5. Fastensonntag

Christus der Priester: Mosaik, Sophienkathedrale Kiew, 11. Jh.

Im Folgenden werden die biblischen und liturgischen Texte des Sonntags mit weiteren Gebeten und Liedern zu einem kurzen Wort-Gottesdienst zusammengestellt. Damit soll ermöglicht werden, trotz Versammlungsverbot zumindest auf diese Weise — gemeinsam mit der Familie oder alleine für sich — den Sonntag kirchlich zu begehen.

Eröffnung

Lied zum Eingang

1. O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unsrer Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.

2. So lasst uns nun ihm dankbar sein,
dass er für uns litt solche Pein,
nach seinem Willen leben.
Auch lasst uns sein der Sünde feind,
weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach tun streben,
die Lieb erzeigen jedermann,
die Christus hat an uns getan
mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht das recht,
wie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
tu dich davor bewahren!

Text: Sebald Heyden um 1530
Melodie: Matthäus Greiter 1525

Trinitarisches Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes.
Amen.

Bereitung

Gebet um die Gnade des Heiligen Geistes

Allmächtiger Gott! Vor Dir sind alle Herzen offen. Du kennst alles Sinnen und Trachten, und kein Geheimnis ist Dir verborgen. Reinige die Gedanken unserer Herzen durch das Wirken Deines Heiligen Geistes, damit wir Dich vollkommen lieben und Deinen heiligen Namen recht verherrlichen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Und/oder: Bußakt

Ich bekenne Gott dem Allmächtigen,
der seligen Maria, allen Heiligen
und euch, Brüder und Schwestern,
dass ich durch meine Schuld viel gesündigt habe,
im Hochmut, im Denken, Reden, Tun und Lassen.
Ich bitte euch: betet für mich.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser
(durch die Fürsprache der seligen Maria
und aller Heiligen).
Er lasse uns alle Sünden nach
und führe uns zum ewigen Leben.

Amen.

Introitus (Ps 54)

Hilf mir, o Gott, durch deinen Namen *
und schaffe mir Recht durch deine Kraft!

Höre, o Gott, mein Gebet, *
vernimm die Worte meines Mundes!

Denn Freche haben sich gegen mich erhoben, /
und Gewalttätige trachten mir nach dem Leben: *
sie haben Gott sich nicht vor Augen gestellt.

Ich weiß: Gott ist mir ein Helfer, *
der Allherr ist meines Lebens Halt.

Das Böse wird auf meine Feinde zurückfallen: *
nach deiner Treue vernichte sie!

Dann will ich mit Freuden dir Opfer bringen, *
will preisen deinen Namen, o HERR, dass er gütig ist;

denn er hat mich aus aller Bedrängnis errettet, *
und an meinen Feinden hat mein Auge sich geweidet.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Kyrie

Herr, erbarme Dich. (dreimal)
Christus, erbarme Dich. (dreimal)
Herr, erbarme Dich. (dreimal)

Oder:

Kyrie, eleison. (dreimal)
Christe, eleison. (dreimal)
Kyrie, eleison. (dreimal)

Tagesgebet (vom 5. Fastensonntag)

Allmächtiger und allbarmherziger Gott! Blicke gnädig auf Dein Volk herab, dass es durch Deine große Güte an Leib und Seele bewahrt und beschützt werde. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Wort-Verkündigung

Lesung (Hebr 9,11–15)

Brüder und Schwestern! 11 Christus ist, indem er als Hoherpriester der zukünftigen Güter kam, durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht ist, das heißt: nicht dieser erschaffenen Welt angehört, 12 auch nicht mittels des Blutes von Böcken und Kälbern, sondern mittels seines eigenen Blutes ein für allemal in das (himmlische) Heiligtum eingetreten und hat eine ewig gültige Erlösung ausfindig gemacht. 13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh (vgl. Num 19), mit der man die Verunreinigten besprengt, Heiligung zu leiblicher Reinheit bewirkt, 14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der kraft ewigen Geistes sich selbst als ein fehlerloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen! 15 Und aus diesem Grunde ist er auch der Mittler eines neuen Bundes, damit aufgrund eines Todes, der zur Erlassung der während der Dauer des ersten Bundes begangenen Übertretungen erfolgt ist, die Berufenen das verheißene Gut des ewigen Erbes empfangen sollten. 

Wort des lebendigen Gottes.
Dank sei Gott.

Zwischengesang (Trishagion)

Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher,
erbarme Dich unser.
 (dreimal)

Evangelium (Joh 8,46–59)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Ehre sei Dir, o Herr.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Scharen der Juden: 46 »Wer von euch kann mich einer Sünde überführen? Wenn ich die Wahrheit rede, warum schenkt ihr mir keinen Glauben? 47 Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes; deshalb hört ihr sie nicht, weil ihr nicht von Gott seid.« 48 Da gaben ihm die Juden zur Antwort: »Sagen wir nicht mit Recht, dass du ein Samariter und von einem bösen Geist besessen bist?« 49 Jesus antwortete ihnen: »Ich bin von keinem bösen Geist besessen, sondern ehre meinen Vater; doch ihr beschimpft mich. 50 Ich aber sorge nicht für meine Ehre: es ist einer da, der (für sie) sorgt und Gericht (für sie) hält. 51 Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod in Ewigkeit nicht sehen.« 52 Da entgegneten ihm die Juden: »Jetzt wissen wir sicher, dass du von einem bösen Geist besessen bist. Abraham ist gestorben und (ebenso) die Propheten, und du behauptest: ›Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod in Ewigkeit nicht schmecken.‹ 53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der doch gestorben ist? Und auch die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?« 54 Jesus antwortete: »Wenn ich mich selbst ehrte, so wäre es mit meiner Ehre nichts; nein, mein Vater ist es, der mich ehrt, derselbe, von dem ihr behauptet, er sei euer Gott; 55 und dabei habt ihr ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn; und wenn ich sagen wollte, dass ich ihn nicht kenne, so würde ich euch gleich sein, nämlich ein Lügner. Doch ich kenne ihn und halte sein Wort. 56 Euer Vater Abraham hat darüber gejubelt, dass er meinen Tag sehen sollte, und er hat ihn gesehen und sich darüber gefreut.« 57 Da sagten die Juden zu ihm: »Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?« 58 Jesus antwortete ihnen: »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe Abraham (geboren) ward, bin ich.« 59 Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen; Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Lob sei Dir, Christus.

Homilie

Einleitung. Mit diesem Sonntag beginnt gewissermaßen der „Endspurt“ der vorösterlichen Bußzeit. Er heißt auch „Passionssonntag“ (oder „Erster Passionssonntag“, wenn man den Palmsonntag als „Zweiten Passionssonntag“ bezeichnen will), das heißt: Leidens-Sonntag. (Früher entfiel an diesem Tag sogar der Lobpreis des dreifaltigen Gottes am Ende des Eingangspsalmes, das „Ehre sei dem Vater“ — lat. Gloria Patri.)

Hier geht es nun aber durchaus nicht um unser Leiden — obgleich die gegenwärtige Pandemie auch manche unter uns sehr belastet und besorgt. Nein, es geht hier um ein Leiden von kosmischer, welt- und heilsgeschichtlicher Bedeutung: um das Leiden und Sterben unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, dessen wir am Karfreitag gedenken werden. Im heutigen Evangelium wird der zugrunde liegende Konflikt zwischen Jesus und der damaligen jüdischen Elite (samt dem von ihr aufgebrachten Mob) so richtig greifbar. Im Introitus haben wir daher passenderweise die Klage eines ungerecht Verfolgten gehört — und dabei vielleicht an jene gedacht, die auch in unseren Tagen um des Namens Christi willen Verfolgung erleiden müssen.

Im Tagesgebet wiederum haben wir um Schutz an Leib und Seele für uns und alle Gläubigen gebetet. Dabei richtet sich — besonders in diesen Tagen — natürlich der Blick auf den Schutz vor Krankheit für uns und unsere Lieben. Wir wollen auch jene in den Blick nehmen, für welche die weitgehende Einstellung des öffentlichen Lebens zu existenziellen Nöten führt, besonders die Menschen ohne Obdach. Und an diesem Passionssonntag darf unser Gebet nicht zuletzt auch den Opfern religiöser Verfolgung gelten, von denen eben die allermeisten Christen oder Juden sind.

Doch nicht nur um den Schutz des Leibes, sondern auch um den Schutz unserer Seelen sollen wir laut dem Tagesgebet bitten. Dies steht dort nicht zufällig, sondern hat einen guten Grund. Wir werden heute nämlich von einer Sünde hören, über die sonst nur wenig gesprochen wird. Und wir werden hören, dass diese sündhafte Haltung ganz besonders viel zu tun hat mit dem Leiden Christi, um deren Ursachen es an diesem Sonntag geht.

Widmen wir uns also dem Thema dieses Passionssonntags: Warum — aus welchen Gründen, wodurch verursacht — musste Jesus Christus leiden und sterben? Er war doch der Sohn des allmächtigen Gottes, hat ein Leben ohne Sünde und im steten Dienst für seine Mitmenschen unter großen Opfern geführt — warum musste er trotzdem den qualvollen Tod am Kreuz erleiden? Man könnte darauf nun etwas neunmalklug aber zutreffend antworten, es gebe viele Ursachen dafür, so wie es eben viele Formen von Verursachung geben kann. In der Philosophie gibt es denn auch eine jahrtausendealte Diskussion zur Frage des rechten Verständnisses von Verursachung. Gleichwohl gibt es recht viel Einigkeit darüber, dass praktisch jedes Ereignis unserer Lebenswelt eine oder mehrere mittelbare und unmittelbare Ursachen besitzt; es gibt auch gewichtige Gründe dafür, dass es so etwas wie eine Letztursache geben muss.

Bevor wir diese Begriffe anwenden auf die Passion Christi, will ich sie kurz erläutern. Was meine ich mit dieser Unterscheidung verschiedener Ursachen? Nehmen wir hierzu das Beispiel, dass ich mir aus Durst ein Glas Wasser aus einer Flasche einschenke. Dann besteht die unmittelbare Ursache für das Volllaufen des Wasserglases darin, dass ich die Flasche über dem Glas hinreichend stark neige und die Erdanziehung auf das Wasser wirkt — so dass es dann hinab und in das Glas hinein fließt. Mehr in der Mitte dieser Ursachenkette (genauer, aber schwerer verständlich: des Netzes der Ursachen) steht in diesem Beispiel mindestens eine mittelbare Ursache: nämlich mein — mehr oder weniger spontaner — Entschluss, mir zu diesem Zeitpunkt ein Glas Wasser einzuschenken. Etwas weiter hinten in der Ursachenkette steht der Flüssigkeitsbedarf meines Körpers zu dem gegebenen Zeitpunkt, ebenfalls eine mittelbare Ursache. Und die Letztursache? Nun, der letzte Verursacher ist der Schöpfer, Erhalter und Naturgesetzgeber dieser Welt: der lebendige Gott.

Wie wenden wir dies nun an auf unser eigentliches Thema, die Suche nach den Ursachen für das Leiden und Sterben Jesu Christi? Nun, zunächst dürfen wir festhalten, dass es über das Ende und den Beginn der Ursachenkette keinen Zweifel gibt: Christus starb am Kreuz, an das er von römischen Soldaten geschlagen wurde; der allmächtige Gott — sozusagen der letzte Verursacher — ließ diesen Tod zu. Ersteres können wir jedem Geschichtsbuch entnehmen; Letzeres kann man — auch als (Mono-) Theist ohne christliches Bekenntnis — mit einer kleinen philosophischen Überlegung folgern. Die interessante Frage ist also, worin die mittelbaren Ursachen für Jesu Leiden und Sterben bestanden haben.

Die heutigen Schriftstellen in Epistel und Evangelium geben beide hierauf Antwort — allerdings in ganz unterschiedlicher Hinsicht. Das Evangelium ist zeitlich und inhaltlich gewissermaßen im vorderen Teil der Ursachenkette zu verorten. In der Epistel geht es dann um die tiefer liegenden Gründe, den hinteren Teil der Ursachenkette.

Zum Evangelium und damit zu den noch vergleichsweise vordergründigen Ursachen für den Tod Jesu. Erinnern wir uns: Es war kein bloßer Willkürakt der römischen Besatzer Israels, dass sie Jesus ans Kreuz schlugen. Auch die frühe jüdische Geschichtsschreibung (Josephus) und säkulare Historiker versichern uns dies. Vielmehr wurden die Römer von der damaligen jüdischen Elite und einem von dieser angestachelten Mob dazu gedrängt, ihn ans Kreuz zu schlagen. Eindrücklich und sprichwörtlich ist dabei die Geste des römischen Provinzstatthalters Pontius Pilatus gegenüber der jüdischen Elite, mit der er seine Hände „als Unschuldiger am Blut dieses Gerechten“ wusch. (Bezeugt ist dies in dem vor allem für Judenchristen geschriebenen Evangelium nach Matthäus 27,24.)

Wie aber kamen die jüdischen Führer zu solch einer Tat? Auf den ersten Blick erscheint dies vielleicht etwas rätselhaft. Konnten sie Jesus nicht einfach durch Nichtbeachtung strafen, so wie sie dies bei anderen charismatischen religiösen Gruppen praktizierten — etwa den Zeloten oder Essenern? Oder was ist daran so schlimm, dass jemand meint, er wäre älter als Abraham, wie wir es am Ende des heutigen Evangeliums lasen? Konnte man so etwas nicht einfach als Kuriosität abtun und belächeln?

Nun, offenbar reichte dies den maßgeblichen jüdischen Theologen nicht. Einen ersten Hinweis auf das Motiv für den Justizmord an Jesus lesen wir gerade dort, wo auch überliefert ist, wie sich Pilatus versucht, der Verantwortung zu entledigen: Matthäus spricht nämlich von dem „Neid“ (Mt 27,18) der Hohepriester auf Jesus. War Jesus also zu erfolgreich auf dem von der jüdischen religiösen Elite beanspruchten Gebiet?

Werfen wir einen etwas genaueren Blick auf das heutige Evangelium. Gelegentlich sind die johanneischen Schriften (das Evangelium wie die Briefe) schwer zu verstehen aufgrund der kreisenden Gedankengänge. Hier empfiehlt es sich oft, auf die Schlüsselworte zu achten. Und das Schlüsselwort unseres heutigen Evangeliums lautet: „Ehre“. (Im Urtext des Evangelientextes erscheint es in zwei — in diesem Kontext synonymen — Varianten: δόξα dóxa und τιμή timé.) Dass dies wirklich ein Schlüsselwort ist, erkennt man daran, dass auch etliche damit verwandte Begriffe mehrfach vorkommen, wie z.B. „Größe“, „von Gott sein“ — und auch ihre Verkehrungen: „Samariter, d.h. religiös ausgestoßen sein“, „von einem bösen Geist besessen sein“ etc.

Mindestens ein weiteres Schlüsselwort spielt hier — wie auch in den vorangehenden Versen des Kapitels und überhaupt im ganzen Johannesevangelium — ebenfalls eine wichtige Rolle: der Begriff λόγος lógos, d.h. „Wort“ bzw. „Sinn“. (Zu dem Wortfeld gehören damit verwandte Begriffe wie ῥήματα  rhémata „Worte“, „Wahrheit“, „reden“, „hören“, „kennen“ bzw. „erkennen“.) Auch das Wort „Tod“ bzw. „sterben“ kommt mehrfach vor.

Wenn wir auf diese Schlüsselbegriffe achten, erkennen wir, worum es bei dem im Evangelium geschilderten Konflikt geht: Die führenden jüdischen Theologen wollen dem im Volk beliebten Rabbi Jesus zum einen keinerlei Respekt zollen, da dies ihre eigene gesellschaftliche Position schwächen könnte. Zum anderen verwerfen sie, eben um ihm keine Autorität zubilligen müssen, seine Botschaft ohne triftige Gründe — und berauben sich dadurch selbst der Gelegenheit zur wahren Gotteserkenntnis. Als öffentlich anerkannte religiöse Lehrer (des von Abraham abstammenden Gottesvolkes) meinen sie nicht nur, sie hätten die Wahrheit gepachtet. Um ihre eigene Postion nicht zu gefährden, verwerfen sie das offensichtlich segensreiche Wirken Jesu, seine sündlose Person — und seine heilbringende Lehre.

Wie reagiert nun Jesus darauf? Ganz anders als man es von den falschen Propheten aller Zeiten — und auch unseres Zeitalters — kennt. Er verzichtet darauf, sich wortreich oder gar mit Gewalt ins Recht zu setzen, sondern verweist schlicht darauf, dass dies von höchster Stelle geschehen wird. Er gibt den religiösen Führern Israels aber gleichzeitig noch ein letztes Mal die Möglichkeit zur Erkenntnis, dass sie es hier nicht nur mit einem menschlichen Lehrer zu tun haben.

Das Johannesevangelium ist nämlich in diesem Punkt ganz klar und bezeugt es mehrfach: Jesus sah sich selbst keineswegs nur als Weisheitslehrer und Wunderheiler, auch nicht nur als rein menschlichen Messias, sondern als Gottes eingeborenen (d.h. einzig gezeugten) Sohn. Daher eben Jesu Aussage am Ende des heutigen Evangeliums: „Ehe Abraham ward, bin ich“. Der zweite Teil dieses kurzen Satzes soll offenbar auf den Gottesnamen Jahwe („Ich bin, der ich bin“) anspielen — und wird auch so verstanden. Die damalige jüdische Elite aber kann sich nicht vorstellen, dass Gott Mensch wird. Und so begreift sie diesen Satz als Gotteslästerung, worauf der Tod durch Steinigung steht.

Aus vermeintlichem Eifer für Gott werfen sie Steine auf seinen Sohn. Ja, das Handeln der jüdischen Theologen ist paradox und abgrundtief tragisch. Sie meinen, Gott zu kennen, sie geben vor, Gott zu dienen — und glauben dies vermutlich auch selbst — und lassen dann seinen Sohn ans Kreuz schlagen.

Wie aber konnte es so weit kommen? Was ist die Ursache hierfür? Erinnern wir uns an das Schlüsselwort dieser Schriftstelle: „Ehre“. Es ist die Ehrsucht, der Hochmut, der diese religiösen Führer unbelehrbar macht und dazu bringt, ihrem Messias, dem fleischgewordenen Wort Gottes (Joh 1,1) — nach dem Leben zu trachten: erst erfolglos durch Steinigung, später aber, ausgerechnet mit Hilfe der heidnischen Römer, durch eines der schlimmsten Folterinstrumente der Antike, durch das Kreuz.

Lassen wir nochmals diese große Tragik auf uns wirken: All die theologische Gelehrsamkeit, die enorm gründliche Kenntnis des religiösen Gesetzes (von welcher z.B. der Talmud Zeugnis gibt), all die äußerliche Gottesverehrung — all dies hilft diesen jüdischen Theologen nichts. Warum? Weil sie durch ihre Ehrsucht, ihren Hochmut unfähig werden, das vor ihnen stehende, fleischgewordene Wort Gottes zu hören. Sie wollen es nicht hören und können es auch nicht, mehr noch: sie bringen es gewaltsam zum Verstummen.

Der englische Philologe und Religionsphilosoph C.S. Lewis (bekannt geworden durch die Kinderbücher „Chroniken von Narnia“) beschrieb den Stolz bzw. Hochmut einmal als the greatest sin — „die größte Sünde“. Leider hört man davon in der kirchlichen Verkündigung der Gegenwart nur wenig. Woran könnte das liegen? Doch achten wir zuvörderst auf uns selbst: Gibt es vielleicht auch in unserem Leben Bereiche, wo wir meinen, auf Gottes Weisung, seine Gnade und seine Hilfe verzichten zu können? Wollen wir in diesen letzten zwei Wochen vor Ostern um Gottes Gnade bitten und danach streben, befreit und geheilt zu werden von jeder Form von Hochmut, Ehrsucht oder Selbstgenügsamkeit.

Zur Epistel. Bisher haben wir uns nur mit vergleichsweise vordergründigen Ursachen für Jesu Kreuzestod befasst. Die tiefer liegende Frage, warum der allmächtige und menschenliebende Gott dieses Leiden zugelassen hat, ist noch offen. Schon jetzt muss aber klar sein: Es handelt sich hier um ein Leiden, das der dreifaltige Gott sich selbst aufgeladen hat. Gott der Vater und Gott der Sohn sind ja keineswegs voneinander unabhängige Personen, sondern sie bilden zusammen mit dem Heiligen Geist ein einiges göttliches Wesen. Mit anderen Worten: Für Gott ist das Leid der Welt nichts Unbekanntes — er hat es selbst durchlebt — nicht etwa, weil er schwach wäre, sondern weil es dafür einen tiefen Grund gibt.

Worin könnte dieser nun bestehen? Denken wir ein wenig nach über das Verhältnis von Gott und Mensch. Erstens ist dieses Verhältnis seit undenklichen Zeiten ein Verhältnis der Entfremdung, das die gesamte menschliche Existenz durchzieht. Die Entfremdung zwischen Gott und Mensch findet ihren Ausdruck einerseits in unserer Lieblosigkeit gegenüber unseren Nächsten, die doch in Gottes Ebenbild geschaffen sind, und andererseits in unserer Vergötzung von Vergänglichem.

Doch es gilt noch etwas Zweites: In jedem Menschen gibt es letztlich eine Ahnung von dieser Entfremdung, verkörpert durch das Gewissen — das zwar betäubt, aber doch nie völlig zum Verstummen gebracht werden kann. Und genau aus diesem Grund führen ja die Religionen der Welt — neue wie alte — ihre diversen Riten und Opfer durch, um ihre jeweiligen Götter gnädig zu stimmen.

Was heißt dies nun für das Leiden und Sterben Jesu Christi? Was ist denn nun der tiefere Grund dafür? Die christliche Theologie hat darauf — nicht erst, aber vor allem seit Anselm von Canterbury, 11. Jh. — recht verschiedene Modelle entwickelt. (Grob vereinfacht dominieren im christlichen Westen jene Modelle, welche die im Neuen Testament erwähnten rechtlichen Beschreibungen wie „Lösegeld“ [Mt 20,28; 1Tim 2,6] und „Anrechnung“ [z.B. Röm 4,3ff] in den Kategorien des menschlichen Rechts zu systematisieren versuchen. Im Osten, genauer in der griechischen Theologie, gibt es demgegenüber schon seit ältester Zeit ein eher „ontologisches“ Interesse; man betont dort mit Irenäus von Lyon und Athanasius dem Großen, dass Gott in Christus die menschliche Natur mit allen Konsequenzen angenommen hat — einschließlich von Leid und Tod — und dass auf diese Weise umgekehrt auch den Menschen durch Christus die Teilhabe an der göttlichen Natur [2Petr 1,4] ermöglicht wird.)

Gemeinsam ist aber all diesen theologischen Erklärungsversuchen der folgende, völlig schriftgemäße und einsichtige Kern: Christus vertritt, da er Gott und Mensch zugleich ist, die mit ihm verbundene Menschheit bei Gott dem Vater. Damit ereignet sich eine grundstürzende Neuerung in der Menschheitsgeschichte: Wir werden als Christen nicht länger von sterblichen, sündigen, allzu menschlichen Priestern vor dem Thron Gottes vertreten, sondern das fleischgewordene göttliche Wort, der menschgewordene Sohn Gottes höchstpersönlich nimmt dies auf sich und wird unser Hohepriester.

Diese enorme Kluft zwischen Gott und Mensch ist nicht ohne enorme Opfer zu überwinden; sie kostet den in Christus menschgewordenen Sohn Gottes das Leben. Dass die Menschheit nicht anderweitig zur Versöhnung mit Gott und untereinander bereit ist, zeigt ja gerade der Tod Jesu Christi und seine Vorgeschichte, von der wir im Evangelium gehört haben. Die Menschheit ist so tief gefallen, dass sogar die religiösen Führer von Gottes Bundesvolk einen völlig unschuldigen Menschen, den sündlosen Sohn Gottes, aus Ehrsucht umbringen lassen. Und das Schlimme daran ist, dass in jedem von uns der Keim hierfür steckt, nämlich der Hochmut. Denn dieser führt früher oder später dazu, dass wir meinen, ohne Gott leben zu können — seine guten Gebote, seine Hilfe oder auch seine Vergebung nicht zu benötigen. Mögen wir uns daher von solchen Gedanken gründlich reinigen — gerade jetzt, in dieser Passionszeit — und uns hinfort davor hüten; mögen wir die Bewahrung vor Hochmut auch einfließen lassen in unser Gebet, z.B. mit der letzten Bitte des Vaterunser (erlöse uns von dem Bösen).

Wollen wir schließlich noch einen Blick werfen auf die Frucht des Leidens Christi. So wie das Gewissen eine Ahnung von der Verdorbenheit des Menschen vermittelt, so ist die Frucht der von Christus erwirkten Versöhnung („Sühne“) zwischen Gott und Mensch gerade eben die Reinigung des Gewissens. Wie unsere Epistel-Lesung lehrt, wird unser Gewissen gereinigt durch das Blut Christi, das er am Kreuz vergossen hat und das er dem Vater als Sühnopfer darbringt. Es ist dasselbe Blut, in dem der Neue Bund besteht, das zur Vergebung unserer Sünden vergossen worden ist und das wir hoffentlich bald wieder in der Eucharistie empfangen dürfen. Durch Christi stellvertretendes Sühnopfer erlangen wir ein neues Leben in versöhnter Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott — ein Leben in der Kraft des Heiligen Geistes. Wir werden von Gott dem Vater begnadigt, mit ihm versöhnt und von ihm angenommen als adoptierte Kinder, welche (wie es am Ende unserer Lesung heißt) „das verheißene Gut des ewigen Erbes empfangen sollen“ (Hebr 9,15). So wie unsere Sünde Mitursache von Christi Leiden war, so ist dieses Leiden nun für uns die Ursache ewiger Glückseligkeit. Dank sei Gott!

Anmerkung. Gerade im deutschsprachigen Raum gab es vor ziemlich genau zehn Jahren zu diesem zentralen Aspekt christlicher Lehre einige Verwirrung, nachdem ein römisch-katholischer Erzbischof sowie mehrere hochrangige evangelische Theologen diverse missverständliche Aussagen hierzu in der Öffentlichkeit getätigt hatten. Umso erbaulicher ist es, noch einmal nachzulesen, was im orthodox-altkatholischen Konsenspapier zur Heilslehre (Soteriologie) in Chambésy/Genf 1983 so treffend — und unter Bezugnahme auf die Epistel des heutigen Sonntags — formuliert wurde [IKZ 79 (1989), Sonderheft zu Nr. 4, 80]:

„Das von Jesus Christus als dem ewigen Hohenpriester und Mittler des Neuen Bundes (vgl. Hebr 9,11-15) an unserer Stelle und für uns am Kreuz dargebrachte Opfer war ein Sühneopfer. Er wurde zur «Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt» (1Joh 2,2). Durch sein Opfer hat er uns losgekauft und erlöst, da er sein Leben aus Liebe als Lösegeld darbrachte. Durch seinen Kreuzestod hat der Herr die Sünden der Menschen auf sich genommen (vgl. Jes 53,4f.; 2Kor 5,21; 1Petr 2,24) und durch sein Blut von uns abgewaschen, «damit wir tot seien für die Sünden und der Gerechtigkeit leben» (1Petr 2,24).“

Credo

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
 (Verneigung)
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

Abschluss

Fürbitten

Erste Form

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast uns durch Deinen heiligen Apostel gelehrt, dass wir vor allen Dingen für alle Menschen Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten sollen.

(Ggf. Anliegen des Tages.)

Wir bitten Dich in Demut: Erhöre unsere Gebete, die wir vor Deine göttliche Majestät bringen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Zweite Form

Für die Kirche und ihre Einheit

Gütiger Vater, wir bitten Dich in Demut für Deine heilige katholische Kirche. Erfülle sie mit aller Wahrheit und in aller Wahrheit mit allem Frieden. Reinige sie, wo sie verdorben ist; leite sie, wo sie im Irrtum ist; erleuchte sie, wo sie im Dunkeln ist; weise sie zurecht, wo sie dem Aberglauben verfallen ist; verbessere sie, wo sie im Unrecht ist; stärke und kräftige sie, wo sie im Recht ist. Wo ihr etwas mangelt, da gib es ihr. Wo sie gespalten und geteilt ist, da heile ihre Zerrissenheit und einige sie. Darum bitten wir Dich, Du Heiliger Israels, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Oder: Für alle Stände der Kirche

Allmächtiger, ewiger Gott! Durch Deinen Geist werden alle Glieder der Kirche zu einer heiligen Körperschaft miteinander verbunden und zu vielfältigem Dienst befähigt. Lass Deine Gnade walten über allen Deinen Dienern und Dienerinnen, auf dass sie erkennen was richtig ist und in allen Dingen dem gehorsam sind, der das Haupt ist, nämlich Christus Jesus, Deinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

Für Parlament und Regierung

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du über alle Länder und Völker mit ewiger Macht regierst! Erleuchte die gewählten Vertreter unseres Volkes, lenke ihre Absichten, segne ihre Mühen; auf dass unter uns Sicherheit, Lebensglück und Frieden gefördert, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit gemehrt, Tugend und Gottesfurcht gefestigt werden mögen — zum Wohlergehen Deines Volkes und zur Ehre Deines heiligen Namens. Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.

In Zeiten von Seuchen und hoher Sterblichkeit

Allmächtiger und allbarmherziger Gott! In dieser Zeit schwerer Krankheit fliehen wir zu Dir, unserem Beistand. Wir ersuchen Dich: Errette uns aus der Gefahr; gib allen, die sich der Kranken annehmen, Kraft und Geschick; schenke Erfolg beim Einsatz jeglicher Heilmittel. Und lass uns erkennen, wie hinfällig und ungewiss unser Leben ist, damit wir unser Herz ausrichten auf die himmlische Weisheit, die zum ewigen Leben führt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Oder: Für Kranke

Barmherziger Gott und Vater! Ohne Deinen Willen fällt kein Haar vom Kopf des Menschen. Wir rufen Dich in aller Demut an für Deinen Diener (Deine Dienerin/Diener), bei dem (der/denen) Du schwere Krankheit zugelassen hast. Lass die Tage seiner (ihrer) Prüfung nicht zahlreich werden. Verleihe ihm (ihr/ihnen) Geduld und Kraft, die Leiden so zu tragen, wie es Dir wohlgefällig ist. Schenke ihm (ihr/ihnen) die volle Gesundheit wieder und stehe ihm (ihr/ihnen) bei, dass er (sie) den Rest seiner (ihrer) Tage in Ehrfurcht vor Dir und zu Deiner Ehre verbringe(n). Hast Du es anders beschlossen, so verleihe ihm (ihr/ihnen) Beharrlichkeit bis ans Ende und lass ihn (sie) nach den Leiden dieser Zeit eingehen in die Herrlichkeit, die dereinst an uns offenbar werden soll. Durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.

Gebet des Herrn

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott! Du hast uns jetzt die Gnade verliehen, einmütig unser gemeinsames Flehen vor Dich zu bringen, und Du hast verheißen, wenn zwei oder drei in Deinem Namen versammelt sind, sie zu erhören. Erfülle nun, o Herr, die Anliegen und Bitten Deiner Diener zu ihrem Wohl, indem Du uns in dieser Welt die Erkenntnis Deiner Wahrheit und in der künftigen das ewige Leben schenkst. Denn Du bist ein guter und menschenliebender Gott, und Dich verherrlichen wir, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Segensspruch

Der Herr segne uns, Er bewahre uns vor allem Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Lied zum Ausgang

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du für uns gestorben bist
und hast uns durch dein teures Blut
gemacht vor Gott gerecht und gut.

2. Wir bitten, wahrer Mensch und Gott:
Durch deine Wunden, Schmach und Spott
erlös uns von dem ewgen Tod
und tröst uns in der letzten Not.

3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand
und reich uns dein allmächtig Hand,
dass wir im Kreuz geduldig sein,
uns trösten deiner schweren Pein

4. und schöpfen draus die Zuversicht,
dass du uns wirst verlassen nicht,
sondern ganz treulich bei uns stehn,
dass wir durchs Kreuz ins Leben gehn.

Text: Christoph Fischer 1568
Melodie: Nikolaus Herman 1551, Leipzig 1625

Verkündigung des Herrn

Annuntiatio Domini: Fra Angelico, ca. 1440
(Fresko im Dominikanerkonvent San Marco, Florenz)

Im Folgenden werden ausgewählte biblische und liturgische Texte des Fests mit weiteren Gebeten und Liedern zu einer Andacht zusammengestellt. Damit soll ermöglicht werden, trotz Versammlungsverbot zumindest auf diese Weise — gemeinsam mit der Familie oder alleine für sich — den Tag kirchlich zu begehen.

Eröffnung

Lied zum Eingang

1. O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unsrer Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.

2. So lasst uns nun ihm dankbar sein,
dass er für uns litt solche Pein,
nach seinem Willen leben.
Auch lasst uns sein der Sünde feind,
weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach tun streben,
die Lieb erzeigen jedermann,
die Christus hat an uns getan
mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht das recht,
wie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
tu dich davor bewahren!

Text: Sebald Heyden um 1530
Melodie: Matthäus Greiter 1525

Trinitarisches Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes.
Amen.

Psalm (131)

HERR, mein Herz ist nicht hochfahrend, *
und meine Augen erheben sich nicht stolz;

ich gehe nicht mit Dingen um, die vermessen sind und mir zu hoch. *
Nein, ich habe mein Herz beruhigt und gestillt;

wie ein entwöhntes Kind an der Mutter Brust, *
so ruht entwöhnt mein Herz in mir. –

Israel, harre des HERRN *
von nun an bis in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Evangelium (Lk 1,26–38)

In jener Zeit 26 wurde der Engel Gabriel von Gott nach Galiläa in eine Stadt namens Nazareth gesandt 27 zu einer Jungfrau, die mit einem Manne namens Joseph aus dem Hause Davids verlobt war; die Jungfrau hieß Maria. 28 Als nun der Engel bei ihr eintrat, sagte er: »Sei gegrüßt, du Begnadete: der Herr ist mit dir!« 29 Sie wurde über diese Anrede bestürzt und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: »Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden! 31 Wisse wohl: du wirst guter Hoffnung werden und Mutter eines Sohnes, dem du den Namen Jesus geben sollst. 32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird als König über das Haus Jakobs in alle Ewigkeit herrschen, und sein Königtum wird kein Ende haben.« (Jes 9,7; 2.Sam 7,12-13) 34 Da sagte Maria zu dem Engel: »Wie soll das möglich sein? Ich weiß doch von keinem Manne.« 35 Da gab der Engel ihr zur Antwort: »Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten dich überschatten; daher wird auch das Heilige, das (von dir) geboren werden soll, Gottes Sohn genannt werden. 36 Und nun vernimm: Elisabeth, deine Verwandte, ist ebenfalls trotz ihres hohen Alters mit einem Sohn gesegnet und steht jetzt schon im sechsten Monat, sie, die man unfruchtbar nennt; 37 denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.« (1.Mose 18,14) 38 Da sagte Maria: »Siehe, ich bin des Herrn Magd: mir geschehe nach deinem Wort!« Damit schied der Engel von ihr.

Credo

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Abschluss

Fürbitten oder Kyrie-Rufe

Hier können Anliegen des Tages — insbesondere solche, die nicht in den Orationen untenan bedacht sind — vorgetragen werden; nach jedem Anliegen wird gebetet: Gott, unser Vater! — Wir bitten Dich, erhöre uns!

Alternativ erklingen Kyrie-Rufe:

Herr, erbarme Dich.
Herr, erbarme Dich.

Christus, erbarme Dich.
Christus, erbarme Dich.

Herr, erbarme Dich.
Herr, erbarme Dich.

Gebet des Herrn

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Orationen

Von Mariä Verkündigung

O Herr, wir bitten Dich: Gieße Deine Gnade in unsere Herzen. Da wir das Wunder der Menschwerdung Deines Sohnes durch die Botschaft eines Engels vernommen haben, lass uns auch das Wort von Seinem Kreuz und Seinem Leiden annehmen, um mit Ihm zu der Herrlichkeit Seiner Auferstehung zu gelangen. Durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

In Zeiten von Seuchen und hoher Sterblichkeit

Allmächtiger und allbarmherziger Gott! In dieser Zeit schwerer Krankheit fliehen wir zu Dir, unserem Beistand. Wir ersuchen Dich: Errette uns aus der Gefahr; gib allen, die sich der Kranken annehmen, Kraft und Geschick; schenke Erfolg beim Einsatz jeglicher Heilmittel. Und lass uns erkennen, wie hinfällig und ungewiss unser Leben ist, damit wir unser Herz ausrichten auf die himmlische Weisheit, die zum ewigen Leben führt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Für Parlament und Regierung

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du über alle Länder und Völker mit ewiger Macht regierst! Erleuchte die gewählten Vertreter unseres Volkes, lenke ihre Absichten, segne ihre Mühen; auf dass unter uns Sicherheit, Lebensglück und Frieden gefördert, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit gemehrt, Tugend und Gottesfurcht gefestigt werden mögen — zum Wohlergehen Deines Volkes und zur Ehre Deines heiligen Namens. Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.

Segensspruch

Der Herr segne uns, Er bewahre uns vor allem Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Lied zum Ausgang

O Maria, sei gegrüßt,
die du voller Gnaden bist;
sei gegrüßt, du höchste Zier:
Gott der Herr ist selbst mir dir.

(Ursprüngliche 2. Strophe:)

Heil’ge Mutter unsres Herrn,
Deine Fürbitt’ wir begehr’n;
hilf uns jetzt und allezeit,
sonderlich im Todesstreit!

Text: Philipp von Schönborn 1656
Melodie: Böhmen 1467, Michael Weiße 1531

4. Fastensonntag

Die wundersame Brotvermehrung:
Codex Egberti, fol. 47v, ca. 980

Im Folgenden werden die biblischen und liturgischen Texte des Sonntags mit weiteren Gebeten und Liedern zu einem kurzen Wort-Gottesdienst zusammengestellt. Wem aufgrund der aktuellen Situation kein Gottesdienstbesuch möglich ist, kann zumindest auf diese Weise — gemeinsam mit der Familie oder alleine für sich — den Sonntag kirchlich begehen.

Eröffnung

Lied zum Eingang

Zu dir, o Gott, erheben wir
die Seele mit Vertrauen.
Dein Volk erfreuet sich in dir
woll’st gnädig niederschauen.
Lass leuchten, Herr, dein Angesicht,
erfüll mit deiner Gnade Licht
und schenk uns dein Erbarmen.

Text: Heinrich Bone 1851, Melodie: Caspar Ulenberg 1582

Trinitarisches Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet um die Gnade des Heiligen Geistes

Allmächtiger Gott! Vor Dir sind alle Herzen offen. Du kennst alles Sinnen und Trachten, und kein Geheimnis ist Dir verborgen. Reinige die Gedanken unserer Herzen durch das Wirken Deines Heiligen Geistes, damit wir Dich vollkommen lieben und Deinen heiligen Namen recht verherrlichen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Und/oder: Bußakt

Ich bekenne Gott dem Allmächtigen,
der seligen Maria, allen Heiligen
und euch, Brüder und Schwestern,
dass ich durch meine Schuld viel gesündigt habe,
im Hochmut, im Denken, Reden, Tun und Lassen.
Ich bitte euch: betet für mich.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser
durch die Fürsprache der seligen Maria
und aller Heiligen.
Er lasse uns alle Sünden nach
und führe uns zum ewigen Leben.

Amen.

Introitus (Ps 46)

Gott ist uns Zuflucht und Stärke, *
als Hilfe in Nöten wohlbewährt befunden.

Darum bangen wir nicht, wenngleich die Erde vergeht, *
wenn Berge tief im Meer versinken;

mögen tosen, mögen schäumen seine Wogen, *
mögen beben die Berge von seinem Ungestüm:

der HERR der Heerscharen ist mit uns, *
eine feste Burg ist uns der Gott Jakobs!

Ein Strom ist da: seine Bäche erfreuen die Gottesstadt, *
das Heiligtum, die Wohnung des Höchsten.

Gott ist in ihrer Mitte: sie wird nicht wanken, *
Gott schützt sie, schon wenn der Morgen tagt.

Völker tobten, Königreiche wankten: *
er ließ seinen Donner dröhnen, da erschrak die Erde.

Der HERR der Heerscharen ist mit uns, *
eine feste Burg ist uns der Gott Jakobs!

Kommt her und schaut die Taten des HERRN, *
der Wunderbares wirkt auf Erden,

der den Kriegen ein Ziel setzt bis ans Ende der Erde, /
der Bogen zerbricht und Speere zerschlägt, *

Kriegswagen mit Feuer verbrennt!

»Lasst ab und erkennt, dass ich (nur) Gott bin, *
erhaben unter den Völkern, erhaben auf Erden!«

Der HERR der Heerscharen ist mit uns, *
eine feste Burg ist uns der Gott Jakobs!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Kyrie

Herr, erbarme Dich. (dreimal)
Christus, erbarme Dich. (dreimal)
Herr, erbarme Dich. (dreimal)

Oder:

Kyrie, eleison. (dreimal)
Christe, eleison. (dreimal)
Kyrie, eleison. (dreimal)

Melodie: ukrainisch-orthodox (Kiewer Choral)

Tagesgebet (vom 4. Fastensonntag)

Allmächtiger Gott! Zu Recht werden wir von Dir für unsere Missetaten bestraft. So bitten wir Dich: Gewähre uns, durch Deine stärkende Gnade Ruhe und Erquickung zu finden. Durch unseren Herrn und Erlöser Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Wort-Verkündigung

Lesung (Gal 4,21–31)

Brüder und Schwestern! 21 Sagt mir doch, die ihr gern unter dem Gesetz stehen möchtet: versteht ihr denn das Gesetz nicht? 22 Es steht ja doch geschrieben (Gen 21,2.9), dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien. 23 Jedoch jener von der Magd war nur sein fleischmäßig erzeugter Sohn, dieser von der Freien aber war ihm aufgrund der (göttlichen) Verheißung geboren. 24 Das ist bildlich zu verstehen; denn diese (beiden Frauen) stellen zwei Bündnisse dar, das eine vom Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebiert: das ist die Hagar; 25 das Wort Hagar (= Felsklippe) bedeutet nämlich den Berg Sinai in Arabien, und sie entspricht dem heutigen Jerusalem; denn dieses befindet sich (auch) in Knechtschaft samt seinen Kindern. 26 Das Jerusalem droben dagegen ist eine Freie, und dies (Jerusalem) ist unsere Mutter; 27 denn es steht geschrieben (Jes 54,1): »Freue dich, du Kinderlose, die du nicht Mutter wirst! Brich in Jubel aus und frohlocke, die du keine Geburtsschmerzen zu leiden hast! Denn die Alleinstehende hat zahlreiche Kinder, mehr als die Verehelichte.« 28 Ihr aber, liebe Brüder, seid nach Isaaks Art Kinder der Verheißung. 29 Wie jedoch damals der nach dem Fleisch erzeugte Sohn den nach dem Geist erzeugten verfolgt hat, so ist es auch jetzt der Fall. 30 Aber was sagt die Schrift dazu? »Verstoße die Magd und ihren Sohn! Denn der Sohn der Magd soll nicht das gleiche Erbrecht mit dem Sohn der Freien haben.« (Gen 21,10) 31 Darum, liebe Brüder und Schwestern: Wir sind nicht Kinder einer Magd, sondern der Freien!

Wort des lebendigen Gottes.
Dank sei Gott.

Zwischengesang (Trishagion)

Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott,
erbarm‘ Dich über uns.
 (dreimal)

Melodie: griechisch-orthodox (byzantinischer Choral)

Evangelium (Joh 6,1–14)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Ehre sei Dir, o Herr.

In jener Zeit 1 begab sich Jesus auf die andere Seite des Galiläischen Sees, des Sees von Tiberias; 2 es zog ihm aber dorthin eine große Volksmenge nach, weil sie die Wunderzeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus stieg aber auf den Berg hinauf und ließ sich dort mit seinen Jüngern nieder; 4 das jüdische Passah stand aber nahe bevor. 5 Als nun Jesus sich dort umschaute und eine große Volksmenge zu sich kommen sah, sagte er zu Philippus: »Woher sollen wir Brote kaufen, damit diese zu essen haben?« 6 So fragte er aber, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: »Für zweihundert Denare (= Silberstücke) Brot reicht für sie nicht hin, damit jeder auch nur ein kleines Stück erhält.« 8 Da sagte einer von seinen Jüngern, nämlich Andreas, der Bruder des Simon Petrus, zu ihm: 9 »Es ist ein Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische (zum Verkauf bei sich) hat, doch was ist das für so viele?« 10 Jesus aber sagte: »Lasst die Leute sich lagern!«, es war nämlich dichter Rasen an dem Ort. So lagerten sich denn die Männer, etwa fünftausend an Zahl. 11 Jesus nahm sodann die Brote, sprach den Lobpreis (Gottes) und ließ sie unter die Leute austeilen, die sich gelagert hatten; ebenso auch von den Fischen, soviel sie begehrten. 12 Als sie dann satt geworden waren, sagte er zu seinen Jüngern: »Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts umkommt.« 13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die beim Essen übrig geblieben waren. 14 Als nun die Leute das Wunderzeichen sahen, das er getan hatte, erklärten sie: »Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll!« 

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Lob sei Dir, Christus.

Homilie

Mit dem heutigen Sonntag liegt bereits mehr als die Hälfte der vorösterlichen Bußzeit (die Karwoche eingerechnet) hinter uns. Epistel und Evangelium schlagen einen bewusst freudigen Ton an. (Der Sonntag heißt deshalb auch Laetare, also „Frohlocke!“, denn früher wurde eingangs Jes 66,10f — in alter lateinischer Übersetzung, wohl noch deutlich älter als die Vulgata des Hieronymus! — gesungen.) Auch das Tagesgebet spricht von der „Ruhe und Erquickung“, die wir durch Gottes Gnade erlangen können.

Lebensfreude, innere Ruhe, Erquickung — wer möchte das nicht?! Auch ganz unabhängig von der aktuellen Pandemie leben sowohl die Ratgeber-Literatur als auch die neo-religiösen Bewegungen unserer Tage von dieser tiefen Sehnsucht. Doch auch die Kirche, das Evangelium nimmt sich der Frage an, wo wir bleibende Freude, Ruhe und Erquickung finden können. Die christliche Antwort ist gleichwohl — wie so oft — eine Zu-Mutung, sie fordert unseren Mut heraus und wirkt auf manchen vielleicht sogar paradox: Wir erfahren nämlich Gottes Zuwendung gerade dann, wenn wir bei wichtigen Lebensfragen wirklich „alles auf eine Karte“ setzen, unsere Hoffnung ganz an ihm befestigen, alles von ihm erwarten — wenn wir auf ihn vertrauen, auch wenn unser Leben nicht nach unseren Vorstellungen läuft. „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet, o Herr, in Dir“, schrieb einst der Kirchenlehrer Augustinus.

Alles auf eine Karte zu setzen, fällt vielen Menschen, nicht nur, aber gerade in unserem Kulturkreis, sehr schwer. Besonders wir Deutschen sind weltweit bekannt für unser ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Absicherung und Diversifikation von Risiken ist unsere Standard-Antwort, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Sich für mehrere Eventualitäten abzusichern („hedging“), ist in vielen Entscheidungssituationen plausibel und richtig — gewiss immer dann, wenn es um endliche Werte mit kalkulierbaren Risiken geht. Dennoch wird dieses Streben nach Sicherheit ins Pathologische übersteigert, wenn es zur alles leitenden Lebensmaxime überhöht wird. Das wird dann zu der „German Angst“, die im Ausland sprichwörtlich ist. (Und sie ist keineswegs erst seit den Hamsterkäufen der letzten Wochen bekannt …) Warum nun ist das Streben nach völliger Sicherheit irrational? Weil das menschliche Leben zu komplex und zerbrechlich ist, um alle Eventualitäten abzusichern — Lebensfreude und innerer Frieden können sich also auf diese Weise nicht einstellen.

Nein, wer den Weg mit Gott gehen will, muss zunächst etwas wagen. Als Vorbild hierfür dient uns im Evangelium von der Brotvermehrung die Volksmenge: Denn diese Menschen erwarten offenbar alles von Jesus — und haben sich deshalb gerade nicht durch das Einpacken von Proviant abgesichert. (Manch ein rationalistischer Exeget sieht dies anders; doch muss die Frage erlaubt sein, ob er damit nicht einfach die oben beschriebene westliche, speziell deutsche Absicherungs-Mentalität projiziert …) Im Lichte des Evangeliums haben diese Menschen mit ihrer scheinbaren Unbedachtheit genau die richtigen Prioritäten gesetzt. Sie haben nämlich all ihre Aufmerksamkeit auf die seltene Gelegenheit zur Begegnung mit Gottes Sohn gelenkt. Und nun erleben sie, wie er für das sorgt, worum sie sich zu Recht nicht gesorgt haben. Bedenken wir: Was wäre wohl einem der Zuhörer Jesu geschehen, wenn er wegen eines knurrenden Magens Jesus den Rücken gekehrt und den Heimweg angetreten hätte? Er wäre wohl halb verhungert beim Abstieg vom Berg, er hätte die Reden des Messias teilweise verpasst und er hätte sich selbst um eine wahrhaft wunderbare Glaubenserfahrung, nämlich die Brotvermehrung, gebracht.

Eine weitere Illustration bietet uns, wie wir in der Epistel gehört haben, die von Gott zuvor verheißene Zeugung Isaaks durch Abraham mit Sara, seiner hochbetagten rechtmäßigen Ehefrau. Im Gegensatz dazu steht die Verzweiflungstat Saras und Abrahams, mit der sie der Verheißung Gottes aus eigener Kraft — unter Zuhilfenahme von Saras Magd Hagar — nachhelfen wollten. Denn daraus ging zwar ebenfalls ein Sohn Abrahams mit zahlreichen Nachkommen hervor. Doch gab es hierdurch erstens viel Herzeleid, unter welchem das schwächste Glied, die Sklavin Hagar, am meisten zu leiden hatte. Und zweitens haben letztlich eben nicht die Nachkommen Hagars (durch Ismael), sondern die Nachkommen Saras (durch Isaak) Heilsgeschichte geschrieben. (Um dies zu unterstreichen, nennt Paulus nicht einmal Ismaels Namen.)

Was schließen wir hieraus: Wahre Lebensfreude, existentielle Erfüllung, inneren Frieden findet nur, wer bereit ist, sie sich von Gott schenken zu lassen — ohne anderweitige Vorkehrungen zu treffen und ohne Gott nachzuhelfen. Wer dagegen seinen Lebenssinn woanders sucht — oder wer meint, Gott etwas abtrotzen zu können, der vergeudet seine Kraft. Ein solcher Mensch nimmt sich selbst — geradezu mit logischer Zwangsläufigkeit — die Möglichkeit, Gottes besondere, wunderbare Zuwendung zu erfahren; und der Preis für einen solchen Unglauben ist Rastlosigkeit, Freudlosigkeit, Verbitterung.

Wohl dem dagegen, der alles Wesentliche im Leben von Gott erwartet — und sich dabei wie ein Kind beschenken lassen kann. Ein solcher Mensch wird mit dem Psalmisten singen: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke, […] der Wunderbares wirkt auf Erden.“ (Ps 46,2.9) Und wenn wir solche Menschen geworden sind, dann heißt für uns jeder Tag wie dieser Sonntag: Laetare — Frohlocke!

Credo

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
(Verneigung)
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

Abschluss

Fürbitten

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast uns durch Deinen heiligen Apostel gelehrt, dass wir vor allen Dingen für alle Menschen Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten sollen.

(Anliegen des Tages.)

Wir bitten Dich in Demut: Erhöre unsere Gebete, die wir vor Deine göttliche Majestät bringen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet des Herrn

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott! Du hast uns jetzt die Gnade verliehen, einmütig unser gemeinsames Flehen vor Dich zu bringen, und Du hast verheißen, wenn zwei oder drei in Deinem Namen versammelt sind, sie zu erhören. Erfülle nun, o Herr, die Anliegen und Bitten Deiner Diener zu ihrem Wohl, indem Du uns in dieser Welt die Erkenntnis Deiner Wahrheit und in der künftigen das ewige Leben schenkst. Denn Du bist ein guter und menschenliebender Gott, und Dich verherrlichen wir, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Segensspruch

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Oder:

Der Herr segne uns, Er bewahre uns vor allem Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Lied zum Ausgang

1. Jesu, meine Freude,
meines Herzens Weide,
Jesu, meine Zier,
ach wie lang, ach lange
ist dem Herzen bange
und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam,
außer dir soll mir auf Erden
nichts sonst Lieber’s werden.

2. Unter deinem Schirmen
bin ich vor den Stürmen
aller Feinde frei.
Lass den Satan wettern,
lass die Welt erzittern,
mir steht Jesus bei.
Ob es jetzt gleich kracht und blitzt,
ob gleich Sünd‘ und Hölle schrecken,
Jesus will mich decken.

3. Trotz dem alten Drachen,
trotz dem Todesrachen,
trotz der Furcht dazu!
Tobe, Welt, und springe;
ich steh hier und singe
in gar sich’rer Ruh.
Gottes Macht hält mich in acht;
Erd‘ und Abgrund muss verstummen,
ob sie noch so brummen.

4. Weg mit allen Schätzen!
Du bist mein Ergötzen,
Jesu, meine Lust.
Weg, ihr eitlen Ehren,
ich mag euch nicht hören,
bleibt mir unbewusst!
Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod
soll mich, ob ich viel muss leiden,
nicht von Jesu scheiden.

5. Gute Nacht, o Wesen,
das die Welt erlesen,
mir gefällst du nicht!
Gute Nacht, ihr Sünden,
bleibet weit dahinten,
kommt nicht mehr ans Licht!
Gute Nacht, du Stolz und Pracht;
dir sei ganz, du Lasterleben,
gute Nacht gegeben!

6. Weicht, ihr Trauergeister!
denn mein Freudenmeister,
Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben,
muss auch ihr Betrüben
lauter Freude sein.
Duld ich schon hier Spott und Hohn,
dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude.

Text: Johann Franck 1653, Melodie: Johann Crüger 1653

„Kirche in Zeiten von Corona“ (aktualisiert)

Jesus Christus heilt: links einen Gelähmten; rechts Petri Schwiegermutter (Mk 1-2):
Echternacher Evangeliar (Codex aureus), fol. 53v (Detail), ca. 1030

Mitteilung vom 3. Fastensonntag (15. März) 2020 — aus aktuellem Anlass

Ich bin der HERR, dein Arzt.

Ex 15,26b

Die gegenwärtige Coronavirus-Pandemie stellt auch die christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in den betroffenen Gebieten vor besondere Herausforderungen. Einerseits ist der Kirche das Gebet und die Sorge gerade für die Kranken aufgetragen. Andererseits sollen kirchliche Veranstaltungen nicht noch der Epidemie Vorschub leisten — geschweige denn für Risikogruppen zusätzliche Gefahren bergen. Als deutsche Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche reagieren wir darauf bis auf Weiteres wie folgt.

  1. Das Stattfinden von Eucharistiefeiern und anderen Gottesdiensten ist in das Ermessen des jeweils verantwortlichen Seelsorgers vor Ort gestellt.** Etwaigen Einschränkungen der Versammlungsfreiheit durch die staatlichen Behörden wird unverzüglich Folge geleistet.
  2. Wo die heilige Eucharistie nicht mehr öffentlich gefeiert wird, soll sie von den Priestern in geeigneter Form im privaten Rahmen begangen werden.
  3. Wo Gottesdienste — öffentlich** oder privat — stattfinden, wird auf hinreichenden Abstand (ca. 1-2 Meter) zwischen den Mitfeiernden geachtet; der Kontakt zwischen Zelebranten und Ministranten wird minimiert.
  4. Bei der Feier der heiligen Eucharistie finden aus hygienischen Gründen nur Kelche mit Oberfläche aus Gold oder Silber Verwendung; der zu wandelnde Wein soll einen möglichst hohen Alkoholgehalt aufweisen.
  5. Beim Friedensgruß wird auf den Händedruck (ebenso wie auf ein instrumentum pacis) verzichtet. (Gerade in der vorösterlichen Bußzeit können alternative Formen Verwendung finden, wie etwa die wechselseitige Verneigung mit den Worten: „Vergib mir. — Ich vergebe dir.“)
  6. Die liturgische Handwaschung des Zelebranten findet mit besonderer Gründlichkeit statt; nach Möglichkeit wird dabei (Desinfektions-) Seife eingesetzt.
  7. Die Gläubigen, die keinen Gottesdienst besuchen können, mögen entweder Video-Übertragungen katholischer oder orthodoxer Gottesdienste mitverfolgen oder aber — sei es in der Familie, sei es alleine — die auf unserer Internetseite veröffentlichten liturgischen Texte des jeweiligen Sonn-, Fest- oder Gedenktags lesen und bedenken. 
  8. Die Krankensalbung ist nicht nur „Letzte Ölung“; sie kann und soll, verbunden mit dem Sakrament der Buße, auch bei Erkrankungen ohne akute Lebensgefahr gespendet werden. 
  9. Alle Gläubigen sind während und außerhalb der Gottesdienste zu besonderem Gebet aufgerufen; dafür eignet sich derzeit besonders folgendes Gebet des rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel:

Herr, unser Gott, der Du reich an Erbarmen bist und unser Leben mit Deiner weisen Vorsehung geleitest! Erhöre unser Gebet, nimm unsere Buße für die Sünden an und gebiete dieser neuen Seuche Einhalt, so wie Du die Züchtigung Deines Volkes zur Zeit Davids beendet hast.* Du bist der Arzt unserer Seelen und Leiber; heile jene, die krank sind, richte sie vom Lager des Leidens auf, damit sie Dich verherrlichen, barmherziger Erlöser, und schütze und bewahre jene, die gesund sind, vor allen Krankheiten.

Segne, stärke und beschütze, Herr, mit Deiner Gnade alle, die sich mit großer Menschenliebe und Opferbereitschaft um die Kranken kümmern, sei es daheim oder in den Krankenhäusern.

Vertreibe die Krankheit und das Leiden des Volkes, und lehre uns das Leben und die Gesundheit als Deine Gaben zu schätzen. 

Schenke uns, o Herr, Deinen Frieden und erfülle unsere Herzen mit unerschütterlichem Vertrauen auf Deinen Schutz, mit Hoffnung auf Deine Hilfe und mit Liebe zu Dir und zu den Nächsten. Denn Dir ist es eigen, Dich zu erbarmen und uns zu erretten, unser Gott, und Dir senden wir Lobpreis empor, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

* Vgl. 2 Sam 24,15f. 

** Ergänzung vom 16. März 2020, 23 Uhr: Die heute von der Bundesregierung und den Regierungschefs der Länder beschlossenen Leitlinien gegen die Corona-Epidemie sehen u.a. das Verbot von „Zusammenkünften in Kirchen“ vor. Öffentliche Gottesdienste sind daher bis auf Weiteres untersagt.

Texte zum 3. Fastensonntag

Evangeliar-Illustration zum Johannesprolog: Köln vor 1050
(Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Bibl. 94: 154v)

Im Folgenden werden die biblischen und liturgischen Texte des Sonntags mit weiteren Gebeten und Liedern zu einem kurzen Wort-Gottesdienst (Andacht) zusammengestellt. Wem aufgrund der aktuellen Situation kein Gottesdienstbesuch möglich ist, kann zumindest auf diese Weise — gemeinsam mit der Familie oder alleine für sich — am liturgischen Leben der Kirche teilhaben.

Eröffnung

Lied zum Eingang

1. Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne;
denn so du willst das sehen an,
was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?

2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben;
es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben.
Vor dir niemand sich rühmen kann;
des muss dich fürchten jedermann
und deiner Gnade leben.

3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen.
Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen,
die mir zusagt sein wertes Wort.
Das ist mein Trost und treuer Hort;
des will ich allzeit harren.

4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen,
doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht noch sorgen.
So tu Israel rechter Art,
der aus dem Geist geboren ward,
und seines Gottes harre.

5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade.
Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade.
Er ist allein der gute Hirt,
der Israel erlösen wird
aus seinen Sünden allen.

Martin Luther 1524 nach Ps 130

Trinitarisches Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet um die Gnade des Heiligen Geistes

Allmächtiger Gott! Vor Dir sind alle Herzen offen. Du kennst alles Sinnen und Trachten, und kein Geheimnis ist Dir verborgen. Reinige die Gedanken unserer Herzen durch das Wirken Deines Heiligen Geistes, damit wir Dich vollkommen lieben und Deinen heiligen Namen recht verherrlichen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Und/oder: Bußakt

Ich bekenne Gott dem Allmächtigen,
der seligen Maria, allen Heiligen
und euch, Brüder und Schwestern,
dass ich durch meine Schuld viel gesündigt habe,
im Hochmut, im Denken, Reden, Tun und Lassen.
Ich bitte euch: betet für mich.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser
durch die Fürsprache der seligen Maria
und aller Heiligen.
Er lasse uns alle Sünden nach
und führe uns zum ewigen Leben.

Amen.

Introitus (Ps 43)

Schaffe mir Recht, o Gott, und führe meinen Rechtsstreit *
gegen ein liebloses Volk! Von Menschen des Trugs und der Bosheit errette mich, HERR!

Du bist ja der Gott, der mich schützt: *
warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich trauernd einhergehn unter dem Druck des Feindes?

Sende dein Licht und deine Treue! *
Die sollen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berge und deiner Wohnstatt,

damit ich zum Altar Gottes komme, *
zu dem Gott meines Freudenjubels, und unter Zitherklang dich preise, o Gott, mein Gott!

Was betrübst du dich, meine Seele, *
und stürmst so ruhlos in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihm noch danken, ihm, meines Angesichts Hilfe und meinem Gott.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Kyrie

Herr, erbarme Dich. (dreimal)
Christus, erbarme Dich. (dreimal)
Herr, erbarme Dich. (dreimal)

Oder:

Kyrie, eleison. (dreimal)
Christe, eleison. (dreimal)
Kyrie, eleison. (dreimal)

Tagesgebet (vom 3. Fastensonntag)

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, nimm die herzlichen Bitten Deiner Diener wohlwollend auf; und strecke die rechte Hand Deiner Majestät aus, um uns gegen alle unsere Feinde zu beschützen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Wort-Verkündigung

Lesung (Eph 5,1-14)

Brüder und Schwestern!

1 Folgt also dem Vorbild Gottes nach als (von ihm) geliebte Kinder 2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus euch geliebt und sich selbst für uns als Weihegabe und Opfer dargebracht hat, Gott zu einem lieblichen Wohlgeruch.

3 Unzucht aber und Unsittlichkeit jeder Art oder Geldgier dürfen bei euch nicht einmal zum Gegenstand eurer Gespräche gemacht werden, wie es sich für Heilige geziemt, 4 ebensowenig unanständiges Wesen und fades Geschwätz oder leichtfertige Witze, die sich für euch nicht schicken würden, statt dessen vielmehr Danksagung. 5 Denn das wisst und erkennt ihr wohl, dass kein Unzüchtiger und Unsittlicher, kein Geldgieriger – das ist gleichbedeutend mit Götzendiener – ein Erbteil im Reiche Christi und Gottes hat.

6 Lasst euch von niemand durch leere Worte betrügen; denn um solcher Dinge willen kommt Gottes Zorn über die Ungehorsamen. 7 Macht euch daher nicht zu ihren Mitgenossen; 8 denn früher seid ihr zwar Finsternis gewesen, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn: führt euren Wandel als Kinder des Lichts – 9 die Frucht des Lichts erweist sich nämlich in lauter Gütigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit –, 10 und prüfet dabei, was dem Herrn wohlgefällig ist. 11 Habt auch nichts zu tun mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, legt vielmehr missbilligend Zeugnis gegen sie ab; 12 denn was im Verborgenen von ihnen getrieben wird, davon auch nur zu reden ist schandbar. 13 Das alles wird aber, wenn es aufgedeckt wird, vom Licht getroffen und offenbar gemacht; denn alles, was offenbar gemacht wird, ist Licht. 14 Daher heißt es auch: »Wache auf, du Schläfer, und stehe auf von den Toten! Dann wird Christus dir aufleuchten.«

Wort des lebendigen Gottes.
Dank sei Gott.

Zwischengesang (Trishagion)

Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott,
erbarme Dich unser.
(dreimal)

Evangelium (Lk 11,14-28)

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Ehre sei Dir, o Herr.

In jener Zeit 14 trieb Jesus einen bösen Geist aus, der stumm war; und als der böse Geist ausgefahren war, konnte der Stumme reden. Da geriet die Volksmenge in Erstaunen. 

15 Einige von ihnen aber sagten: »Im Bunde mit Beelzebul, dem Obersten der bösen Geister, treibt er die bösen Geister aus.« 16 Andere wieder stellten ihn auf die Probe, indem sie von ihm ein Wunderzeichen vom Himmel her verlangten. 17 Weil er jedoch ihre Gedanken kannte, sagte er zu ihnen: »Jedes Reich, das in sich selbst uneinig ist, wird verwüstet, und ein Haus stürzt auf das andere. 18 Wenn nun auch der Satan mit sich selbst in Zwiespalt geraten ist, wie wird dann seine Herrschaft Bestand haben können? Ihr behauptet ja, dass ich die bösen Geister im Bunde mit Beelzebul austreibe! 19 Wenn ich aber die Geister im Bunde mit Beelzebul austreibe, mit wessen Hilfe treiben eure Söhne sie aus? Darum werden diese eure Richter sein. 20 Wenn ich aber die bösen Geister durch Gottes Finger austreibe, dann ist ja das Reich Gottes (schon) zu euch gekommen. – 21 Solange der Starke in voller Waffenrüstung sein Schloss bewacht, ist sein Besitztum in Sicherheit; 22 wenn aber ein Stärkerer ihn überfällt und besiegt, so nimmt er ihm seine Waffenrüstung, auf die er sich verlassen hatte, und teilt die ihm abgenommene Beute aus. – 23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. 24 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er wüste Gegenden und sucht eine Ruhestätte; und wenn er keine findet, so sagt er: ›Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe.‹ 25 Wenn er dann hinkommt, findet er es sauber gefegt und schön aufgeräumt. 26 Hierauf geht er hin und nimmt noch sieben andere Geister, die bösartiger sind als er selbst; und sie ziehen ein und nehmen dort Wohnung; und das Ende wird bei einem solchen Menschen schlimmer als der Anfang war.«

27 Als er so redete, erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und rief ihm zu: »Selig (zu preisen) ist der Mutterschoß, der dich getragen, und die Brüste, die dich genährt haben!« 28 Er aber erwiderte: »Selig sind vielmehr die, welche das Wort Gottes hören und bewahren!«

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Lob sei Dir, Christus.

Denkanstoß

Jesus ruft auf zur Entscheidung: Wollen wir kompromisslos ein neues Leben in Gemeinschaft mit ihm führen — oder doch lieber in der alten Existenz mit ihren Bindungen an widergöttliche Mächte verharren? Ein „Mittelding“ gibt es nicht: Tertium non datur. So wie einst die Taufbewerber in der frühen Kirche wollen auch wir daher die vierzigtägige Bußzeit nutzen, um unsere Entscheidung für das Leben mit Christus zu befestigen — damit wir in der Osternacht mit ganzem Herzen dem Bösen widersagen und unser Taufversprechen erneuern.

Credo

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

Abschluss

Fürbitten

Allmächtiger und ewig lebender Gott! Du hast uns durch Deinen heiligen Apostel gelehrt, dass wir vor allen Dingen für alle Menschen Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten sollen.

(Anliegen des Tages.)

Wir bitten Dich in Demut: Erhöre unsere Gebete, die wir vor Deine göttliche Majestät bringen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, dem mit Dir und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet des Herrn

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott! Du hast verheißen, die Gebete derer zu erhören, die im Namen Deines Sohnes zu Dir kommen. Wir bitten Dich: Schenke uns in Gnaden Dein Gehör, da wir jetzt unsere Bitten und Gebete vor Dich bringen; und gib, dass wirklich geschieht, worum wir gläubig nach Deinem Willen gebetet haben, um unserer Not abzuhelfen und um Deinen Ruhm zu verbreiten. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und herrscht, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Segensgebet

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Lied zum Ausgang

1. Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

2. Soll’s uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

3. Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

4. Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch raue Wege,
gib uns auch die nöt’ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

Nikolaus Graf von Zinzendorf 1725
Christian Gregor 1778

Katechetische Notizen zur orthodox-altkatholischen Lehre I/3

Ikone der allerheiligsten Dreifaltigkeit: Andrej Rubljow (1360-1430)
[Das Motiv greift den Besuch der drei Engel bei Abraham zu Mamre auf, vgl. Gen 18]

Wir dokumentieren hier in unregelmäßigen Abständen die Notizen zur Katechesenreihe (von Bischofsvikar Prof. Herzbergüber das orthodox-altkatholische Konsensdokument Koinonia auf altkirchlicher Basis (Hrsg. Urs von Arx; Sonderheft zu IKZ 79/4, 1989). Zuvor erschienen die Teile I/2 Der Kanon der Heiligen Schrift und I/1 Die göttliche Offenbarung und ihre Überlieferung (mit Vorbemerkungen).

I/3 Die Heilige Dreifaltigkeit

Was bekennen wir von dem Wesen Gottes?

  • Wir bekennen
    • einen Gott [Monotheismus],
    • in drei Seinsweisen, auch genannt Hypostasen (griechisch) [bzw. lateinisch Personen;gemeint ist hier aber nicht der alltägliche Personenbegriff, eine persona in diesem Sinne ist nicht notwendigerweise auch ein Individuum!],
    • nämlich der Vater, der Sohn [= „das Wort“, vgl. Joh 1,1] und der Heilige Geist.
  • Der Vater hat den Sohn „geliebt vor Grundlegung der Welt“ (Joh 17,24) und sich offenbart im Heiligen Geist, der die Liebe personifiziert (Mt 3,16f, Gal 4,6); in diese Gemeinschaft der Liebe will Gott uns mit hinein nehmen (Joh 17,26, Gal 4,6).
  • Diese Drei-Einheit ist also ein Geheimnis der Liebe und wird nur in Liebe erkannt; denn Gott ist Liebe (1 Joh 4,8).

(1.) Was verstehen wir unter der heiligen Dreifaltigkeit?

  • Gott ist dem Wesen (griechisch ousia, lateinisch substantia) nach einzig, aber dreifaltig nach den Seinsweisen (Hypostasen) bzw. Personen (wobei „Person“ hier, wie oben bemerkt, im ursprünglichen lateinischen Sinne zu verstehen ist).
  • Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ewige und anfangslose Personen (im ursprünglichen lateinischen Sinne, also nicht als Individuen!), die jedoch ungeschieden in dem einen Wesen Gottes miteinander geeint sind.
  • Deshalb „beten wir an die Einheit (monas) in der Dreiheit (Trias) und die Dreiheit in der Einheit, in ihrer paradoxen Unterschiedenheit und Einigkeit (enosis)“ (Gregor von Nazianz, Migne PG 35,1221).

(2.) Worin besteht die Einheit der Hypostasen der heiligen Dreifaltigkeit?

  • Die Einheit besteht:
    • einerseits aufgrund der Einheit und Identität des göttlichen Wesens;
    • andererseits aufgrund der Einheit und Identität der Eigenschaften, der Energien (Wirkweisen) und des Willens.
  • Der Vater ist der eine Ursprung und Grund von Sohn und Heiligem Geist.
  • Die drei göttlichen Hypostasen sind eines Wesens und durchdringen einander ohne Vermischung, ohne Teilung des Wesens und ohne rangmäßige Unterordnung.
  • „Die Wesensgleichheit aber und das Durchdringen der Hypostasen und die Identität des Willens, der Wirksamkeit, der Kraft, der Macht und der Tätigkeit lassen uns sozusagen die Untrennbarkeit und Einheit Gottes erkennen. Denn nur einer ist in Wahrheit Gott, der Gott[-Vater] und das Wort und sein Geist.“ (Johannes von Damaskus, Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, I, 8; BKV I, 44: 23).

(3.) Worin besteht die Verschiedenheit der Hypostasen?

  • Vorab: Die drei Hypostasen (Personen) haben gleiche Fülle der Gottheit; die Einheit und Unzertrenntheit des göttlichen Wesens bleibt dabei gewahrt, da die Hypostasen (Personen) zwar zu unterscheiden sind, aber doch ungeschieden sind!
  • Die Unterschiede der Hypostasen bestehen in den ewigen Beziehungen untereinander:
    • Der Vater zeugt von Ewigkeit her den Sohn und lässt den Heiligen Geist hervorgehen. Er ist „Wurzel und Quelle des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Basilius der Große, 24. Predigt, gegen die Sabellianer, Arius und die Anomöer, Migne PG 31, 609).
    • Der Sohn hat also seinen Grund im Vater, denn er ist ja „vor aller Zeit“ (Credo) durch diesen gezeugt,
    • und auch der Heilige Geist hat seinen Grund im Vater, denn er ist ja aus diesem hervorgegangen – wiederum anfangslos und zeitlos;
    • der Vater aber hat keinen Ursprung oder Grund (griechisch aitios), er ist sich selbst Grund.
  • Der Vater ist ungezeugt und ursprungslos, der Sohn ist gezeugt, der Heilige Geist hervorgebracht – allein in diesen unmittelbaren Eigenschaften besteht der geheimnisvolle und doch wirkliche Unterschied der drei Hypostasen.
  • So beschreibt es Johannes von Damaskus: „Nur in diesen persönlichen Eigentümlichkeiten unterscheiden sich die heiligen drei Personen voneinander. Nicht durch die Wesenheit, sondern durch das Merkmal der eigenen Hypostase sind sie ohne Trennung unterschieden.“ (Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, I, 8; BKV I, 44: 22)
  • Ebenso: „Unterscheidungsweise [sind in Bezug auf die göttlichen Personen] die Ausdrücke: Vater, Sohn, Geist, […], ungezeugt, gezeugt und hervorgegangen [zu gebrauchen]. Denn diese bezeichnen nicht das Wesen, sondern die gegenseitige Beziehung und die Seinsweise.“ (Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, I, 10; BKV I, 44: 29)

In welchem Sinne geht der Heilige Geist allein vom Vater aus?

  • Der ewige Ausgang des Heiligen Geistes, sprich: sein Hervorgehen, geschieht allein vom Vater (Joh 15,26).
  • Davon zu unterscheiden ist die Aussendung des Heiligen Geistes in die Welt, denn diese geschieht vom Vater durch den Sohn (Joh 15,26) bzw. vom Vater in des Sohnes Namen [Joh 14,26].
  • Dann – und nur dann –, wenn man unter ,Ausgang‘ lediglich die zeitliche Sendung des Geistes in die Welt versteht, kann man von einem Ausgang des Geistes aus dem Vater durch den Sohn bzw. einen Ausgang des Geistes aus dem Vater und dem Sohn sprechen.

Was lehrt Johannes von Damaskus über die Beziehung des Heiligen Geistes zum Vater und zum Sohn?

  • „Gleicherweise glauben wir auch an ,an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht‘ (Credo) […] Er geht vom Vater aus, wird durch den Sohn mitgeteilt und von jeglichem Geschöpf empfangen.“ (Johannes von Damaskus, Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, I, 8; BKV I, 44: 21-22)
  • „Dagegen behaupten wir nicht, dass er aus dem Sohne ist. […] Auch bekennen wir, dass er uns durch den Sohn geoffenbart worden ist und mitgeteilt wird.“ (Johannes von Damaskus, Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, I, 8; BKV I, 44: 27).
  • „Der Heilige Geist ist der [Geist] Gottes und des Vaters, insofern er aus ihm hervorgeht; ferner wird er auch [Geist] des Sohnes genannt, insofern er durch ihn erschienen ist und der Schöpfung mitgegeben wird, aber nicht aus ihm das Dasein hat.“ (Johannes von Damaskus, Predigt zum Karsamstag, Migne PG 96, 605).

Was ist das Filioque – und was lehren die altkatholischen Kirchen dazu?

  • [Filioque ist lateinisch „und dem Sohn“ und meint den entsprechenden Zusatz im dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses des Konzils von Nizäa-Konstantinopel (381) [ratifiziert auf dem Konzil von Ephesus 431], wo es heißt: „Wir glauben an den Heiligen Geist, … der aus dem Vater [!] hervorgeht.“ Die Konzilsväter hatten zu Beginn des dritten Artikels offenbar – so wie auch jeweils zu Beginn der ersten beiden Artikel des Credo (die sich mit dem Vater und dem Sohn befassen) – die ewigen Beziehungen der göttlichen Hypostasen bzw. Personen im Blick.]
  • [Ähnliche Formulierungen wie das filioque finden sich zwar auch bei älteren lateinischen Vätern, im Credo begegnet es aber erst im 5. Jahrhundert in Spanien, wo die Gottheit des Sohnes (gegen die Arianer) verteidigt werden musste. Die fränkischen Herrscher forderten seine Einführung in der ganzen westlichen Kirche; der römische Papst aber widersprach noch 809!]
  • „Wir lehnen darum den Zusatz des filioque, der im Westen während des 11. Jahrhunderts ohne Anerkennung durch ein ökumenisches Konzil gemacht wurde, mit Entschiedenheit ab. Diese Ablehnung bezieht sich nicht nur auf die unkanonische Weise der Hinzufügung, trotzdem schon diese Form einen Verstoß gegen die Liebe als das Band der Einheit darstellt. Wir weisen vielmehr entschieden auch jede theologische Lehre ab, die den Sohn zur Mitursache des Geistes macht.“ (Glaubensbrief der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz an den Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I., IKZ 61 (1971), Nr. 2: 66)
  • „Ferner halten wir daran fest, dass es in der allerheiligsten Dreifaltigkeit nur ein Prinzip und eine Quelle gibt, nämlich den Vater.“ (Erklärung der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz zur Filioque-Frage, IKZ 61 (1971), Nr. 2: 66)

Theologisches Symposium der Union von Scranton

Wie schon im vergangenen Februar, so fanden sich auch vom 7.-9. Februar 2020 wieder hochrangige Delegationen der Mitgliedskirchen der altkatholischen Union von Scranton und ausgewählter ökumenischer Partner zu Gast in Südwestdeutschland ein, um über aktuelle pastoraltheologische und ökumenische Fragen zu beraten. Die Leitfrage für die Teilnehmer aus Nordamerika, Norwegen, England, Deutschland und Italien lautete ebenso schlicht wie dringlich: How can we survive the present crisis of the Christian faith?

Das Thema wurde aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven in zahlreichen Diskussionen sowie in diversen Vorträgen reflektiert; Referenten waren u.a. Archidiakon Dr. Jeremy Boccabello (von der anglo-katholischen Diocese of the Holy Cross), der nordisch-katholische Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad und der Generalsekretär der Union von Scranton, Erzpriester Robert M. Nemkovich Jr. Zu Gast waren unter anderen Erzbischof Dr. Anthony A. Mikovsky (leitender Bischof der Polnisch-Katholischen Nationalkirche von Amerika, PNCC), Bischof Bernard Nowicki (Diözesanbischof der Central Diocese der PNCC), der designierte nordisch-katholische Bischof und derzeitige Generalvikar Ottar Mikael Myrseth samt weiteren hochrangigen norwegischen Gästen — ferner aus der Anglikanischen Kirchengemeinschaft der Kirchenjurist und Bischof Dr. Kevin Donlon sowie Bischof Gerald Schnackenberg.

Ein besonderer Höhepunkt des Tagungsprogramms war ein kurzer Ausflug zum Mainzer Dom, um dort in der neunhundert Jahre alten Gotthard-Kapelle das Offizium in englischer und deutscher Sprache zu feiern. Dem Mainzer Diözesanbischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf gilt unser herzlichster Dank für die Ermöglichung dieser intensiven geistlichen Erfahrung!

Laudes im Mainzer Dom, Gotthard-Kapelle

Die Eucharistiefeier zum Sonntag Septuagesimae wurde von der Nordisch-Katholischen Mission in Deutschland unter Leitung von Bischofsvikar Prof. Herzberg als Zelebrant gestaltet; als Kantor und Organist wirkte Pfarrer Lauritz Elias Pettersen. Unter den Konzelebranten war neben Bischof electus Ottar Myrseth auch Pfarrer Dieter Kniese, der zu den dienstältesten altkatholischen Priestern in Deutschland zählt. Die Predigt — über Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg — hielt Erzbischof Dr. Mikovsky persönlich.

Inhaltlich geplant wurde das Symposium maßgeblich von Bischof Dr. Flemestad; die organisatorische Hauptverantwortung lag bei Archidiakon Dr. Daniel Gerte. Das Martinuswerk e.V. gewährte einen Zuschuss zur Tagung und war vor Ort durch seinen Schatzmeister, Dipl.-Ing. Michael Berghoff, vertreten.

Deo gratias!

Martinuswerk unterstützt Hospiz in Soest

Gebet und Spende für das Christliche Hospiz Soest

Am vergangenen Freitag, den 31. Januar 2020, besuchte der Vorsitzende des Martinuswerks e.V., Archidiakon Dr. Daniel Gerte, das Christliche Hospiz Soest gGmbH. Dort überreichte er eine Spende des Martinuswerks und führte ein einstündiges Gespräch mit dessen Leiterin, Frau Angelika Köster, zwecks Erfahrungsaustausch zu Glaube und Spiritualität in der Seelsorge. Ein Gebet im Raum der Stille für alle Patienten und Mitarbeiter des Hauses beschloss den Besuch.

Das beim Amtsgericht Arnsberg als gemeinnütziger Verein eingetragene Martinuswerk ist der deutsche Förderverein der altkatholischen Union von Scranton. Dessen Vorsitzender Dr. Daniel Gerte ist zugleich Priester und Archidiakon der Nordisch-Katholischen Mission in Deutschland, einer 2012 gegründeten Missionspfarrei der Union von Scranton unter der bischöflichen Aufsicht von Bischof Dr. Roald Nikolai Flemestad (Oslo).

Paulus: Eiferer für die Sache Jesu, um der Menschen willen

Gedanken von Gabriele Gerte und F. Irenäus Herzberg

Apostel Paulus: Mosaik, Oratorium Sant’Andrea, Ravenna, 5. Jh.

Am 25. Januar feiert die Kirche das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus von Tarsus. Ein Anlass, sich etwas näher mit diesem Glaubenszeugen zu beschäftigen: Wer war Paulus eigentlich?

Geschichtlich gesichert ist folgendes:

Saulus, später als Paulus bekannt, war ein gebildeter, vermögender und gesetzestreuer Jude mit römischem Bürgerrecht. Er war der griechischen, aramäischen und hebräischen Sprache mächtig und studierte als Schüler des Gamaliel in Jerusalem. Er gehörte als eifriger gesetzestreuer Jude zu den Pharisäern – jener Fraktion, die eine strenge Befolgung der mosaischen Gesetze und aller übrigen jüdischen Traditionen lehrte (vgl. z.B. Mk 7,5.13). Es ist bekannt, dass er hartnäckig die Christen verfolgte und bereits zur Steinigung des Stephanus Beihilfe leistete (vgl. Apg 7,58).

Dann aber geschah etwas völlig Unerwartetes: Auf einer Reise nach Damaskus, die ebenfalls der Christenverfolgung dienen sollte, hatte er eine Erscheinung Jesu:

Während er nun so dahinzog und schon in die Nähe von Damaskus gekommen war, umstrahlte ihn plötzlich ein Lichtschein vom Himmel her; er stürzte zu Boden und vernahm eine Stimme, die ihm zurief: »Saul, Saul! Was verfolgst du mich?« Er fragte: »Wer bist du, Herr?« Jener antwortete: »Ich bin Jesus, den du verfolgst! Doch stehe auf und geh in die Stadt hinein: dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!« Saulus erhob sich dann von der Erde; obwohl jedoch seine Augen geöffnet waren, konnte er nichts sehen: an der Hand musste man ihn nach Damaskus hinführen, und er war drei Tage lang ohne Sehvermögen; auch aß und trank er nichts.

(Apg 9,3-6.8.9)

Ein in Damaskus lebender Jünger namens Hananias legte ihm die Hände auf und sprach:

»Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist: du sollst wieder sehen können und mit heiligem Geist erfüllt werden.« Da fiel es ihm sogleich von den Augen ab wie Schuppen: er konnte wieder sehen, stand auf und ließ sich taufen. Einige Tage war er nun mit den Jüngern in Damaskus zusammen; dann predigte er sogleich in den dortigen Synagogen von Jesus, dass dieser der Sohn Gottes sei.

(Apg 9,17-18.19b.20)

Was für ein gewaltiges, unbeschreibliches, beeindruckendes und umwälzendes Erlebnis muss Saulus widerfahren sein, dass er sein bisheriges Leben und seine Lebensweise aufgab und sprichwörtlich sein Leben auf den Kopf stellte?! Dieses Erlebnis hat ihm quasi den Boden unter den Füßen weggezogen. Alles was vorher war und zählte (Reichtum, Macht, Gesetzestreue usw.) „sah“ er plötzlich nicht mehr. Er war wie umgewandelt, wie neugeboren, neugeboren im Licht Jesu. Der Herr hat ihn tief beeindruckt, seine Worte und seine Lehren waren für ihn, den gläubigen Juden, nun das Maß aller Dinge. Er verinnerlichte seine Lehre so sehr, dass er, wie auch Jesus, den Menschen sogar über das mosaische Gesetz stellte. Anstatt die Jünger Jesu zu verfolgen, wurde er nun selbst ein Verkünder Jesu. Er fühlte sich als Apostel berufen (u.a. 2. Kor 13,10, Gal 1,1.12), alle Menschen, auch Nicht-Juden („Heiden“), zu bekehren.

Diese Heidenmission, ursprünglich begonnen durch Petrus (Apg 10,44ff, 15,14), brachte ihm jedoch schon recht bald Ärger mit einigen Judenchristen ein. Für diese zählte nämlich die Beschneidung der Männer und die Einhaltung der übrigen mosaischen Gesetze – einschließlich der Ritualgesetze – zur unbedingten Voraussetzung, um Christ zu werden (u.a. Apg 15,1.5; 16,3). Paulus konnte diese Position eigentlich sehr gut nachvollziehen, war er doch selbst einst „Eiferer für die von den Vätern überkommenen Überlieferungen“ (Gal 1,14) gewesen – jenen Überlieferungen, die sogar einen „Zaun um das Gesetz“ (so das geflügelte rabbinische Wort) legen wollten, damit es ja nicht übertreten werde. Doch nun hatte Paulus erkannt: Es geht Gott zuallererst um den Menschen, welchen er ja nach seinem Bilde erschaffen hat (Gen 1,27) und dem er Orientierung, Anleitung zu einem gelungenen Leben geben will. Als Jünger Jesu hatte Paulus verstanden: Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht umgekehrt (Mk 2,27).

Muss man trotzdem zunächst ein frommer Jude wie Jesus, Maria und die ersten Jünger sein, bevor man Christ werden kann? Diese wichtige Frage wurde auf dem Apostelkonzil von Jerusalem, gleichsam der ersten Synode der Kirchengeschichte, verhandelt. Paulus war mit der Mehrheit der Apostel und insbesondere Jakobus der Ansicht, dass man die Einhaltung des mosaischen Ritualgesetzes wie etwa die Beschneidung nicht von den Nicht-Juden verlangen könne (u. a. Apg 15,19). Lediglich die wenigen heidnischen Bräuche, durch welche die Tischgemeinschaft von Heidenchristen und gesetzestreuen Judenchristen auf Dauer unmöglich würde (nämlich der Verzehr von blutigem, ersticktem oder auf Götzenaltären geopferten Fleisch – sowie eheähnliche Beziehungen zwischen nahen Verwandten), wurden den Heidenchristen untersagt; für diese Entscheidung berief man sich ausdrücklich auf den Beistand des Heiligen Geistes (Apg 15,28f).

In seinem berühmten Brief an die Kirche von Rom, die er um Unterstützung für eine Missionsreise ins ferne Spanien ersuchte (Röm 15,24), führte Paulus diese Einsicht noch weiter, indem er schrieb: „Wir halten dafür, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde ohne Gesetzeswerke.“ (Röm 3,28) Hier geht es nun nicht allein um das rechte Verständnis des mosaischen Ritualgesetzes. Nein, es geht, wie die vorangehenden Verse zeigen (Röm 3,23-25), um noch viel mehr – um eine letztlich alles entscheidende Botschaft für die Menschen aller Zeiten und Kulturen: Dass nämlich Gott, welcher in Christus selbst Mensch geworden ist, jeden Menschen annimmt und rechtfertigt, der wirklich an ihn glaubt – d.h. tatsächlich jeden, der auf die von Jesus (am Kreuz) erworbene Erlösung vertraut. Wenn Gott eines Tages unser Leben beurteilt, kommt es also nicht darauf an, ob „unsere guten Taten unsere bösen Taten aufwiegen“ – sondern darauf, dass wir in diesem Leben auf Jesus Christus vertraut haben.

Natürlich führt der echte Gottesglaube notwendigerweise dazu, Gott und die von ihm geschaffenen Menschen zu lieben – und sich dafür an den guten Geboten Gottes zu orientieren. Doch auch wer erst am Lebensende seine Lieblosigkeit erkennt, bereut und auf die Barmherzigkeit Gottes durch Jesus Christus vertraut, wird um dieses Glaubens willen von Gott gerechtfertigt und im Endgericht gerettet. Das wohl berühmteste Beispiel hierfür findet sich in der Gestalt des „Schächers“ am Kreuz (Lk 23,38-43).

Doch zurück zur Person des Paulus: Blieb er zeitlebens ein Eiferer? Nun, gewiss nicht mehr im Sinne des Eifers für jegliche jüdische Überlieferung. Als Eiferer bezeichnet man jedoch im eigentlichen Sinne des Wortes eine Person, die sehr zielstrebig vorgeht, um sich ganz und ungeteilt für ein bestimmtes Anliegen einzusetzen. Dies trifft auf Paulus gewiss zu: Er war von Jesu Lehre und Leben derart überzeugt, dass er unbeirrt und unter größten Schwierigkeiten (Widerstand der Juden, Prügel, Steinigung, Gefängnisaufenthalte, Krankheit, Hunger, Schiffbruch usw., 2 Kor 11, 23-28) weite Reisen in ferne Länder (Kleinasien, Griechenland, Italien, ggf. Spanien usw.) auf sich nahm, um den rettenden Glauben an Jesus Christus zu verbreiten. Für die Sache Jesu war Paulus gewiss ein Eiferer, aber stets aus Liebe zu den Menschen.

Fazit

Paulus war ein unermüdlicher Eiferer in der Verkündigung des Evangeliums und der Lehre Jesu. Für Jesus Christus nahm er alle Strapazen und Konfrontationen auf sich. Seine Reden waren provozierend, ja oft sogar recht barsch und ruppig, gelegentlich mit scharfer Ironie, mit eigentümlicher Demut trotz allem Sendungsbewusstsein. Unbeirrt und unerschrocken vertrat er seine Glaubenslehre. Ihm war wichtig, dass alle Menschen seine Reden hörten und somit die Chance erhielten zum Glauben an Jesus Christus zu kommen. Paulus war überzeugt, dass nur der Glaube an Jesus und seine Heilslehre die Menschen retten und erlösen können. Die Gebote Jesu, wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung, waren für ihn nun das Maß aller Dinge. Die Einhaltung der mosaischen Gesetze galt ihm nicht mehr als Voraussetzung dafür, dass ein Mensch den Glauben annehmen und Christ werden kann. Allein der Glaube an Jesus und ein Leben nach seinen Lehren waren für ihn maßgeblich. Dafür setzte er sich ein und stritt sich mit manchen Gemeindevorstehern der Judenchristen und auch mit weltlichen Herrschern. Es ist zu betonen, dass Paulus bei seiner Glaubensverkündigung nie Druck, geschweige denn Gewalt anwandte, obwohl er selbst Gewalt erfuhr. Trotz aller Widrigkeiten (Krankheit, Verfolgung und Gewalt) verfolgte er unbeirrt sein Ziel, möglichst viele Menschen zum Glauben an Jesus zu führen. Er bereiste dazu viele Länder bis zu seinem Märtyrertod und, wie die Geschichte zeigt, mit Erfolg. Paulus gilt heute als Mitbegründer der Christenheit. Sein Einsatz war nicht umsonst. Paulus, der Eiferer, Provokateur und Streiter für die Sache Jesu ist bis heute unvergessen.

Ein frohes, gesegnetes Christfest

[Giotto di Bondone, ca. 1305: Anbetung der Weisen]

… sowie ein glückliches Jahr 2020
unter der Führung und dem Schutz
des menschgewordenen, menschenliebenden Gottes

wünschen wir, herzlich dankend für alle Verbundenheit,
all unseren Mitgliedern, Interessenten und ökumenischen Freunden!

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, 
dass er seinen einzigen Sohn hingegeben hat, 
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, 
sondern ewiges Leben haben.

Johannesevangelium 3,16