Lex orandi lex est credendi

Reinhard Thöle: Geheiligt werde dein Name

Eine Buchbesprechung mit aktuellem Anlass

Lex orandi lex est credendi — Das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens.“ So lautet eine alte theologische Regel, die sinngemäß mindestens bis auf Prosper von Aquitanien zurückgeht (legem credendi lex statuat supplicandi, Migne PL 51,209). Was eine Kirche zu beten lehrt, das lehrt sie auch zu glauben. Was eine Kirche betreffs ihrer Liturgie anordnet, ist ein sicherer Anhaltspunkt für ihre Dogmatik. Im Umkehrschluss: Wo der Glaube an christliche Grundwahrheiten verdunstet, wird das Allerlei liturgischer Belanglosigkeit nicht fern sein — und umgekehrt.

Eine ebenso konzise wie tiefschürfende — und trotz des gewichtigen Inhalts sehr gut lesbare — konfessionsübergreifende Analyse liturgischer Abirrungen sowie ihrer Hintergründe hat jüngst Professor Dr. theol. habil. Reinhard Thöle veröffentlicht. Thöle, vormals Direktor des Seminars für Ostkirchenkunde der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, gehört zu den bedeutendsten akademischen Experten für Ostkirchenkunde im deutschen Sprachraum. Seine vielfältige ökumenische Erfahrung und seine jahrzehntelange tiefe Vertrautheit mit dem byzantinischen Ritus (und mit den orientalischen Riten) versetzen ihn in die Lage, aktuelle liturgischen Entwicklungen in den christlichen Konfessionen sowohl aus der Innen- als auch aus der Außenperspektive vergleichend zu analysieren.

Thöle betrachtet dabei besonders kritisch sowohl den nachkonziliaren römisch-katholischen Ritus (Novus Ordo) als auch das liturgische Spektrum des in den evangelischen Landeskirchen organisierten Neuprotestantismus, das sich aus dem Evangelischen Gottesdienstbuch von 1999 ergibt. Dieses liturgische Spektrum bezeichnet er auch als „Neo-Usus“ (S. 89) in Abgrenzung von den traditionellen, in der Reformationszeit entstandenen und überwiegend die westliche Liturgietradition organisch fortschreibenden lutherischen Liturgien. Insoweit er alles Mögliche an heiligen und weniger heiligen Texten und Riten integrieren und vermischen kann, ist der Neo-Usus „die liturgische Symphonie der protestantischen Individualisten und Spezialisten“ (90).

Es ist diese besondere Unverbindlichkeit und Offenheit, welche den Novus Ordo und noch mehr den neuprotestantischen „Neo-Usus“ im Vergleich zu allen älteren liturgischen Formen kennzeichnet. Der Eindruck drängt sich auf, dass dies das liturgische Korrelat eines religiösen Relativismus oder gar Indifferentismus darstellt. Ihre Grenze findet diese Unverbindlichkeit jedoch in dem unübersehbaren Unwillen zur Bewahrung tradierter Formen, in denen die „vertikale“ Dimension des Gottesdienstes als dialektisch-dialogisches Geschehen zwischen Gott und Mensch zum Ausdruck kommt. So ist die Zelebrationsrichtung versus populum nur eine Kann-Bestimmung in der Allgemeinen Einführung zum Römischen Messbuch und verdankt sich überdies dem mittlerweile überwundenen Irrtum, die gemeinsame Gebetsrichtung von Zelebrant und Gläubigen ad orientem sei in der christlichen Antike nicht die Norm gewesen. Dennoch ist und bleibt die Zelebration mit dem Rücken zum Hochaltar das ikonographische Charakteristikum des Novus Ordo wie auch des von diesem „inspirierten“ Neo-Usus. „Offensichtlich sind die äußerliche und die innere Ausrichtung des Gebetes nicht mehr kongruent. Es […] wird deutlich, dass das, was man sagt, nicht getrennt werden kann, von dem, was man tut“ (61).

Hinzu kommt im Novus Ordo die Option eines gänzlich selbst erdichteten Eucharistiegebetes („Hochgebet III“), das im Unterschied zum „Hochgebet I“ (Canon Romanus), „Hochgebet II“ (abgewandelte Traditio apostolica) und „Hochgebet IV“ (sehr stark gekürzte und überarbeitete Basilius-Anaphora) in keiner historischen Liturgie wurzelt. Aus altkatholischer Sicht sei hier angemerkt: Durch die Approbation des Missale Romanum von 1970 hat die römische Hierarchie einmal mehr die Rolle der treuen Bewahrerin der Tradition aufgegeben und sich als deren eigensinnige Herrin geriert. Die architektonische Verunstaltung historischer Kirchen durch den meist disharmonischen Kontrapunkt von „Volksaltar“-Ambo-Ensembles ist folgerichtiger Teil dieses liturgischen Abrissunternehmens. Dazu gehört auch die weitestgehende Tilgung des gregorianischen Chorals und dessen Ersetzung durch „vermeintlich eingängige, hölzern daherkommende deutschsprachige Kehrverse“ (58). Letztere widerspricht übrigens ebenso wie die gänzliche Verdrängung der lateinischen Sprache dem erklärten Willen des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. z.B. SC, 36, 54, 116).

Was ist alledem positiv entgegenzusetzen: Zunächst und vor allem die Einsicht, dass die „geistliche Grundgestalt“ der Eucharistiefeier „ererbt“ und „geschenkt“ ist, mithin etwas dank göttlicher Vorsehung Vorgefundenes. Reinhard Thöle beschreibt sie als liturgia abscondita, als verborgene Liturgie, die einen Offenbarungscharakter in sich trägt. In ihr findet ein Offenbarungsgeschehen statt, zu dem das Gedächtnis der Heilstaten Gottes (Anamnese) und die Herabrufung Seines Geistes (Epiklese) ebenso wie die Darbringung an Ihn und die Feier Seiner Gegenwart im Leib Christi gehören (120). „Die im Unterbewussten vorhandene Empfängnisfähigkeit der Seele kann sich von Natur aus mit der sich offenbarenden eschatologischen Dimension des Gottesdienstes vereinigen. Dies ist das verborgene Fundament, auf dem das Gebäude des öffentlichen Gottesdienstes errichtet wird.“ (121)

Deshalb stellt Thöle fest, unter Verweis auf eine Bemerkung des römisch-katholischen Ostkirchenkundlers Michael Schneider (Sakrament, 297): „Das schwierigste Werk der Kirche ist die Feier des heiligen Gottesdienstes. ‚Keiner kann im Glauben mehr erfahren, als er in der Liturgie feiert'“ (161). Denn, mit dem rumänisch-orthodoxen Religionswissenschaftler Mircea Eliade gesprochen „gehört der Gottesdienst in den Bereich der Hierophanie und Theophanie“ (167). Der Gottesdienst ist ein dialektisches Geschehen, insoweit es sich um die zutiefst asymmetrische Begegnung zwischen Gott und Mensch handelt. Darin liegt die Verheißung und existenzielle Bedeutsamkeit des christlichen Gottesdienstes: „Gefährlich ist es, Gott im Gottesdienst zu begegnen. noch gefährlicher ist es, ihm im Gottesdienst nicht [mehr] zu begegnen.“ (166)

Trotz der überschaubaren Länge (178 S. mit Literaturverzeichnis) dieses sehr einladend geschriebenen Buches ist es hier nicht möglich, all die vielen darin enthaltenen wertvollen Gedanken auch nur summarisch wiederzugeben. Reinhard Thöle lässt den Leser teilhaben an seiner tiefgehenden akademischen Fachkenntnis, seinem jahrzehntelangem Erfahrungsschatz in der Ökumene, einem sehr großen intellektuellen Weitblick und erstaunlichem geistlichen Tiefgang. Geheiligt werde dein Name sollte in keinem Bücherschrank derer fehlen, denen Gottesdienst „am Herzen“ liegt.

[F.I.H.]

Geistlich auftanken: Neue Angebote im Südwesten

Wohnhaft an Mosel, Saar oder Mittelrhein? — Herzliche Einladung!

Termine in der Region Trier/Mittelmosel

Mittwoch, 30.06.21
16-18 Uhr: Pastoral-/Seelsorgegespräche
19.00 – 21.00 Uhr: Hauskreis

Samstag, 03.07.21
17-18 Uhr: Wort-Gottes-Feier

Mittwoch, 14.07.21
16-18 Uhr: Pastoral-/Seelsorgegespräche
19-21 Uhr: Hauskreis

Samstag, 17.07.21
17-18 Uhr: Wort-Gottes-Feier

Samstag, 14.08.21
17-18 Uhr: Wort-Gottes-Feier

Samstag, 28.08.21
17-18 Uhr: Wort-Gottes-Feier

Termine in der Region Koblenz/Mittelrhein

Mittwoch, 07.07.21
16-18 Uhr: Pastoral-/Seelsorgegespräche
19-21 Uhr: Hauskreis

Mittwoch, 04.08.21
16-18 Uhr: Pastoral-/Seelsorgegespräche
19-21 Uhr: Hauskreis

Willkommen ist jeder Christ und Menschen, die sich für Christus interessieren.

Br. Josef Obl.OPR
Pastoraler Mitarbeiter
in Rheinland-Pfalz

Hinweis: Wer gerne an den Hauskreisen und/oder Gottesdiensten teilnehmen möchte oder ein Seelsorgegespräch wünscht, wendet sich bitte per E-Mail an Br. Josef (br.josef@nordischkatholisch.de); die einzelnen Zusammenkünfte finden an unterschiedlichen, wechselnden Orten statt.

Krankenkommunion und Hausbesuche

Für Menschen die aufgrund eingeschränkter Mobilität oder aus gesundheitlichen Gründen nicht an einer Eucharistiefeier teilnehmen können und die Heilige Kommunion empfangen möchten, besteht die Möglichkeit des Hausbesuchs mit Empfang der heilige Kommunion (in der Regel sonntags nach der Heiligen Messe). Ich bringe Ihnen die heilige Kommunion nach Hause. Hierzu kontaktieren Sie mich bitte via E-Mail an br.josef@nordischkatholisch.de, damit wir einen genauen Termin vereinbaren können.

Christophorus-Dienst

Sie möchten an einer Heiligen Messe in der Nähe Ihres Wohnortes teilnehmen, haben aber niemanden, der Sie dorthin bringt oder begleitet? Dann können Sie sich ebenfalls per E-Mail an br.josef@nordischkatholisch.de mit mir in Verbindung setzen, um einen genauen Termin zu vereinbaren.

Veni Sancte Spiritus! — Komm, Heiliger Geist!

[Herabkunft des Heiligen Geistes: aus einem englischen Missale, ca. 1310]

Allen Lesern dieser Seite seien vorab gesegnete, gnadenreiche Pfingsten gewünscht. Es lohnt, an diesen Festtagen einen näheren Blick auf zwei der schönsten und bedeutendsten Gebete zum Heiligen Geist aus der westlichen und der östlichen Tradition zu werfen. Dabei handelt es sich zum einen um das Einleitungsgebet des byzantinischen Ritus, zum anderen um den festlichen Zwischengesang (Sequenz) der römischen Messliturgie zu Pfingsten, der dort zwischen Lesung und (Ruf vor dem) Evangelium erklingt.

Das erste Gebet wird im byzantinischen Ritus zu Beginn eines jeden Gottesdienstes und zu Beginn jeder Gebetszeit gesprochen. Es ist zudem auch in den altorientalischen Kirchen bekannt; so erscheint es zum Beispiel im koptischen Stundenbuch, der Agpeya. Bei dem zweiten Gebet handelt es sich um die Pfingstsequenz des englischen Erzbischofs Stephen Langton (ca. 1200). Diese gehört zu den wenigen Zwischengesängen der Messliturgie, die auch nach der römisch-katholischen Liturgiereform von 1970 verbindlich geblieben sind.

Obgleich also ihr liturgischer „Sitz im Leben“ ganz verschieden ist, fallen doch mehr inhaltliche Parallelen als Unterschiede auf: Beide Gebete richten sich ganz klar an eine göttliche Person, nicht an eine undefinierte „kreative Kraft“. Beide adressieren den Heiligen Geist als „Tröster“ (parakletes bzw. consolator). Beide wissen um die Rolle des Heiligen Geistes bei der Vermittlung der Offenbarung und Erleuchtung der Menschheit, indem sie ihn als „Geist der Wahrheit“ (to pneûma tês aletheías, Joh 16,13) und „Licht der Seligkeit“ (lux beatissima, wörtlich: „seligstes Licht“) anreden. Beide erkennen im Geist den Hort oder Schatz (thesaurós) und Spender (dator) aller guten Gaben. Beide sprechen, ob direkt wie im byzantinischen Einleitungsgebet oder wie in der lateinischen Pfingstsequenz eher indirekt-poetisch (vorletzte Doppelstrophe), von der lebenspendenden Wirkung des Heiligen Geistes, wie sie im Credo definiert ist.

Hier ist natürlich nicht bloß „das nackte Leben“ im Sinne der Biologie, also das Gegenteil vom leiblichen Tod, gemeint. Beide Gebete ersuchen den Heiligen Geist darum, den jeweiligen Beter wahrhaft aufzusuchen und ihm bleibend einzuwohnen (skenoson, eigentlich: „schlag das Zelt auf“ bzw. reple cordis intima, wörtlich: „fülle des Herzens Innerstes“). Beide Gebete wissen nämlich um die zentrale Rolle des Heiligen Geistes bei der Aneignung des Heils durch den einzelnen Gläubigen: Sie bekennen nicht nur die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen in Form von (moralischer oder auch religiöser) Unreinheit und existenziellem Makel, sondern schließen hoffnungsvoll mit der Bitte um das ewige Heil.

In diesem Sinne bitten auch wir in diesen festlichen Tagen — sowohl für uns als auch für die uns Nahestehenden: Komm, Du Geist der Wahrheit, Spender guter Gaben, wohne uns inne. Amen.

Einleitungsgebet des byzantinischen Ritus

Himmlischer König,
Du Tröster und Geist der Wahrheit,
der Du überall bist
und alles erfüllst;
Hort aller guten Gaben
und Spender des Lebens,
komm und wohne uns inne,
reinige uns von allem Makel
und rette, Gütiger, unsere Seelen.
Amen.

Pfingstsequenz des lateinischen Ritus

Melodie: gregorianisch, Übersetzung: Heinrich Bone

F.I.H.

„… aus der Synagoge“

[Christus, der Wurzelspross Isais (Jes 11,10, Mt 1,6):
Kapuziner-Bibel, Ende des 12. Jh. (Paris, BNF lat. 16746, fol. 7v)]

Das Evangelium an diesem Sonntag Rogate (Joh 15,26–16,4) bezeugt — obgleich sein Schwerpunkt anderswo liegt — in Joh 16,2 die tiefe Verwurzelung der Kirche im Judentum. Die ersten Christen verstanden sich selbstverständlich als Teil des Judentums, wenngleich gewissermaßen als eschatologische Avantgarde. (Erst nach 70 n.Chr. — mit der sogenannten „Schule von Jamnia“ — kam es zum Ausschluss der Judenchristen aus den Synagogen, da insbesondere die Sadduzäer in Jesus von Nazareth nicht den verheißenen Messias erkannten.) Jesus Christus, die heilige Maria, der Zwölferkreis, die Siebzig Jünger, die gesamte Jerusalemer Urgemeinde — sie alle kamen aus jüdischen Familien und praktizierten die jüdische Religion ihrer Eltern.

Warum etwas so Selbstverständliches gesagt werden muss? Um zu verdeutlichen, dass Christen unmöglich schweigen können, wenn in diesen Tagen ausgerechnet hierzulande wieder Davidsterne angezündet, Synagogen vom Mob bestürmt und antisemitische Parolen gebrüllt werden. Es ist keine Islamophobie darauf hinzuweisen, dass die Tatverdächtigen, wie jüngst in Gelsenkirchen, offensichtlich auch ein Teil der muslimischen Gemeinschaft sind — wenngleich sie ganz sicher nicht für diese in ihrer Gesamtheit sprechen. Um dem neuen wie dem alten Antisemitismus entgegenzutreten, ist es wichtig, etwaige ideologische Katalysatoren zu kennen und öffentlich zu benennen. Den Respekt vor anderen Buchreligionen, der in der islamischen Überlieferung ja durchaus vorkommt, haben die „Demonstranten“ von Gelsenkirchen jedenfalls in ihrem Umfeld nicht gelernt.

Israel hat wie jeder andere Staat selbstverständlich das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Wer konkrete Anfragen zur Politik der amtierenden israelischen Regierung hat, kann sich an die israelische Botschaft und ihre Außenstellen wenden. Deutsche Synagogen und die jüdischen Gemeinden in Deutschland, die es trotz der Schoa glücklicherweise wieder gibt, sind dafür ganz gewiss nicht der richtige Ort.

F.I.H.

Osterbotschaft von Bischof Roald Nikolai

[Christi Auferstehung: Fresko, Chora-Kirche Konstantinopel/Istanbul, 14. Jh.]

Christus ist auferstanden!

In seiner Prophezeiung über den Ostertag (Ps 118,24) sagt der Psalmist: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.“ Auch wenn wir jeden Tag „jubeln und uns freuen“ (Ps 90,14), so gilt dies für den Tag der Auferstehung umso mehr. Denn dies ist, wie uns der heilige Johannes der Evangelist sagt, der „Tag des Herrn“, welcher der Menschheit eine neue Zukunft eröffnet (Offb 1,10).

Die zentrale Bedeutung des Ostertages wird weiter entfaltet vom heiligen Kirchenvater Ignatius, der in seinem Brief an die Kirche von Magnesia schreibt, dass die Christen ihr Leben nach dem Tag des Herrn richten, „an dem auch unser Leben aufgesprossen ist durch ihn und seinen Tod […], ein Geheimnis, durch das wir den Glauben erhielten und wegen dessen wir ausharren“ (Brief an die Magnesier 9, 1). Paradoxerweise wird die Zeit selbst erlöst durch ein geschichtliches Ereignis, welches dem Leben eine neue Grundlage gibt.

Somit tritt nun die Auferstehung an die Stelle des hebräischen siebten Tages (Sabbat) aus dem ersten Schöpfungsbericht (Genesis 2,2). Der Tag des Herrn ist gleichzeitig der erste und der achte Tag. An ihm brachte Gott alles zur Ruhe und schuf zugleich den Beginn einer anderen Welt. Diesen Gedanken finden wir bereits beim heiligen Barnabas, einem anderen apostolischen Kirchenvater, der anschließend schreibt: „Deshalb begehen wir auch den achten Tag in Freude, an dem Jesus von den Toten auferstanden ist“ (Barnabasbrief 15, 8f.). Seit ältester Zeit hat die christliche Kirche am ersten Tag der Woche die Eucharistie gefeiert: als lebensspendendes Zeichen der Auferstehung Christi (Apg 20,7).

Daher ist der Ostersonntag immer noch als Sonntag aller Sonntage in besonderer Weise ausgezeichnet. Er ist der feierlichste, festlichste Tag des Kirchenjahres: Denn an diesem Tag erfüllte Gott seine Verheißungen durch seinen Sohn Jesus Christus, unseren Erlöser.

In diesem Sinne — ungeachtet der Pandemie: Frohe Ostern!

+ Roald Nikolai

Dr. Roald Nikolai Flemestad ist Bischof der Nordisch-katholischen Kirche und Missionsbischof der Union von Scranton für Kontinentaleuropa und Großbritannien.

Katechetische Notizen zur orthodox-altkatholischen Lehre, II/3 (Mariologie)

[Verkündigung an die heilige Maria: Emmanuel Tzanfournaris 1575-1630]

Mit den besten Wünschen zum morgigen Hochfest der Verkündigung des Herrn und zur bevorstehenden Heiligen Woche dokumentieren wir hier weitere Notizen zur Katechesenreihe (von F. Irenäus Herzberg) über das orthodox-altkatholische Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis (= IKZ 79/4 Beiheft, 1989, Hrsg. Urs von Arx). 

Bisher erschienen in der Reihe die folgenden Teile: 

II/3 Die Gottesmutter

Darf und soll die heilige Jungfrau Maria „Gottesgebärerin“ bzw. „Gottesmutter“ genannt werden?

Ja! Begründung:

  • Wie zuvor dargelegt (II/2, 1), sind in der Person (Hypostase) Jesus Christus die göttliche und die menschliche Natur vereinigt: er ist Gottmensch – wahrer Gott und wahrer Mensch. [Der Mensch Jesus von Nazareth war von seiner Empfängnis im Mutterleib an bereits das fleischgewordene Wort Gottes.]
  • Folglich hat die heilige Jungfrau Maria eben nicht bloß einen Menschen geboren, sondern den Gottmenschen. Daher gebührt ihr der Titel Gottesgebärerin (theotókos 3. Ökumenisches Konzil, Ephesos 431) – [und nicht nur jener der christotókos, d.h. Christusgebärerin, wie von der häretisch-nestorianischen Partei vorgeschlagen].
  • Der Titel der ,Gottesgebärerin‘ bzw. ,Gottesmutter‘ für die heilige Jungfrau Maria bringt die gesamte Erlösungslehre auf den Punkt [und gilt daher oft als Lackmustest bzw. Schibboleth der Rechtgläubigkeit]; dieser Titel „stellt das ganze Geheimnis des Heilsplanes dar“ (Johannes von Damaskus, Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, III, 12; BKV I, 44: 142).

(1.) Wie vereinte sich der Erlöser mit dem menschlichen Geschlecht?

  • Die Allmacht Gottes bewirkte durch den Heiligen Geist die Empfängnis der heiligen Jungfrau Maria, mithin ihre wahre Mutterschaft, als die „Kraft des Höchsten [sie] überschattete“ (Lk 1,35).
  • Das göttliche Wort nahm die menschliche Natur mit Leib und Seele an und wurde Fleisch (Joh 1,14).

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Einheit der Person Christi und dem Titel der Gottesmutterschaft Mariens?

Beide Glaubenswahrheiten stehen in einem engen logischen Zusammenhang:

  • Die unvermischte Vereinigung der göttlichen und der menschlichen Natur in dem einen Herrn Jesus Christus kommt dadurch zustande, dass Gott das Wort bei der Empfängnis der Jungfrau aus ihr einen Tempel nimmt und mit sich selbst vereinigt. (Formula unionis von 433 der antiochenischen und der alexandrinischen Partei)
  • Weil die göttliche und die menschliche Natur unvermischt vereinigt wurden, können wir sagen: Unser Herr Jesus Christus ist der eine Sohn Gottes, „aus dem Vater gezeugt der Gottheit nach, […] aus der Jungfrau [geboren] der Menschheit nach.“ (4. Ökumenisches Konzil, Chalkedon 451)

(2.) Was meint die Jungfräulichkeit der heiligen Maria?

  • Es ist damit nicht nur die Jungfräulichkeit bei der Empfängnis, sondern auch bei (!) [virginitas in partu] und nach der Geburt [virginitas post partum] gemeint.
  • Schon der heilige Ignatius von Antiochien nennt die Geburt der Jungfrau Maria [neben ihrer jungfräulichen Mutterschaft und dem Tod des Herrn] eines von „drei laut rufenden Geheimnissen“ (ad Eph. 19, BKV I, 35: 124)
  • Die Väter des 4. Ökumenischen Konzils sprechen gegenüber Kaiser Markian vom „herrlich versiegelten“ Leib der Jungfrau Maria; die Entscheidungen des [5.und] 7. Ökumenischen Konzils ehren sie als „stete Jungfrau“ [aeiparthenos].
  • Schon der heilige Augustinus lehrt: „Eine Jungfrau empfing, eine Jungfrau gebar und blieb auch nach der Geburt Jungfrau“ (de symb. ad cat. 1,3; BKV I, 37: 359). [Dass eine solche Merkformel Eingang in einen katechetischen Diskurs findet, deutet ebenso wie die Aussage der Väter des 4. Ökumenischen Konzils auf eine sehr gefestigte Tradition hierzu schon im 5 Jahrhundert hin.]
  • [Die virginitas in partu Mariens widerspricht natürlich – ebenso wie die leibhaftige Auferstehung – dem im 19. und frühen 20. Jahrhundert üblichen deterministischen Verständnis der Naturgesetze. Hierzu ist das Folgende zu sagen. (a) Seit mehr als einem Jahrhundert erklärt die Physik das Verhalten von Materie mit dem Welle-Teilchen-Dualismus, wobei nach herrschender Meinung (Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik) der Ortsvektor von Teilchen eine Zufallsvariable ist (vgl. Tunneleffekt); demzufolge sind die genannten wundersamen Phänomene zwar statistisch extrem unwahrscheinlich, aber nicht einmal physikalisch ausgeschlossen. (b) Da es hier um einmalige Ereignisse der Heilsgeschichte geht, deren Wiederholbarkeit die Kirche ja gerade bestreitet, kommt ein bloß statistisch begründeter Zweifel an ihnen einer petitio principii nahe. (c) Philosophisch ist zudem zu sagen, dass selbst eine physikalische Unmöglichkeit keine metaphysische oder gar logische ist. (d) Theologisch ist unabhängig von Punkt (a) zu bemerken: Selbst unter der Annahme eines deterministischen Weltbildes wird die Gesetzmäßigkeit der Schöpfung durch einige wenige Suspendierungen der physikalischen Kräfte keineswegs so weit beeinträchtigt, dass daraus ein anderes Gottesbild entstünde.]
  • [Ähnlich kann auch eine Apologie der jungfräulichen Geburt entfaltet werden. Das Inkarnationsdogma ist somit nicht unvernünftig, sondern übervernünftig, wenngleich für den begrenzten menschlichen Verstand stets offene Fragen bleiben werden.]
  • [Mt 1,25 widerspricht der virginitas post partum nicht, da es hier nur um die Geburt Jesu geht; die Präposition heôs deutet eine Mindestdauer, keine Höchstdauer an.]
  • [Der semitische Sprachgebrauch bezeichnet Cousins und entferntere männliche Verwandte ebenfalls als „Brüder“. Die im Neuen Testament mehrfach bezeugten „Brüder Jesu“ müssen daher nicht dieselbe Mutter wie er gehabt haben, sie könnten Cousins oder Stiefbrüder (Kinder des heiligen Josef aus einer früheren Ehe) sein.]

(3.) Wofür verehrt die Kirche die Gottesmutter, was sind ihre Titel?

  • Die Kirche zollt der heiligen Maria große Verehrung [doulia, hyperdoulia]; wirkliche Anbetung [latreia] aber gebührt nur Gott.
  • Sie ehrt die Gottesmutter als auserwähltes Gefäß, insofern sie das Wort Gottes gläubig, demütig und gehorsam angenommen hat.
  • Sie ist Begnadete, Erste der Heiligen [panagia, Allheilige], Allreine, insofern lässt sich bei ihr von einer relativen Sündlosigkeit aus Gnaden sprechen, „zumal von der Herabkunft des Heiligen Geistes auf sie an“ (Koinonia, 57).
  • Absolute Sündlosigkeit eignet jedoch nur dem Herrn Jesus Christus.

Wie steht die Kirche zu den neuzeitlichen Mariendogmen?

  • Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens [passiv!, d.h. von der heiligen Anna] wird mit Blick auf die Form der Dogmatisierung (päpstlicher Lehrentscheid) abgelehnt. Inhaltlich wird es so weit zurückgewiesen wie damit eine absolute Sündlosigkeit der heiligen Jungfrau Maria gelehrt werden soll (siehe oben II/3, 3) .
  • [Im Offiziellen Kommentar zur Erklärung von Scranton wird die immaculata conceptio zwar nicht als Dogma, aber doch als wiederkehrender Bestandteil kirchlicher Lehre – auch der eigenen Kirche – gewürdigt (SYNODOS 3: 22). Hierzu werden allerdings keine Quellen genannt. Es ist jedoch bekannt, dass schon Thomas von Aquin (Summa theologiæ III, q. 27, a. 1) – übereinstimmend mit der herrschenden Meinung ostkirchlicher Theologen – lehrte: Die heilige Maria wurde noch im Mutterleib durch den Heiligen Geist von der Erbsünde gereinigt (und vor Tatsünden bewahrt). Allerdings räumt auch Thomas ein, dass diese Reinigung erst stattfand, nachdem sie bereits – somit erlösungsbedürftig – ins Dasein getreten war (a. 2). Ferner lehrt er, dass sie nach der Verkündigung der Geburt des Herrn abermals gereinigt wurde (a. 3), so wie es ja auch der heilige Johannes von Damaskus bezeugt (Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, III, 2, PG 94, 985B = BKV² I, 44: 115).]
  • Das zweite neuzeitliche römisch-katholische Mariendogma lehrt, die heilige Jungfrau Maria sei am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Dieses Dogma lehnt die Kirche ebenfalls im Hinblick auf die Form der Dogmatisierung ab. Zugleich ist sie überzeugt, dass die heilige Jungfrau Maria in großer Seligkeit entschlafen ist und feiert daher den Tag ihres Heimgangs.
  • [Der Offizielle Kommentar zur Erklärung von Scranton hält zudem daran fest, dass die Aufnahme Mariens im obigen Sinne wiederkehrender Bestandteil kirchlicher Lehre – auch der eigenen Kirche – ist (SYNODOS 3: 22). Auch hier werden keine Quellen genannt. Gleichwohl berichtet bereits das Alte Testament bekanntermaßen von Henoch und Elija eine leibliche Aufnahme in den Himmel. Dass diese Gnade auch der Mutter des Erlösers der Menschheit zuteil wurde, ist daher nur plausibel. Da die Überlieferung dazu jedoch nicht eindeutig ist, erkennen Orthodoxe und Altkatholiken hierin auch keinen unumstößlichen Glaubenssatz.]

(4.) Darf die Gottesmutter als „Mittlerin“ angerufen werden?

Nein:

  • Die heilige Maria leistet stets Fürbitte für die Kirche bei ihrem Sohn und wird daher in der (byzantinischen) liturgischen Tradition auch als „Vermittlerin“ (mesítria) bezeichnet.
  • Sie ist aber weder „Mittlerin“ (commediatrix), noch „Miterlöserin“ (corredemptrix)!
  • [Mittler und Erlöser ist allein der Gottmensch: unser Herr Jesus Christus.]

Fortsetzung folgt: III/1 Wesen und Eigenschaften der Kirche

Attende, Domine, et miserere — Merk auf, o Herr, und hab Erbarmen (UPDATE)

[Maiestas Domini, Apsis-Fresko: San Clemente, Tahull, Katalonien, ca. 1123]

Einer der schönsten Gesänge der Großen Fastenzeit (vorösterlichen Bußzeit) in der westlichen Tradition ist das Attende Domine et miserere, welches sich der hispano-mozarabischen Kirche verdankt und mehr als ein Jahrtausend alt ist. Bislang mangelte es an einer (gereimten) Übertragung dieses Hymnus in die deutsche Sprache. Überhaupt ist dieser Hymnus in deutscher Übersetzung oder Übertragung bisher wohl kaum gesungen worden. Denn der landläufig auf die spätgregorianische Melodie des Attende gesungene Text „Bekehre uns, vergib die Sünde“ von Josef Seuffert (1926–2018) ist gerade keine Übertragung des Attende, sondern eine Neuschöpfung, die sich vom existenziellen Ernst des lateinischen Originals in Form und Inhalt bewusst abhebt — und dabei leider auch eine deutliche Bezugnahme auf den Kreuzestod Jesu meidet. Eine flüssige Übersetzung dieses Hymnus ins Deutsche, idealerweise in Reimform, ist derzeit mithin noch ein Desiderat. Zur Anregung der Diskussion hierüber veröffentlichen wir nach der lateinischen Fassung auch einen aktuellen Entwurf aus der Werkstatt unserer liturgischen Kommission.

4. Tibi fatemur crimina admissa:
contrito corde pandimus occulta:
tua, Redemptor, pietas ignoscat. ℟

5. Innocens captus, nec repugnans ductus,
testibus falsis pro impiis damnatus:
quos redemisti, tu conserva, Christe. ℟

Deutsche Übertragung
auf die gleiche Melodie

Strophen 4-5:

Anmerkung

In der 5. Strophe wurde von der lateinischen Vorlage am stärksten abgewichen: Denn laut den kanonischen Evangelien spielten die falschen Zeugenaussagen aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit nicht die entscheidende Rolle bei der Verurteilung Jesu. Der unmittelbare Kontext (testibus falsis pro impiis) legt nahe, dass es sich hierbei um eine implizite antijüdische Spitze handelt. Die obige deutsche Übertragung der 5. Strophe greift den Gedanken von Röm 5,8 auf — und lenkt zugleich den Blick direkt auf den Gipfel der heiligen Vierzig Tage, das Opfer von Golgatha. Der Hymnus kann somit, wo dies ansonsten passend ist, auch während der gesamten Karwoche noch gesungen werden.

F.I.H.

Katechetische Notizen zur orthodox-altkatholischen Lehre, II/1–2 (Christologie)

[Christus mit Abba Mina: koptische Ikone, 8. Jahrhundert]

Mit herzlichen Segenswünschen für das Jahr 2021 an alle Leserinnen und Leser dokumentieren wir hier weitere Notizen zur Katechesenreihe (von F. Irenäus Herzberg) über das orthodox-altkatholische Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis (Hrsg. Urs von Arx; Sonderheft zu IKZ 79/4, 1989). 

Bisher erschienen in der Reihe die folgenden Teile: 

II Christologie

II/1 Die Menschwerdung des Wortes Gottes

(1.) Wie ist Gott (der Sohn) Mensch geworden?

  • Der einzige Sohn Gottes, der zugleich das einzige Wort Gottes ist, wurde ein Mensch, indem Er „zu unserem Heil herabgestiegen ist vom Himmel und Fleisch geworden vom Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau“ (Nizänum).
  • Der ewige und zeitlose Gott trat also als ein Mensch, nämlich Jesus Christus, in die Geschichte ein.
  • Es war Gottes Absicht, „das Menschengeschlecht wieder zu einen, in sich als seinem Haupt“ (Kyrill von Alexandrien, PG 76,17).

Ist „Gott-sein“ und „Mensch-sein“ ein Widerspruch?

Nein, denn Jesus Christus ist sowohl vollkommener Gott als auch vollkommener Mensch:

  • Ihm eignet alles, was auch der Vater hat; ausgenommen ist nur die hypostatische Eigenschaft des Ungezeugtseins.
  • Zugleich ist Jesus Christus ein Mensch mit Leib und Seele so wie wir.

Was unterscheidet Jesus Christus von den übrigen Menschen?

Seine Sündlosigkeit und seine übernatürliche Geburt:

  • Seine Fleischwerdung geschah durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria.
  • Er war von der Erbsünde und jeder persönlichen Sünde frei.

(2.) Wie verhalten sich göttliche und menschliche Natur Jesu Christi zu einander?

Auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der heiligen Überlieferung lehrt die Kirche: Göttliche und menschliche Natur sind auf hypostatische, personale Weise vereinigt worden, nämlich in der Hypostase oder Person Gottes des Wortes. Von dieser Vereinigung lehrt das Vierte Ökumenische Konzil, dass sie „ungeschieden, ungetrennt, unvermischt und unverändert“ ist. [Diese Beschreibung, die mit der Methode negativer (apophatischer) Theologie gewonnen wurde, zeigt in ihrer paradoxen Spannung die Grenzen menschlichen Verstehens des Heilsgeheimnisses, wird aber unten näher expliziert.]

Wie lässt sich die Vereinigung der Naturen in Jesus Christus näher beschreiben?

  • Jesus Christus ist Gottmensch. Die Kirche lehrt, dass er eine göttliche Person in zwei Naturen ist, mit zwei Willen und Wirkweisen (energeiai).
  • Dies ist jedoch so zu verstehen, dass die Wirkweisen selbst gottmenschlich sind, da eine wechselseitige Durchdringung und Einwohnung [Perichoresis] der Naturen, Willen und Wirkweisen stattfindet. Christus „wirkte nämlich weder das Menschliche [bloß] auf menschliche Weise, er war ja nicht bloßer Mensch, noch das Göttliche bloß auf göttliche, er war kein bloßer Gott, sondern Gott und Mensch zugleich.“ (Johannes von Damaskus, de fide orthodoxa, PG 94, 1060 = BKV 1. Reihe Bd. 44, [München 1923], 173)

(3.) Welche Folge hat die hypostatische Vereinigung der beiden Naturen für die heilige Dreifaltigkeit?

Zweierlei:

  1. Zwar hat sich in Christus die ganze göttliche Natur mit der menschlichen vereinigt. Dennoch wurde nicht die ganze heilige Dreifaltigkeit Mensch, sondern nur die zweite Person.
  2. Die Menschwerdung hat keinen Wandel und keine Veränderung in Gott selbst gezeigt; dieser ist unwandelbar und unveränderlich.

(4.) Welche Folgen hat die hypostatische Vereinigung für die Person Jesu Christi?

  1. Die wechselseitige Durchdringung und Einwohnung bedingt auf Grund der Einheit der Person Jesus Christus eine wechselseitige Mitteilung der Eigentümlichkeiten [communicatio idiomatum] der göttlichen und der menschlichen Natur.
  2. Auch die menschliche Natur Christi wird vergottet (theosis), obgleich sie „in der ihr eigenen Grenze und ihrer Art“ (Sechstes Ökumenisches Konzil, Konstantinopel 680/1) verbleibt.
  3. Christus ist sündlos.
  4. Christus kann auch seiner menschlichen Natur nach angebetet werden, denn die Anbetung gilt der Person des Herrn, welche gottmenschlich ist.
  5. Der Herr, den die heilige Jungfrau Maria geboren hat, ist eine einzige gottmenschliche Person; folglich ist sie wahrhaft Gottesgebärerin und in diesem Sinne auch Gottesmutter.

(5.) Kann man die Inkarnation umfassend mit dem Verstand begreifen?

Nein: Die Menschwerdung des ewigen Wortes Gottes ist ein unbegreifliches Geheimnis. Sie ist zudem ein Akt unfassbarer göttlicher Liebe. Die menschliche Antwort darauf muss zuvörderst in gläubigem Vertrauen bestehen.

— — —

II/2 Die hypostatische Union

Was meint die hypostatische Union?

Die hypostatische Vereinigung meint die Vereinigung der zwei Naturen, nämlich der göttlichen und der menschlichen, in der einen Person (oder Hypostase) Jesus Christus.

(1.) Wann ist es zur hypostatischen Union gekommen, wer oder was genau wurde dabei vereinigt?

  • Durch die Hypostase (oder Person) Gottes des Wortes – im Unterschied zu Gott dem Vater und dem Heiligen Geist – vereinigte sich die göttliche Natur mit der menschlichen.
  • Diese Vereinigung fand nicht mit dem ganzen Menschengeschlecht statt, sondern mit einer individuellen und vollständigen menschlichen Natur.
  • Diese individuelle menschliche Natur hatte jedoch keine Existenz außerhalb der Person Jesu Christi. Vielmehr trat diese menschliche Natur erst in dem Moment ins Dasein, als die Fleischwerdung Gottes des Wortes geschah, nämlich durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria.
  • Ab diesem Moment war diese individuelle menschliche Natur auch zugleich mit der göttlichen Natur in der Hypostase oder Person Gottes des Wortes vereinigt. Die individuelle menschliche Natur, die Gott das Wort angenommen hat, hatte nie eine andere Hypostase als die des Gottmenschen Jesus Christus.

(2.) Darf man sich die hypostatische Union als Vermischung der Naturen vorstellen?

  • Nein. Man spricht deshalb auch von einer Hypostase „in zwei Naturen“ und nicht „aus zwei Naturen“, da es sich nicht um eine Vermischung der Naturen handelt. Vielmehr bleibt die Eigentümlichkeit der beiden Naturen auch nach ihrer Vereinigung gewahrt.
  • Die Vereinigung fand im Augenblick der Empfängnis durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria statt, wobei es weder zu einer Vermischung noch zu einer Trennung der Naturen kam. Die Vereinigung ist in Ewigkeit unauflöslich: „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8)

(3.) Hatte Jesus Christus nur einen Willen oder gar einen geteilten Willen?

  • Nein: Beide Naturen wollen und wirken jeweils auf eigene Weise das ihrer Art entsprechende.
  • Jesus Christus hat sowohl einen menschlichen als auch einen göttlichen Willen, eine menschliche und eine göttliche Wirkungsweise (energeia), ferner auch menschliches und göttliches Wissen.
  • Allerdings folgt der schwache menschliche Wille dem starken göttlichen Willen durch Unterordnung. Das Wollen und Wirken der menschlichen Natur findet in Gemeinschaft mit der göttlichen Natur statt. Ja: Das Wollen und Wirken beider Naturen geschieht stets „in Einheit … zum Heil des Menschengeschlechts zusammenwirkend “ (Sechstes Ökumenisches Konzil, Konstantinopel 680/1).

War der menschliche Wille Jesu Christi also aufgehoben?

  • Nein, „der vergottete menschliche Wille wurde nicht aufgehoben, sondern blieb vielmehr bestehen“ (ebd.).
  • Das Wollen und Wirken der beiden Naturen geschieht in der je eigenen (göttlichen oder menschlichen) Weise, gleichwohl stets in Gemeinschaft mit der jeweils anderen Natur.
  • [So erklärt sich auch die Lehre des heiligen Kyrill von Alexandrien, wonach es „nur eine fleischgewordene Natur des Wortes Gottes“ (mia physis tou theou logou sesarkomenè) gibt und die beiden Naturen nur gedanklich, d.h. in der „Theorie“ bzw. der menschlichen Vorstellung (tè theoría mónè), zu unterscheiden sind. Auf dieser Basis wurde zwischen den chalcedonensisch-orthodoxen und den orientalisch-orthodoxen Kirchen 1990 in Chambésy/Genf ein christologischer Lehrkonsens erreicht.]

Fortsetzung folgt: II/3 Die Gottesmutter (Mariologie)

Als die Zeit erfüllt war

Wort zur Weihnacht von Bischof Roald Nikolai Flemestad

[Anbetung der Weisen: Menologion Basileios‘ II., 10. Jh.]

Im Advent 2020

Als aber die Erfüllung der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der von einer Frau geboren und dem Gesetz unterworfen wurde.“ (Gal 4,4) Mit diesem kurzen, aber wesentlichen Satz fasst der heilige Apostel Paulus das Geheimnis der Inkarnation — der Menschwerdung Gottes — zusammen.

Bei diesem Zitat gilt es zunächst, die Vergangenheitsform zu bemerken (welche sich auch im griechischen Urtext des Neuen Testamentes findet). Der heilige Paulus betrachtet die Geburt Christi im Lichte einer Verheißung Gottes an das Volk Israel, die Jahrhunderte zuvor durch den Propheten Jesaja ergangen war: „Darum wird der Allherr selbst euch ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird guter Hoffnung werden und einen Sohn gebären, dem sie den Namen Immanuel geben wird.“ (Jes 7,14) Somit offenbart die Jungfrau Maria — durch die Geburt Jesu in Bethlehem — dies: dass Gott zur Erfüllung seines göttlichen Planes handelte, als Jahrhunderte später die Zeit dafür gekommen war. Ja, obschon es in einem Stall, von einer Frau aus einfachen Verhältnissen geboren wird, ist das Kind Jesus bereits Gottes Sohn. In ihm ist der göttliche Logos Mensch geworden! Unser Erretter teilt unser Menschsein (die conditio humana) und ist daher unser Bruder:  „So hat sich die Gnade Gottes und die Gnadengabe des einen Menschen Jesus Christus erst recht für die Vielen überreich erwiesen.“ (Röm 5,15)

Dies ist an und für sich schon eine erstaunliche Behauptung; hierdurch wird die Geburt Jesu zum Epizentrum der Weltgeschichte. Auf den ersten Blick mögen uns die Ereignisse, aus denen sich die Geschichte der Menschheit zusammensetzt, wie ein sinnloses Verfließen der Zeit erscheinen; jetzt aber bekommen wir gesagt, dass alles einen eigenen ihm innewohnenden Sinn hat. Denn auf geheimnisvolle Weise ist in alledem, was damals, heute und in Zukunft geschieht, auch die Geschichte unserer Erlösung verwoben: die Heilsgeschichte. Letztlich hält Gott das Schicksal der ganzen Welt in seinen Händen.

Die weltumfassende Bedeutsamkeit der Geburt Jesu kommt in der Geschichte von den Weisen aus dem Osten zum Ausdruck, die den Weg nach Bethlehem beschritten, um dem Jesuskind in der Krippe Tribut zu zollen; sie „warfen sich vor ihm nieder und beteten ihn an; alsdann taten sie ihre Schatzbeutel auf und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ (Mt 2,11)  

Ebenso lautet die Botschaft an uns am Christfest, dass wir unser Herz für Jesus auftun und ihn anbeten sollen, indem wir ihm uns selbst als Geschenk und Gabe darbringen. So können wir trotz all des Sonderbaren und Verdrießlichen, das sich rings um uns ereignet, mit Zuversicht unseren eigenen Platz in der Heilsgeschichte einnehmen.

Gesegnete Weihnachten!

+ Roald Nikolai

Dr. Roald Nikolai Flemestad (Oslo) ist Bischof der Nordisch-katholischen Kirche.

Adventus Domini: Zeit stiller Sehnsucht

[Christus der Weltenherr, Kathedrale von Cefalù (Sizilien), ca. 1150]

Tauet, ihr Himmel, von oben herab,
und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit!
Die Erde tue sich auf und bringe Heil hervor,
und Gerechtigkeit wachse zugleich!
Ich, der Herr, habe es geschaffen.
(Jes 45,8)

I.

Welche Macht hat der Mensch? Was vermag eine menschliche Gesellschaft durch koordiniertes Handeln zu bewirken? Kann eine gut organisierte Gesellschaft für lauter Wohlergehen und Gerechtigkeit sorgen?“ Solche Fragen bewegen den Menschen nicht nur in Zeiten von Pandemien. Wer sie allzu optimistisch beantwortet, begibt sich leicht in den Bereich des Machbarkeitswahns und der politischen Utopien, die seit ältester Zeit zu viel Unheil geführt haben.

Die jüdisch-christliche Tradition hält hier eine realistische Sicht dagegen. Sie weiß um die Begrenztheit der menschlichen Möglichkeiten, nicht zuletzt auch in moralischer Hinsicht. Sie weiß wohl um die hohe Verantwortung, die der Mensch für sich selbst und für andere trägt. Sie richtet ihre Sehnsucht jedoch auf das Handeln Gottes und insbesondere auf das — teils noch ausstehende — Handeln durch einen von Ihm besonders Beauftragten, den Messias (hebräisch haMaschiach, der Gesalbte). Als Christen sind wir überzeugt, dass die historische Person Jesus von Nazareth dieser Messias Gottes gewesen ist, ja noch mehr: dass Er die menschgewordene Weisheit Gottes, Sein fleischgewordenes Wort ist — und dass sein Wirken andauert und einst für alle Welt in überragender Weise sichtbar werden wird.

Für uns Christen ist der Advent eine stille, sehnsuchtsvolle Jahreszeit mit einem dreigeteilten Charakter. Erstens erinnern wir uns, dass wir von dieser Welt nicht die letzte Glückseligkeit erwarten dürfen — unter anderem weil „der Mensch nicht vom Brot allein lebt“ (Dtn 8,3 = Mt 4,4). [Daher ist der Advent traditionell ja auch eine Zeit des Fastens und der Umkehr; das Gewürzgebäck sollte einst den Fleischverzicht erleichtern.] Zweitens gedenken wir der Ankunft des ewigen Wortes Gottes in dieser Welt — in einem Menschenkind, Jesus von Nazareth, der eine fundamentale Zeitenwende eingeleitet hat, von der wir später noch sprechen wollen. Drittens richten wir unseren Blick mit Hoffnung, Sehnsucht und auch Ehrfurcht auf Seine Wiederkunft, die unsere Erlösung vollenden und vollkommene Gerechtigkeit für die ganze Welt herstellen wird: „Seiner Herrschaft wird kein Ende sein.“ (Nizänisches Glaubensbekenntnis)

II.

Die eingangs zitierten Worte aus dem zweiten Teil des Jesaja-Buches („Deutero-Jesaja“) sind aber nicht nur ein Ausdruck der Sehnsucht, sondern für gläubige Juden und Christen ein zuverlässiges Unterpfand ihrer Hoffnung auf das Heilshandeln Gottes — in der Geschichte der Menschheit und besonders jener des Volkes Israel. In der Westkirche kommt diesem Vers seit Urzeiten eine besondere Rolle in der Liturgie des Advent zu: Schon das liber comitis aus dem 5. Jahrhundert bezeugt die Lesung aus Jes 45,1-8 für die Vigil am Vorabend des letzten Adventssonntages. Und seit vielen Jahrhunderten erklingt der letzte Vers auch als Introitus in den Messfeiern zum letzten Adventssonntag und an weiteren Tagen des Advent, zuweilen auch heute noch auf Latein: Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum. — „Tauet, ihr Himmel, von oben, die Wolken mögen den Gerechten herabregnen.“ (*)

Dieses Jesaja-Wort ist eingebettet in die Weissagung über Gottes Heilshandeln durch den Perserkönig Kyrus, der das Ende des babylonischen Exils der Juden einleiten sollte. Für die Zeitgenossen des Propheten ungeheuerlich: Ausgerechnet ein persischer König, dem die jüdische Religion noch fremder angemutet haben muss als den assyrischen und babylonischen Herrschern, würde den Befehl zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels geben! Könnte es einen deutlicheren Hinweis auf die göttliche Vorsehung in der Weltgeschichte geben? Und doch geschah es genau so um das Jahr 538 v.Chr.

Doch dabei belässt es der Prophet nicht. Im obigen Zitat bezeugt er, dass sogar Wolken und Erdboden zu Heilswerkzeugen Gottes werden können. Das ist keine zufällige Metapher; denn als „Gott des Himmels und der Erde“ wurde der Gott Israels zuweilen auch den Nicht-Juden vorgestellt. Die Worte des obigen Jesaja-Verses dienen zugleich der Relativierung menschlichen Größenwahns. Denn wahre Gerechtigkeit und wahre Glückseligkeit — nicht bloß im vergänglichen materiellen, sondern im existenziellen und metaphysischen Sinn — hängen nicht von menschlicher Kompetenz, Integrität bzw. Unzulänglichkeit ab. Nein, Gerechtigkeit und Heil sind eine Gabe Gottes. Und so wie der Mensch weder den Regen noch das Wachsen der Feldblumen verhindern kann, so kann er auch nicht das souveräne, einmal beschlossene Heilshandeln Gottes vereiteln.

III.

Worin besteht nun dieses besondere Heilshandeln Gottes? Zunächst in der tatsächlichen, historischen Ankunft des Herrn (adventus Domini) etliche Jahrhunderte nach Jesajas Prophetie — will heißen: im Hineintreten Gottes in die Menschheitsgeschichte durch Sein Ihm wesensgleiches ewiges Wort, Jesus Christus. Diese erste Ankunft war noch nicht das Gericht über unsere gefallene Welt. Vielmehr hat er durch äußerste Aufopferung seiner selbst die versöhnte Gemeinschaft mit Gott ermöglicht; wer sich ihm anschließt, hat bereits Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Bei seiner Wiederkunft wird er zum Gericht erscheinen, ein gerechtes, vollkommenes Urteil über die ganze Welt und ihre Geschichte sprechen. Dabei dürfen sich all jene gerettet wissen, die ihm angehören — indem sie ihr Vertrauen auf ihn setzen und nicht auf ihr eigenes Denken, Tun und Lassen.

IV.

Haben wir jetzt nicht viel zu viel hineingelesen in dieses Jesaja-Wort? Im Kontext betrachtet durchaus nicht! Denn in demselben zweiten Teil des Jesaja-Buches findet sich auch das berühmte Lied vom leidenden Gottesknecht:

Verachtet war er und verlassen von den Menschen,
ein Mann der Schmerzen und mit Krankheit vertraut; […]

doch er wurde durchbohrt um unserer Übertretung willen,
zerschlagen wegen unserer Missetat;
die Strafe, uns zum Frieden, lag auf ihm,
und durch seine Wunden sind wir geheilt.
(Jes 53,3a.5)

Bereits von der Urkirche wurde das Kapitel, dem diese Verse entnommen sind, auf die Passion Christi gedeutet (Apg 8,32-35; 1Petr 2,21-24). Gerade für die Advents- und Weihnachtszeit sind dies bedenkenswerte Verse, denn schon bei seiner Geburt war für Gottes einzig gezeugten Sohn, für Sein menschgewordenes Wort „kein Platz in der Herberge“ (Lk 2,7). So beschränkt sich auch das Johannesevangelium statt einer Geburtsgeschichte auf die Feststellung: „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,11)

Diese Verlassenheit seitens der Menschen, für die er gekommen war, fand im Kreuz von Golgatha ihren furchtbaren Höhepunkt. Doch ist das Kreuz kein „Scheitern“ der Mission Jesu, sondern es ist erst ihr Auftakt; es ist ja die Voraussetzung für seine Auferstehung und für unsere Versöhnung mit dem lebendigen Gott. So gehören Krippe, Kreuz und Christi Herrlichkeit zusammen. Den Blick auf diesen Zusammenhang gerichtet mögen wir den Advent wiederentdecken, als das, wozu er uns dienen soll: als Zeit der stillen Einkehr, der Umkehr und der tiefen Sehnsucht nach Gott.

Tauet, ihr Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten;

die Erde öffne sich, lasse sprießen den Heiland
und es komme zugleich hervor die Gerechtigkeit.

* So heißt es in der lateinischen Übersetzung von Jes 45,8 (in der Vulgata des Hieronymus). Diese spricht im ersten Halbvers statt von dem Gerechten statt von Gerechtigkeit und im zweiten Halbvers statt von Heil von dem Heiland. Beide Übersetzungsvarianten lässt der ursprüngliche unvokalisierte hebräische Text, den auch St. Hieronymus vorliegen hatte, zu. Zugleich ist einzuräumen, dass die lange vor Hieronymus angefertigte griechische Übersetzung der Septuaginta die spätere (masoretische) Vokalisierung stützt. Im Lichte der kirchlichen Christologie betrachtet sind jedoch beide Übersetzungen inhaltsgleich.