Ein frohes, gesegnetes Christfest

[Giotto di Bondone, ca. 1305: Anbetung der Weisen]

… sowie ein glückliches Jahr 2020
unter der Führung und dem Schutz
des menschgewordenen, menschenliebenden Gottes

wünschen wir, herzlich dankend für alle Verbundenheit,
all unseren Mitgliedern, Interessenten und ökumenischen Freunden!

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, 
dass er seinen einzigen Sohn hingegeben hat, 
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, 
sondern ewiges Leben haben.

Johannesevangelium 3,16

Katechetische Notizen zur orthodox-altkatholischen Lehre I/2

Papyrus 75 (Bodmer XIV-XV): Beginn des Johannesevangeliums, ca. 200 n.Chr.

Wir dokumentieren hier in unregelmäßigen Abständen die Notizen zur Katechesenreihe (von Bischofsvikar F. Herzbergüber das orthodox-altkatholische Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis (Hrsg. Urs von Arx; Sonderheft zu IKZ 79/4, 1989). Zuvor erschien Teil I/1 Die göttliche Offenbarung und ihre Überlieferung (samt einigen Vorbemerkungen).

I/2 Der Kanon der Heiligen Schrift

Wie gliedert sich die Heilige Schrift?

  • In die „Bücher“ des Alten Testaments und des Neuen Testaments.
  • [Lateinisch testamentum = Bund, vgl. z.B. 2 Kor 3,14 laut Vulgata – d.i. Hieronymus‘ Bibelübersetzung (382-405, als man Griechisch in Rom nicht mehr verstand).]

Was galt der frühen Kirche als Bibel des Alten Bundes (Testaments)?

  • Die Bibel der ersten Christen, sowohl hellenistischer Judenchristen als auch Heidenchristen, war die Septuaginta [lateinisch für 70, abgekürzt: LXX, die – der Legende nach von anfangs 70 Gelehrten angefertigte – griechische Übersetzung heiliger Schriften des Judentums (3. Jh. v.Chr. bis 1. Jh. n.Chr.)].
  • [Wenn das Neue das Alte Testament zitiert, geschieht dies meist aus LXX. Die Judenchristen des Heiligen Landes lasen den (hauptsächlich) hebräischen Urtext mit aramäischer Lesehilfe (Targum).]
  • Die LXX enthält zusätzlich zum hebräischen Kanon zehn weitere Schriften, die im Westen deuterokanonisch genannt werden, in manchen protestantischen Traditionen auch Apokryphen („verborgene“ Schriften) oder Spätschriften zum Alten Testament. Sie heißen griechisch auch Anagignoskomena; es handelt sich also um „gelesene“ und in einem weiteren Sinne „anerkannte“ Bücher.

(a.) Welches sind die kanonischen Bücher des Alten Testaments [AT]?

  • Der rabbinisch-jüdische Kanon des AT umfasst nach ältester hebräischer Zählweise 22 (Josephus), geläufiger 24 – nach christlicher Zählweise: 39 – Bücher [unterteilt in Tora, Nevi’im, Ketuvim (TNK, zum Akronym vokalisiert als Tanach)], nämlich
    • [5 Bücher Moses, hebräisch Tora = Weisung, griechisch Pentateuch = Fünfrollenbuch:] Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium;
    • [die „vorderen Propheten“, hebräisch Nevi’im rischonim:] Josua, Richter, Samuel (1. und 2.), Könige (1. und 2.);
    • [die „hinteren Propheten“, hebräisch Nevi’im acharonim:] Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Zwölfprophetenbuch (Hosea, Amos, Micha, Joel, Obadja, Jona, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi);
    • [die (poetischen) ersten drei „Schriften“, hebräisch Ketuvim:] Psalmen, Ijob, Sprichwörter;
    • [die an fünf hohen jüdischen Festen verlesenen „Schriftrollen“, hebräisch Megillot:] Rut, Hohelied, Kohelet/Prediger, Klagelieder, Ester;
    • [weitere Bücher der „Schriften“:] Daniel, Esra und Nehemia, Chroniken (1. und 2.).
  • [Der obige Kanon beruht auf den rabbinischen Lehrentscheidungen von Jamnia, ca. 100 n.Chr.; die Kirche erkennt all diese Bücher als kanonisch an.]
  • Christliche Bibeln folgen jedoch der Anordnung der alten griechischen Übersetzung (Septuaginta/LXX) und gliedern die Bibel in historische, poetische und prophetische Bücher. Hierbei werden Rut (hinter Richter), Chroniken (hinter Könige), Esra, Nehemia, Ester als historische Bücher gezählt, Daniel (hinter Ezechiel, als „großer Prophet“) und Klagelieder (hinter Jeremia) als prophetische Bücher.
  • [Im Vergleich zu ihren hebräisch-aramäischen Versionen sind manche kanonischen Bücher in der Fassung der LXX ausführlicher, z.B. Daniel, Ester, Psalmen (s.u.). Die Zählweise der Psalmen weicht in der LXX zudem etwas ab (meist 1 geringer).]

Was heißt „deuterokanonisch“?

  • Das griechische Wort kanon heißt Maßstab; also heißt „kanonisch sein“ so etwas wie „den Maßstab bilden“ (für theologische Schriften). Die deuterokanonischen Schriften (Anagignoskomena) werden somit von der Kirche als zum Kanon gehörig betrachtet, aber nur in „zweiter Reihe“ (von griechisch deuteros = zweiter, anderer).
  • „Die ,kanonischen‘ Bücher zeichnen sich durch die besondere Autorität aus, welche ihnen die Kirche stets zuerkannt hat; sie hält aber auch die ,Anagignoskomena‘ in Ehren, die seit alters zu ihrem Kanon der Heiligen Schrift gehören.“ [in Urs von Arx (Hrsg.): Koinonia auf altkirchlicher Basis. Sonderheft zu IKZ 79/4, 1989, 48]

Welches sind die deuterokanonischen Bücher des Alten Testaments?

  • Die auch im Westen seit ältester Zeit als deuterokanonisch betrachteten Bücher sind: 1. und 2. Makkabäer, Tobias, Judit, Jesus Sirach, Weisheit, Baruch samt Brief des Jeremia; diese werden in den Kanon eingereiht, die Makkabäer bei den historischen, Baruch bei den prophetischen, die übrigen bei den poetischen Büchern bzw. Weisheitsbüchern.
  • Die orthodoxe Kirche erkennt zudem noch die Bücher 3. Esra (nach westlicher Zählung, etwa in Hieronymus‘ Vulgata; hingegen griechisch: 1. Esra, slawisch: 2. Esra) und 3. Makkabäer an.
  • Darüber hinaus erkennt die orthodoxe Kirche weitere Zusätze zu den kanonischen Büchern als deuterokanonisch bzw. Anagignoskomena an, z.B. das Gebet Manasses (enthalten sogar in zwei wichtigen reformatorischen Bibeln: Lutherbibel und King James Version, teils auch im Anhang katholischer Bibeln) oder Psalm 151.
  • [Der alttestamentliche Kanon der orientalisch-orthodoxen Kirchen weicht hiervon so gut wie nicht ab. Allerdings kennt die äthiopische Kirche zusätzlich zu den üblichen kanonischen und deuterokanonischen Schriften noch weitere antike jüdische und christliche Bücher, die sie als „kanonisch im weiteren Sinne“ bezeichnet.]­

(b.) Welches sind die Bücher des Neuen Testaments [NT]?

  • Das NT enthält 27 Bücher [größtenteils und vermutlich sogar in Gänze aus dem 1. Jh. n.Chr.], nämlich folgende (Abkürzungen der Bücher gemäß Loccumer Richtlinien):
    • die sogenannten synoptischen Evangelien: Mt, Mk, Lk [mit unterschiedlichen Adressaten, unterschiedlichen Schwerpunkten und höchstwahrscheinlich unterschiedlichem Alter, aber sehr ähnlichem Aufbau; eine literarische Abhängigkeit der Evangelien Mt und Lk von Mk sowie einer hypothetischen Quelle (Q) mit Jesus-Worten (Logien, nach Art des apokryphen „Thomasevangeliums“?) wird vermutet, es fehlt allerdings ein Beweis in Form eindeutiger Textzeugen für Q];
    • das Joh-Evangelium [zumeist als jünger angesehen, als Evangeliar geordnet?];
    • die Apg des Lukas [zweiter Teil des sog. lukanischen Doppelwerks (= Lk+Apg)];
    • die Paulusbriefe (ca. 50-60 n.Chr.) – darunter die Hauptbriefe: Röm, 1+2 Kor, Gal, ferner auch Eph, Phil, Kol, 1+2 Thess, Pastoralbriefe (1+2 Tim, Tit), Phlm, Hebr [es gibt Indizien, dass Eph, Kol, 2 Thess, und Pastoralbriefe evtl. nur „im Namen“ des Paulus geschrieben wurden (d.h. pseudepigraphisch) sind und erst von seinen Schülern festgehalten wurden; Hebr nennt gar keinen Verfasser];
    • die katholischen Briefe – Jak, 1+2 Petr, 1+2+3 Joh, Jud [„katholisch“, d.h. allgemein, da sie keine Adressaten nennen; die drei letzten sind sehr kurz];
    • die Offb [deren Kanonizität (wie Hebr, 2 Petr, 2+3 Joh, Jud) erst umstritten war].
  • [Die Ursprache des gesamten Neuen Testaments ist Koine-Griechisch. Es gibt die Theorie, dass das an Juden gerichtete Mt-Evangelium zunächst auf Hebräisch oder Aramäisch verfasst wurde, so schon die Kirchenväter Eusebius und Papias. Aber es fehlen Textzeugen, die dies klar belegen würden; auch das Mt-Evangelium in der syrisch-aramäischen Peschitta ist wohl deutlich jünger als die ältesten griechischen Handschriften von Mt.]
  • [Schon im 2. Jh. gab es bereits beträchtliche Einigkeit über den Umfang des NT: Das Schriftstück namens Canon Muratori sowie Irenäus von Lyon und Tertullian haben fast den gleichen Kanon wie wir heute – gegen z.B. Marcion. Origenes berichtet 230 gleichwohl noch von Diskussionen über die o.g. Bücher; es gab einst auch Kandidaten für den Kanon des NT, die dann letztlich doch nicht aufgenommen wurden (z.B. Apostellehre/Didache, 1. Clemensbrief oder Hirt des Hermas). Doch allerspätestens 367 (39. Brief des Athanasius) war die Kanonbildung abgeschlossen.]
  • [Kriterien für die Aufnahme einer Schrift in den Kanon waren ihr Alter und die Abfassung durch einen Apostel oder dessen nächstes Umfeld. (Die Überlieferung kennt z.B. Markus als Mitarbeiter des Petrus und Lukas als Arzt des Paulus.)]
  • [Es gibt wohl keinen antiken Text, für den es auch nur annähernd so viele alte Textzeugen gäbe wie für das NT. Kritische Ausgaben des NT (z.B. Nestle/Aland) zeigen, dass die Unterschiede der Lesarten sehr selten theologisch relevant sind – und dann i.d.R. nur dergestalt, dass eine Aussage, die in einer anderen Perikope einmütig bezeugt ist, an einer inhaltlich verwandten Stelle wiederholt wird. Z.B. ist die theologische Botschaft von Joh 8,1-11 (Jesus vergibt und ruft zur Umkehr), obgleich dieser Abschnitt in den ältesten bekannten Manuskripten von Joh fehlt, anderswo vielfach bezeugt; Gleiches gilt für Mk 16,9ff (Auferstehungsbericht samt Missionsbefehl, z.B. Mt 28); ebenso folgt der in der Textkritik als comma Iohanneum bekannte trinitarische Einschub in 1 Joh 5,7f umstandslos aus anderen – aus historisch-kritischer Sicht übrigens recht frühen – Aussagen des NT über Gottes Dreifaltigkeit (z.B. Mt 28,20, Joh 1,1.14, 2 Kor 13,13).]

Fortsetzung folgt: I/3 Die Heilige Dreifaltigkeit.

„Eine Messe lesen lassen“

Triumphkreuz: Kirche San Damiano, Assisi, ca. 1100

Die namentliche Fürbitte für Lebende und Verstorbene im öffentlichen Gottesdienst der Kirche ist seit ältester Zeit fester Bestandteil christlicher Frömmigkeit. Der heilige Kirchenvater Cyprian von Karthago (200-258) berichtet vom namentlichen Gebet für verstorbene Christen als selbstverständlichem Bestandteil der Eucharistiefeier — ebenso auch das Sakramentar des ägyptischen Bischofs Serapion von Thmuis (4. Jh.). Schon die Synode von Elvira (ca. 305) erwähnt zudem die namentliche Fürbitte für Lebende.

Eine besondere namentliche Fürbitte findet nicht zufällig während der zentralen Momente der Eucharistiefeier statt, wenn das von Christus am Kreuz zu unserer Erlösung dargebrachte Opfer vergegenwärtigt wird. Denn durch die Gabenbereitung und das eucharistische Hochgebet vereinigt sich ja die versammelte Gemeinde bereits auf geheimnisvolle Weise mit dem Kreuzesopfer Christi, dessen Leib und Blut sie später im Sakrament empfängt. Und diese innige Verbindung mit Christus, dem Haupt der Kirche — während Offertorium und Hochgebet — führt auch zu einer tieferen Verbindung mit den übrigen Gliedern Seines Leibes, nämlich den lebenden und verstorbenen Christgläubigen aller Zeiten und Orte. Hier ist daher der würdigste und geistlich herausragendste Ort, um öffentlich namentlich für lebende und verstorbene Angehörige des Gottesvolkes zu beten.

Im christlichen Osten sind die Aufzählungen solcher Namen — aufgrund des einst hierfür verwendeten Schreibmaterials — als Diptychen bekannt. Im Westen beschränkt man sich meist auf wenige Namen während ein und derselben Eucharistiefeier — und spricht jeweils von einer Messintention.

Auch in den nordisch-katholischen Eucharistiefeiern wird selbstverständlich für Lebende und Verstorbene auf Wunsch namentlich gebetet. Die lebenden oder verstorbenen Christinnen und Christen, für die in einer heiligen Messe gebetet werden soll, können Sie Ihrem jeweils zuständigen Seelsorger mitteilen oder — auch ohne Kirchenmitgliedschaft — über das entsprechende Formular auf unserer Webseite abgeben. Sogenannte Mess-Stipendien sind jederzeit willkommen und werden mit einer Messkarte — einem repräsentativen schriftlichen Beleg für die in Ihrer Intention gefeierte heilige Messe — beantwortet. Wir beten gerne für Sie und Ihre Angehörigen!