

Tamás Széles, Franz Schömer, Péter Kováts
Bischof Roald mit Neupriester Tamás Széles
inmitten des Klerus und der Brüder der Abtei St. Severin

Beratungen zum Martinuswerk

Bischof Roald N. Flemestad und Abt Michael OPR berieten sich mit dem Vorstand des Martinuswerks über dessen Wirken für die deutsche Administratur. Das Martinuswerk e.V. ist nun offiziell als bischöfliches Werk der Union von Scranton anerkannt.

Abt Michael OPR, Michael Berghoff, Bischof Roald N. Flemestad, Archidiakon Daniel Gerte

Brüderliche Gemeinschaft …

… fand auch außerhalb des offiziellen Programms statt.

Br. Maximilien OPR, Br. Georg OPR, Dr. Daniel Gerte

Katechetische Notizen zur orthodox-altkatholischen Lehre I/1

Wir dokumentieren hier in unregelmäßigen Abständen die Notizen zur Katechesenreihe (von Bischofsvikar F. Herzberg) über das orthodox-altkatholische Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis (hrsg. Urs von Arx, IKZ 79/Sonderheft (1989)).

Vorbemerkungen…

Wir beginnen heute eine betont theologische Katechesenreihe. Nicht jeder Christ hat positive Assoziationen mit Theologie. Doch zu Unrecht:

  • Theologie heißt etymologisch: „Gott-Rede“, d.h. Rede über und/oder mit (!) Gott, dem Urgrund des Seins.
  • Evagrius Pontikos: „Wer richtig betet, ist Theologe; wer Theologe ist, betet richtig.“
  • Rechtes Beten, rechter Glaube, rechtes Handeln gehören zu sammen: lex orandi – lex credendi – lex vivendi.
  • Gute Theologie zeichnet sich aus durch das sentire cum ecclesia, den engen Austausch mit dem Volk Gottes – und ist daher stets lebensnah.
  • (Oder etwas moderner ausgedrückt, mit Karl Barth: Theologie ist eine „Funktion der Kirche“.)

Die Katechesenreihe gründet auf dem orthodox-altkatholischen Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis [hrsg. Urs von Arx = IKZ 79/Sonderheft (1989)]:

  • Die Koinonia auf altkirchlicher Basis harmonisiert östliche und westliche theologische Traditionen,
  • und zwar auf der Grundlage vielfältiger biblischer und früher patristischer Zeugnisse;
  • sie ist das bislang umfassendste (wenngleich nicht umfangreichste) ökumenische Konsensdokument, das die orthodoxen Kirchen in einem bilateralen Dialog erarbeitet haben.

Im Laufe der Katechesenreihe werden wir gemeinsam die „Gemeinsamen Texte“ der Gemischten Orthodox-Altkatholischen Theologischen Kommission (so der offizielle Titel des Konsensdokuments) studieren. Dabei soll uns die folgende, etwas schematische, aber effektive Vorgehensweise helfen:

  • Die Überschriften der einzelnen Katechesen entsprechen den Kapitel- und Abschnittsüberschriften aus der Koinonia auf altkirchlicher Basis.
  • Die Fragen der Katechesen orientieren sich an den einzelnen Absätzen des jeweils zugrunde liegenden Abschnitts (die untergliedernde Nummerierung innerhalb eines Abschnitts wird in die Überschriften der Fragen aufgenommen).
  • Wir werden die Fragen gemeinsam, meist mit „offener Bibel“, diskutieren; im Dialog werden wir Antworten erarbeiten und mit den Aussagen des orthodox-altkatholischen Konsens vergleichen.

Kurzum: Es geht bei diesen Katechesen um eine Art Lern- und Lesehilfe zur Koinonia auf altkirchlicher Basis, die deren Rezeption an der kirchlichen Basis fördern soll. Die in eckigen Klammern […] gesetzten Teile sind Zusätze (Verweise auf Schriftstellen, Zitate oder erläuternde Aussagen), die sich zwar inhaltlich nicht in der Koinonia finden, aber einen Mehrwert für die Darstellung des jeweiligen theologischen Gegenstands haben.

I/1 Die göttliche Offenbarung und ihre Überlieferung

Wen meinen wir mit „Gott“? Können wir etwas über Gott, seine Existenz und sein Wesen wissen?

  • Mit „Gott“ meinen wir die heilige Dreifaltigkeit: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. [Vgl. den Tauf- und Missionsbefehl, Mt 18,19.]
  • [Um eine immanente, referenzielle Definition zu geben: Gott ist, nach christlicher Auffassung, identisch mit dem „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ (Ex 3,6 = Mt 22,32).]
  • Die Existenz eines Schöpfergottes und von dessen Güte kann jeder erkennen, lehrt Paulus gegenüber heidnischen Griechen: Apg 14,17.
  • [Gottes Transzendenz und Selbst-Existenz kommen zum Ausdruck in seinem früheren Namen: „Ich bin, der ich bin“ (Ex 3,14). Aufgrund der weiteren übernatürlichen Offenbarung, darunter insbesondere Gottes Menschwerdung (s.u.), kann Gott nun näher beschrieben werden.]

(1.) Auf welche Weise(n) hat sich Gott zuerst offenbart?

  • Gott hat sich offenbart in der Schöpfung: Röm 1,20. [Diese sogenannte allgemeine oder „natürliche Offenbarung“ spiegelt sich nicht zuletzt in der Gesetzmäßigkeit der Schöpfung, besungen z.B. in Ps 19.]
  • In herausgehobener Weise hat Gott sich offenbart im Menschen, der Gottes Ebenbild ist. [Vgl. Gen 1,27.]
  • Das menschliche Gewissen bezeugt Gottes Gesetze bzw. Gebote: Röm 2,15. Hierdurch kann man bereits die Existenz der sogenannten „speziellen“ oder „übernatürlichen“ Offenbarung erahnen.

(2.) Warum fällt es dem Menschen schwer, Gott zu erkennen?

  • Die Menschen gehorchten nicht dem Gebot Gottes. [Der locus classicus ist die Perikope vom Sündenfall: Gen 3,17].
  • Dadurch wurde ihre Gottesebenbildlichkeit (s.o.) verdunkelt… ,
  • … ebenso auch ihre Fähigkeit, Gott zu erkennen: Röm 1,21.25.

Warum hat sich Gott einst dem Volk Israel offenbart; welchen Charakter hat diese Offenbarung?

  • Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und die Wahrheit erkennen: 1 Tim 2,4.
  • Gott offenbarte sich zunächst vorläufig durch die Propheten: Hebr 1,1.
  • Zu den Propheten gehört auch Mose; das (mosaische) Gesetz soll uns pädagogisch vorbereiten auf Christus: Gal 3,24. [Ja, auch Mose gilt in der Schrift als Prophet: Apg 3,22 = Dtn 18,15.]
  • [Im Alten Bund wurde von einer fortschreitenden übernatürlichen Offenbarung durch Propheten ausgegangen: Dtn 18,15. (Die sadduzäische Thelogie, die nur Mose als Prophet gelten lassen wollte, wird bereits in den Evangelien verworfen: Mt 22,23.29; Apg 23,8. Das rabbinische Judentum teilt diesbezüglich die christliche Position.) Kriterium für authentische Prophetie war jeweils die Kohärenz mit der vorausgegangen Offenbarung: Dtn 13,2-5. Die übernatürliche Offenbarung ist mit Christus an ihr Ziel gelangt: Hebr 1,1; Jud 3.]

(3.) Worin besteht die vollkommene Offenbarung Gottes, wie ist sie erfolgt und was ist ihr Ziel?

  • Höhepunkt der Heilsgeschichte ist die Offenbarung Gottes in seinem Sohn: Gal 4,4, Kol 2,9.
  • Der Sohn Gottes ist das Fleisch gewordene Wort Gottes: Joh 1,14.
  • Nur durch den Sohn Gottes kann der Mensch für die Ewigkeit gerettet werden: Apg 4,12.
  • Es handelt sich um eine Offenbarung Gottes in seinen Wirkungsweisen (Energien – energeiai), nicht in seinem Wesen (ousia). Basilius der Große, Brief 234, 1: „Die Wirkungsweisen sind mannigfaltig, die Wesenheit ist einfach. Wir aber sagen, wir erkennten unsern Gott aus den Wirkungsweisen, versprechen aber nicht, an seine Wesenheit selbst heranzukommen. Seine Wirkungen steigen zu uns hernieder; seine Wesenheit aber bleibt unzugänglich.“ (Migne, Patrologia Graeca 32,869, übersetzt nach Bibliothek der Kirchenväter BKV I, 46,283).

(4.) Wie wird diese Offenbarung vermittelt?

  • Die vollständige übernatürliche Offenbarung hat sich ereignet in Christus, s.o.
  • Sie wird vermittelt in der Überlieferung der heiligen Apostel. [Griech. apostolos = Gesandter. Diese wurden von Christus selbst erwählt und ausgesandt: Lk 6,13.]
  • Die Überlieferung der Apostel (apostolische Tradition) wiederum wird auf zwei Weisen weitergegeben:
    • erstens in der von Gott eingegebenen Heiligen Schrift [2 Tim 3,16];
    • zweitens in der mündlichen Überlieferung der Kirche [2 Thess 2,15].
  • Die lebendige, mündliche Überlieferung der Kirche ist insbesondere bewahrt im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, den Entscheidungen der Sieben Ökumenischen Konzilien und der lokalen Synoden, in den Schriften der Kirchenväter und der Liturgie.
  • [Wo die Kirchenväter weitestgehend übereinstimmen, spricht man vom consensus Patrum. Dieses Kriterium für authentische, im besten Sinne „katholische“ Überlieferung findet man im berühmten Commonitorium von Vinzenz von Lérins (+434), wo es heißt: … magnopere curandum est ut id teneamus quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est; Hoc est etenim vere proprieque catholicum … – „… besonders ist dafür zu sorgen, dass wir das festhalten, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist, denn das ist eigentlich und wahrhaft katholisch …“ – Migne, Patrologia Latina 50,640. Darüber mehr in III/1.]
  • [Dass die Liturgie auch eine Zeugin der apostolischen Überlieferung ist, entspricht der alten theologischen Regel: lex orandi, lex credendi, „das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens“ — erstmals formuliert wohl von Prosper von Aquitanien (+455): legem credendi lex statuat supplicandi. – Migne, Patrologia Latina 51,209.]
  • Die mündliche Überlieferung der Kirche findet weiterhin Ausdruck in der ständigen offiziellen Lehre der Kirche, s.u. [1 Tim 3,15]

(5.) Wie verhalten sich Heilige Schrift und heilige Überlieferung zueinander?

  • Die heilige Schrift und die (oben definierte) heilige Überlieferung sind verschiedene Ausdrucksweisen von ein und derselben apostolischen Überlieferung.
  • Die Frage des Vorrangs stellt sich somit nicht: „beide haben dasselbe Gewicht für die Frömmigkeit“ (Basilius der Große, Über den Heiligen Geist 27, 2 – Migne, Patrologia Graeca 32,188).
  • „Dabei wird die Schrift in der Überlieferung verstanden, die Überlieferung aber bewahrt ihre Unverfälschtheit und das Kriterium ihrer Wahrheit durch die Schrift und aus deren Inhalt“ (Interorthodoxe vorbereitende Kommission der Heiligen und Großen Synode, 16. bis 28. Juli 1971; Chambésy 1973, Seite 110).

Fortsetzung folgt: I/2 Der Kanon der Heiligen Schrift

Kanonische Ordnung und Kirchenvorstand

Rundverfügung zur kanonischen Ordnung der Administratur

Vor dem Hintergrund aktuellen Interesses an der kirchenrechtlichen Situation der deutschen Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche wird festgehalten:

1. Die deutsche Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche ist als eine Missionsgemeinde organisiert; Patronin ist die heilige Maria Magdalena. Die Kurzbezeichnung lautet: Nordisch-Katholische Mission in Deutschland. Die Patrone der nordisch-katholischen Missionstätigkeit und Seelsorge sind St. Michael für Bayern und St. Willibrord für Westdeutschland.

2. Die Missionsgemeinde ist eine Missionspfarrei der Union von Scranton im Sinne von deren Statuten (Statutes of the Union of Scranton, Section C, Article 3 (i)) unter der bischöflichen Aufsicht von Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad als Delegat der Internationalen Katholischen Bischofskonferenz.

3. Für die als Missionsgemeinde verfasste deutsche Administratur gelten neben §§ 1 und 3 der Verfassung der Nordisch-Katholischen Kirche die Statuten für Pfarrgemeinden der Nordisch-Katholischen Kirche, ausgenommen § 6 Abs. 2 dieser Statuten.

Zur Umsetzung vorgenannter Statuten wird verfügt:

4. Die Missionsgemeinde wird geleitet von einem kommissarischen Kirchenvorstand, der aus den Verwaltern der Administratur (Bischofsvikar, Archidiakon) und Dipl.-Ing. Michael Berghoff besteht. Der kommissarische Kirchenvorstand kann weitere Mitglieder der Missionsgemeinde in beratende Kommissionen berufen.

5. Dem kommissarischen Kirchenvorstand obliegt es, binnen zwei Jahren eine ordentliche Pfarrversammlung mit Kirchenvorstandswahlen gemäß § 4 Abs. 1 u. 6 der vorgenannten Statuten einzuberufen.

Düsseldorf, am Vorabend des Festes der heiligen Maria Magdalena 2019

gez. F. Herzberg
Bischofsvikar

Brief von Erzbischof Mikovsky an Kardinal Marx

Wir dokumentieren im Folgenden den Brief des Primas der Union von Scranton, Erzbischof Dr. Anthony Mikovsky, vom 20. März 2019 in deutscher Übersetzung. Die Deutsche Bischofskonferenz hat durch ihren Sekretär, P. Dr. Hans Langendörfer SJ, den Erhalt des Briefes bestätigt und sich bedankt.

Bei dem erwähnten suspendierten Geistlichen handelt es sich um den vor Kurzem von episcopi vagantes konsekrierten „Bischof“ der „Christ-Katholischen Kirche in Deutschland“. Von diesem distanziert sich die Union von Scranton in aller Deutlichkeit.

Eure Eminenz Kardinal Marx,
werter Bruder im bischöflichen Dienst der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche!

Gelobt sei der Name unseres Herrn Jesus Christus, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Ich schreibe Ihnen zwecks Erläuterung unserer kirchlichen Arbeit in einigen Teilen Deutschlands. Vor Kurzem hat sich nämlich ein deutscher suspendierter Geistlicher unserer Kirchenunion einer nicht anerkannten Altkatholischen Kirche in British Columbia (Kanada) angeschlossen, welche möglicherweise versuchen wird, Zweifel an unserem kanonischen Status oder der Gültigkeit unserer Weihen zu säen.

Die Union von Scranton, die aus der Polnisch-Katholischen Nationalkirche (in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada) und der Nordisch-Katholischen Kirche (in Skandinavien) besteht, hat unter ihrer bischöflichen Aufsicht auch Geistliche, Pfarreien und Missionen in Europa . Diese Arbeit wird verantwortet durch den Bischof der Nordisch-Katholischen Kirche, Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad, dessen Bischofssitz sich in Oslo (Norwegen) befindet.

Kanonischer Status der Nordisch-Katholischen Kirche und der Union von Scranton

Die Union von Scranton definiert sich als „Union von Kirchen in Sakramentengemeinschaft mit der Polnisch-Katholischen Nationalkirche“ (Statuten der Union von Scranton, Überschrift). Grundlage dieser vollen, sakramentalen und kanonischen Kirchengemeinschaft ist die Übereinstimmung in der katholischen Lehre und Liturgie (Statuten, C, Art. 1a,b), die wechselseitige Anerkennung der Ämter in apostolischer Sukzession (Statuten, C, Art. 1b,d) und die eucharistische Gemeinschaft (Statuten, C, Art. 1c). In ihrer inneren Ordnung ähnelt die Union von Scranton jenen orthodoxen Patriarchaten, die autonome Teilkirchen besitzen; das Wirken der autonomen Teilkirchen wird durch die Statuten der Union von Scranton reguliert.

Das höchste Organ der Union ist die Bischofssynode, die als Internationale Katholische Bischofskonferenz (ICBC) der Union of Scranton bekannt ist. Ich übe das Amt des Erzbischofs der Union von Scranton und des Vorsitzenden ihrer Bischofskonferenz aus, da dieses Amt verfassungsgemäß dem Leitenden Bischof der Mutterkirche der Union, also dem Prime Bishop der Polnisch-Katholischen Nationalkirche, zukommt (Statuten, D, Art. 1c); die übrigen Mitglieder der Bischofskonferenz sind die Diözesanbischöfe der Mitgliedskirchen der Union of Scranton (Statuten, C, Art. 1f).

Jede Mitgliedskirche der Union von Scranton – derzeit sind dies die Polnisch-Katholischen Nationalkirche (Polish National Catholic Church, PNCC) und die Nordisch-Katholische Kirche – genießt einen gewissen Grad an Autonomie. Zum Beispiel ist es der Nordisch-Katholischen Kirche gestattet, — sofern sie nicht von der offiziellen Theologie der Union (vor allem die Erklärung von Scranton und das orthodox-altkatholische Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis = IKZ 79/Sonderheft, 1989) abweicht — ein eigenes Kirchenrecht, eine eigene Liturgie und eigene Katechismen zu haben. Gleichwohl ist sie verpflichtet, ihr Kirchenrecht samt allen liturgischen und katechetischen Büchern sowie auch alle anderen offiziellen Dokumenten mit den Bischöfen der PNCC zu teilen (wie auch umgekehrt, Statuten, C, Art. 11).

Zwischen den Mitgliedern der Bischofskonferenz der Union von Scranton besteht ein hohes Maß an wechselseitiger Abhängigkeit: So kann beispielsweise kein Bischof der Union ohne Zustimmung der Bischofskonferenz an einer Bischofsweihe teilnehmen (Statuten, C, Art. 8d, 10b); darüber hinaus kann einem Bischof durch einen Mehrheitsbeschluss die Mitgliedschaft in der Bischofskonferenz (und damit der Union of Scranton) entzogen werden, wenn er gegen den synodalen Konsens handelt oder lehrt (Statuten, C, Art. 3h). Gegenwärtig bilden die Bischöfe der PNCC die deutliche Mehrheit der Bischofskonferenz der Union von Scranton, da nur der nordisch-katholische Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad nicht der PNCC angehört. Bischof Roald Flemestad wurde 2011 von der PNCC für den Dienst in der Nordisch-Katholischen Kirche und als Missionsbischof für Europa konsekriert.

Dementsprechend wird die Katholizität und Orthodoxie der Nordisch-Katholischen Kirche durch jene der PNCC garantiert. Die deutsche Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche, die der bischöflichen Leitung von Bischof Roald Flemestad untersteht, gehört zur kanonischen Jurisdiktion der Union von Scranton. Sie ist der dortige kanonische Vertreter der Union von Scranton und damit ihrer Mutterkirche, der PNCC. Es ist die Union von Scranton, ebenso wie ihre Gliedkirchen PNCC und Nordisch-Katholische Kirche, die nach der Spaltung der Utrechter Union im Jahre 2003 weiterhin das altkatholische Erbe bewahrt.

Es ist unsere Hoffnung, dass hierdurch, zumindest im Ansatz, etwaige Fragen bezüglich der kirchlichen Arbeit der Union von Scranton durch die Nordisch-Katholische Kirche in Deutschland beantwortet werden. Sollten Fragen oder Anliegen diesbezüglich oder in Verbindung mit der deutschen Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche auftreten, zögern Sie bitte nicht, entweder Bischof Dr. Roald Flemestad (E-Mail-Adresse: biskop@nordiskkatolsk.no) oder auch meine Person (in Scranton, Pennsylvania) über die oben angegebenen Koordinaten zu kontaktieren. Wir dürfen schließlich noch darauf hinweisen, dass eine Kopie dieses Schreibens an den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen, welchem unsere kirchliche Arbeit bekannt ist, von uns gesendet wurde.

Mit allen guten Wünschen und im Gebet für den Aufbau des Reiches Gottes verbleibe ich

hochachtungsvoll in Christus Jesus, unserem Herrn,

+ Anthony Mikovsky

Erzbischof der Union von Scranton
Leitender Bischof der Polnisch-Katholischen Nationalkirche

Kirche: Haben oder Sein?

Symbol Notre Dame

Ist der Kirchenbrand und Beinahezusammenbruch von Notre symbolisch deutbar oder gar ein Vorbote? Wenn ja, was könnte sich hierin ankündigen?
Es gibt Ereignisse, die im Rückblick als Auftakt eines Untergangs und als drohende Vorboten einer neuen Zeit gedeutet werden, während sie zugleich Denkmal einer sich dem Ende neigenden Epoche sind.

So ist es mit der Titanic, die schon im Namen die gigantische Vermessenheit des technikbesessenen homo fabers anzeigt und mit deren Untergang die Hoffnung des industriellen Zeitalters Schiffbruch erlitt, mit der geradlinige fortschreitenden Evolution der Technik auch den Schlüssel zur Lösung aller menschlichen Probleme in die Hand zu bekommen.

Das Sinken der Titanic gleich zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zudem nachträglich als Prophezeiung verstanden, dass der einmal aus der Flasche gelassene Erfindergeist sich gegen seinen Schöpfer und das Leben überhaupt wenden und in Weltkriegen mit ungekannten Dimensionen technischer Vernichtungskraft entladen würde.

Für Ähnliches steht der Name Tschernobyl, doch hier ging die Gefahr nicht vom Gewitter glänzenden Stahls aus, sondern von der ungleich gewaltigeren Wucht des unsichtbaren Atoms.

Dem Vergehen der berühmtesten New Yorker Immobilie der Twintowers zu Beginn des Millenniums vor den Augen des erstarrten Zuschauers folgte schon bald der Zusammenbruch der Finanzmärkte nach dem Platzen einer Immobilienblase, wodurch der Mittelstand die Vorsorge seiner Zukunft verlor.

Notre Dame – Unsere liebe Frau von Welt

Aus der Asche des verkohlten und eingebrochenen Dachstuhls von Notre Dames den Zusammenbruch des christlichen Abendlandes insgesamt zu lesen, verbietet sich, da die Lage offensichtlich komplexer ist, schon allein deshalb, weil auch das christliche Abendland eine Landschaft aus unterschiedlichen Regionen ist.

Denn in Frankreich sind die Kirchen als Gebäude im Grunde staatliche Museen, und dies bereits seit der Französischen Revolution.
Doch in den Ruinen blüht es, und neues geistliches Leben wächst heran. Um nur drei Beispiele zu nennen: die Gemeinschaft von Bethlehem (von 1950), die ökumenische Gemeinschaft von Taizé (gegr. 1942) und die Gemeinschaft von Jerusalem (gegr. 1975).
Es fällt zunächst auf, dass alle drei recht jungen Bewegungen sich eines großen Zulaufs erfreuen und dabei auf etablierte Bezeichnungen wie Orden, Bruderschaft oder Institut verzichten, sondern sich bescheiden „Gemeinschaft“ nennen.

Das Christentum ist im laizistischen Frankreich also keineswegs tot, sondern in seinem gesellschaftlichen Nischendasein höchst lebendig. Die Teilnahme am Gottesdienst ist in Frankreich nur minimal geringer verglichen mit Deutschland, dessen Kirchen vergleichsweise vor Finanzkraft strotzen, ohne jedoch ähnliche Regungen vorweisen zu können.

Diesem ihrem Reichtum ist den Kirchen in Deutschland freilich auch die Sorge um ihre Kirchen als Gebäude aufgetragen ist und um sich selbst als Organisation, als KödR – als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“.
Diese schon seit der Weimarer Reichsverfassung (Art. 137) verankerte und ins Grundgesetz (Art. 140) überführte Sicht der Kirchen als quasi sinnstiftender und karitativer verlängerter Arm des neutralen Staats bei der Bildung und Erhaltung eines Wertekanons macht sie durch ihre enorme Privilegierung zu einer Art Staat im Staat, der nicht nur Steuern einziehen kann, sondern auch neben Steuerbefreiungen, Siegelrecht, eigenem Arbeitsrecht, eigenen Schulen, Religionsunterricht an staatlichen Schulen u.a. Staatsleistungen mit Ewigkeitsrecht als Kompensationen für unter Napoleon verstaatlichen Kirchenbesitz genießt.

Wie sehr die KödR die deutschen Kirchen in ihrem Bestand schützt, zeigte kürzlich der Fall der „Rue Daru“ in Paris, in der das „Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa“ seine Heimat hat. Oder hatte, muss man fast sagen, denn seit ihr der Phanar seine Fittiche in Form des Tomos entzogen hat, ist diese Kirche als Exarchat (als orthodoxes Erzbistum) quasi vogelfrei: Ohne Schutz droht es zur potentiellen Beute eines imperial-expansionistischen Patriarchats zu werden, das mit der anachronistischen Behauptung auftritt, seine Gläubigen aus der Zerstreuung heimholen zu müssen – so stellen es zumindest Kritiker dar. Einzig ein dürres, aber offenbar effektives und klugerweise von den Gründern niedergelegtes Vereinsrecht garantiert das ungewisse Fortbestehen des Erzbistums als Institution.

Woran das Christentum krankt

Doch zurück zum verkohlten Notre Dame. Damit es als Symbol eines degenerierten Christentums taugt, ist zunächst zu fragen, woran denn der Patient Christentum eigentlich krankt?
Dabei wird doch das Christentum unausgesprochen mit Kirchesein gleichgesetzt – und dies zu Recht. Denn Christen suchen per definitionem die Gemeinschaft, schon allein, um dem letzten und in seiner Bedeutung ersten Auftrag Jesu im Plural gerecht zu werden: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19; 1 Kor 11,24), woraus sich letztlich die cura animarum – die Seelsorge – mit der Sorge um alle weiteren Sakramente ableitet.

Ein vereinzeltes Christentum, ein unverbindliches Single-Christentum sozusagen, grenzt dagegen an Esoterik und wird diese Grenz zwangsläufig überschreiten. Die Diagnose lautet dagegen, dass das Christentum an Apathie, mangelnder geistlicher Bewegung und fehlendem Wissen um seine psychologische wie theologische Seelenhygiene krankt.

Fangen wir mit dem Letztgenannten an. Es geht um weitaus mehr als das, was von staats- bzw. verfassungsrechtlicher Seite der Jurist und Rechtsphilosoph Böckenförde in seinem berühmten Diktum umrissen hat: Dass der freiheitliche Staat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren bzw. erschaffen könne.
Dazu gehören zum einem scheinbar simple Tugenden wie Respekt, Anstand, Ehrlichkeit, Rücksicht u.a., doch zum anderen auch anspruchsvollere wie Wahrhaftigkeit, Sittlichkeit, Treue, Ehrfurcht und – besonders – Gewissen, das aus Konventionen erst Tugenden macht.

Das alles ist doch ein schwacher Nachhall dessen, was einst glauben bedeutet, nämlich „Glaube – Liebe – Hoffnung: diese drei“ (1 Kor 13,3).

Wir sind hoffnungslos, wenn wir so leben, als ob es kein morgen gäbe für uns und andere. Diesen Zynismus bloßzustellen, mag als die erste ethische Leistung solcher ökologischer Jugendbewegungen wie „Fridays for Future“ gelten, da Ökologie zukünftig ausblickt, obwohl zugleich hier und heute Maßnahmen und Haltungen gefordert sind.
Vor allem fehlt uns die christliche Hoffnung auf eine Fortsetzung der Geschichte in der Ewigkeit der Anschauung Gottes.

Wir sind lieblos. Nicht ohne Sentimentalität, aber ohne die christliche Liebe, die im Gott im Nächsten erkennt. Die haben wir an die Caritas delegiert. Der Nächste ertrinkt im Mittelmeer. Phantasievolle Lösungsvorschläge, um das zu verhindern, gibt es nur wenig.

Wir sind gottlos. Wir glauben als scheinbar allmächtige Prothesengötter alles zu vermögen und tun zu dürfen, ja, auch alles tun zu müssen, was getan werden kann. Dabei löst sich die Pragmatik von der Ethik und die Ethik von Glauben. Doch auch dieser ambivalente Anspruch des Alleskönnens hat spätestens im 20. Jahrhundert Schiffbruch erlitten, wie eingangs beschrieben. Und dennoch wird der ökonomische Druck immer größer, auch im Bereich der Gentechnik alles abzusegnen, was machbar ist.

Zugleich sind wir deistisch, oft auch als Christen: wir hängen der apathische Hoffnung an, dass es der verreiste Gott schon richten wird.
Und speziell in Deutschland weinen wir dazu einer institutionell aufgeblähten Körperschaftskirche nach, die sich vor Kraft nicht bewegen kann, weil sie kaum einer mehr trägt. Herrscht daher in den deutschen Kirchen geistliche Windstille, während sie an den Orten lebendig ist, wo kein Finanzkorsett sie stützt?

Wenn der Brand von Notre Dame ein Symbol für etwas ist, dann dafür: Aus den Trümmern einer zerfallenden Kirche ragte das goldleuchtende Kreuz über dem Hochaltar heraus. Gott ist gestern, heute und in Ewigkeit derselbe (vgl. Hebr 13,8).
Es braucht bloß einen Altar, vor dem sich die Gemeinde versammelt. Kathedralen und Kirchen aus Stein und Gold sind schön, würdig und recht – aber zum Glauben braucht es beides nicht, sondern um den Eckstein herum, den die Bauleute verwarfen (vgl. Ps 118,22 in Mt 21,42), braucht es allein eine lebendige Gemeinschaft von Gläubigen, die ist, was sie empfängt: Leib Christi. © RB

Anm. d. Red.: Ein auf dieser Website veröffentlichter Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung der gesamten Redaktion wieder, um auch kontroverse Diskussionen anzustoßen. Leserbriefe sind willkommen.

Mehr zu der Thematik z. B. unter: „Es war kein Unfall und kein Anschlag“ (FAZ vom 10.06.19)

„Was schaut ihr in den Himmel“? von Br. Josef Obl.OPR

Als ich etwa 18 Jahre alt war, da las ich das Buch Ein Mensch namens Jesus, einen Roman von Gérald Messadié. Ich habe den Schinken regelrecht verschlungen.

Der Autor erzählt entlang von historischen und biblischen Ereignissen, die Geschichte eines Jesus, der im Laufe der Jahre, aufgrund seiner Herkunft und seiner Lebensumstände schrittweise in seine Bestimmung als Messias hineinwächst.

Viele Erzählungen des Buches unterliegen der dichterischen Freiheit, verschmelzen aber ganz selbstverständlich mit biblischen Erzählungen und Berichten aus den Apokryphen [Anm. d. Red.: Es gibt wissenschaftlich genauer gearbeitete Jesus-Bücher, z. B. vom Neutestamentler Gerd Theißen Der Schatten des Galiläers].

Messadié beschreibt einen Jesus, der seiner Zeit voraus, sehr auf- und abgeklärt wirkt. Einen Jesus, der in jungen Jahren viel ‚rumgekommen ist. Auf seinen Auslandsreisen hat sich die Romanfigur viel Wissen angeeignet, auch über Krankheit und Heilung, so dass die Leute in Galiläa schnell beeindruckt sind von seiner Wortgewalt und seine Heilungen als Wunder bezeichnen.

Der Jesus des Gérald Messadié ist ein „systemkritischer“ Jude, der bei seinen öffentlichen Auftritten zu sozialen Reformen und unkonventionellen Lebensweisen aufruft, was bei der Bevölkerung nicht nur auf Zustimmung sondern auch auf Ablehnung stößt. So kommt es, wie es kommen musste, Jesus wird zum Tode verurteilt.

In der Romanerzählung ist Jesus aber nicht tot, er überlebt die Kreuzigung schwer verletzt, aber er überlebt sie. Die Wachen am Grab werden von seinen Anhängern bestochen, die ihn daraufhin in einem Versteck gesund pflegen.

Die Erzählung endet damit, dass Jesus nach seiner Genesung zum Meer reist. Auf dem Weg dorthin begegnet er zwei seiner ehemaligen Jünger in Emmaus. Er isst mit ihnen zu Abend und reist am nächsten Morgen weiter nach Joppe, von wo er nach Asien einschifft.

Ich kann mich noch gut an die Gedanken und Gefühle erinnern, die ich damals hatte, als ich am Ende das Buch zuschlug. Es waren die Gefühle, die wohl jeden Menschen ergreifen, wenn jemand so definitiv verschwindet. Schrecken und Entsetzen, vertrauende Ergebenheit, beobachtende Faszination und Ratlosigkeit.

Die Erzählung Messadiés führte in mir unweigerlich zu der Frage, die sich die Menschen angesichts der Tage zwischen Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt immer wieder stellen: „Was, wenn Jesus nicht Auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist?“

Die Frage ist so alt, wie das Christentum selbst, und immer wieder wurde und wird diese Frage von Anhängern anderer Religionen, Atheisten und pluralistischen Theologen aufgegriffen und als denkbare Variante und aus rein medizinisch-biologischer Sicht als Möglichkeit mit der höchsten Wahrscheinlichkeit in den Raum gestellt.

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut in den Himmel hoch?“ (Apg 1,11)

Auch für die engsten Vertrauten um Jesus, seine Gefährten und Freunde, war es kaum zu glauben, dass Jesus am dritten Tag von den Toten auferstanden sei. Er begegnete nach seiner Auferstehung vielen von ihnen, aber sie erkannten ihn nicht. Fast alle Erzählungen in denen der auferstandene Jesus seinen Freunden begegnet berichten davon, dass ihn keiner erkennt. Am leeren Grab hält Maria Magdalena ihn für den Gärtner, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus gehen stundenlang neben ihm und merken nichts, die Jünger am See Tiberias sehen einen Mann am Seeufer und wussten nicht, dass es Jesus war.

Auf die Frage, was ist, wenn Jesus nicht auferstanden und in den Himmel aufgefahren wäre, antwortet Paulus auf seine ihm ureigene Art: „… (dann) sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen!“ (vgl. 1 Kor 15,19).

Bedauerlich fand ich den Schluss im Roman von Messadié, bedauerlich finde ich, dass es sogar Menschen gibt, die sich selbst als Christen bezeichnen, aber eine pluralistische Religionstheologie vertreten, der zufolge jede Religion die gleiche Heilsfunktion erfüllen kann.
Bedauerlich finde ich, dass es Christen gibt, die die Worte Jesu nicht ernstnehmen, die er sagte, unmittelbar bevor er in den Himmel aufgenommen wurde (vgl. Mk 16,15-20):
– Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet allen das Evangelium!
– Führt die Menschen zum Glauben und tauft sie, damit sie das ewige Leben haben!
– Legt den Kranken die Hände auf und betet für sie.

Ich bin froh, dass wir nicht da stehen und mit offenem Mund nach oben schauen so wie die Jünger, als Christus in den Himmel aufgefahren ist. Zu ihnen sagten die Engel: „Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel hoch?“
Ich bin froh, dass wir eine Kirche mit Herz und Eifer sind! Christus ist auferstanden und in den Himmel aufgefahren, das ist ein Grund zum Feiern, und das dürfen wir gleich zweimal feiern, morgen im Gottesdienst und nachmittags auf der Grillparty! … Denn er ist bei uns „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (vgl. Mt 28,20).

Kritik an Bischofsweihe in „Christ-Katholischer Kirche“ (KNA)

Die Veröffentlichung des folgenden Artikels aus „Ökumenische Information“ (Nr. 21 vom 21.05.19, S. 2) erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Für die Erlaubnis zur Verwendung des Beitragsbildes bedanken wir uns bei der Firma Holyart.

Düsseldorf/Urspringen Die altkatholische „Union von Scranton“ hat die kirchenrechtliche Rechtmäßigkeit der Bischofsweihe der „Christ-Katholischen Kirche“ (CKK) in Deutschland bestritten. Am 19. Mai wurden in der Schlossparkhalle im unterfränkischen Urspringen Klaus Mass zum Bischof und Thomas Doell zum Weihbischof geweiht. Die Weihe spendeten nach einem Bericht der „Main-Post“ die Bischöfe Gerard Laplante (Hauptzelebrant) und Jürgen Schmode von der Altkatholischen Kirche von Britisch-Kolumbien sowie Hansjörg Peters (Altkatholische Kirche der Slowakei) und Adam Rosiek (Altkatholische Nationalkirche in Polen).

„Sakramental zweifelhaft“

Die Union von Scranton sprach von unerlaubten und „sakramental zweifelhaften“ Weihen. Weder ein Bischof der Union von Scranton noch der Utrechter Union, die den größeren Teil der Altkatholiken weltweit repräsentiert, sei beteiligt. Die CKK sei seit Juni 2018 nicht mehr mit der Union verbunden, betonte diese in einer Pressemitteilung. Im vergangenen Sommer hätten Mass, Doell und einige weitere deutschsprachige Geistliche und Gläubige sich von der zur Union gehörenden Nordisch-Katholischen Kirche losgesagt und die CKK als selbstständige Jurisdiktion gegründet. Diese werde aber von der Union nicht anerkannt.

Die altkatholischen Kirchen entstanden aus Protest gegen das Erste Vatikanische Konzil (1869/70), das die päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Sitte sowie die oberste Leitungsgewalt des Papstes in der Kirche festschrieb. Die Altkatholiken betrachten dies als Bruch mit alten Glaubensüberlieferungen. Zusammengeschlossen sind ihre Kirchen zum größeren Teil in der 1889 gegründeten Utrechter Union. 2003 zerbrach diese im Streit um die Ordination von Frauen und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Um die Kirche der polnischen Altkatholiken in Nordamerika bildete sich ein neuer Zusammenschluss, die Union von Scranton. © KNA

Richtigstellung aus gegebenem Anlass vom 14. Mai 2019

Die Nordisch-Katholische Kirche veröffentlicht aus Anlass der für den 19. Mai 2019 vorgesehenen Bischofsweihen der „Christ-Katholischen Kirche in Deutschland“ folgende Richtigstellung:

1) Die sog. „Christ-Katholische Kirche in Deutschland“ (CKK) um Klaus Mass und Dr. Thomas Doell gehört bereits seit Juni 2018 nicht mehr zur altkatholischen Union von Scranton.

2) In Wirklichkeit ist einzige europäische Diözese der altkatholischen Union von Scranton die Nordisch-Katholische Kirche mit Bischofssitz in Norwegen.

3) Der Bischof der Nordisch-Katholischen Kirche hat im Juni 2018 Klaus Mass als Generalvikar ihrer deutschen Administratur, die bis dahin den Namenszusatz „Christ-Katholische Kirche in Deutschland“ trug, seines Amtes enthoben und vom Klerikeramt suspendiert.
Der Erzbischof der Union von Scranton hat diese Entscheidung der Nordisch-Katholischen Kirche uneingeschränkt befürwortet.

4) Im Juli 2018 haben sich Mass, Doell und einige weitere deutschsprachige Geistliche und Gläubige von der Nordisch-Katholischen Kirche losgesagt und die „Christ-Katholische Kirche in Deutschland“ als selbständige Jurisdiktion gegründet. Sie haben sich dann dem Schutz der „Altkatholischen Kirche von British Columbia“ unterstellt, deren kurzzeitige Gastmitgliedschaft in der Utrechter Union der altkatholischen Kirchen 2007 wegen offener Fragen zur Theologie und sakramentalen Gültigkeit dieser Kirche unfreiwillig beendet wurde.

5) Die Abtei St. Severin, der frühere alt-katholische Pfarrer von Frankfurt und der Notfallseelsorger für Einsatzkräfte beim Bayerischen Roten Kreuz, die vormals zur Alt-Katholischen Kirche der Utrechter Union gehörten, sind in der Nordisch-Katholischen Kirche und damit in der Union von Scranton bei ihrem Bischof geblieben.

6) Die Union von Scranton distanziert sich ausdrücklich von den geplanten unkanonischen „Bischofsweihen“ und ihrer spalterischen Vorgeschichte. Selbstverständlich wird weder ein Bischof der Union von Scranton noch der Utrechter Union der Einladung zu diesen „Konsekrationen“ folgen.

7) Klaus Mass und Thomas Doell werden sich als „Bischöfe“ daher außerhalb der beiden altkatholischen Kirchenunionen befinden. Ihre Weihen erfolgen sakramental zweifelhaft, im Hinblick auf die sehr überschaubare Größe ihres „Bistums“ und dessen Vorgeschichte zudem unerlaubt sowie nach den Maßstäben der Union von Utrecht aus diesen Gründen auch ungültig, weshalb vor ihnen als episcopi vagantes („Vagantenbischöfe“) zu warnen ist.

8) Die Nordisch-Katholische Kirche steht in voller Kirchengemeinschaft mit der Polish National Catholic Church of America und ist mit ihr auch kirchenrechtlich, als Mitgliedskirche der Union von Scranton, fest verbunden. Dagegen kann die „Christ-Katholische Kirche in Deutschland“ keineswegs als „Tochter“ der Nordisch-Katholischen Kirche gesehen werden. Sie ist eine — ohne ersichtlichen theologischen Grund erfolgte — Abspaltung, mit welcher die Union von Scranton keine Sakramentengemeinschaft pflegt.