„Wo Jesus Christus ist, da ist die katholische Kirche“

Simon F. Uschakow: „Das Heilige Abendmahl“, 1685

Katholisch — Kirche — Institution

Gedanken von Gabriele Gerte

Was bedeuten diese Begriffe?

Was heißt katholisch? Katholisch kommt vom altgriechischen Adjektiv katholikos bzw. der Wendung kat‘ holon, was bedeutet: „auf das Ganze bezogen, dem Ganzen gemäß.“ Der Begriff katholische Kirche wurde dann zum Sammelbegriff für alle rechtgläubigen Christen. Im Westen verstand man ihn auch räumlich, als „die ganze, über den Erdkreis verbreitete Kirche.“ Übrigens: Das Wort katholisch kommt in der Bibel nicht vor. Erstmals benutzte diesen Begriff der Kirchenvater Ignatius von Antiochien (ca. 130 n. Chr.), und zwar wörtlich: „Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist.“ (Brief an die Smyrnäer, 8,2)

Das deutsche Wort Kirche entstand aus dem griechischen kyriakos oikos. d.h. „Haus des Herrn“, wörtlich: „zum Herrn gehöriges Haus“ (oikos = „Haus“; kyriakos = „zum Herrn gehörig“, von kyrios = „Herr“). Im Deutschen finden wir weitere Definitionen wie „geweihter Versammlungsort einer christlichen Glaubensgemeinschaft“ oder „sakrales Bauwerk des Christentums“ sowie „Organisationsform innerhalb des Christentums.“ Weiter wird mit dem Wort „Kirche“ das griechische Wort ekklesia übersetzt, was so viel bedeutet wie „die Gesamtheit der Gerufenen“ oder auch „der Berufenen“! Im Neuen Testament wird es oft verwendet als „Versammlung“ (vgl. Apg 19,32-40).

Das Wort Institution dagegen bedeutet ganz allgemein laut Duden: „einem bestimmten Bereich zugeordnete gesellschaftliche, staatliche, kirchliche Einrichtung, die dem Wohl oder des Einzelnen oder der Allgemeinheit dient“ . Die Soziologen bestimmen, wiederum laut Duden, den Begriff „als stabile Muster folgende Form menschlichen Zusammenlebens“. Wortgeschichtlich leitet sich Institution vom lateinischen Begriff instituere ab. Das heißt übersetzt: „verwalten, einrichten, anordnen.“

Ich fasse zunächst einmal zusammen:

Die Bibel benutzt den Begriff katholisch nicht. Auch die ersten Gläubigen wurden nicht so bezeichnet. Man nannte sie vielmehr einfach „Jünger“, später dann „Christen“ (Apg 11,26). Das dort verwendete christianos aus dem Altgriechischen bedeutet: „Der Christliche, zu Christus gehörend“. Christen werden demnach als Personen bezeichnet, die sich zu Jesus Christus bekennen. Katholische Kirche bedeutet im Wortsinne zunächst die Gesamtheit der überall auf der Welt zu einem ,Haus des Herrn‘ versammelten Christen.

Als sich das Christentum immer mehr ausbreitete, wurde es nötig, eine gemeinsame Ordnung und gemeinsame Regeln, die sich aus der Lehre Jesu ergaben, festzuhalten (z.B. für das liturgische, aber auch das alltägliche ethische Leben etc.). Schließlich waren und sind Christen Zeugen des Lebens und Wirkens Jesu.

Musste daraus aber notwendigerweise eine Institution entstehen, die in den innersten Lebensbereich eines Menschen eingreift? Ich denke beispielsweise an die Vorschriften mit Blick auf das eheliche Sexualleben oder die rigide Einführung des Klerikerzölibats (im Westen zwar schon punktuell im frühen 4. Jahrhundert, im Osten jedoch durch z.B. die Apostolischen Kanones explizit verworfen). Wie bekannt ist, war Petrus verheiratet; Jesus heilte seine Schwiegermutter (Mt 8,14). Zwar sagte Petrus: „Herr, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt“ (Mt 19,27). Daraus aber abzuleiten, dass Petrus nie wieder ein eheliches Leben mit seiner Frau geführt habe und alle Geistlichen ab dem Diakon oder Priester es ihm gleich tun sollten, ist keineswegs Bestandteil der Tradition der ungeteilten Kirche (siehe als Gegenbeispiel wiederum die Apostolischen Kanones). Und ein biblisches Eheverbot für Geistliche gibt es schon gar nicht, möglicherweise sogar das Gegenteil (1 Kor 9,5).

Jesus hingegen hat zu ethischem Verhalten angeleitet, ohne die Menschen an sich zu verurteilen: Selbst eine Ehebrecherin wurde von Jesus nicht verurteilt und gerichtet, sondern begnadigt und zu einem Leben ohne Sünde aufgerufen (Joh 8). Fatal war neben der unnötigen Verengung der Kirchendisziplin auch die Verengung der Verkündigung. Gewiss hat die Kirche die Aufgabe, die Grunddogmen zu formulieren (insbesondere das Große Glaubensbekenntnis). Aber es ist nicht nötig, den Christen detailliert vorzuschreiben, mit welchen Begrifflichkeiten genau sie ihren Glauben an den in Christus Mensch gewordenen dreifaltigen Gott bezeugen sollen.

So kam es, vordergründig aus Gründen von Dogma und Kirchendisziplin, oft aber auch aus sprachlich-kulturellen und kirchenpolitischen Gründen zu unnötigen Abspaltungen. Zunächst entstand die Assyrische Kirche des Ostens (431), dann die orientalisch-orthodoxe Kirche (451), schließlich entstand ein Schisma zwischen (byzantinisch-) orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Später bildeten sich die lutherische und anglikanische Kirche usw. Doch noch das erste lutherische Bekenntnis, die Confessio Augustana (1530), war als gemeinsames Bekenntnis gedacht. Wäre es, ungeachtet kirchenpolitischen Machtstrebens, wirklich nicht möglich gewesen, gemeinsam einen gangbaren Weg zu finden? Etliche der in den ökumenischen Dialogen der letzten Jahrzehnte erzielten theologischen Verständigungen deuten darauf hin. Die Grunddogmen, nämlich der Glaube an den dreieinen Gott und seine Menschwerdung in Jesus Christus, werden doch von allen geteilt.

Fazit

Für mich ist die Gemeinschaft der Christen, die auf Jesus Christus getauft sind, sich zu Christus bekennen und nach seinen Lehren leben, von Bedeutung. Diese „Kirche“ wird überleben. Die Institution ist überwuchert durch einen weltlichen Apparat. Die Vorbilder der Christen sind die Märtyrer und Heiligen. Sie befolgten Jesu Lehren in Wort und Tat, übten Nächstenliebe, Armenspeisung, Krankenpflege usw. aus. Sie fühlten sich in ihrem Tun und Handeln nur Gott und Jesus Christus verantwortlich. Sie widerstanden den „Mächtigen der Welt“ (Kaisern, Königen und oft auch weltlich ambitionierten Klerikern) trotz allen Verlockungen und gingen für ihren Glauben sogar in den Tod. Nur dort, wo die Menschen als Ebenbilder Gottes (Gen 1,27) behandelt werden und ihr Glaube an den in Jesus Christus Mensch gewordenen Gott sich entfalten und reifen kann, kann wahre Kirche entstehen. Jesus Christus und seine Lehren müssen in der Kirche an erster Stelle stehen; sie sind aktueller denn je: Jesus Christus ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).

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Pastoralbesuch von Bischof Roald in Bayern, August 2019

Vom 16.-19. August 2019 besuchte Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad (Oslo) den Seelsorgebereich Bayern. Es folgt ein kurzer Bildbericht.

Bischöfliche Firmung

In der Abtei St. Severin in Kaufbeuren, mit Pfarrkurat Franz Schömer (links im Bild) als Firmpaten und Abt Michael OPR (rechts) als Zeremoniar.

Diakon- und Priesterweihe

Tamás Széles, im Zivilberuf ein bekannter ungarischer Synchronsprecher, wurde geweiht für die Altkatholische Mission Ungarn, die der deutschen Administratur kirchenrechtlich angeschlossen ist. Auch Priester Péter Kováts aus Szombathely war hierfür eigens ins Allgäu gereist.

Tamás Széles, Franz Schömer, Péter Kováts
Bischof Roald mit Neupriester Tamás Széles
inmitten des Klerus und der Brüder der Abtei St. Severin

Beratungen zum Martinuswerk

Bischof Roald N. Flemestad und Abt Michael OPR berieten sich mit dem Vorstand des Martinuswerks über dessen Wirken für die deutsche Administratur. Das Martinuswerk e.V. ist nun offiziell als bischöfliches Werk der Union von Scranton anerkannt.

Abt Michael OPR, Michael Berghoff, Bischof Roald N. Flemestad, Archidiakon Daniel Gerte

Brüderliche Gemeinschaft …

… fand auch außerhalb des offiziellen Programms statt.

Br. Maximilien OPR, Br. Georg OPR, Dr. Daniel Gerte